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»Wenn sich Menschen …

Kathrin Gerlof über Krisenprävention durch privaten Konsum auf Teufel komm raus

Ein Orgasmus nach dem anderen: In Fragen Konsum und Wirtschaftswachstum ist es allen - den Ökonomen, den Schreibern, den Politikern, erlaubt, die Hose aufzumachen und sich öffentlich einen runterzuholen.

… in die Enge getrieben fühlen, können sie ihre inneren Impulse nicht mehr steuern.« Das sagt die Wiener Wirtschaftspsychologin Monika Spiegel, um uns zu erklären, warum sich manche Manager vor der Kamera um Kopf und Kragen reden. Man möchte hinzufügen, wenn sich Männer für allmächtig halten, ist es mit der Impulssteuerung auch vorbei. Frauen denken im Zweifelsfall erstmal nach, wenn’s wo schiefläuft. Das hat ihnen unter anderem eingebracht, zum schwachen Geschlecht erklärt, schlechter bezahlt und nicht in Vorstände und Aufsichtsräte berufen zu werden.

Männer haben uns in den vergangenen Tagen auf den Seiten 1 und 3 der Zeitungen und an den Rednerpulten impulsgesteuert erklärt, wie großartig, großartig, großartig es ist, dass die deutsche Wirtschaft ungeachtet aller Weltkrisen im vergangenen Jahr deutlich gewachsen ist. Ein dauernder öffentlicher Orgasmus, auch in Zeitungen, die gemeinhin ein bisschen lesenswert sind. »Die Konjunktur ist robust. Als besonders positiv werten Ökonomen, dass die Volkswirtschaft auch im vierten Quartal den internationalen Bedrohungen trotzte. Antreiber der Konjunktur war der private Konsum. Der starke Rückgang des Ölpreises hat den Konsum befeuert. Die staatlichen Ausgaben für Flüchtlinge und der private Konsum werden auch in diesem Jahr die Wirtschaft weiter stützen.«

Ein Orgasmus nach dem anderen: In Fragen Konsum und Wirtschaftswachstum ist es allen - den Ökonomen, den Schreibern, den Politikern, den Wirtschaftsweisen, den Wachstumsapologeten, den Tschaka-wirschaffen-das-honks - erlaubt, die Hose aufzumachen und sich öffentlich einen runterzuholen. Und wir - zumindest die meisten von uns - sind glücklich. »Guck mal der Junge, wie er sich freut.«

»Keiner von uns kann die wirtschaftliche Situation genau voraussagen«, sagt die Kanzlerin. Eine Binsenweisheit, aber immerhin ein bisschen schlauer als der ganze »ungeachtet des internationalen Terrors ist die Konjunktur überaus robust«-Jubel. »Sind die Wechseljahre«, behauptete möglicherweise an dieser Stelle Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen, der in Bezug auf die milliardenschweren Altlasten seiner Zockerbude erklärt hat: »Wir werden alles tun, damit wir dieses Kapitel schnell schließen können.« Für dieses teure Gras, das drüberwachsen soll, werden gerade tausende Stellen abgebaut. Trotzdem mangele es der Deutschen-Bank-Aktie an Fans, schreibt das »Handelsblatt«, auch so ein impulsgesteuerter Männerladen. Als trügen die Aktionäre ein Hütchen, einen Schal mit dem Logo der Bank und eine Tschaka-Rassel in der Hand.

Aber noch mal zurück zum Hauptantreiber der Konjunktur - dem privaten Konsum. Das sind dann nämlich wir. Muss jetzt gesagt werden. Wir haben gekauft wie die Blöden. Wir sind dafür, so lange zu wachsen, zu verbrauchen, Müll zu produzieren, wegzuschmeißen, um neu zu kaufen, bis wir irgendwann nicht mehr wissen, wo noch Platz für die Styroporverpackung ist, aus der wir gerade den neuen Flachbildschirm geschlagen haben.

»Anders als es traditionell in Deutschland der Fall ist, sollte es die Regierung deshalb als zentrale Aufgabe erkennen, den Konsum zu stärken«, schreibt die »Süddeutsche Zeitung«. Tschaka!

Gabriel (der ist Minister und Chef der teuren Toten), arbeitet dran. Kaufprämien für Elektroautos, darüber denkt er nach.

Bei der Produktion des Nissan- Leaf-Stromspeichers mit 24 Kilowattstunden fallen drei Tonnen CO2 an. Nach gut 28 000 Kilometern fährt so ein Nissan erst eine schwarze Umwelt-Null ein. Es wäre jetzt von einem Mann wie Gabriel und vielleicht überhaupt von einem Mann zu viel verlangt zu fordern, dass er so weit vorausdenkt. Aber mit all diesen impulsgesteuerten Ideen, die uns da täglich offeriert werden, ist es wie mit dem Müll. Sie sind viel länger haltbar als die Gebrauchsgegenstände, die sie vorher vielleicht mal waren. Und sie stinken oft.

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