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Die »Alte Dame« geht künftig in Grün

Französische Investitionsbank will die Energiewende mit Milliardenkrediten fördern

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.
Seit 200 Jahren ist die CDC einer der größten Kreditgeber Frankreichs. Nun soll sie eine ökologische Neuausrichtung unterstützen.

Die Caisse des Dépôts et Consignations (CDC), Frankreichs staatliche Depositenkasse, begeht in diesem Jahr ihr 200-jähriges Jubiläum. Sie wurde 1816 durch Ludwig XVIII. gegründet, der sie »unter den Schutz der Nation« gestellt und ihr Unabhängigkeit gegenüber der jeweiligen Regierung zugesichert hat. Dieser besondere Status war bitter nötig, um den Gläubigern des nach dem Sturz Napoleons hoch verschuldeten Landes Vertrauen einzuflößen. Im 19. Jahrhundert hat die CDC beispielsweise die Anlage eines landesweiten Netzes von Bahnlinien und Kanälen sowie den Ausbau des Straßennetzes finanziert und zudem - als die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde - den Bau von Schulen in allen Städten und Gemeinden des Landes ermöglicht. Nach den massiven Zerstörungen des Ersten Weltkriegs spielte die CDC eine zen- trale Rolle bei der Beseitigung der materiellen Schäden und der Ankurbelung der Wirtschaft.

Auch später konnte sie sich immer wieder bewähren, ganz besonders nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Kreditwesen weitgehend verstaatlicht war und die CDC eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau spielte. Bei ihr werden bis heute Garantiegelder, beispielsweise von Notaren, hinterlegt, sie verwaltet die Einlagen der Sparkassen und der öffentlichen Sozialversicherungsträger sowie die staatlichen Rentenfonds.

Durch Garantien der Banc de France abgesichert, kann die CDC billig Geld aufnehmen und ist einer der größten Kreditgeber des Landes. Sie finanziert den Bau von Sozialwohnungen, von Verkehrsanlagen und von kommunalen Infrastrukturen. Die Mittel dafür kommen aus den Einlagen der Bürger auf dem steuerfreien Volkssparbuch Livret A und in steuerbegünstigten Wohnungsbaufonds. Dieser Sektor macht bei der CDC einen Jahresumsatz von 261 Milliarden Euro aus. Der zweite Bereich mit 129 Milliarden Euro Umsatz umfasst die diversen gesetzlich geregelten Einlagen öffentlicher Einrichtungen, die Leistungen an diese und die Finanzierung öffentlicher Projekte. Im dritten Bereich mit 150 Milliarden Euro Umsatz werden für den Staat dessen Anteile an der Post und anderen wirtschaftlich selbstständigen Unternehmen verwaltet. Bei einem Eigenkapital von rund 30 Milliarden Euro verwaltet die CDC fast 450 Milliarden Euro. 2014 wurde ein Reingewinn von 1,8 Milliarden Euro erzielt, von dem drei Viertel an den Staatshaushalt abgeführt werden mussten.

Auf der Jubiläumsveranstaltung mit 5500 CDC-Mitarbeitern und Gästen, die vergangene Woche im Pariser Grand Palais stattfand, hielt sich der französische Präsident François Hollande nicht lange - wie noch seine Amtsvorgänger François Mitterrand und Jacques Chirac zum 175. und zum 190. Gründungstag - mit der Vergangenheit der oft liebevoll »Alte Dame« genannten Finanzinstitution auf, sondern gab ihr eine Kurswende für die Zukunft vor. Die Caisse solle zum »zentralen Akteur der ökologischen und Energiewende« des Landes werden, erklärte Hollande.

Um das zu fördern, wird die CDC bis 2020 insgesamt 100 Milliarden Euro aufnehmen und dann als zinsgünstige Kredite vergeben. Außerdem soll die Bank 26 Milliarden Euro in nachhaltige Projekte investieren. Ferner regte Hollande an, dass sich die CDC in »Depositenkasse für Nachhaltige Entwicklung« umbenennen und stärker international entwickeln solle, beispielsweise durch Gewinnung ausländischer Investoren. Als Geste der Unterstützung sicherte der Staatschef der CDC zu, dass sie künftig vom Reingewinn nur noch die Hälfte abführen muss.

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