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Star Wars muss warten

Simon Poelchau über den Vorstoß der Arbeitgeber zur Abschaffung des Acht-Stunden-Tages

»Flexible Arbeitszeiten« - das ist so ein Begriff, mit dem aufstrebende Unternehmen versuchen, junges, kreatives Personal zu finden nach dem Motto: »Hey, Yo, wir nehmen es hier nicht so genau mit den Regeln. Eigentlich kannst Du kommen und gehen, wann Du willst - solange die Arbeit läuft.«

Dankenswerterweise hat Deutschlands oberster Chef, der Präsident des Arbeitgeberverbands BDA, Ingo Kramer, jetzt ausgesprochen, was die Wirtschaft wirklich unter flexiblen Arbeitszeiten versteht: Die Angestellten sollen arbeiten, wann und so lange es den Chefs passt. Hauptsache, die Firma macht schön viel Profit. Nur leider will Kramer flexible Arbeitszeiten für alle und dafür die Beschränkungen des Acht-Stunden-Tages abschaffen. Beteuerungen, dass er nur die tägliche Arbeitszeit flexibel haben und die Wochenarbeitszeit nicht antasten will, sind da wohl Makulatur. Denn wenn die Hürde mit dem festen Arbeitstag einmal gefallen ist, dann wird sicherlich im Namen der Flexibilität aus der Wochenarbeitszeit schnell eine Monatsarbeitszeit.

So sollen nach Kramers Vorstellungen bald alle Angestellten erfahren, was mit Flexibilität gemeint ist, wenn der Chef kurz vor 18 Uhr ruft, dass der Kunde noch eine Änderung will: nämlich dass der Kinoabend gestorben ist und der neue Star-Wars-Film erst mal warten muss.

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