Zu hohe Abgaswerte: Renault überprüft 15.000 Neuwagen

Motoren sollen vor Verkauf neu eingestellt werden / Kein Hinweis auf Manipulationssoftware wie bei VW / Nach Razzien in der vergangenen Woche stürzte Aktienkurs

Razzien hatten die Aktienkurse in den Keller gejagt, die Furcht vor einem neuen »Dieselgate« war groß - jetzt will Renault von sich aus tausende Fahrzeuge prüfen - Manipulationen wie bei VW soll es aber nicht geben.

Paris. Nach der Feststellung zu hoher Abgaswerte bei Renault zieht der französische Autobauer die Konsequenzen und will 15.000 Neuwagen überprüfen. Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal sagte am Dienstag, bei diesen Autos müsse der Motor richtig eingestellt werden, bevor sie an die Kunden ausgeliefert würden. Vergangene Woche waren Razzien bei Renault vor dem Hintergrund des VW-Skandals bekannt geworden, die Aktien gingen daraufhin auf Talfahrt.

»Neuwagen müssen den Normen entsprechen«, sagte Royal dem Radiosender RTL. Daher habe sich Renault dazu entschlossen, 15.000 Wagen zu überprüfen, um sicherzugehen, dass die Filtersysteme unter allen Temperaturbedingungen richtig funktionierten. Das könne schnell erledigt werden, sagte Royal, es dauere nur einen halben Tag, einen Motor richtig einzustellen.

Die französische Regierung hatte sich nach dem Manipulationsskandal bei Volkswagen darum gesorgt, dass auch französische Autobauer eine Schummelsoftware installiert haben könnten, um die Abgaswerte zu drücken. Sie ordnete eine Untersuchung an, bei Renault gab es Durchsuchungen. An der Börse stürzte der Autobauer bei Bekanntwerden der Razzien ab, die Renault-Aktien verloren zeitweise mehr als 20 Prozent.

VW hatte im September eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Manipulationssoftware eingesetzt zu haben. Diese zeigt bei Emissionstests einen niedrigeren Stickoxid-Ausstoß an als auf der Straße.

Einen Hinweis auf eine solche Manipulationssoftware fanden die Experten bei Renault nicht, gleichwohl stellten sie zu hohe Emissionen bei Dieselfahrzeugen fest. Royal sagte zu den Ergebnissen der Untersuchung, der Ausstoß von Kohlendioxid sowie von Stickoxid in Dieselfahrzeugen von Renault und mehreren ausländischen Konkurrenten liege »über den Grenzwerten«.

Am Montag dann kündigte der Autobauer einen »technischen Plan« an, wie die Emissionen reduziert werden könnten. Dieser werde »in den kommenden Wochen« vorgelegt. Am Nachmittag erschien die Renault-Spitze im Umweltministerium zum Rapport. Die von der Regierung ebenfalls erwähnten ausländischen Konkurrenten von Renault würden sich ebenfalls vor der Untersuchungskommission zu den zu hohen Abgaswerten äußern, sagte Royal - sie sagte aber nicht, um wen es sich handelte.

Bereits im November war eine Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) bekannt geworden, wonach ein Dieselmodell von Renault die in der EU erlaubten Emissionswerte für Stickoxid übersteigt. Demnach ergaben Abgastests in der Schweiz im Auftrag der DUH, dass der Renault Espace 1.6 dCi die Grenzen um das 13- bis 25-fache je nach Situation überschreite. Renault wies das zurück und erklärte, der Espace erfülle die »geltenden Vorschriften«. AFP/nd

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