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VBB-Fahrcard speichert ein Bewegungsprofil

Fahrgastverband IGEB fand heraus: Die letzten zehn Fahrten sind auf dem elektronischen Ticket auszulesen

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Der VBB behauptete, das sei technisch unmöglich. Aber die seit 2013 verteilten elektronischen Abokarten enthalten ein Protokoll.

Entgegen offiziellen Verlautbarungen des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) protokollieren elektronische Fahrausweise die letzten zehn Fahrten. Das beschreibt der Berliner Fahrgastverband IGEB in einem vorab im Internet veröffentlichten Artikel der Mitgliederzeitschrift »Signal«. Darin heißt es: »Wusste der VBB dies und hat die Kunden absichtlich belogen? Oder wusste er es nicht, wurde selber getäuscht und hat ein System eingeführt, das er weder versteht noch beherrscht?«

Seit 2013 erhalten Abonnenten in Berlin und in einigen Regionen Brandenburgs keine Papierfahrkarten mehr, sondern die »Fahrcard« genannte Chipkarte. »Auf der VBB-Fahrcard werden nur Daten gespeichert, die bisher auch auf dem Papierticket oder der Kundenkarte enthalten sind«, heißt es in der heute noch verbreiteten VBB-Broschüre, die 2012 erschienen ist. Das wären die zeitliche und räumliche Gültigkeit, die Abonummer und der Tarif. Bei nicht übertragbaren Karten kommen noch der Name und ein Foto des Abonnenten hinzu. Es sei »weder technisch noch organisatorisch möglich, sogenannte Bewegungsprofile auf der Karte oder im System zu speichern«, heißt es in dem Infoheft.

Diese Aussage zieht der IGEB bereits seit Jahren in Zweifel und konnte sie nun auch widerlegen. »Der Besitzer der Fahrcard ist also am Alex in den TXL gestiegen und dann am U-Bahnhof Turmstraße nach einigen Minuten Aufenthalt in den 245er Richtung Zoo umgestiegen, da der nächste Kontrollpunkt am U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz um 14.16 Uhr ist - also etwa eine Stunde Aufenthalt am Standort der Technischen Universität«, beschreibt der IGEB einige Schlüsse, die aus den auf der Karte vorhandenen Daten gezogen werden können. Es lasse sich so ein recht präzises Bewegungsprotokoll erstellen. Und das, obwohl in Kundenzentren verschiedener Verkehrsbetriebe stets versichert wurde, dass außer den Abodaten nichts gespeichert sei. Selber überprüfen konnte der IGEP die Daten durch die ursprünglich für Fahrkartenkontrolleure vorgesehene Smartphone-App »MyTraq«, die für jedermann kostenlos verfügbar ist. Man muss nur kurz das Handy über die Karte halten, schon wird die Fahrthistorie auf einem Silbertablett serviert.

Die Zweifel an der Darstellung des VBB, dass es technisch unmöglich sei, diese Daten zu speichern, rühren unter anderem von der zu Grunde liegenden Technik her, dem »eTicket Deutschland«. Dieses wurde vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen entwickelt und bildet den Standard für in Deutschland und Luxemburg verwendete elektronische Fahrkartensysteme. Der Standard ermöglicht auch bisher kaum in Deutschland genutzte Systeme, bei denen der Fahrgast beim Einstieg eincheckt, indem er die Karte über ein Kontaktfeld hält und bei Ausstieg mit der gleichen Prozedur wieder auscheckt. Allein dafür ist die Speicherung einer Fahrthistorie notwendig.

In Berlin und Brandenburg sollen Abonnenten bisher nur ihre Fahrkarten vor das Prüfgerät halten, wenn sie in einen Bus einsteigen. Die schleppende Installation der entsprechenden Kästchen bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) führt bisher zu einer weitgehenden Unbekanntheit des Systems.

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