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Zu Fuß durch die Geschichte Potsdams

Für eine Anregung von Körper und Geist bietet »Der historische Reiseführer« von Ch. Links eine gute Vorlage

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.
Zeitlich passgenau erschien 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Potsdamer Konferenz der Siegermächte ein historischer Reiseführer durch die einstige Residenz der Preußenkönige.

Nach den Weihnachtsfeiertagen oder am Neujahrswochenende verspürt manch einer vielleicht neben Bewegungsdrang auch Entdeckerlust. Potsdam zum Beispiel eignet sich für Spurensucher hervorragend.

Die brandenburgische Landeshauptstadt - die »charmante Schwester« Berlins - ist nicht nur berühmt für Sanssouci, die Schlösser und Gärten und das Landtagsschloss. Die einstige Residenz- und Garnisonsstadt an der Havel steht ja auch für deutsche Geschichte - für Preußens Glanz und Militarismus, für Kaiserzeit und die Weimarer Republik, für die unheilige Allianz der alten Eliten mit den Nazis, für sowjetische Militäradministration und die widersprüchliche Entwicklung als DDR-Bezirksstadt. Vor 70 Jahren, im August 1945, hat die Stadt mit dem Potsdamer Abkommen der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges sogar Weltgeschichte geschrieben.

Als Vorlage für eine zeitgeschichtliche Spurensuche bietet sich der in diesem Frühjahr erschienene »Potsdam«-Band der Reihe »Der historische Reiseführer« des Berliner Ch. Links-Verlages. Die Rolle der kundigen Begleiter haben die Germanistin Maren Richter, die seit 2001 als Stadtführerin in Berlin und Potsdam unterwegs ist, und der Hörfunkredakteur Winfried Sträter, ein studierter Geschichts- und Politikwissenschaftler, als Autoren übernommen. Sechs Epochen stadtgeschichtlicher Entwicklung - von der »Residenzstadt Potsdam« bis zu »Potsdam seit der friedlichen Revolution« - haben sie für den Interessierten näher betrachtet. Anhand von 70 Ortseinträgen, mit vielen historischen und aktuellen Abbildungen werden sie belegt sowie in knappen und verständlichen Texten beschrieben. Hilfreich ergänzen Kurzbiografien wichtiger Persönlichkeiten, Karten zur besseren Orientierung, aber auch Links zu weiterführenden Webseiten sowie Angaben zu Öffnungszeiten von Einrichtungen die Ortsporträts.

»Potsdam war jahrhundertelang bevorzugter Gestaltungsraum für Kurfürsten, Könige und Kaiser. Zugleich ist Potsdam eine Stadt, die von den historischen Brüchen des 20. Jahrhunderts besonders getroffen wurde«, heißt es in einem Begleittext des Verlages. Man kann das gut nachvollziehen, wenn man mit der handlichen Broschüre im Gepäck unterwegs durch die Stadt ist. Ein wenig mehr Handreichung hätte vielleicht die Erschließung jener Orte verdient gehabt, die mit dem »Potsdamer Abkommen« vom August 1945 zu tun hatten und die noch heute auffindbar sind. Neben Schloss Cecilienhof zählen dazu eben vor allem auch die ehemaligen Residenzen von Stalin, Truman und Churchill - beziehungsweise von dessen Nachfolger Attlee. War doch zum Beispiel die sogenannte Truman-Villa im Stadtteil Babelsberg - heute Sitz der Naumann-Stiftung - räumlich und zeitlich eng mit dem von US-Präsident Harry S. Truman befohlenen ersten Atombomben-Abwurf verbunden.

Wer Orten, an denen sich deutsche Geschichte abgespielt hat, möglichst nahe kommen möchte, der kann einen verlässlichen Ratgeber stets gut gebrauchen. Die in der Reihe »Der historische Reiseführer« erschienenen Bände »Brandenburg 1933-1945« und »Berlin 1945-1990« sowie das Heft »Berlin 1933-1945 - Stadtführer zu den Spuren der Vergangenheit« ergänzen den »Potsdam«-Band hervorragend und bieten zugleich eine Fülle von Anregungen für eigene Erkundungen in der Hauptstadtregion. Der Verlag hat - auch für die Westentasche - in der vergleichsweise noch jungen Reihe »Orte der Geschichte« im zu Ende gehenden Jahr zudem die Hefte »Die Schlacht um die Seelower Höhen« und »Bunker in Berlin« gewidmet.

Maren Richter, Winfried Sträter: »Potsdam - der historische Reiseführer«, Ch. Links, 124 Seiten, 15 Euro

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