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Niemand spielt mit ihm

Ein zehnjähriger Junge ist der einzige Grundschüler auf einer schottischen Insel

  • Von Meike Stolp, London
  • Lesedauer: 3 Min.
Aron Anderson ist in seiner Schule auf der schottischen Inselgruppe Out Skerries der einzige Schüler. Für die Gemeinde hat das einen stolzen Preis.

Aron Anderson muss sich keine Gedanken darüber machen, ob er das Lieblingskind des Lehrers ist. Der zehnjährige Schotte macht schließlich alles richtig: Er ist stets der Erste in der Schule und der Letzte, der geht. Und er ist immer der Klassenbeste. Das alles liegt aber nicht etwa daran, dass Aron ein Streber ist, sondern daran, dass er der einzige Schüler in seiner Grundschule ist. Das mag sich für viele Eltern in anderen Teilen Westeuropas verlockend anhören, für Aron ist es Geschenk und Bürde zugleich.

Die Skerries Community School liegt auf der schottischen Inselgruppe Out Skerries, nahe der Shetland-Inseln. Dort hat Aron zwei Klassenräume, einen Handarbeitsraum und eine Bibliothek für sich. Der Spielplatz draußen ist ebenso seiner wie der Basketballplatz. Das Problem: Niemand spielt mit ihm; auch nicht Fußball. Dabei ist das eines von Arons Hobbys. Darum wünscht er sich natürlich mehr Spielgefährten.

Bis zum Ende des vergangenen Schuljahres hatte er noch Spielkameraden. Zuletzt waren jährlich jeweils eine Handvoll Schüler in der Klasse. Darunter auch Arons ältere Brüder Ivan, (13) und Owen (16) sowie deren Freunde Ethan (16) und Scott Arthur (16). Die Älteren gehen auf die weiterführende Schule auf den Shetland-Inseln, die hier als Festland gelten und von denen die Out Skerries 40 Kilometer entfernt liegen. Die Jungs leben dort in einem Internat und kommen nur am Wochenende oder in den Ferien zurück.

»Es ist manchmal echt seltsam, dass niemand anderes in der Schule ist«, erklärte der Junge deshalb der Tageszeitung »Daily Mail«, »aber ich mag die Insel. Ich kann hier rumfahren und mit dem Fahrrad die Gegend erkunden.« Im Sommer könne er im Meer schwimmen und von der Pier springen. Er fischt gerne und möchte dieses Hobby später einmal zum Beruf machen. Es gebe also genügend, das ihn unterhalten würde auf der Insel mit ihren nur 70 Einwohnern.

Nur seine Mutter Denise macht sich Gedanken: »Mir tut es leid, dass Aron ganz alleine in der Schule ist - aber er ist wirklich glücklich.« Dass er viel Zeit mit Erwachsenen verbringe, habe ihn schneller reifen lassen, findet sie. Denn neben Hunden, Schafen und Enten bleiben dem Jungen im Prinzip nur seine Tanten und Onkels. Reisen aufs Festland, um mit anderen Kindern zu spielen, findet er natürlich trotzdem super. Und dann gibt es ja auch immer noch die Xbox.

Aron ist nicht nur das Kind mit der besten Schüler-Lehrer-Konzentration, er dürfte auch das teuerste Schulkind Großbritanniens sein. 75 357 Pfund (107 000 Euro) gibt die Gemeinde jährlich für seine Ausbildung aus - doppelt so viel wie die Eltern der elitären Eton-Schüler zahlen.

Dass die exklusive Erziehung auf der kleinen Insel funktionieren kann - dafür ist Arons Bruder John das beste Beispiel. Der ist nämlich auch in die Grundschule gegangen, hat seinen Abschluss mit Auszeichnung gemacht und einen Platz in einer Ingenieurausbildung ergattert.

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