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Fröhlich durch den Winter

Amaranth und Hafer beugen einer Depression besser vor als Süßigkeiten

  • Von Anke Nussbücker
  • Lesedauer: 4 Min.
Wer seiner Psyche im Winter etwas Gutes tun will, sollte an Stelle von Gummibärchen oder Pralinen lieber zu Speisen aus alten Getreidesorten greifen. Die wirken nachhaltiger gegen Depressionen.

In den kurzen Wintertagen, die nur spärliches Tageslicht schenken, verspüren viele Menschen größeren Appetit auf Süßes. Doch was ist dran an den süßen Seelentröstern? Sind sie bei trauriger Stimmung, gar einer leichten Winterdepression, wirklich eine Hilfe? Vom Gegenteil ist der englische Psychiater Patrick Holford überzeugt. Einige Menschen reagieren seiner Erfahrung nach meistens mit schlechter Laune, gar aggressivem Verhalten, wenn der Blutzuckerspiegel häufigen und starken Schwankungen unterliegt. Mit alten Getreidearten wie Amaranth, Dinkel, Hafer oder Quinoa könnte man das Gehirn gleichmäßiger mit Energie versorgen als mit einem Schokoladenriegel. Zur Vorbeugung einer Depression oder als Basis der medikamentösen Therapie einer psychischen Erkrankung machten sich diese Körner einen Namen. Im Rahmen einer optimierten Ernährung, zu der auch ungesättigte Fettsäuren aus Fisch oder Walnüssen sowie regionales Obst und Gemüse gehören, können Speisen aus diesem Getreide dazu beitragen, dass Psychopharmaka schneller und besser wirken und l niedriger dosiert werden können. Das wiederum ist mit geringeren Nebenwirkungen verbunden.

Bereits vor Jahrtausenden galten die winzigen Amaranthkörner, die an fuchsschwanzähnlichen Fruchtständen heranreifen, als wichtiges Grundnahrungsmittel für Azteken, Inkas und Mayas. Von Bedeutung ist vor allem die Art Amaranthus caudatus, die in Peru, Bolivien, Nord-Argentinien und im Himalaya von Kaschmir bis Bhutan kultiviert wird. Während Hafer zur Familie der Süßgräser und somit zu den echten Getreidearten zählt, ordnet man Amaranth und Quinoa zu den Schein- bzw. Pseudo-Getreidearten. Hinsichtlich des Reichtums an Mineralstoffen und Spurenelementen stellt Amaranth - in den südamerikanischen Ländern auch als Kiwicha bekannt - selbst Hafer oder Dinkel in den Schatten. Das reichlich in Amaranth enthaltene Magnesium im natürlichen Verbund mit wichtigen weiteren Mineralstoffen wie beispielsweise Calcium sowie organisch gebundenen Ultraspurenelementen wie Vanadium oder Lithium in physiologisch angemessener Höhe, übt einen ausgleichenden Einfluss auf die Erregbarkeit des Gehirns aus. Der hohe Anteil an hochwertigem Protein in den Früchten des Fuchsschwanzgewächses Amaranth und in der zu den Reismelden zählenden Quinoa-Pflanze ist besonders von Bedeutung, wenn viel Mais verzehrt wird. In dem Protein von Polenta oder anderen Gerichten aus Mais fehlen anteilsmäßig vor allem die Aminosäuren Lysin und Tryptophan. Verzehrt man hauptsächlich Mais ohne regelmäßige Beigaben aus Amaranth oder auch Roten Bohnen, kann das bei Kindern zu Gehirnstörungen führen. Ein Mangel an Tryptophan führt zu entzündlichen Reaktionen im Bereich des Nervensystems, der Haut und des Darms. Dem können die proteinreichen Körnchen von Amaranth entgegenwirken. Ihr glutenfreies lezithinreiches Mehl wertet die Proteinqualität auf, wenn man es anderen Mehlen beimischt. Darüber hinaus enthalten Quinoa und Co. die Aminosäure Tryptophan. Sie dient im Gehirn als direkte Vors

tufe des »Gute Laune«-Nervenbotenstoffes Serotonin und des Schlafhormons Melatonin.

Zur Umwandlung der Aminosäure Tryptophan in den Neurotransmitter Serotonin kann der Mensch mit kohlenhydratreicher Ernährung, ausreichend Vitamin B 6 aus Rohkostsalaten sowie regelmäßiger Bewegung bei Tageslicht - in den Wintermonaten besonders zur Mittagszeit - beitragen. Die Bildung des Schlafhormons Melatonin aus seiner Vorstufe, dem Serotonin, wird durch dunkle Vorhänge begünstigt, die nächtliche Beleuchtungen von Straßenlaternen gut abschirmen. Jeder weiß, wie wohltuend und erholsam ein guter Schlaf ist. Neueren Erkenntnissen zufolge geht man davon aus, dass psychische Erkrankungen mit entzündlichen Reaktionen im Nervensystem einhergehen. Bewegung und Ausdauersport halten gerade auch bei bestehendem Übergewicht die entsprechenden Entzündungswerte in Schach. Omega-3-Fettsäuren aus Hering und Sardine sowie die Vitamine C und E aus Naturprodukten wie Sanddorn, Hagebutte, Roter Bete oder Feldsalat bremsen ebenfalls die Ausschüttung von entzündungsfördernden Zytokinen.

Bei bauchbetonter Fettsucht ist oftmals der Zuckerstoffwechsel beeinträchtigt. Betroffene sollten Nahrungsmittel auswählen, nach deren Verzehr der Blutzuckerspiegel nur wenig schwankt. Das Maß für diese Schwankungen wird als glykämischer Index bezeichnet. Kohlenhydrathaltige Lebensmittel, die mit einem schnellen und hohen Blutzuckeranstieg gekoppelt sind, haben einen hohen glykämischen Index. Dazu gehören süßer Mais, Cornflakes, Limonade und Bier.

Lebensmittel wie Quinoa, Amaranth oder Hafer, nach deren Verzehr die in Traubenzucker gespaltenen Kohlenhydrate allmählich und in kleinen Portionen ins Blut gehen, weisen einen niedrigen glykämischen Index auf, der wiederum eine medikamentenbedingte Gewichtszunahme bremsen kann.

Das Reismeldengewächs Quinoa hilft gegen Wassereinlagerungen im Körper, die als Nebenwirkung einiger Psychopharmaka oder bei Depressionen infolge einer Schilddrüsenunterfunktion auftreten können. Die in Hafer und Gerste enthaltenen Beta-Glucane, die zu den löslichen Ballaststoffen gehören, verbessern den Fettstoffwechsel.

Der Fantasie beim Einsatz der gesunden Körnchen in der Küche sind kaum Grenzen gesetzt. Frisch im Naturkostladen gemahlen, in Wasser vorgequollen oder in Form von Haferkleie beim Backen zugemischt, als Beilage anstelle von Reis, als selbst gezogene Keimlinge oder gepoppt auf dem Frühstücksmüsli bereichern sie eine gesunde Ernährung und sind inzwischen auch in Drogeriemärkten erhältlich.

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