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Katastrophe mit Ankündigung

Schlammlawine in Shenzhen begräbt Dutzende Menschen unter sich

  • Von Jörn Petring, Peking
  • Lesedauer: 2 Min.
Eine Gerölllawine hat im südchinesischen Shenzhen Menschen und Häuser unter sich begraben. Anwohner geben Behörden und Politik eine Mitschuld.

»Es ist klar, dass dieses Unglück hätte verhindert werden können, wenn die Regierung früher etwas unternommen hätte«, sagt ein Anwohner. In einem Industriepark von Shenzhen türmen sich am Montag Geröllmassen, wo Fabriken und Häuser standen. Einige Gebäude am Rand der Schlammlawine sind halb umgeknickt. Andere wurden völlig verschüttet. Bagger versuchen den Boden aufzugraben, um Vermisste noch lebend zu finden.

Die gewaltige Welle aus Schlamm und Bauschutt war am Sonntag nach Regenfällen von einem Hügel herangerollt. Die rotbraunen Erdmassen hatten in dem Industriepark mehr als 30 Fabriken und Arbeiterunterkünfte unter sich begraben. Seitdem suchen 3000 Rettungskräfte nach Überlebenden. Bis Montagabend konnten nur 13 Menschen aus den Geröll gezogen und in Krankenhäuser gebracht werden. Dutzende blieben vermisst. Ihre Überlebenschancen unter dem Schutt sind äußerst gering.

Die Menschen sind entsetzt über die Katastrophe. Die Geröllmassen, die durch starken Regen ins Rutschen gerieten, stammten den Behörden zufolge von einer gewaltigen Halde aus Bauschutt und ausgehobener Erde. »Zu groß und steil« sei der Schuttberg gewesen, so offizielle Stellen. Die »South China Morning Post« zitierte aus einem Regierungsbericht, wonach die Halde bereits im Februar hätte stillgelegt werden sollen. Doch sei bis jetzt Bauschutt angeliefert worden sein. Viele Menschen hätten sich schon länger vor dem Müllhaufen gefürchtet: »Ich fahre dort gelegentlich vorbei, um Essen auszuliefern. Es war klar, dass früher oder später etwas passieren musste«, so Herr Sun, der ein Restaurant in der Nähe betreibt: »Jetzt ist es wie ein zweites Tianjin.«

Der Name der Hafenstadt Tianjin steht für eines der schlimmsten Unglücke des Jahres in China: Mehr als 170 Menschen waren in der nordostchinesischen Hafenstadt im August nach der Explosion eines Chemielagers umgekommen. Grund für das enorme Ausmaß der Unfalls waren nicht eingehaltene Sicherheitsvorschriften und Kungelei des Betreibers mit den Behörden. In dem Areal lagerten 3000 Tonnen Chemikalien.

In China kommt es oft zu tragischen Unfällen. Wegen des halsbrecherischen Wirtschaftswachstums der letzten Jahrzehnte blieben in vielen Industriezweigen Sicherheitsvorschriften und deren Kontrolle auf der Strecke. Nach der Katastrophe in Tianjin war die Regierung zwar hart gegen Regelverstöße vor allem in der Chemiebranche vorgegangen. Der Unfall in Shenzhen ist aber ein deutliches Signal, dass noch immer mit Vorschriften lasch umgegangen wird. dpa/nd

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