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Immer weniger Firmen im Osten bilden aus

Ländermonitor berufliche Bildung: Lehrstellenangebot in den neuen Ländern um fast 40 Prozent geschrumpft / Trend zur Akademisierung und weniger Jugendliche

Berlin. Die Ausbildung in Unternehmen oder an Berufsschulen büßt vor allem im Osten Deutschlands immer mehr an Bedeutung ein. Einer am Montag in Gütersloh vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge bilden vor allem in den östlichen Flächenländern immer weniger Unternehmen aus. Auch die Bewerberzahlen brechen dort dramatischer ein als in anderen Teilen Deutschlands.

Das Problem sind die fehlenden jungen Menschen, ein ungebrochener Trend zum Studium und freie Stellen, die nicht zu Bewerbern passen. Für den »Ländermonitor berufliche Bildung« haben die Forscher statistische Daten rund um das Thema berufliche Ausbildung je nach Bundesland verglichen.

Insgesamt ist demnach das Angebot an Plätzen im Osten zwischen 2007 und 2013 um fast 40 Prozent geschrumpft, bundesweit waren es rund 13 Prozent auf rund 563.000 Stellen. Die Zahl der Bewerber sank in dem Zeitraum bundesweit um 19 Prozent auf 613.000. Auch hier legt die Studie ein starkes Ost-West-Gefälle offen: Im Osten brach die Zahl der Interessentenzahl um 47 Prozent ein ein, in den westlichen Bundesländern ging die sie um 13 Prozent zurück.

Der demografische Wandel schlage im Osten noch stärker zu als im Westen, erklären die Experten der Stiftung. So sei die Bevölkerung im besonders ausbildungsrelevanten Alter zwischen 15 und 24 Jahren im Osten in den letzten zehn Jahren um ein Drittel geschrumpft, im Westen war der Rückgang mit unter 20 Prozent weniger dramatisch. »Von den Jugendlichen, die übrig bleiben, wollen immer mehr Abitur machen und studieren«, sagte Clemens Wieland, Bildungsexperte der Bertelsmann-Stiftung.

Im Osten fällt zudem besonders stark ins Gewicht, dass gerade kleine Betriebe sich zunehmend aus der Ausbildung zurückziehen. Von den Unternehmen mit maximal fünf Mitarbeitern haben etwa in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen weniger als fünf Prozent überhaupt noch Lehrlinge. In den westlichen Bundesländern ist die Quote bei den Kleinstbetrieben auch rückläufig aber immerhin doppelt so hoch.

Rein rechnerisch habe sich die Chance auf eine Lehrstelle bundesweit für den einzelnen durch die sinkende Nachfrage erhöht. Doch offene Stellen und Bewerber passen längst nicht immer zusammen, so die Studienautoren. So blieben im Jahr 2013 30.000 Stellen unbesetzt.

Da sich der Trend zur Akademisierung nicht umkehren lasse, müsse Ausbildung stärker Jugendliche mit schwächeren Abschlüssen und Migranten in den Blick nehmen, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Hier ist laut Studie der Nachholbedarf groß: Besonders schwer bei der Lehrstellensuche tun sich Ausländer und Hauptschulabsolventen. dpa/nd

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