Werbung

Verband: Lage der Bauern prekär

Thüringens Landesregierung kündigt Unterstützung der Betriebe mit EU-Geldern an

Der Preisverfall bei Milch und Fleisch macht auch den Thüringer Landwirten zu schaffen. Der Bauernverband spricht vom schwierigsten Jahr überhaupt. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen.

Erfurt. Die Wirtschaftslage der Thüringer Landwirte hat sich nach Einschätzung des Bauernverbands weiter verschlechtert. Landesverbandspräsident Helmut Gumpert sprach am Dienstag in Erfurt von dem schwierigsten Jahr überhaupt. Nach seiner Einschätzung werden die Landwirte in diesem Jahr mehr als 200 Millionen Euro weniger erlösen als 2014. »Die Milch- und Fleischmärkte brennen bei uns in Thüringen und in ganz Deutschland«, erklärte Gumpert auf einer Jahresabschlussveranstaltung des Verbands. Die Lage sei außerordentlich prekär. Er forderte die Landesregierung auf, die noch offenen Fördermittel umgehend auszuzahlen.

Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (LINKE) kündigte an, dass in den nächsten Tagen knapp 140 Millionen Euro EU-Agrarhilfen an die Betriebe fließen würden. Davon werden nach ihren Angaben fast 4500 Betriebe im Land profitieren. Sie hoffe, dass sich im nächsten Jahr die wirtschaftliche Lage verbessert. Dann könne wieder verstärkt investiert werden. Gumpert sagte, die Rückgänge bei den Erlösen hätten Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft und würden die Existenz von Betrieben gefährden. Grund für die angespannte Lage sind unter anderem gesunkene Preise für Fleisch und Milch.

Der Verbandspräsident kritisierte mehrere Pläne der rot-rot-grünen Landesregierung, darunter den Filtererlass. Nach dem Willen des Landes sollen in den kommenden Jahren viele große Schweineställe mit Filtersystemen ausgerüstet werden müssen. Davon seien etwa 100 Betriebe betroffen, erklärte Gumpert. 150 Millionen Euro müssten dafür investiert werden. »50 Prozent der Betriebe signalisieren, sie würden die Ställe schließen.« Auf Ablehnung stieß auch der geplante »Wassercent«. Tierhalter werden nach Auffassung Gumperts weiter belastet, sollte die Abgabe eingeführt werden.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (LINKE) kündigte für das erste Quartal 2016 ein Spitzengespräch zwischen dem Bauernverband und allen beteiligten Ministerien in der Staatskanzlei an. Zugleich kritisierte er das russische Embargo für landwirtschaftliche Produkte. Es habe Auswirkung auf die Produktion in Thüringen und trage nicht zur Völkerverständigung bei, befand Ramelow. Das Thema wolle er bei seiner Russlandreise im nächsten Jahr in Absprache mit dem Bauernverband ansprechen.

Vor wenigen Tagen hatte der Deutsche Bauernverband in Berlin mitgeteilt, dass im vergangenen Wirtschaftsjahr 2014/15 das Unternehmensergebnis der Bauern in Deutschland im Schnitt um 35 Prozent auf 43 300 Euro abgesackt ist. Davon seien dann aber noch Investitionen zu finanzieren. »Die Situation ist schwierig«, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Insgesamt erwartet der Verband auch für die ersten Monate 2016 keine durchgreifende Verbesserung.

Vom Gewinneinbruch sind fast alle landwirtschaftlichen Bereiche erfasst. So verbuchten die Ackerbauern ein Minus von 22 Prozent auf 60 000 Euro, bei Milchviehbetrieben von 44 Prozent auf 38 800 Euro. Der russische Einfuhrstopp für Agrarprodukte als Reaktion auf EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise schlug besonders hart auf die Obstbauern durch, deren Gewinne sich halbierten. Gegen den Trend die Erträge steigern konnten die Weinbauern (plus vier Prozent). Der Ökolandbau legte um elf Prozent zu, auch dank stabiler Preise.

Für die Berechnungen wurden Buchführungsergebnisse von knapp 14 000 Betrieben ausgewertet. Insgesamt gibt es in Deutschland derzeit noch rund 286 000 Höfe. dpa/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!