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Ein Schub für das Barock-Universum

Wird Schloss Friedenstein im thüringischen Gotha nun bald vollständig saniert?

Lange haben Denkmalpfleger und Fans vom Schloss Friedenstein in Gotha auf Geld aus Berlin gehofft. Nun könnte der Traum, das Barockschloss komplett zu sanieren, in zehn Jahren Wirklichkeit werden.

Gotha. Die Sanierung des Bau- ensembles von Schloss Friedenstein Gotha (Thüringen) dauert, könnte aber binnen zehn Jahren abgeschlossen werden. Der Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Helmut-Eberhard Paulus, zeigte sich am Dienstag bei einem Rundgang durch Schloss, Englischen Garten und Orangerie davon überzeugt, dass dieses ehrgeizige Ziel gelingen könnte. Der Bund habe 30 Millionen Euro zugesagt unter der Bedingung, dass das Land den gleichen Anteil aufbringe. Dann stünden 60 Millionen Euro bereit. Schon in den vergangenen Jahren waren 20 Millionen Euro in das Ensemble geflossen, eine der größten frühbarocken Anlagen in Deutschland. Das Schloss wurde 1654 unter Herzog Ernst dem Frommen fertig, wenige Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges. Der Name Friedenstein ist Programm.

Der ersehnte Geldsegen dürfe die Stiftung jetzt nicht dazu verleiten, die bisherigen Pläne über den Haufen zu werfen und neue Projekte und Begehrlichkeiten in Angriff nehmen zu wollen, sagte Paulus. »Wir müssen stattdessen den 2007 beschlossenen Masterplan präzise und pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk abarbeiten.« 2016 solle im Westflügel mit ersten Arbeiten begonnen werden. Allein dort werde etwa ein Sechstel der Fördersumme benötigt. »Unmittelbar nach der Sommerpause«, so Paulus, »wollen wir mit dem ersten Hammerschlag ein Zeichen setzen.« Wenn alles glatt laufe, könnte möglicherweise auch die dringend notwendige Sanierung des Glashauses zum Überwintern von Kamelie und Co. beginnen. Der Sammelleidenschaft und Aufgeschlossenheit der Herzöge für Kunst, Wissenschaft und Natur verdankt Gotha seine einmaligen Sammlungen und das Schlossensemble. Unter dem Begriff »Barockes Universum« sollen sie weiter zu einem Touristenmagneten entwickelt werden.

Der Sanierungsbedarf sei noch immer gewaltig, sagte Paulus. Teile des Daches vom Nord- und Ostflügel müssten neu gedeckt werden. In der Beletage werden unter anderem der Betraum, der Schlafraum und das Porzellankabinett restauriert. Davor stünden allerdings noch umfangreiche restauratorische Untersuchungen an und die Entscheidung, welche der vielen Farbfassungen am Ende wieder zu sehen sein soll. »Es wird nicht alles in neuem Glanz oder altem Glanz wiedererstehen«, sagte der Stiftungsdirektor. »Unsere Absicht ist es, den alten Eindruck wieder herzustellen.« Allein für jedes der genannten Beletagezimmer könnten Kosten im sechsstelligen Bereich entstehen. »Wir rechnen mit vielen Überraschungen.« dpa/nd

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