Werbung

Nach Rio geht’s durchs Nadelöhr Berlin

Das Olympiaqualifikationsturnier der Volleyballer ist so gut besetzt, dass die weltbesten Teams das Aus fürchten

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Weltmeister, Olympiasieger, Europameister - alle wollen zu Olympia nach Rio, aber nur einer darf. Den Bundestrainer ärgert das. Auf einer Pressekonferenz versucht er das Ganze zu erklären - mit Affen und Aktien.

Vital Heynen ist ein ganz besonderer Trainer. Dafür lieferte er am Montag in Berlin mal wieder den Beweis. Der europäische Volleyballverband hatte alle acht Trainer der Nationalmannschaften in die Max-Schmeling-Halle geladen, die ab diesem Dienstag um einen einzigen Olympiaplatz kämpfen, und Heynens sieben Kollegen erzählten allesamt irgendwie dasselbe: kurze Vorbereitung, schweres Turnier, von Spiel zu Spiel schauen. Das Übliche eben.

Bundestrainer Heynen hingegen begann von Professor Burton Malkiel zu erzählen. Der hatte 1973 die These aufgestellt, dass Affen mindestens genauso gut mit Aktien handeln würden wie sogenannte Finanzmarktexperten, wenn sie die Papiere per Pfeilwurf auf eine Zeitungsliste aussuchten. Mehrere Untersuchungen haben mittlerweise nachgewiesen, dass dies stimmt, obwohl nur selten wirklich Affen mit den Pfeilen warfen. Manchmal lagen die Zufallskäufe in 40 Prozent der Fälle besser, manchmal zu 80 Prozent.

Heynen wollte damit nur sagen, dass dieses Qualifikationsturnier so gut und ausgeglichen besetzt ist, dass kein Trainer ein Team nennen könnte, dass sicher den Olympiaplatz oder einen der beiden verbleibenden Plätze fürs allerletzte Qualifikationsturnier ergattern wird. Immerhin sind Olympiasieger Russland, Weltmeister Polen, Europameister Frankreich, WM-Dritter Deutschland, Weltligazweiter Serbien und der Olympiavierte Bulgarien am Start. »Es wird schwerer hier unter die ersten Drei zu kommen, als bei Olympia eine Medaille zu gewinnen«, sagte Heynen.

Um dies zu beweisen, startete der Bundestrainer sogleich ein Experiment und ließ einen verdutzten Journalisten, der nun den Affen mimen sollte, drei Lose ziehen. Mit Finnland, Belgien und Serbien zog der zwar das denkbar unwahrscheinlichste Trio für die vorderen Plätze, doch »Belgien hat gerade Europameister Frankreich geschlagen, und Finnland kann wie Slowenien bei der EM zur Überraschung werden«, lieferte Heynen gleich die Begründung dafür, warum selbst dieses Ergebnis möglich sei. Nun sei es eben an den Experten, womit Heynen sich und seine sieben Kollegen auf dem Podium meinte, den Affen zu besiegen.

Trotzdem wird im deutschen Team natürlich nichts dem Zufall überlassen. Wie schon 2012 wurde das europäische Qualifikationsturnier nach Berlin geholt, um mit den eigenen Fans im Rücken das Ticket zu lösen. Damals klappte es, wenn auch die Gegner weitaus einfacher zu besiegen waren. Heynen holte nun zudem einige Akteure zurück in die Mannschaft, die über die nötige Erfahrung verfügen sollten, auch in schwierigen Situationen nicht den Kopf zu verlieren. »Das sollte unsere Qualität sein. Unsere Spieler wissen alle, was abgeht«, so der Belgier.

Ausgerechnet gegen dessen Heimatnation bestreiten die Deutschen am Dienstag den Auftakt, jene Belgier also, die in ihrer Vorbereitung die zuletzt überragenden Franzosen besiegten. »Naja, wir wissen doch alle, dass aus einem Freundschaftsspiel keine klaren Schlüsse gezogen werden können«, versuchte Belgiens Trainer Dominique Baeyens die Erwartungen an den Außenseiter der Gruppe gleich wieder runterzuschrauben. Die folgenden Partien gegen Serbien und Polen sollten dann entscheiden, ob die deutsche Mannschaft das Halbfinale erreicht.

Das hätte 2012 wohl noch gereicht, schließlich durften in London sieben Teams aus Europa mitspielen, 2016 werden es maximal vier. »Sich hier durchzusetzen, ist eigentlich unmöglich«, kritisierte Heynen die Entscheidung des Weltverbands, anderen Kontinenten mehr Olympiaplätze zuzusprechen. »Ich weiß nicht, ob es falsch ist, doch es werden nicht die besten Nationen bei Olympia sein. Aus sportlicher Sicht ist das schwer zu verstehen; vor allem für Athleten, die jeden Tag so viel in ihren Traum investieren und dann mit ansehen müssen, wenn andere Mannschaften in Rio spielen, die sie in 100 Partien 99 mal schlagen würden.«

Nun muss Vital Heynen mit seiner Mannschaft also durch das Berliner Nadelöhr. Was den Bundestrainer so ärgert, ist für die Volleyballfans ein Fest. Sechs Tage lang werden sie das »beste Volleyballturnier der Welt« zu sehen bekommen, wie es Frankreichs Trainer Laurent Tillie prophezeite. Auch bei ihm konnte man dabei ein bisschen Angst heraushören. Nur Russlands Trainer Wladimir Alekno schien dagegen immun. »Das ist meine Glückshalle«, sagte er nur. Kein Wunder: Mit Zenit Kasan gewann er hier im März die Champions League.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!