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Immer mehr Berliner, auch im Babyalter

Das Statistische Jahrbuch dokumentiert: Die Zahl der Einwohner steigt, das Einkommen auch, und die Preise stagnieren

Über 37 000 Babys kamen 2014 in Berlin zur Welt, so viele wie seit Jahren nicht. Das Statistische Jahrbuch vermittelt auf 600 Seiten noch mehr Entwicklungstrends.

Für die Statistiker ging es wieder um die Grundfrage: »Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?« Zumindest den zweiten Teil der Frage können die Zählmeister vom Landesamt für Statistik in ihrem am Mittwoch vorgestellten Jahrbuch für 2014 exakt beantworten. Berlin wuchs demnach um 48 000 auf 3,469 Millionen Einwohner. Nachdem im ersten Quartal dieses Jahres bereits 8700 Neuberliner hinzukamen, dürfte 2015 die 3,5-Millionen-Grenze überschritten werden. Welchen Anteil die Flüchtlinge an der Entwicklung haben, wollen die Statistiker bis zum nächsten Frühjahr ermittelt haben. Derzeit leben 573 000 Ausländer in Berlin, davon 416 000 aus Europa.

Erfreulich, dass die Geburten zum Wachsen der Stadt beigetragen haben. 2014 kamen 37 368 Kinder zur Welt, 2330 mehr, als im Jahr zuvor. 32 300 Menschen starben. Rudolf Freese, der Chef des Statistikamtes, sieht das Geburtenwachstum als Folge der guten wirtschaftlichen Entwicklung Berlins. So ist das Bruttoinlandsprodukt um 2,2 Prozent gestiegen und somit erneut schneller als im Bund mit 1,5 Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen erreichte mit 1,804 Millionen den höchsten Stand seit dem Jahr 2000.

Die Bruttolöhne stiegen 2014 um 1,8 Prozent. Lag ihre durchschnittliche Höhe 2010 bei knapp über 38 000 Euro, sind es jetzt fast 40 700 Euro. Allerdings hinkt Berlin der Entwicklung im Bund hinterher. Lagen die Berliner Löhne und Gehälter im Jahr 2000 noch um 4,6 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, verdienen die Berliner jetzt 0,5 Prozent weniger. Eine Ursache dafür sieht Statistiker Hartmut Bömermann im sich ausbreitenden Dienstleistungssektor in Berlin. »Dort wird weniger bezahlt, das führt zum Sinkeffekt in der Statistik«. Besonders gut verdient wird in der Energieversorgung und in der Finanz- und Versicherungsbranche, besonders wenig im Gast- und Baugewerbe. Allerdings erfasst die Statistik nicht die Sonderzahlungen für Bauleute.

Das mittlere Haushaltseinkommen der Berliner stieg von 1500 Euro (2005) auf 1750 Euro (2014). Etwa 815 000 Haushalte (41,5 Prozent) verfügen über ein Einkommen von mehr als 2000 Euro. Gleichzeitig blieb mehr in der Haushaltskasse. Die Verbraucherpreise stiegen lediglich um 0,8 Prozent, nach 2,2 Prozent im Vorjahr. Besonders der Preisrückgang bei Mineralöl schlug hier zu Buche. Was allerdings kein Geschenk der Ölkonzerne sei, so Statistikexperte Jörg Höhne. »Ihre Preise liegen immer noch 30 Prozent über denen von 2005.« Bei Nahrungsmitteln hätten 2013 einige Produkte stark zugelegt, während es im vergangenen Jahr nur bei Eiern und Molkereiprodukten mit plus 5,1 Prozent einen Ausreißer gab. Bei Gemüse sanken sogar die Preise.

Die Entwicklung scheint sich in diesem Jahr fortzusetzen. Im November registrierten die Statistiker gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres lediglich einen Preisanstieg von 0,1 Prozent. Allerdings lagen einige Dienstleistungen wie Taxi (plus 13,8 Prozent) und Friseur (6,2) deutlich darüber. Eine Folge der Einführung des Mindestlohnes, vermutet Höhne.

Die sogenannte Armutsgefährdungsquote in Berlin ging von 15,5 Prozent 2011 auf 14,1 Prozent zurück. Als arm gelten Haushalte, deren Einkommen 60 Prozent unter dem Durchschnitt liegen. Bei einem Ein-Personen-Haushalt wären das weniger als 841 Euro im Monat. Im Ostteil der Stadt sind überaschenderweise mit 10,7 Prozent weniger Haushalte von Armut gefährdet als in den Westbezirken. Eine Entwicklung, für die die Statistiker auch keine Erklärung hatten.

Das Jahrbuch kann für 30 Euro beim Amt für Statistik bestellt oder unter www.statistik-berlin-brandenburg.de heruntergeladen werden.

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