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Schwedin verspeist ihr Rennpferd

Geteilte Meinungen über die Aktion im Namen des Tierschutzes

  • Von Bengt Arvidsson, Stockholm
  • Lesedauer: 3 Min.
Die schwedische Profireiterin Helena Stahl hat ihr Rennpferd töten lassen und aufgegessen. Auf Facebook erzählte sie das und erhält nun Drohbriefe aus der ganzen Welt.

Wer würde seinen treuen Hund oder das eigene Pony nach Jahren des Miteinanders aufessen? Die 24-jährige schwedische Profireiterin Helena Stahl aus dem nordschwedischen Skeleftea ist binnen kürzester Zeit für einen vergleichbaren Vorgang international bekannt geworden. Auf Facebook erzählte sie offenherzig von ihrem Beschluss, ihre geliebte Rennstute »Iffy Mant« einschläfern und zerstückeln zu lassen, um sie dann aufzuessen. »Familie und Freunde halfen mir, die 154 Kilogramm Fleisch zu verspeisen«, sagt sie.

Stahl bekam Iffy, als sie erst drei Jahre alt war. Die beiden wurden die dicksten Freunde. Mit der Stute hat Helena zahlreiche Trabrennen bestritten. Doch Iffy verletzte sich 2014, sie hatte einen nicht behebbaren Schaden an einem Vorderknie. »Das war schlimm, ich liebte sie. Sie war ein Familienmitglied, mein tapferster Stern, meine mutige Prinzessin«, sagt Stahl. Doch sie hatte nicht genug Geld, um ein unbrauchbares Trabpferd durchzufüttern.

Sie überlegte Monate. Verkaufen wollte sie das Pferd nicht, weil es so empfindlich auf neue Menschen und Umgebungen reagiert. Auch war die Chance gering, dass jemand ein Pferd mit Knieschaden kauft. Die letzte Möglichkeit war, sie einem Schlachter zu überlassen. »Es wäre aber irgendwie schlimm gewesen, nicht zu wissen was mit ihren Überresten passiert«, sagt sie. Dann traf Stahl den ungewöhnlichen Entschluss.

Sie wollte irgendwie auf die grausamen Bedingungen für Tiere in der Massentierhaltung aufmerksam machen. Von dort stammen bis auf teures Biofleisch alle Fleischprodukte in den Auslagen europäischer Supermärkte. Die Tierfreundin wollte ein Zeichen setzen, dem nicht alle folgen können. »Von Iffy wusste ich, dass sie ein glückliches Leben hatte und gut behandelt wurde«, sagt sie. Stahl nahm sich vor, ihr Pferd zumindest in Teilen selbst zu essen. »Wenn ich meine glückliche Iffy nicht mal essen kann, müsste ich Vegetarierin werden, sagte ich mir«, so die eigenwillige Begründung. Aber ihre Botschaft, »Iss kein Fleisch aus der Massentierhaltung« ist in Schweden angekommen. »Inzwischen haben wir Iffy ganz aufgegessen«, sagt sie.

Die Meinungen über die Aktion im Namen des Tierschutzes gehen auseinander. Fleisch ist sehr teuer in Schweden. Einige argwöhnten, dass Stahl gefühllos sei und nur Geld sparen wollte. Andere gratulieren ihr zu ihrem Mut, an die Öffentlichkeit zu treten. »Einige finden das bewundernswert stark und durchdacht von mir. Andere finden das ekelig, so als würde man die eigene Mutti oder den kleinen Bruder aufessen«, sagt sie.

Die Regionalzeitung »Norran« ermittelte in einer Meinungsumfrage mit 1651 Teilnehmern, dass 89 Prozent der Nordschweden Stahls Aktion grundsätzlich gut fanden. Es sei ja schade um das viele Fleisch, so 65 Prozent. Nur neun Prozent waren dagegen.

Die Geschichte von der Reiterin, die ihr Rennpferd aufisst, hat inzwischen auch große Medien in den USA, Australien und Europa beschäftigt. Die Leser sind von Tiergeschichten häufig stärker betroffen als von Menschenschicksalen. Stahl hat deshalb auch viele Drohbriefe erhalten. »Ich habe viele Hassbriefe in Deutsch erhalten. Ich versuche, sie im Internet für mich zu übersetzen«, sagt sie. Je nach Kultur eines Landes seien die Briefe unterschiedlich. Auch aus Kanada und England habe sie viele Reaktionen bekommen. »Das ist lustig, aber irgendwie auch verrückt. Die Geschichte wurde viel größer, als ich mir vorstellen konnte«, sagt sie.

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