Werbung

Der völkische Shitstorm

Wie die FAZ mit einem Vergleich zwischen AfD und Pegida den Zorn der »Wutbürger« auf sich zog

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Vielleicht sah Frauke Petry fälschlicherweise in der »Frankfurter Allgemeinen« so etwas wie einen natürlichen Verbündeten. Womöglich hält die Parteichefin ihre »Alternative für Deutschland« tatsächlich noch immer für eine bürgerlich-konservative Partei. Und die kann in ebenso konservativ wie bürgerlichen Frankfurter Redaktionsstuben doch gewiss mit Unterstützung rechnen. Es kann doch schließlich nicht jede verdammte Zeitung in diesem Land zur »Pinocchio Presse« gehören, wie die AfD-Politikerin neuerdings von der sonst von ihrer Anhängerschaft als »Lügenpresse« bezeichneten deutschen Medienlandschaft spricht.

Am Sonntag fand Petrys Träumerei eine jähes Ende: In der Sonntagsausgabe veröffentlichte F.A.Z-Politkredakteur Volker Zastrow unter dem Titel »Die neue völkische Bewegung« einen Kommentar, in dem er Pegida zu einer Art außerparlamentarischer Vorfeldorganisation der AfD erklärte. Bei den Rechtspopulisten endgültig unbeliebt machte sich Zastrow spätestens mit der Feststellung: »Unter dem Druck dieser Verhältnisse hat sich rund um Pegida und AfD der Nukleus einer Bürgerkriegspartei gebildet.«

Wirklich neu ist solch eine Analyse nicht, die vielfältigen ideologischen Schnittmengen zwischen AfD und der Pegida-Bewegung sind hinlänglich bekannt. Petrys Truppe gab sich nie wirkliche Mühe einer inhaltlichen Distanzierung, ihre »Herbstoffensive« auf den Marktplätzen der Republik ließ sich leicht mit den wöchentlichen Pegida-Demonstrationen verwechseln.

Von Zastrows Kritik offenbar schwer getroffen, teilte die »AfD« den Kommentar nebst einer Grafik auf ihrer offiziellen Facebookseite. Natürlich nicht ohne ihrer Anhängerschaft gleich noch die offizielle Marschrichtung vorzugeben, was ein ordentlicher Rechtspopulist davon zu halten hat. Mit weißer Schrift steht auf der AfD-blauen Grafik: »Linksfaschistische Propaganda in der f.a.z.«. Auch Parteichefin Petry ließ sich zu einer Äußerung via Twitter hinreißen: »Neu in der F.A.Z.: Hass & Hetzjournalismus auf niedrigstem Niveau.«

Wohl nicht nur für die 176.000 »Freunde« des AfD-Facebookauftritts war der F.A.Z-Kommentar nun der willkommene Anlass, ihrer Wut freien Lauf zu lassen. Hunderte äußerten sich, die meisten davon mit hasserfüllten Antworten.

Besonders erhellend: Viele Kommentatoren gaben sich offenbar unterbewusst besonders viel Mühe, die von Zastrow aufgestellte These einer neuen völkischen Bewegung weitere Beweise zu liefern. »Aber solche leute die so nen müll von sich geben wundern sich noch wenn die auf ner pegida demo wat auf’s gesicht kriegen«, rechtfertigt etwa ein Nutzer Namens Markus G. (Namen von der Redaktion gekürzt) die wiederholte Gewalt auf Pegida-Veranstaltungen gegen Journalisten. Ein weiterer schreibt: »Und ja, du LÜGNER nach Nazi-Manier gehörst eines Tages dafür gerichtet.« Und ein anderer: »Volker Zastrow. Das sagt alles. Merkt Euch den Namen.«

Etliche Kommentatoren zeigen ihre Weltanschauung noch offener. So teilt ein Rene K. das Foto einer blonden Frau mit einem blonden Kind. In altdeutscher Schrift steht dazu: »Deutschland wird auch die BRD überleben!« Allein ist Rene K. mit dieser Haltung nicht. In ähnlichen Äußerungen wird erklärt, bei der Bundesrepublik handelte es sich um eine Diktatur, deren Ende erst mit der Machtergreifung durch die AfD eingeläutet werde.

Inzwischen haben sowohl Petry als auch die AfD offenbar die Notbremse gezogen. Nachdem sich die F.A.Z. selbst in einem Beitrag mit den Leserreaktionen auseinandergesetzt hatte, waren der Facebook-Eintag als auch die Twitter-Äußerung verschwunden.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen