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Seine Kerze brannte an zwei Seiten

SPD-Bundesprominenz bei der Trauerfeier für Landtagsfraktionschef Klaus Ness

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.
Zum Abschied von Klaus Ness war der Plenarsaal des Landtags am Mittwoch fast voll besetzt. Die Abgeordneten der AfD mussten draußen bleiben.

Zur bewegenden Trauerfeier für den im Dezember überraschend im Alter von 53 Jahren verstorbenen SPD-Fraktionschef Klaus Ness fanden sich am Mittwoch höchste Vertreter der SPD im Landtag Brandenburg ein.

Vizekanzler Sigmar Gabriel sprach ausdrücklich »Genossinnen und Genossen« an, als er in sehr persönlichen Worten davon berichtete, dass Klaus Ness und er nahezu gleichzeitig 1977 in die SPD eingetreten seien. Die Herkunft aus einfachen Verhältnissen habe sie beide geprägt und Klaus Ness habe der »ersten akademisierten Generation seiner Familie« angehört. Auf ihn habe das Wort von Helmut Schmidt zugetroffen: »Willen braucht man und Zigaretten.« Doch sei Klaus Ness eben auch wie eine Kerze gewesen, »die an beiden Seiten brennt«.

Im voll besetzten Plenarsaal blieben nur die Abgeordnetensitze der AfD frei, denn es handelte sich nicht um eine Veranstaltung des Landtags, sondern um eine Trauerfeier der SPD-Fraktion mit geladenen Gästen. Eine Sitzordnung nach Fraktionslogik gab es diesmal nicht, so dass beispielsweise Finanzminister Christian Görke (LINKE) auf einem Platz zu sitzen kam, der sonst den Grünen vorbehalten ist. Gekommen waren neben der Witwe Martina Gregor-Ness auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles und die Ex-Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und Matthias Platzeck, ferner der frühere Landtagspräsident Gunter Fritsch. Presse- und Besucherränge waren restlos besetzt.

Klaus Ness habe ein Gefühl dafür gehabt, »was der kalte Begriff vom Strukturwandel« für die Betroffenen bedeute, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede. Angesichts seiner schlimmen Erfahrungen mit der Stahlkrise in seinem niedersächsischen Heimatort Peine habe sich Klaus Ness vorstellen können, was nach 1990 »auf die Menschen in der Mark zukommen würde«. Das habe den Westdeutschen zum Brandenburger gemacht. Ness wohnte in Senftenberg. Laut Steinmeier ist er nicht nur ein SPD-Politiker gewesen, der »bis in die Knochen loyal gegenüber drei Ministerpräsidenten« gewesen sei, und dies in einem Ausmaß, das »fast schon unmodern geworden ist«, sondern daneben auch ein Mann, der über Musik, Literatur und Rosen mit der gleichen Begeisterung reden konnte.

Ministerpräsident Dietmar Woidke würdigte den Verstorbenen als einen, der die Abstände zwischen Oben und Unten verringern wollte, was aus seiner eigenen Lebensgeschichte erklärbar gewesen sei. Warmherzig sei Ness gewesen, habe dies aber »manchmal geradezu versteckt«. Als Vermächtnis sprach Woidke den überparteilichen Verein »Neue Heimat Brandenburg« an, den Ness wenige Tage vor seinem Tod mit aus der Taufe gehoben habe. Damit habe Klaus Ness ein Forum schaffen wollen, das die Integrationsarbeit für Flüchtlinge koordiniert.

Als einziger Trauerredner einer anderen Partei sagte CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben, Klaus Ness habe die Flüchtlinge empfangen wollen. Dies sei eine Aufgabe, »die wir in seinem Sinne fortsetzen« werden, versprach Senftleben. Der Einsatz des verstorbenen Parlamentskollegen gegen Rechtsextremismus, gegen »braune Spinner«, verdiene »höchste Anerkennung und Respekt«.

Die AfD beschwerte sich, dass sie von der Trauerfeier ausgeschlossen wurde. Auch dem Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland, der Ness seit vielen Jahren privat kannte und ihn wertschätzte, sei auf Anfrage eine Teilnahme an der Trauerfeier verwehrt worden, hieß es. Gauland selbst sagte dazu, er sei »traurig über den viel zu frühen Tod des streitbaren und klugen Menschen Klaus Ness, traurig, aber auch über den Umgang der vermeintlich demokratischen Parteien im Landtag mit der Fraktion der Alternative für Deutschland«. Der Ausschluss von der Trauerfeier sei eine »ganz neue und besonders hässliche Dimension der Ausgrenzung«, beklagte sich Gauland. Es mache ihn »zutiefst betroffen«, dass die SPD nicht in der Lage sei, »zwischen politischem Streit und menschlichem Anstand zu unterscheiden«.

Klaus Ness hatte Alexander Gauland kennen und tatsächlich auch schätzen gelernt, als dieser noch honoriger Herausgeber der »Märkischen Allgemeinen Zeitung« gewesen ist. Doch Ness erkannte - und bedauerte - früher als andere das Abgleiten Gaulands nach rechts. Schonungslos brandmarkte der SPD-Politiker den Kurs der AfD und das Agieren ihres Frontmannes.

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