Autorennen mit Todesfolge

Oft genügt ein Blickkontakt an der Ampel - dann rasen die Fahrer los. Illegale Autorennen sind in vielen Städten ein Problem. In Köln kommen zwei Fälle mit Todesfolge demnächst vor Gericht.

Sie bringen ihre dicken Karren auf Hochtouren und rasen um die Wette durch die Innenstadt - ohne Rücksicht auf Leib und Leben Unbeteiligter: Nach mindestens zwei tödlichen Unfällen durch illegale Autorennen in Köln im vergangenen Jahr beginnen 2016 die Gerichtsprozesse gegen mehrere mutmaßliche junge Raser. Sie sind wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Fall eins: Ende März soll ein junger Mann über eine rote Ampel gerast sein und mit seinem Wagen ein Taxi gerammt haben - nachdem er sich ein Rennen mit einem anderen Fahrer geliefert haben soll. Ein 49 Jahre alter Taxi-Fahrgast erlitt so schwere Verletzungen, dass er später daran starb.

Fall zwei: Im April kommt eine 19-jährige Radfahrerin ums Leben, als sie auf dem Radweg vom Wagen eines Rasers erfasst wird. Die Frau hatte keine Chance. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der Fahrer die Kontrolle über seinen Wagen verloren, als er bei einem Rennen seinen Kontrahenten überholte. Der Prozess zu diesem Fall beginnt am 17. Februar.

Fall drei: Im Juli wird ein 26 Jahre alter Radfahrer Opfer eines Rasers. Auch hier gingen die Ermittler zunächst von einem illegalen Rennen als Ursache aus - dies bestätigte sich aber nicht, das Verfahren gegen einen zweiten Verdächtigen wurde eingestellt.

Als Folge der Raser-Unfälle gründete die Kölner Polizei im Mai eine Ermittlungsgruppe, um die Szene stärker ins Visier zu nehmen. Die »EG Rennen« habe seitdem bei rund 76 000 Fahrzeugen Tempo-Kontrollen durchgeführt und 9300 Temposünder erwischt, berichtet Polizeisprecher Dirk Weber. Mehr als 100 Autos wurden stillgelegt, weil sie so aufgemotzt waren, dass sie als verkehrsuntauglich gelten. Die Stadt Köln installierte an bekannten Raser-Strecken zusätzliche Blitzgeräte, baute Schwellen in einige Straßen und startete eine Plakataktion.

Illegale Rennen gibt es immer wieder in ganz Deutschland - sei es in Innenstädten, in Gewerbegebieten oder auf Autobahnen. Die Fachleute unterscheiden dabei zwischen zwei Arten von Rennen: Zum einen organisierte Veranstaltungen mit festgelegtem Start- und Zielort, bei denen manchmal sogar Geldpreise ausgelobt werden. Zum anderen spontane Rennen. Die verlaufen oft so, dass zwei Fahrer an einer roten Ampel Blickkontakt aufnehmen und bei Grün losdüsen - wer zuerst die nächste Ampel erreicht, hat gewonnen. Die Teilnehmer sind meist junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren.

Eine Tote in Ludwigshafen

Beim jüngsten Fall eines mutmaßlichen Autorennens mit Todesfolge ist im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen eine 22-Jährige ums Leben gekommen. Drei Bekannte der Frau wurden bei dem Unfall am späten Donnerstagabend verletzt, zwei davon schwer. Nach Angaben der Polizei hatten die vier jungen Leute in einem Wagen gesessen, der an einer roten Ampel neben einem anderen Auto stand. Bei »Grün« hätten beide Wagen zeitgleich beschleunigt. Die Fahrer hätten sich vermutlich spontan dazu hinreißen lassen, sich miteinander zu messen, erklärten die Ermittler am Freitag. In einer Kurve kam der Wagen der vier jungen Leute dann aus zunächst unbekannter Ursache von der Straße ab. Er überschlug sich mehrfach und prallte gegen einen Baum, bevor er auf dem Dach liegen blieb. Der 26 Jahre alte Fahrer des anderen Wagens fuhr davon, konnte aber später gefasst werden. Er wurde am Freitagnachmittag vernommen. Die 22-Jährige, die hinter dem Fahrer (27) gesessen hatte, starb noch an der Unfallstelle. dpa/nd

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