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Musik machen wider die Taliban

Afghanische Kulturwoche zeigt ein Land im Aufbruch

  • Von Mohamad Jawad und Christine-Felice Röhrs
  • Lesedauer: 3 Min.

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Musiker gehören nicht zu den Lieblingen der Taliban. Bis zum Fall ihres Regimes im Jahr 2001 hatten sie die Musik in den afghanischen Provinzen verboten, weil sie das unislamisch fanden. Heute erstarken sie wieder, und aus den afghanischen Provinzen dringen Geschichten von Extremisten, die den Verkauf von Kassetten und DVDs verbieten, manchmal sogar das Tanzen bei Hochzeitsfeiern. Aber in Kabul trotzen ein Mann und seine Musikschüler der schleichenden Unterdrückung: Ahmad Sarmast ist der Gründer und Direktor des Afghanischen Nationalinstituts für Musik, wo 170 Kinder ab zehn Jahren traditionelle afghanische, aber auch klassische westliche Musik studieren. Die Ausbildung dauert zehn Jahre. Unter den Studenten sind auch viele Mädchen, was in Afghanistan noch immer die Ausnahme ist.

An diesem Mittwoch spielen Sarmasts Studenten in Berlin. Zehn seiner Studenten und Lehrer werden im Deutschen Historischen Museum auftreten - denn Deutschland und Afghanistan feiern in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen ihrer Beziehungen, und das Konzert markiert den Beginn einer Afghanischen Kulturwoche, die in Berlin mit einer Vielzahl von Veranstaltungen gefeiert wird.

Die Kinder und ihre Lehrer werden afghanische Volkslieder, aber auch ein Stück von Franz Liszt spielen. Die Aufführung ist eine Ko-Produktion mit Musikern der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar; seit vier Jahren arbeiten die beiden Schulen schon zusammen.

Vertreter aus Weimar hatten den afghanischen Kollegen auf einem Kongress getroffen, »und es hat uns sehr beeindruckt, was der Herr Sarmast da in Afghanistan unter so schwierigen Bedingungen aufbaut«, sagt Tiago de Oliveira Pinto, Leiter des Lehrstuhls für Transkulturelle Musikforschung in Weimar. Sarmast habe mittlerweile in Kabul ein ganzes Symphonieorchester mit Geigen, Bratschen und Celli, lobt er, »aber er lehrt eben auch die traditionelle Musik. Das ist durchaus nicht üblich in den Konservatorien Asiens. Dort rümpfen sie ja oft die Nase über die eigene Musikkultur.«

Damit sei die afghanische Musikhochschule die professionellste und fortschrittlichste im ganzen Land. Weimar hilft Kabul nun vor allem beim Aufbau des akademischen Curriculums, zum Beispiel eines Kurses zur Erforschung und Dokumentation traditioneller Musik.

Das afghanische Musikinstitut ist eine Erfolgsgeschichte in einem an Erfolgsgeschichten armen Land. Die Kinder studieren in einem alten zweistöckigen Gebäude im Westen Kabuls, finanziert von der Weltbank, ein wenig auch von der deutschen Regierung. Der Unterricht konzentriert sich vor allem auf instrumentale Musik: Jedes Kind darf sich im zweiten Jahr zwei Instrumente aussuchen - ein herkömmliches wie das Klavier oder die Geige, und ein afghanisches wie die Rhubab oder die Dol, die Trommeln.

Sarmast selbst ist der Sohn eines bekannten afghanischen Musikers - und wird auch liebevoll der »Retter der afghanischen Musik« genannt. Als er 2008 begann, Mittel für die Musikakademie zu sammeln, hatte der milliardenschwere internationale Aufbau Afghanistans uralte Kultur fast völlig übersehen. Das traditionelle Handwerk, die Dichtkunst, die Musik: Nur sehr wenige Organisationen kümmern sich darum, auch diesen Teil Afghanistans wiederzubeleben.

Aber Ahmad Sarmast hat Erfolg: In den vergangenen Jahren haben seine Schüler schon zahlreiche Konzerte gegeben - in Afghanistan, aber auch im Ausland, zum Beispiel im renommierten Kennedy Center in Washington und in »mindestens 20 anderen Ländern«, wie er stolz erzählt. »Jede unserer Touren ist eine Mission für uns«, sagt Sarmast, »und diese Mission ist, zu zeigen, dass es positive Veränderungen in Afghanistan gibt«. dpa/nd

Afghanische Kulturwoche, 2.-9.12.; www.afghanischekulturwoche.de

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