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Volkswagen engagiert Unionbuster

Die Gewerkschaft UAW will bei VW in den USA Fuß fassen, der Konzern will das verhindern

  • Von Vincent Theodor
  • Lesedauer: 4 Min.

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Volkswagen ist mit dem Versuch gescheitert, eine Gewerkschaftswahl an seinem einzigen Standort in den USA auf juristischem Wege zu verhindern. In der kommenden Woche wird gewählt.

Mit einem Monat Verspätung wird am 3. und 4. Dezember am einzigen Produktionsstandort von Volkswagen in den Vereinigten Staaten gewählt. Rund 165 Facharbeiter der Instandhaltung können dann in geheimer Wahl darüber entscheiden, ob sie künftig gewerkschaftlich vertreten werden wollen. Der Urnengang war bereits im Oktober von der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) beantragt worden, die eine der einflussreichsten Gewerkschaften in den USA ist. VW legte jedoch umgehend Beschwerde beim National Labor Relations Board (NLRB) ein, der für Arbeitsbeziehungen zuständigen US-Bundesbehörde. Mit dem Ergebnis, dass die Wahl verzögert wurde. Verhindern konnte das Unternehmen die Abstimmung jedoch nicht.

Rechtlich ist es in den USA so, dass die Belegschaft oder eben eine abgrenzbare Gruppe von Beschäftigten per Mehrheitswahl vor dem NLRB nachweisen, dass sie sich vertreten lassen wollen. Erreichen sie das Ergebnis 50 Prozent plus mindestens eine Stimme nicht, bleibt die Gewerkschaft draußen.

VW hatte in seinem Widerspruch angeführt, die Facharbeiter der Instandhaltung ließen sich nicht als Gruppe definieren, sondern seien integraler Bestandteil der Gesamtbelegschaft in der Produktion. Deshalb sei die von der Gewerkschaft beantragte Wahl unzulässig. Wenn schon, so das Unternehmen, dann müssten alle Arbeiter gleichzeitig zur Urne gerufen werden. Eine Rechtsauffassung, der das NLRB in seiner Entscheidung vom 18. November klar widersprach.

VW hatte in den vergangenen Jahren wiederholt betont, man verhalte sich auch in den USA Gewerkschaften gegenüber neutral. Damit scheint es nun vorbei zu sein. Denn bereits der Versuch, die Wahl juristisch zu verhindern, stellte einen unfreundlichen Akt dar. Dass sich VW dabei ausgerechnet einer Wirtschaftskanzlei wie Littler Mendelson P.C. bedient hat, die landesweit als Union Buster verschrien ist, kommt einer Kampfansage gleich. Zumal Arthur T. Carter, der die Klage von VW vor dem NLRB vertrat, nicht irgendwer ist, sondern einer der Teilhaber der Kanzlei.

Union Busting – also der Versuch, gewerkschaftliche Organisationsbemühungen systematisch zu unterlaufen – ist in den USA ein profitables Geschäft. Schätzungen zufolge werden damit Jahr für Jahr dreistellige Millionensummen verdient. Ein gehöriger Happen davon geht an Littler Mendelson P.C. Die 1942 gegründete Wirtschaftskanzlei mit mehr als 1000 Anwälten und über 70 Büros in den USA und weltweit ist darauf spezialisiert, Unternehmen im Bereich Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen zu vertreten. Sie gilt als größte Kanzlei ihrer Art – und steht für ihr antigewerkschaftliches Vorgehen schon seit Jahrzehnten in der Kritik. So riefen bereits in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts Jurastudenten der Eliteuniversität Harvard ihre Kommilitonen dazu auf, später nicht für Littler Mendelson P.C. und vergleichbare Kanzleien zu arbeiten. Zuletzt geriet die Kanzlei mit Hauptsitz in San Francisco in die Schlagzeilen, als sie im Frühjahr 2015 einem Krankenhausbetreiber zur Seite stand, um die gewerkschaftliche Organisierung von rund 1100 Pflegekräften des »Huntington Memorial Hospital« in Pasadena (Kalifornien) zu verhindern.

Gary Casteel, Hauptkassierer und Direktor der transnationalen Abteilung der UAW, reagierte entsprechend ungehalten auf das Vorgehen von VW. Es sei bedauerlich, so Casteel, »dass wir Wochen damit zubringen mussten, über Arbeitnehmerrechte zu diskutieren, die eindeutig durch Bundesgesetz geschützt sind«. Der Versuch von VW, das US-Recht zu umgehen, sei »eine Verschwendung von Zeit und Energie der Beschäftigten und eine Vergeudung staatlicher Mittel« gewesen, so der Gewerkschafter. Für die Zukunft wünsche er sich, dass Volkswagen zu den Werten zurückkehre, die das Unternehmen stark gemacht hätten – »ökologische Nachhaltigkeit und wahrhafte Mitbestimmung zwischen Management und Beschäftigten«.

Die UAW und ihre hiesige Schwestergewerkschaft, die IG Metall, verkündeten jüngst, dass sie ihre Zusammenarbeit vertiefen wollen. In diesem Zuge gründeten sie gemeinsam das Transatlantic Labor Insitute (Transatlantisches Arbeitsinstitut), innerhalb dessen beispielsweise Austauschprogramme zwischen deutschen und US-amerikanischen Gewerkschaften oder gemeinsame Bildungsprogramme organisiert werden sollen. Derzeit sieht die IG Metall Grund zur Hoffnung. Nach Jahren des Rückzugs würden einige Gewerkschaften in den USA wieder wachsen, darunter die UAW, hieß es jüngst in einer Mitteilung der IG Metall.

Michael Fichter, Experte für internationale Arbeitsbeziehungen und Mitarbeiter der »Global Labour University« (GLU), eines internationalen gewerkschaftlichen Bildungsnetzwerkes, erwartet, dass die UAW im Dezember trotz aller Widrigkeiten erfolgreich aus der Wahl hervorgeht. »Nicht nur für die UAW, für die ganze Gewerkschaftsbewegung in den USA wäre ein Wahlerfolg in Chattanooga von großer Bedeutung«, so Fichter. Die UAW habe sich in den letzten Jahren stark engagiert. »Ich denke, das wird sich jetzt auszahlen.«

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