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DB fährt Bahnwerk gegen die Wand

Betrieb in Eberswalde soll nun offenbar doch dicht gemacht werden

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es gibt ein Konzept und Investoren für das Bahnausbesserungswerk in Eberswalde. Einem Medienbericht zufolge will der DB-Konzern den Betrieb aber dennoch schließen.

Schlechte Nachricht für das Bahnausbesserungswerk in Eberswalde: Nach einem Bericht der »Märkischen Oderzeitung« soll nun wirklich der Standort geschlossen werden, dem bereits vor einem Jahr das Aus Ende 2016 angedroht wurde. Bahnchef Rüdiger Grube wolle dies den rund 360 Beschäftigten am Ende der Woche mitteilen, schrieb das Blatt.

»Wenn das so ist, dann wäre das eine Schweinerei«, empörte sich der Betriebsratsvorsitzende Ulf Böhnke am Dienstag. Eigentlich sei vorgesehen, dass sich die Konzernspitze der Deutschen Bahn (DB) am 11. Dezember mit dem Betriebsrat trifft, um über die Zukunft des Werks zu informieren. Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) appellierte an die DB-Führung, sich nicht aus der Verantwortung zu stehlen. Noch gibt es keine offizielle Bestätigung für die Meldung. Die DB beteuerte, noch gebe es keine endgültige Entscheidung.

Er hoffe, dass diese Behauptung des Konzerns zutreffe, reagierte Brandenburgs Linksfraktionschef Ralf Christoffers. Allein, die Meldung sei sehr detailliert. Aus der Erfahrung lasse sich schließen, dass an der Darstellung wohl doch etwas dran sei. Wenn das stimmt, sagte Christoffers, so würde dies dem bisherigen Verlauf der Gespräche mit der Deutschen Bahn widersprechen. Die DB hätte dann nicht ehrlich agiert, findet der Politiker.

Bei den Beschäftigten besteht der Wunsch, weiter im Ausbesserungswerk arbeiten zu dürfen, wenn ein anderes Unternehmen dort einsteigt. Zwei Interessenten gibt es. Der DB-Konzern verhandelte. Es könnte aber tatsächlich sein, dass man sich nicht über den Kaufpreis einigte.

Wenn die Bahn jetzt mit einem vermeintlichen Buchwert des Betriebs argumentiere, dann ist dies für SPD-Fraktionschef Klaus Ness kaum nachvollziehbar. Wenn der Konzern nicht verkaufe und das Werk schließe, bekomme er überhaupt nichts, dann wäre der Wert gleich Null. Sei die Bahn mit dem angebotenen Geld nicht einverstanden, dann gehe es ihr offensichtlich bloß darum, sich Konkurrenz vom Halse zu schaffen, erklärte Ness. »Von einem Bundesunternehmen erwarte ich etwas anderes«, betonte er und prophezeite einen Verlust des Ansehens der Deutschen Bahn in Brandenburg. Strukturpolitisch wäre die Schließung für Eberswalde ein »herber Schlag«, meinte Ness, der sich von der jüngsten Entwicklung überrascht zeigte.

Auch Linksfraktionschef Christoffers brachte seine Verwunderung zum Ausdruck. Er sagte: »Eine wirtschaftliche Notwendigkeit der Schließung dieses Werks kann ich nicht erkennen, sonst hätten sich nicht zwei Interessenten gemeldet.« Es gebe ganz offensichtlich einen Markt für die Wartungs- und Ausbesserungsarbeiten und es stehe eine motivierte Belegschaft bereit. Die Absicht, den Betrieb einfach dicht zu machen, sei deshalb nicht nachvollziehbar. Christoffers kündigte an, die LINKE werde die Sache im Verkehrsausschuss des Bundestags zur Sprache bringen. Schließlich seien Mittel des Bundes für das Werk geflossen.

»Jetzt muss weiterhin Druck gemacht werden«, forderte Sebastian Walter, Vizelandeschef der Linkspartei. Walter zufolge handelt der DB-Vorstand »verantwortungslos«, wenn er nicht verkaufen wolle, weil er private Konkurrenz fürchte - also »die Arbeitsplätze allein seinem Profitstreben opfert«. Es könne nicht sein, dass in Frankfurt am Main und in Köln Bahnwerke ausgebaut und neugebaut werden und die Werke im Osten Deutschlands »um ihr Überleben kämpfen müssen«. Seite 9

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