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»Der Markt wird es nicht tun«

Leipziger Experten untersuchten Leerstandsquoten und fordern mehr sozialen Wohnungsbau

Wann ist Wohnungsleerstand ein Problem? Das fragten sich Leipziger Stadtsoziologen und sortierten Leerstandsquoten von Städten. Die großen Unterschiede werden trotz Flüchtlingszustroms noch wachsen.

Leipzig. Nur jede dritte Kommune in Deutschland hat einer aktuellen Studie zufolge einen angemessenen Wohnungsleerstand. Eine Spanne zwischen drei und fünf Prozent Leerstand sei als Optimum von Angebot und Nachfrage zu verstehen, teilte das Team um den Stadtsoziologen Prof. Dieter Rink am Montag in Leipzig mit. In einem Viertel der Städte und Gemeinden liege der Leerstand jedoch unter diesem Optimum. In fünf Prozent der Kommunen ist der Leerstand mit zehn Prozent und mehr hingegen sehr hoch. Die Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung UFZ hatten zuvor die erste Gebäude- und Wohnungszählung im vereinigten Deutschland aus dem Jahr 2011 mit Blick auf Leerstand ausgewertet.

Die knapp 1,32 Millionen leerstehenden Wohnungen verteilen sich demnach regional sehr unterschiedlich. Im Westen liege der durchschnittliche Leerstand bei 3,3, im Osten bei 7,6 Prozent. In großen Städten reiche die Spanne von unter zwei Prozent Leerstand und damit Wohnungsnot - wie etwa in Hamburg - bis zu mehr als zwölf Prozent freier Wohnungen in Leipzig.

Laut Studien-Autor Rink ist Leipzig allerdings ein Sonderfall. Seit der bundesweiten Erhebung von 2011 habe sich der Leerstand hier wegen des rapiden Bevölkerungswachstums halbiert. Auch in Hamburg, Berlin und München dürfte sich die Wohnungsknappheit seither verschärft haben. Die Erhebung von Leerstand müsse daher verstetigt werden, forderte Rink. Die Daten der Gebäude- und Wohnungszählung von 2011 waren erst im Sommer 2014 veröffentlicht worden.

Die Leerstandsquoten sagten nichts über das Angebot an preisgünstigen Wohnungen aus, so der Stadtsoziologe Rink. Sozialer Wohnungsbau wäre in vielen Städten nötig, um die Versorgung für alle sicherzustellen. »Deshalb ist die Politik gefordert, auch mit Blick auf die Flüchtlingszahlen, die Versorgung für alle sicherzustellen, denn der Markt wird es nicht tun.«

Das Team um Dieter Rink vermutet, dass bleibeberechtigte Flüchtlinge nach dem Ende ihrer Asylverfahren ihren Wohnort nach ähnlichen Kriterien wählen werden wie die ansässige Bevölkerung. Entscheidend seien gute Aussichten auf einen Arbeitsplatz und und eine gute Infrastruktur.

Kommunen mit knappem Angebot, gerade bei preiswertem Wohnraum, fehle es meist an Geld und damit an Handlungsspielraum. »Der soziale Wohnungsbau kann dann nur noch durch Bund- oder Länderprogramme sowie private Investoren getragen werden«, sagte Rink. Sachsen habe kein Wohnungsbauprogramm, weil Leipzig und Dresden mit dem Wohnungsproblem eher allein seien im Freistaat. »Aber diese beiden Städte bräuchten es«, schätzte Rink ein. »Es müsste gelingen, zu vermitteln, dass mit öffentlichen Geldern in Städtchen und dem ländlichen Raum nicht gebrauchter Wohnraum abgerissen wird, während er gleichzeitig mit öffentlichen Geldern in den Metropolen gebaut wird.« dpa/nd

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