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Wir wären beinahe glücklich geworden

Matthias Zwarg überzeugt mit Gedichten über »des Lebens schwere Leichtigkeit«

Noch ist er fast unbekannt in der Phalanx heutiger Poeten: Matthias Zwarg, Jahrgang 1958, in Bad Düben geboren, Bibliothekar, seit der Wende Journalist und heute Leiter des Buchprogramms der »Freien Presse« Chemnitz, gehört zu den Herausgebern einer Lyrik-Zeitung, die neue Autoren vorstellt. Nun gibt er selber seine Visitenkarte ab. Der vorliegende Band ist so etwas wie ein Selbstporträt, er erzählt über die Jahre hinweg in einer Gedanken- und Bilderwelt, ein Lied für alle und für jeden, wie es in einem zentralen Gedicht des Bandes heißt.


Matthias Zwarg: Flugblätter. Gedichte 1990-2015.
Mironde Verlag. 93 S. geb., 19 €.


Was dem Leser seiner Verse sofort auffällt, es ist der Reim, den er nicht scheut, die Musikalität. Er verzichtet auf die heute beliebte Modernität des Gedichts. Seine Verse verschließen sich nicht dem Leser, sie öffnen sich ihm. Ganz offensichtlich ist hier das Liedhafte, das Balladeske auch. Manchmal erinnert das an den Reinhard-Mey-Ton, an die Bluestexte von Tom Waits oder an Jason Webleys Songs. Die Namen der beiden Amerikaner finden sich denn auch in seinen Gedichten. Hier wird die musikalisch-poetische Herkunft von Zwarg sichtbar, der freilich ganz eigenständig ist.

Er stellt Fragen an sich und seine Welt, es sind Hymnen an »des Lebens schwere Leichtigkeit«. So erweist sich sein Gedicht »Das Ende des Glücks« als eine Art philosophisches Resümee: »Wir wären beinahe glücklich geworden/ Aus Versehen und ganz ohne Not/ Zwischen Herden, Vehikeln und Horden/ Zwischen Überleben und Tod ...«. Es endet mit der dialektischen Wendung »Dass wir erst aufhören, glücklich zu sein/ Wenn wir es endlich sind«.

Die Themen seiner Gedichte, sie sind angesiedelt in den Landschaften der Liebe, der Zweisamkeit, aber zugleich auch in den Konfliktfeldern unserer Welt. »Und diese Zeit vergeht ganz unbestimmt.« Zwargs Gedichte sind Nachfragen, wie dies alles mit ihm und in seiner Lebenswelt geworden ist, und er gibt keine Antworten für jedermann, sondern es öffnen sich neue Fragen: »Auf dem Friedhof unsrer Träume/ Liegen Hoffnung, Scham und Glück/ Blühen Blumen, wachsen Bäume/ In den Himmel und zurück«.

»Flugblätter« nennt er seinen Band. Er sendet Nachrichten, die bei aller Melancholie im Ton die Hoffnung weitertragen: »Keine Kraft auf Erden/ Kann schwächer als wir selber werden«. So formuliert es das Titelgedicht des Buches. Vielleicht ist es dies, was die anrührende Melodie der Verse für uns zugänglich und brauchbar macht: kein billiger Optimismus und ebenso wenig Weltschmerz, wie er sich heute so oft stilisiert. Seine Gedichte gewinnen aus den Realitäten seines Lebens ein schönes Maß an Freundlichkeit und Hoffnung. Osmar Osten, der Chemnitzer Malerfreund, hat dem Band Blätter von ganz einfacher, skizzenhafter Struktur beigegeben, hinter denen sich eine ähnliche, ironisch getönte Botschaft verbirgt.

Zwargs »Flugblätter. Gedichte 1990-2015« sind, wenngleich einem das Inflationäre dieses Begriffs bewusst ist, ein Ereignis: Hier ist ein Dichter, höret nur.

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