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Filmland in spe sucht Filmemacher

Mecklenburg-Vorpommern will sich als Drehort besser vermarkten - ein neuer Fallada-Film könnte dabei helfen

Eine Servicestelle für Filmproduzenten soll künftig Drehorte in Mecklenburg-Vorpommern präsentieren und bewerben. Carwitz ist schon entdeckt - dort wird derzeit ein neuer Fallada-Film gedreht.

Schwerin. Mecklenburg-Vorpommern will sich als Drehort für Filme international besser vermarkten und plant eine Servicestelle für Filmproduzenten. Für die Einrichtung einer solchen Stelle hat das Wirtschaftsministerium ein europaweites Vergabeverfahren eröffnet, wie ein Ministeriumssprecher am Dienstag in Schwerin mitteilte.

Die Einrichtung soll auf Messen und Festivals im In- und Ausland mögliche Drehorte im Land präsentieren und bewerben. Außerdem soll sie Produktionsfirmen bei der Suche nach Drehorten, Branchendienstleistern sowie nach kreativem und technischem Personal unterstützen.

Nach Ansicht des Wirtschaftsministeriums bietet das Land nationalen und internationalen Filmproduzenten vor allem mit seinen Naturressourcen und seiner Bausubstanz interessante Drehstandorte. Bewerbungen können noch bis zum 1. Dezember eingereicht werden.

Derzeit dreht Regisseur Christoph Weinert in Carwitz (Mecklenburgische Seenplatte) ein Doku-Drama über das Leben des Schriftstellers Hans Fallada (1893-1947). Er nutzt dazu authentische Orte wie das ehemalige Wohnhaus Falladas, das heute ein Museum ist. In den 1980er Jahren war in der DDR unter der Regie von Roland Gräf bereits die DEFA-Filmbiografie »Fallada - Letztes Kapitel« gedreht worden - unter anderen mit Jörg Gudzuhn und Jutta Wachowiak.

Die neue Dokumentation solle im Sommer 2016 beim Kultursender Arte gezeigt werden, sagt Weinert. Der Film soll in 52 Minuten erstmals umfassend literarisches Schaffen und auch Alkohol-, Drogen- und psychische Probleme Falladas, der mit bürgerlichem Namen Rudolf Ditzen hieß, beleuchten.

Zwölf Schauspieler, einige Hühner und etwa 15 Komparsen hat die Hamburger Produktionsfirma für Arte am Start. Michael Schenk spielt den reifen Fallada, Bill Becker den Dichter in jungen Jahren. Der Verleger Ernst Rowohlt (1887-1960), mit dem Fallada befreundet war, wird von Gerd Wameling verkörpert.

»Der Film gehört in eine Dichterreihe«, erklärt der Regisseur. Erst wurde ein Doku-Drama über Kurt Tucholsky (1890-1935) gedreht. Der Film hatte 2014 so viel Erfolg, dass die Reihe fortgesetzt wird. »Da Tucholskys große Erfolge da endeten, wo Fallada begann, haben wir diesen Dichter gewählt«, sagt Weinert. Danach soll ein Film über Heinrich Böll (1917-1985) folgen. »Man könnte sagen, Fallada hat fünf Leben gelebt«, meint Weinert. Nach seinem Welterfolg mit dem Roman »Kleiner Mann, was nun« war viel Geld vorhanden. Einen Teil brachte Fallada in Berlin unter anderem bei Glücksspielen durch. In Carwitz habe er dann 1933 seine Scholle gefunden, sagt Weinert. Hier habe Fallada, der nicht auswandern wollte, auch seine innere Emigration vor dem NS-Regime gelebt. Dabei habe er um seine Schreiberlaubnis von der damaligen Reichsschriftkammer der Nationalsozialisten oft bangen müssen.

Die ersten zehn Jahre mit den damals noch drei kleinen Kindern werden zu den glücklichsten Falladas gezählt. In Carwitz schrieb er »Wolf unter Wölfen« und die »Geschichten aus der Murkelei«, die vor Ort am häufigsten verkauft werden.

Gedreht wurde auch bei Neustrelitz. Dort war der Dichter für mehrere Wochen in der damaligen »Landesirrenanstalt Domjüch« untergebracht. Historische Aufnahmen und Bilder sollen den Streifen komplettieren.

Besonders freuen sich Weinert und das Produktionsteam, dass man am authentischen Ort drehen kann. Das sei nicht selbstverständlich. »Wir stellen das Haus sehr gern dafür zur Verfügung«, sagt Museumsleiter Stefan Knüppel. Als 1988 in Carwitz der Fallada-Film der DEFA gedreht wurde, hatte es vor Ort nur ein Gedenkzimmer für den Dichter gegeben. Inzwischen gilt Carwitz, wo auch das Fallada-Archiv seinen Sitz hat, als gefragter authentischer Dichter- und Studienort. dpa/nd

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