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Arbeit darf nicht unser Leben sein

Christian Baron über Erwerbslosigkeit und Kinderarmut in Deutschland

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: 1 Min.

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Inmitten der Trümmer, die regierungsamtliche Abrissbirnen seit 2003 vom deutschen Sozialstaat übrig gelassen haben, erstrahlt nur noch die konservative Struktur der Sicherungssysteme in altem Glanz: Sie ist erwachsenen- und ehe-, vor allem aber erwerbsarbeitszentriert. Da verwundert es nicht, dass die Hans-Böckler-Stiftung in ihrer neuesten Studie einen Zusammenhang zwischen Kinderarmut und dem Erwerbsstatus der Eltern feststellt. Ärgerlich ist, dass die Forderungen der Gewerkschaftsstiftung wieder einmal kaum über eine Erhöhung der Beschäftigungsquote hinausgehen.

Dabei ist es ja richtig: Erwerbsarbeit ist noch immer ein Weg aus der Armut. In einer Gesellschaft, die den Wert eines Menschen nach dessen volkswirtschaftlichem Ertrag bemisst, macht sich der Erwerbsstatus nicht nur auf dem Bankkonto bemerkbar, er hebt auch das Selbstwertgefühl.

Daraus abzuleiten, jeder Erwachsene müsse sich nur bei angehobenem Mindestlohn ausbeuten lassen dürfen und das Problem der Kinderarmut erledige sich von selbst, ist bestenfalls naiv. Denn diese Forderung hilft in erster Linie denen, die Erwerbslose aufgrund ihrer angeblichen Faulheit und nicht die politische Ökonomie für die hohe Kinderarmut verantwortlich machen. Es ist an der Zeit, dass die deutschen Gewerkschaften endlich das System abhängiger Erwerbsarbeit an sich fundamental hinterfragen.

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