Werbung

Diese Kunst ist unterirdisch

In Stockholms U-Bahn kann man sich auf eine farbenfrohe Kulturtour begeben

Wer in Stockholm von einem Stadtteil in den anderen will, muss oft mehrere Inseln überqueren. Denn die Stadt überspannt gleich 14 davon. Alternativ geht es mit der U-Bahn, sozusagen im unterirdischen Inselhopping. Und die kunstvoll gestalteten Bahnhöfe machen die U-Bahnfahrt gleichzeitig noch zu einem ganz besonderen Kunstgenuss.

Denn: Die größte Kunstgalerie Schwedens liegt unter der Erde, und zwar sehr tief. Storstockholms Lokaltrafik (SL) ist der Eigentümer von Stockholms Untergrundbahn und auch der Kunstausstellung in den Bahnhöfen der »Tunnelbanan« genannten Metro. Rund 110 Kilometer misst das Streckennetz der roten, blauen und grünen Linie. Bereits seit den 1950er Jahren beauftragte das Bahnunternehmen Künstler damit, Stationen auszugestalten. Inzwischen sind 90 der 100 Stationen mit Wandmalereien und Kunstinstallationen dekoriert. Besonders eindrucksvoll sind die Höhlenstationen der blauen Linie. Hier ähneln die mit Zement ausgespritzten Granitfelsen einer Berghöhle. Ihre Konturen kontrastieren gut mit kräftigen Farben und Mustern, wie bei den Bahnsteigen des Hauptbahnhofs T-Central Station, wo täglich bis zu 170 000 Reisende die kobaltblau-weißen Blättermotive oder die gemalten Silhouetten von Bauarbeitern auf Gerüsten passieren.

Der Hauptbahnhof, bei dem sich alle drei Linien auf mit Rolltreppen verbundenen Ebenen begegnen, wurde 1957 als erste U-Bahn Station nach einem Wettbewerb künstlerisch gestaltet. In Schweden hat Kunst in öffentlichen Räumen eine sehr lange Tradition.

Jede Station bietet ein anderes Kunsterlebnis. Die in Grün gehaltene Station Kungsträdgården unter dem heutigen Königspark birgt, wie in einer archäologischen Ausgrabung, römisch anmutende Säulen, Steinskulpturen und Dekorationen - rechts und links einer unterirdischen Passage zur Arsenalsgatan. Dazu gesellen sich eine alte Gaslaterne und ein umgestürztes Ölfass. Alles stammt aus dem 1825 ausgebrannten barocken Makalös Palast, der sich einst über dieser Station erhob. Die roten Streifen und Muster des Terrazobodens symbolisieren seine roten Schotterwege, das Grün die Gartenanlage und das strahlende Weiß seine Marmorstatuen.

Als glutroter Himmel, der eine einen Kilometer lange grüne Landschaft mit Nadelbäumen umfasst, ist die Station Solna Centrum der blauen Linie ausgemalt. Ein politisches Statement des Künstlers, der auf die Bedrohung der Umwelt durch die Industrialisierung und die damit einhergehende Landflucht aufmerksam machen wollte. In Schaukästen, wie in einem Museum für die Nachwelt bewahrt, findet man die Figur eines lebensgroßen Elchs und das Modell einer kleinstädtischen Häuserzeile.

Petrolfarbige Kacheln verkleiden Säulen und Wände der Hötorget Station der grünen Linie aus den 1950er Jahren. Sie haben ihr zum Spitznamen »Badezimmer Station« verholfen. Über 100 von der schwedischen Künstlerin Gun Gordillo geschaffene gewundene Neonlichtstreifen an der Decke sollten dem »Badezimmer« 1998 zu mehr Dramatik verhelfen. Am Thorildsplan schafft es eine freundlich lächelnde Sonne tatsächlich, auf den hier oberirdischen Bahnsteig zu scheinen. Dafür ist die Station mit pixeligen Kachelbildern dekoriert, die Bildschirmansichten aus der Kinderzeit der Computer ähneln.

In den Sommermonaten finden in der U-Bahn regelmäßig Kunstführungen (auch in Englisch) statt. Nicht mehr als der Preis eines U-Bahn Tickets ist nötig, um daran teilzunehmen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln