BER-Mängel mangelhaft erfasst

Im Flughafen-Untersuchungsausschuss sagte ein Mann aus, der das Projekt steuern sollte. Es blieben Fragen offen.

Seit mehr als drei Jahren arbeitet Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses das BER-Debakel auf. Noch vor der Sommerpause will das Parlament den Abschlussbericht beschließen, die Zeugenliste ist fast abgearbeitet. Aber vielleicht muss sie noch einmal erweitert werden, nachdem ein Zeuge am Freitag bekannte, in der Materie »nicht so tief drinzustecken«. Es ging um Mängel und unterschiedliche Erfassungsmethoden. Der Ausschussvorsitzende Martin Delius (für Piraten) hatte Rolf Peterhänsel vom Projektsteuerer WSP/CBP eine Protokollnotiz vorgehalten, wonach Mitte April 2012, einen Monat vor Platzen des Eröffnungstermins, aufgefallen war, das nicht alle Mängel in der Datenbank enthalten waren. »Wer hat da geschlafen?« fragte Delius. Peterhänsel verwies darauf, dass seine Firma frühzeitig für eine Verschiebung schon des ersten Eröffnungstermins im Oktober 2011 um zwölf oder 17 Monate plädiert hatte. »Man hat ja gewusst, wie viele Dinge da noch im Argen lagen.« Die Flughafengesellschaft als Bauherr habe dann aber nur sieben weitere Monate Zeit gegeben.

Im Februar 2012 habe er dann gemerkt, dass es »ganz schön eng wird«. Aber es bestand immer noch die Hoffnung, den Termin zu halten, »wenn alle an einem Strang ziehen«. Dabei setzten die Verantwortlichen offenbar auch auf Kompromisse aller Beteiligten. Der Zeuge verwies auf seine Erfahrungen beim Bau des Flughafens München. »Wenn dort nicht Flughafengesellschaft, Firmen und Genehmigungsbehörden Kompromisse eingegangen wären, hätten wir den Flughafen auch nicht fertig gekriegt.« Rauchtests seien in München auch nach der Eröffnung noch durchgeführt worden. In Schönefeld dagegen sei man nicht bereit gewesen, sich wegen der nicht funktionierenden Brandschutzanlage auf eine Mensch-Maschine-Lösung einzustellen.

Vermutlich war es eine Praxis wie in München, die der Flughafengesellschaft vorschwebte, so der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto. »Das wäre ein weiteres Indiz für den grob fahrlässigen Umgang mit Steuergeldern.«

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