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Jena: AfD im zu lauten Kessel

Proteste und Blockaden gegen Aufmarsch der rechten Partei / Politiker warnen vor Folgen rassistischer Parolen

Update 20.10 Uhr: Antifaschisten haben die AfD-Demonstration umstellt
400 AfD-Anhänger haben sich auf dem Jenaer Marktplatz getroffen. Womit sie vermutlich nicht gerechnet haben: Sie sind umzingelt. Und zwar von zwischen 2000 und 3000 Antifaschisten. Die Polizei lässt die Teilnehmer gewähren und räumt nicht. Damit befindet sich die AfD-Demo in einem Kessel.

»Hirn statt Hetze«: Hunderte protestieren in Jena gegen AfD

Berlin. In Jena protestieren Hunderte gegen einen Aufmarsch der AfD. Wie die Polizei am Abend nach Beginn der Aktion mitteilte, beteiligten sich zu diesem Zeitpunkt nach ihrer Zählung 1.300 Menschen daran. zahlreiche Menschen versuchten, die Wege der Anhänger der Rechtspartei zu blockieren. Im Laufe des Abends wuchs die zahl der Teilnehmer an den Gegenprotesten.

Insgesamt waren sieben Protestaktionen angemeldet. Vor der Stadtkirche warnten Redner vor der Politik der rechten Partei und kritisierten deren Thüringer Landeschef Björn Höcke. In der Menge waren Losungen, wie »Hirn statt Hetze« und »Rassismus tötet« zu lesen. Bei dem Aufmarsch der AfD wurden am Abend zunächst etwa 400 Teilnehmer gezählt. Darunter seien auch Neonazis gesichtet worden, hieß es von vor Ort.

Aufgerufen zum antirassistischen Protest hat ein breites Bündnis, das unter anderem von Parteien, dem »Aktionsbündnis gegen Rechts« und dem »Runden Tisches für Demokratie« getragen wird. Dass die AfD ihren Marsch durch Jena ausgerechnet als Friedensdemonstration deklariert, bezeichnete das Bündnis als »blanker Hohn«.

Die Rechten hatten am Abend zunächst eine Auftaktkundgebung auf dem Markt geplant und wollten daran anschließend durch Jenas Innenstadt ziehen. Als prominente Redner kündigte die Partei neben AfD-Landeschef Björn Höcke ihren »außenpolitischen Experten«, Parteivize Alexander Gauland an, der »auf unserer Friedensdemo in Jena Klartext reden« werde, wie es in einem Aufruf heißt. Unter Klartext versteht Gauland etwa seine Forderung, männliche Syrer müssten in ihrem Heimatland kämpfen, anstatt vor dem Krieg zu flüchten.

Der AfD wollten sich am Mittwochabend gleich sieben Kundgebungen entgegenstellen. Zahlenmäßig wären diese den rechten Scharfmachern deutlich überlegen: Ingesamt hoffte man, dass sich daran bis zu 2.000 Menschen beteiligen.

In dem Protestaufruf gegen die AfD zieht der Runde Tisch Parallelen zwischen den Rechtspopulisten und der NPD, die sich aus dem Titel des angekündigten Aufmarsches zeigten, den die Rechten unter dem Namen »Für ein friedliches Europa der Vaterländer« anmeldeten. »Die letzte größere Veranstaltung, die in Jena für ein ‘Europa der Vaterländer’ warb, war das nazistische ‘Fest der Völker’. Hinter diesem, in der Vergangenheit auch häufig von der NPD propagierten Slogan strebt die nazistische Szene nach einem völkisch verstandenen Kulturraum weißer Menschen.« rdm/Agenturen

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