Anderthalb Jahrzehnte Schweigen

Korruptionsskandal: Schon 2000 soll der Vertrag Beckenbauer-Warner der DFB-Spitze bekannt gewesen sein

Ex-DFB-Generalsekretär Horst Rudolf Schmidt hat eingeräumt, den ominösen Vertrag zwischen Franz Beckenbauer und dem korrupten Ex-FIFA-Funktionär Jack Warner bereits im Jahr 2000 gekannt zu haben.

Wer soll die Herren vom DFB eigentlich noch ernst nehmen? Noch vor dem Krisentreffen der umformierten DFB-Spitze am Rande des Länderspiels in Paris am Freitag wurde bekannt, dass der Deutsche Fußball-Bund bereits vor 15 Jahren über den Vertrag informiert worden war, den Franz Beckenbauer damals mit Jack Warner, zu dieser Zeit Chef des Fußballverbandes für die Karibik, Nord- und Mittelamerika, geschlossen haben soll. Dies hätten die Untersuchungen der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer beim DFB ergeben, berichtete die »Süddeutsche Zeitung«.

Im Laufe des Tages räumte dann der ehemalige DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt die Kenntnis des Vertrags ein. »Ich kann bestätigen, das Papier im Jahr 2000 gesehen zu haben«, sagte der 73-jährige WM-Mitorganisator der »Bild« und fügte einen sibyllinischen Nachsatz an, der symptomatisch für das Auftreten des DFB-Clans in diesen Tagen ist: »Und ich glaube auch, dass ich nicht der Einzige war, der es gesehen hat.«

Nicht der Einzige, nun ja. Es bleibt vorerst alles beim Alten: Niemand sagt mehr, als er unbedingt muss - so hält es die alte Garde des größten Einzelsportverbandes der Welt. Währenddessen ermitteln Freshfields und Partner weiter in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main - übrigens eine Anwaltskanzlei und nicht etwa eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die in so einem Fall womöglich noch mehr zutage fördern könnte.

Im DFB, der in Sachen Krisenmanagement zuletzt nicht übermäßig glücklich agierte, deutete sich noch vor dem Treffen am Freitag ein Machtkampf zwischen den beiden Interims-Chefs an. Während Rainer Koch verkündet hatte, der Verband werde vor der EM ganz sicher eine neue Verbandsführung installiert haben, konterte sein Kompagnon Reinhard Rauball im ZDF-Morgenmagazin, es bedürfe Zeit, den DFB neu aufzustellen: »Es reicht nicht, wenn ein Kopf durch einen anderen Kopf ersetzt wird, und danach läuft wieder alles ganz normal.«

Rauball, der gleichzeitig der Präsident des Ligaverbandes DFL und damit ein Vertreter des Profilagers im DFB ist, stellt sich damit recht offen gegen DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel, der als Wunschkandidat der Amateur-Fraktion des fast sieben Millionen Mitglieder zählenden Verbandes gilt.

Der bisher wenig auffällige CDU-Bundestagsabgeordnete Grindel gerät derweil im politischen Berlin in die Kritik - wegen seiner Doppelrolle als Funktionär und Politiker. »Berliner Zeitung« und »Deutschlandfunk« präsentierten gestern einen Brief aus dem Jahr 2013, in dem der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und sein Generalsekretär Helmut Sandrock schreiben, sie hätten mit Grindel vereinbart, dass der 54-Jährige im Bundestag »parteipolitisch umstrittene Themenfelder nicht in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellen« und sich »vielmehr sportpolitischen Fragestellungen zuwenden« werde.

Das Schreiben von Niersbach und Sandrock war an die Unterzeichner eines Offenen Briefes gerichtet, die sich zuvor gegen eine Wahl Grindels zum DFB-Schatzmeister ausgesprochen hatten, weil dessen Äußerungen zu Integrationsfragen »Stammtischparolen« gleichen würden: Grindel hatte in einer Rede vor dem Bundestag dafür plädiert, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund sich für eine Staatsangehörigkeit entscheiden müssten.

Das Gesetz ist außer Kraft, Grindel mittlerweile DFB-Schatzmeister, ordentliches Mitglied des Sportausschusses und auch dessen stellvertretender Vorsitzender. Er bestreitet, dass es eine derartige Vereinbarung mit dem DFB gegeben habe.

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