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Vietnam schaut gebannt nach Paris

UN-Klimagipfel stellt auch für die Ernährungssicherheit in dem asiatischen Land Weichen

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Die Erwartungen Vietnams an den 21. UN-Klimagipfel sind groß und vielleicht konkreter als die manch anderer Staaten, deren Vertreter bis zum 11. De-zember in Paris beraten. Denn Vietnam gehört zu jenen Ländern, die von den Folgen des Klimawandels am stärksten betroffen sind.

Insbesondere der Küstenstreifen und das Mekong-Delta, die Reiskammer Vietnams, sind existenziell bedroht. Pham Van Tan, stellvertretender Vorsitzender der staatlichen Behörde für Meteorologie, Hydrologie und Klimawandel, schätzt, dass bei einem Temperaturanstieg von zwei bis vier Grad Celsius 40 Prozent des Mekong-Deltas bis zum Jahr 2100 im Wasser verschwunden sein werden. Es ist offensichtlich, dass das für die Ernährung von Millionen von Menschen und für die wirtschaftliche Situation des Landes negative Folgen haben wird.

Der Klimawandel zeigt sich in Vietnam mit vielen Gesichtern. Der ansteigende Meeresspiegel bringt Salz durch die Flüsse kilometerweit ins Land, was erhebliche Folgen für die Ernährungssicherheit hat. Die meisten Reissorten können einer derart hohen Salzkonzentration nicht standhalten, und die meisten Bauern können sich resistentere Sorten nicht leisten - sofern sie überhaupt verfügbar sind.

Auch lang anhaltende Trockenzeiten führen schon jetzt zu Ernteeinbußen. Und das dringend notwendige Nass fällt in der Regenzeit oft sintflutartig vom Himmel. Bei zu hohen Niederschlagsmengen verfaulen die Pflanzen auf den Feldern. In einem Land, das agrarisch geprägt ist, wirken sich diese Folgen des Klimawandels wirtschaftlich stark aus. Einer Studie der internationalen Hilfsorganisation Dara zufolge kostet der Klimawandel Vietnam jedes Jahr fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes, umgerechnet etwa 10,7 Milliarden Euro. Tendenz steigend.

Die existenzielle Bedrohung durch den Klimawandel ist der vietnamesischen Regierung schon länger bewusst. Der lange Küstenstreifen ist die am dichtesten besiedelte Region in Vietnam. 23 Millionen Menschen wären von einem Anstieg des Meeresspiegels direkt betroffen, durch Verlust ihrer Dörfer und ihrer Lebensgrundlagen. Gemeinsam mit 29 anderen Staaten, die direkt vom Klimawandel berührt sind, gründete Vietnam 2009 das »Forum der Klimagefährdeten« (Climate Vulnerable Forum). Dieses Forum, dem auch Länder angehören, welche bei einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels ganz von der Weltkarte verschwinden würden, setzt sich international für einen umfassenden Klimaschutz ein. So fordert es beispielsweise eine Begrenzung des Temperaturanstiegs in den Staaten mit den größten Treibhausgasemissionsraten auf 1,5 Grad gegenüber den vorindustriellen Werten.

Bei einem Anteil von 0,4 Prozent an den weltweiten CO2-Emissionen wird Vietnam den Klimawandel allein nicht stoppen können. Doch die Auswirkungen verringern und die Bevölkerung darauf vorbereiten, mit den Folgen besser leben zu können - das sind Kernpunkte der Klimastrategie Vietnams bis 2050. Gemeindebasierte Projekte haben dabei eine Schlüsselrolle, um die betroffenen Menschen auf den Klimawandel vorzubereiten. Sie lernen, sich vor Taifunen und Überschwemmungen zu schützen und ihre Anbaumethoden anzupassen. Diese Strategie sollte auch international von Interesse sein. Denn laut Weltbank spart jeder Euro, der in die Katastrophenvorsorge investiert wird, zwei bis drei Euro an Nothilfe und Wiederaufbau.

Susanne Wienke, Programm Managerin Asien, SODI

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