Werbung

Rote Linien und bunter Protest

  • Von Susanne Schwarz, Paris
  • Lesedauer: 2 Min.
Mehr als 10 000 Aktivisten demonstrierten am Samstag in Paris für Klimagerechtigkeit. Das ausgehandelte Abkommen ist für sie nicht historisch, sondern ein Aufruf zum Widerstand.

Am Samstagmittag waren die Grünen rot. Mit roten Jacken, roten Lippen, roten Regenschirmen und Blumen in der Hand trafen sich mehr als 10 000 Klimaaktivisten aus zahlreichen Ländern vor dem Arc de Triomphe in Paris, um ihren Unmut über den neuen Weltklimavertrag zum Ausdruck zu bringen. Eigentlich wollten die Demonstranten das letzte Wort haben, doch die Minister der UNO-Staaten gingen in die Verlängerung und einigten sich erst am Samstagabend statt wie geplant am Freitag.

Am Morgen hatten große Umweltorganisationen wie Friends of the Earth und Greenpeace bereits eine spektakuläre Aktion durchgeführt. Auf dem Smartphone konnten sich Teilnehmer anzeigen lassen, wo sie noch gebraucht werden, damit sich, von oben aus betrachtet, der Schriftzug »Climate Justice for Peace« ergibt. Nach Veranstalterangaben kamen rund 3000 Menschen.

Aus den bisherigen Vertragsentwürfen, waren sich die Aktivisten sicher, könne gar kein Abkommen erwachsen, das ihren Ansprüchen genüge. Mit ihrem Protest wollten sie die »roten Linien« aufzeigen - also die Aspekte, die im Vertragstext ihrer Meinung nach auf gar keinen Fall fehlen dürften. Die dickste rote Linie liegt für viele beim Ziel, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Zeiten zu begrenzen, und bei dazu passenden Klimazielen, bei deren Erreichung auf umstrittene Technologien wie die Atomkraft verzichtet werden müsse. Außerdem forderten die Protestler konkrete Zusagen der Industrieländer zur Klimafinanzierung und dazu, für Schäden in Entwicklungsländern durch die Folgen der Erderwärmung aufzukommen.

Eigentlich waren die Aktivisten auf Streit mit der Polizei vorbereitet gewesen. Nach den Pariser Anschlägen vom 13. November sind Demos in Frankreich weiterhin nicht erlaubt. In letzter Sekunde wurde aber mit den Behörden eine Duldung des Aufzugs ausgehandelt. Am frühen Nachmittag bewegte sich der Protest vom Arc de Triomphe zum Eiffelturm. Im nahe gelegenen Park Champ de Mars trafen sich die Aktivisten schließlich zur Abschlusskundgebung. »Dieser Vertrag wird nicht historisch«, rief Geneviève Azam von Attac France von der Bühne. »Er begrenzt die Erderwärmung weder auf 1,5 Grad Celsius, noch auf zwei - es werden mehr als drei Grad Celsius«, beklagte sie. »Wir müssen weiterkämpfen!«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln