Werbung

»Späti«-Betreiber zahlten häufiger Bußgelder

Vor allem die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln kontrollierten besonders häufig

  • Von Violetta Kuhn und Karl Hoffmann
  • Lesedauer: 2 Min.
Spätverkaufsstellen - oder »Spätis« - versorgen ihre Kunden Tag und Nacht mit vielerlei Waren. Nur sonntags müssen sie ab 20 Uhr geschlossen bleiben - zwei Bezirke setzen das besonders rigoros durch.

Die Rollläden heruntergelassen, sämtliche Leuchtreklamen und die Ladenbeleuchtung ausgeschaltet. Besitzer von sogenannten Späterverkaufsläden in Neukölln und Kreuzberg sind in den vergangenen Monaten vorsichtig geworden. »Ich mache Sonntagabends nur für meine Stammkundschaft auf, die weiß, dass ich trotz des Verbots geöffnet habe«, sagt der Betreiber eines Spätkaufs im beliebten Ausgehviertel zwischen Landwehrkanal und Weserstraße. »Man weiß ja nie, ob der Kunde nicht doch ein Kontrolleur ist.«

Wie stark sich das Öffnungsverbot 2015 ausgewirkt hat, zeigen neue Zahlen der Bezirksämter von Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg. Insgesamt haben Besitzer von Spätverkaufsstellen in den genannten Bezirken deutlich mehr Bußgelder gezahlt als im Vorjahr. Weil sie ihre »Spätis« außerhalb der erlaubten Zeiten geöffnet hatten, mussten Inhaber in Neukölln demnach bisher rund 70 000 Euro zahlen - etwa 30 000 Euro mehr als 2014. In Kreuzberg-Friedrichshain zahlten die Betreiber der typischen Berliner Kioske rund 11 000 Euro mehr als noch 2014, insgesamt bislang etwa 35 000 Euro. »Spätis« dürfen laut Berliner Ladenöffnungsgesetz von Montag bis Samstag rund um die Uhr geöffnet sein. Sonntags dagegen dürfen dort nur von 13 Uhr bis 20 Uhr Waren angeboten werden. Wer sich als Inhaber nicht daran hält, muss mit Bußgeldern von bis zu 2500 Euro rechnen. Bei Wiederholung droht die Zwangsschließung.

189 Ordnungswidrigkeitsverfahren wurden in diesem Jahr in Neukölln laut Bezirksamt gegen Betreiber von »Spätis« eingeleitet - etwa 50 mehr als im Vorjahr. Dass aber gezielt mehr kontrolliert worden wäre, wollte die Leiterin des Neuköllner Ordnungsamts, Nicole Gebell, nicht bestätigen. Man habe vielmehr verstärkt auf Anzeigen von anderen Ladenbesitzern und der Polizei reagieren müssen, erklärte sie.

In Pankow dagegen wurden nach Angaben von Stadtrat Torsten Kühne (CDU) in diesem Jahr gar keine Bußgelder gegen »Späti«-Besitzer verhängt. Noch vor drei Jahren gingen aus dieser Quelle demnach rund 22 000 Euro beim Pankower Ordnungsamt ein. Er setze sich bereits seit 2012 dafür ein, dass »Spätis« uneingeschränkt auch an Sonntagen öffnen könnten, erklärte Kühne. »Lebenswirklichkeit und Rechtslage klaffen weit auseinander«, teilte er mit. Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg gab es laut Bezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD) gar keine Kontrollen durch das Ordnungsamt. Dafür sei der Polizeipräsident zuständig, teilte Schworck mit. Andere Bezirke führen keine gesonderte Statistik über »Spätis«. Mit dpa

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln