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Anonym und selbstbestimmt

Das Projekt »NeuRaum« bietet 22 Wohnungen für von Gewalt betroffene Frauen

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 3 Min.

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Frauen, die in Frauenhäusern leben, haben auf dem Berliner Wohnungsmarkt kaum eine Chance. Ein neues Kooperationsprojekt soll helfen.

»Wir sind immer noch erschüttert von den Ereignissen in Köln«, sagt die Senatorin für Frauen, Dilek Kolat (SPD), gleich zu Beginn einer Pressekonferenz in Charlottenburg am Mittwochmorgen. »Da bin ich wirklich stolz, dass wir in Berlin ein System geschaffen haben, dass seit Jahren an der Spitze steht, was den Kampf gegen häusliche Gewalt angeht«, führt sie aus. Doch auch dieses System habe noch Verbesserungspotenzial, erklärt Kolat. Die Senatorin stellt auf dem Treffen gemeinsam mit Kathrin Wolff, Generalbevollmächtigte von Berlins größtem Wohnungsunternehmen »Deutsche Wohnen AG« und Verantwortlichen der Caritas das neue Kooperationsprojekt »NeuRaum« vor. »NeuRaum« soll das bisherige Berliner Netzwerk aus sechs Frauenhäusern, 40 Zufluchtswohnungen, fünf Beratungsstellen und dem »BIG-Notfall-Telefon« ergänzen und entlasten. Dazu hat der Senat die Hilfsmittel für von Gewalt betroffene Frauen um 600 000 Euro auf nun 7,4 Millionen Euro pro Jahr erhöht.

Das Projekt »NeuRaum« füllt eine Lücke, die durch die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt entstanden ist. Frauen, die alleine oder mit ihren Kindern vor häuslicher Gewalt in Frauenhäuser fliehen, können oft aus Sicherheitsgründen nicht in ihre alten Wohnungen zurück. Eine neue Unterkunft zu finden, ist jedoch für viele Betroffene schwierig geworden. Eine negative Schufa-Auskunft oder mehrere Kinder können mitunter eine lange Suche bedeuten. »Engpässe auf dem Wohnungsmarkt sorgen dafür, dass Frauen länger in Frauenhäusern bleiben«, sagt Kolat. Die durchschnittliche Wohndauer habe sich auf sechs Monate erhöht. »Unser Erfahrung nach können Frauen durch einen längeren Aufenthalt wieder retraumatisiert werden«, sagt Ina van Lengen, die als eine von zwei Sozialpädagoginnen das neue Projekt betreut. Knapp 1800 Frauen und Kinder nahmen 2014 Berlins Frauenhäuser in Anspruch.

»NeuRaum« bietet nun insgesamt 22 Trägerwohnungen - 14 davon von der »Deutsche Wohnen AG« gestellt - auf die sich Frauen, die momentan in Frauenhäusern leben, bewerben können. Bei einem gemeinsamen Gespräch mit den Betroffenen wird geprüft, ob die Wohnung den Anforderungen entspricht. Mittels einer Gefahrenanalyse wird überprüft, ob die anonymen, aber ein selbstbestimmtes Leben ermöglichenden Wohnungen sicher genug sind. »Es gibt nicht den Schutz wie in einem Frauenhaus«, sagt Ilon Fehring, die ebenfalls im Projekt als Sozialarbeiterin tätig ist. Auch die Finanzierung der Wohnungen muss von den Frauen getragen werden, wobei die Mieten subventioniert werden sollen. »Ziel ist es, dass die Frauen in ein selbstbestimmtes Leben zurückfinden«, sagt Fehring. Die Aufenthaltsdauer in den Projektwohnungen ist auf sechs Monate angelegt, kann aber bei Bedarf verlängert werden. »Wenn die Frauen stark genug sind, können sie auch wohnen bleiben«, ergänzt die Unternehmenschefin Wolff. Bei ausreichender Stabilisierung der Lebenslage und Klärung der Finanzen kann ein regulärer Mietvertrag für die Wohnung vergeben werden und eine zusätzliche Wohnung zum Ausgleich in das Projekt integriert werden.

2014 registrierte die Berliner Polizei über 15 200 Fälle häuslicher Gewalt, die Täter waren überwiegend Männer. Die Staatsanwaltschaft leitete nur 852 Ermittlungsverfahren ein, bei denen wiederum nur in 140 Fällen Anklage erhoben wurde. Die Amtsanwaltschaft eröffnete knapp 14 000 Verfahren, stellte davon aber über 12 000 wieder ein. Rund ein Viertel der 2014 knapp 30 000 Berliner Gesamtfälle von leichter Körperverletzung fand zu Hause statt.

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