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Wohlfühlinsel versus Finanzamt

Initiativen stellen Konzeptplan zur Nutzung des Hauses der Statistik in Mitte vor

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

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Flüchtlingswohnungen, Künstlerräume und Sozialmieter: Das alles soll nach dem Wunsch eines Bündnisses am Alexanderplatz möglich werden. Ob der Senat da mitspielt, ist fraglich.

Das ehemalige Haus der Statistik am Alexanderplatz soll eine Begegnungsstätte für Flüchtlinge und Künstler werden. So jedenfalls sieht es ein von mehreren Initiativen ausgearbeitetes Konzept vor, das am Freitag offiziell vorgestellt wurde. Nach den Plänen des Bündnisses sollen in dem seit 2008 leer stehenden Gebäude stufenweise bis zu 1000 Wohnungen für Geflüchtete, rund 500 Künstlerateliers, Räume für Ausstellungen sowie Unterkünfte für Studenten entstehen. Zudem soll es Arbeitsräume für Flüchtlingsinitiativen geben. Nach einem Startschuss könnten erste Wohnungen innerhalb von acht Monaten bezugsfertig werden. In bester Citylage bietet der heruntergekommene Gebäudekomplex dafür 40 000 Quadratmeter.

»Unser Konzeptentwurf kann das Angesicht des Alexanderplatzes grundlegend verändern. Zudem hat das Projekt Strahlkraft und kann europäischen Großstädten zeigen, wie man an den Stadtrand gedrängte Bevölkerungsgruppen wieder in die Innenstadt holt«, erklärt Harry Sachs vom Berliner Zentrum für Kunst und Urbanistik, einer der beteiligten Initiativen. Das Mischnutzungskonzept wäre in der Tat einmalig in Berlin und klingt wie ein Patentrezept - wenn nicht zur Lösung, dann doch wenigstens zur Linderung drängender stadtpolitischer Probleme in Berlin. Die da wären: Platz und menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen, innerstädtische Arbeitsflächen für Kreative und günstige Mietwohnungen.

So bezeichnet der Bezirksbürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD), der die Pläne begeistert unterstützt, das Konzept als eine »gentrifizierungsfreie Insel« in der Innenstadt. »Das Konzept ist keine bloße Vision. Das ist etwas Handfestes«, so Hanke. Und Florian Schöttle vom Martinswerk e.V. meint: »Alle Akteure sind im Wartemodus. Es kann losgehen.« Alles schön und gut. Die Sache hat nur einen Haken: Das Haus befindet sich derzeit in Bundesbesitz. Und auch wenn der Bund verkaufen will und der Berliner Senat ernsthaftes Interesse an einem Kauf der Immobilie bekundet, hat dieser bislang ganz andere Pläne.

Diese sehen entweder einen Abriss oder eine Nutzung als Finanzamt samt privaten Wohnungsneubaus auf dem Gelände vor. Und auch wenn sich die Vertreter der Initiativen optimistisch zeigen und auf positive Rückmeldungen aus Bezirk und Senat verweisen, gibt Hanke zu, dass Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) bisher die Idee einer Unterbringung des Finanzamts bevorzugt. Dass die Gesamtsumme zur Revitalisierung des Hauses der Statistik im Sinne der Initiative rund 50 Millionen Euro betragen soll, dürfte den Finanzsenator auch schwerlich zur Änderung seiner Meinung bewegen.

Der Berliner Atelierbeauftragte Florian Schmidt zeigt sich dennoch zuversichtlich: »Das Haus der Statistik ist der einzige Raum am Alexanderplatz, an dem noch gesellschaftlicher Gestaltungsspielraum besteht. Wir werden weiter für unser Konzept werben und notfalls auch eine Unterschriftenaktion starten.«

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