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Amur und Timur

Tiger und Ziegenbock sind im russischen Fernen Osten Freunde fürs Leben

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: 2 Min.
Eine Tierfreundschaft in einem Safaripark im russischen Fernen Osten lässt eine Facebook-ähnliche Website zusammenbrechen.

Wer vor einigen Tagen bei vkontakte - dem russischen Facebook-Analog - versuchte, die Website des Safariparks »Primorje« aufzurufen, erhielt eine Fehlermeldung. Die Site sei derzeit nicht verfügbar, weil unter dem Besucheransturm zusammengebrochen. Kurz zuvor hatte Parkdirektor Dmitri Mesenzew beim Radiosender »Russischer Nachrichtendienst« verkündet, die Webcams seien aufgestellt, jeder könne selbst verfolgen, wie es weitergeht mit der Freundschaft zwischen Amur und Timur. Einer Freundschaft, die selbst Mitarbeiter des Wildparks in Russlands Fernostregion Primorje verblüffte: Amur ist ein Tiger, Timur ein Ziegenbock.

Ende November schien dessen letztes Stündchen geschlagen zu haben. Ein Wärter führte den Bock in das Gehege des Tigers, der auf sein Mittagessen wartete. Doch der Bock ahnte offenbar, worum es ging. Jedes Mal, wenn die Raubkatze angreifen wollte, nahm er sie frontal auf die Hörner. Im Wortsinn. Dem Tiger verging der Appetit. Mittlerweile hat sich zwischen beiden eine regelrechte Freundschaft entwickelt. Der Bock hält den Tiger offenbar für sein Leittier und folgt ihm ergeben auf allen Wegen. Bei einer vermeintlichen Gefahrenlage streckt der Tiger seine Pranken steil durch, wölbt den Rücken nach oben und zieht den Bauch ein, unter dem der Bock dann geduckt Zuflucht sucht. Er sei dabei sichtlich bemüht, den Freund nicht mit den Hörnern zu verletzen.

Noch mehr staunten die Heger, als der Bock sich eines Tages - in der Gegend tobte ein heftiger Schneesturm - auf dem Schlafplatz des Freundes in dessen Schutzhütte gemütlich machte. Kampflos trollte sich der Tiger, um sein müdes Haupt auf dem Dach der Hütte zu betten. Dort nächtigt er seither tapfer. Nur mit der gemeinsamen Mahlzeit will es nicht so recht klappen. Der Bock steht auf vegane Kost, der Tiger ist Fleischfresser.

Parkdirektor Mesenzew sagte, Amur habe das Jagen nicht verlernt. Eigens dazu werde er zweimal wöchentlich mit lebender Beute gefüttert. Dem kampfentschlossenen Ziegenbock verpassten die Heger den Namen Timur. So hieß der lahmende Tatarenkhan, der Ende des 14. Jahrhunderts ein Reich regierte, das von Zentralasien bis Anatolien reichte. Namensgeber des Tigers ist der Fluss Amur. In den Uferwäldern leben die letzten sibirischen Tiger. Die Population ist vom Aussterben bedroht und zählt nur noch 450 bis 500 Tiere.

Amur und Timur spielen sogar zusammen Ball und haben ein eigenes Bankkonto: Die Russen sind von der Freundschaft tief ergriffen und überweisen fleißig Spendengelder. Auch verkauft der Safaripark Magnete mit Fotos der beiden Tiere für 60 Rubel (80 Eurocent). In Kürze sollen Dreharbeiten für einen Dokumentarfilm über Timur und Amur beginnen. Ein Zeichentrickfilm ist ebenfalls geplant.

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