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Die Ungarn sind zurück

Nach 44 Jahren schaffen es die Fußballer wieder zur EM

  • Von Pirmin Closse, Budapest
  • Lesedauer: 3 Min.

Auch dem deutschen Trainerduo Bernd Storck und Andreas Möller war nach Ungarns historischem EM-Coup nicht nach Feiern zumute. »Wir haben hier einen Trauertag«, sagte Nationaltrainer und Sportdirektor Storck, sein Assistent Möller äußerte nach den Eindrücken des Wochenendes: »Wir haben zehn Tage so hart gearbeitet, auch wenn es uns nach den Anschlägen in Paris schwer gefallen ist, über Fußball zu sprechen.«

Der Terror von Frankreich lag auch über Ungarns erster Qualifikation für eine EM-Endrunde seit 44 Jahren wie ein Schatten. Selbst in den ungarischen Medien dominierten am Montag, einen Tag nach dem 2:1 (1:0)-Sieg im Playoff-Rückspiel gegen die Norweger, andere Themen. Lediglich die Zeitung »Magyar Hirlap« begrüßte die Nationalelf euphorisch »zurück im Kreis von Europas Fußball-Elite«.

Für 90 Minuten stand der Fußball am Sonntagabend in Budapest im Mittelpunkt. Leidenschaftlich und wild entschlossen hatten die Ungarn im strömenden Regen um ihren EM-Traum gekämpft und damit auch das Publikum in der nahezu ausverkauften Groupama-Arena mitgerissen. Tamas Priskin (14.) traf sehenswert zur Führung für die Gastgeber, der Norweger Markus Henriksen sorgte mit Treffern in das falsche (83.) und das richtige (87.) Tor für den Endstand.

Nach dem Erfolg verlängerte der ungarische Verband die Verträge des deutschen Trios Storck, Möller sowie Torwarttrainer Holger Gehrke bis zum Ende des Turniers in Frankreich. Storck war ursprünglich verpflichtet worden, um als Sportdirektor den ungarischen Jugendfußball voranzubringen. In den Playoff-Duellen mit Norwegen hatte er beste Werbung für sich betrieben. Der langjährige Bundesliga-Profi und langjährige Co-Trainer von Jürgen Röber hatte die Mannschaft erst im Juli von Pal Dardai übernommen, dem Hertha BSC eine weitere Doppelfunktion als Vereins- und Nationaltrainer untersagt hatte.

Storck bewies gleich mehrfach ein glückliches Händchen. Im Hinspiel etwa zauberte er Laszlo Kleinheisler aus dem Hut - eigentlich in der Reservemannschaft des FC Videoton Székesfehérvár in der dritten ungarischen Liga im Einsatz. Prompt erzielte der 21-Jährige den 1:0-Siegtreffer. Am Sonntag war es dann Torschütze Priskin, der im vergangenen Jahr nur einen einzigen Treffer im Nationaltrikot erzielt hatte. »Ich freue mich sehr, dass Bernd Storck das mit der Mannschaft geschafft hat«, übermittelte Vorgänger Dardai am Montag seine Glückwünsche auf der Homepage von Hertha BSC: »Ich konnte ihm so etwas wie ein Fundament übergeben, er hat noch etwas draufgepackt.«

Die Rückkehr der einstigen Fußballmacht in Europas Spitze ist auch ein Resultat konsequenter Aufbauarbeit. 1938 und 1954 stand die damals wohl eleganteste Mannschaft der Welt im WM-Finale, triumphierte zudem bis 1968 gleich dreimal bei Olympischen Spielen. Nach jahrzehntelanger Erfolglosigkeit ordnete der autoritär regierende Premierminister Viktor Orban 2010 ein umfangreiches Konjunkturprogramm an. Die EM-Qualifikation ist ein erstes Erfolgserlebnis. SID/nd

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