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Auch auf die neuen Parteien warten schwierige Zeiten

Politologin sieht Arbeitsplätze und Kampf gegen Korruption als wichtigste Themen der Wähler von Podemos und Ciudadanos / Zwei-Parteien-System ist angeschlagen

Spanien hat europaweit die zweithöchste Jugendarbeitslosigkeit, 36 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind von Armut bedroht: Die Jugend hat am meisten unter der spanischen Krise gelitten. Hat sie Podemos so stark gemacht?

Die Hälfte der Podemos-Wähler ist jünger als 38 Jahre. Natürlich hat ihre konkrete Lebenssituation mit Problemen wie Arbeitslosigkeit bei ihrer Entscheidung eine große Rolle gespielt. Doch fast ebenso wichtig ist die Zufriedenheit mit der Demokratie. Nur 25 Prozent aller jungen Wähler sind ziemlich oder sehr zufrieden mit dem derzeitigen System. Bei den Wählern über 65 Jahre sind es mehr als 35 Prozent. Das ist ein wichtiger Generationenunterschied.

Inwieweit unterscheiden sich die Wähler von Podemos von denen der anderen jungen Partei - Ciudadanos?

Es gibt sowohl sozioökonomische wie auch ideologische Unterschiede. Viele Ciudadanos-Wähler kommen von der konservativen Volkspartei PP, teils auch von der sozialdemokratischen PSOE. Die Podemos-Wähler stammen von PSOE oder der Vereinigten Linken. Die jüngeren sind teilweise Erstwähler. Unter den Podemos-Wählern gibt es mehr »Krisenopfer« als unter den Anhängern der liberalen Ciudadanos, laut Befragungen fürchten sie eher um den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Für Podemos-Wähler ist das wichtigste Thema Arbeit, für Ciudadanos-Wähler der Kampf gegen Korruption. Doch das sozioökonomische Profil beider Parteien gleicht sich immer mehr an.

Die Volksparteien PSOE und PP haben zwar über 5,1 Millionen Wähler verloren, stellen aber immer noch die beiden stärksten Fraktionen. Liegt das vor allem an den älteren Wählern?

Ja, über die Hälfte der Wähler der PP sind älter als 60 Jahre. Nur mit ihnen lassen sich in Spanien Wahlen gewinnen. Sie machen über 20 Prozent der Wähler aus, gehen häufiger wählen und bleiben ihrer Partei treu. Nur sechs Prozent der über 60-Jährigen enthalten sich, bei den unter 24-Jährigen sind es zwölf Prozent. Das ist der Grund, warum die großen Volksparteien auf Themen wie Sicherung der Renten und stabile Verhältnisse setzen.

Podemos wird immer wieder als Protestpartei bezeichnet. War das Votum der Podemos-Wähler in erster Linie ein Protestvotum oder eine ideologische Wahl?

Beide Faktoren sind gleich wichtig. Podemos hat sich vor allem zu Beginn als Protestpartei präsentiert und sich jenseits des Rechts-Links-Schemas verortet. Die Wähler selbst aber sehen sich selbst eindeutig links. Beide Wahrnehmungen haben sich in den vergangenen Monaten angeglichen.

Izquierda Unida und Podemos sind getrennt angetreten. War das ein strategischer Fehler?

Das lässt sich im Nachhinein nicht beurteilen. Das spanische Wahlgesetz benachteiligt zwar kleine Parteien, aber die Vereinigte Linke hat Stimmen hinzu gewonnen, die sie gemeinsam mit Podemos vielleicht nicht bekommen hätte - wie umgekehrt auch Podemos.

Sowohl Iglesias wie auch Albert Rivera von den Ciudadanos haben das Ende des spanischen Zwei-Parteien-Systems verkündet. Ist das tatsächlich eingetreten oder steuert Spanien auf Neuwahlen oder eine Große Koalition zu?

An eine Große Koalition glaube ich nicht, das wäre politischer Selbstmord für die PSOE. Aber die Verhandlungen werden dauern. Das Zwei-Parteien-System ist auf jeden Fall angeschlagen: Früher versammelten die beiden Volksparteien 80 Prozent der Stimmen auf sich, jetzt nur noch knapp 50 Prozent. Auch auf die neuen Parteien warten schwierige Zeiten. Wenn sie die Geschicke mitbestimmen möchten, müssen sie sich taktisch klug verhalten.

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