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Krebs durch Fracking?

Ärzte fordern Erklärung für überdurchschnittliche Erkrankungsraten

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Laut einer Studie gefährdet Fracking weder die Umwelt noch die Gesundheit der Menschen. Bürgerinitiativen bezweifeln das - und auch Ärzte aus den Gas- und Öl-Förderregionen schlagen Alarm.

Fracking und Trinkwasserschutz sind miteinander vereinbar. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der wirtschaftsnahen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Darin schätzt die BGR das Vorkommen von Schiefergas und erstmals von -öl ab. Schiefergas ist in Tongestein enthaltenes, »unkonventionelles« Erdgas - dagegen stammt »konventionelles« Erdgas aus grobkörnigen Sandsteinschichten. Für Schieferöl gilt eine ähnliche Definition.

Die nach heutigem Stand förderbaren Schiefergasmengen beziffert die BGR auf bis zu 2030 Milliarden Kubikmeter. Zum Vergleich: Die konventionellen Gasvorkommen in Deutschland betragen rund 100 Milliarden Kubikmeter. Beim Schieferöl liegen die Vorkommen demnach bei höchstens 164 Millionen Tonnen, was etwa der Größenordnung konventioneller Erdölreserven entspricht.

Schiefergas und -öl können in größerem Maß nur mit der umstrittenen Fracking-Methode gefördert werden. Dabei wird das Gestein unter hydraulischen Druck aufgebrochen und ein Gemisch aus Sand, Wasser und Chemie hineingepresst, um gebundenes Gas oder Öl freizusetzen. Bei der Ermittlung der Umweltrisiken kommt die BGR zu dem Ergebnis, dass Fracking kontrolliert und umweltverträglich erfolgen kann.

Oliver Kalusch vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) reicht dagegen schon ein erster Blick, um zu sehen, dass »die BGR-Studie, die die Unbedenklichkeit von Fracking belegen soll, nicht überzeugt«. Wichtige Aspekte seien »nicht oder nicht angemessen betrachtet«, Aussagen nicht belegt worden. So werde Fracking in geologischen Störungszonen zwar als relevant für die Entstehung von Erdbeben angesehen. Im weiteren Verlauf der Studie spiele dies aber keine Rolle mehr.

»Irreführend«, so Kalusch, sei die Betrachtung der in Deutschland durchgeführten Fracs. Durch die Behauptung, es seien keine Hinweise auf Verunreinigungen des Grundwassers bekannt, erwecke die BGR den Eindruck, dass Messungen stattgefunden hätten. Tatsächlich habe es nie ein systematisches Monitoring der Umweltauswirkungen gegeben.

Auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden sieht ungeachtet der »einseitigen Aussagen« in der BGR-Studie erhebliche Umwelt- und Gesundheitsrisiken durch Fracking. Ein Blick in die USA zeige, dass es beim Fracking immer wieder zu unkontrollierten Grundwasserkontaminationen komme. Auch in Niedersachsen deuteten Zwischenfälle bei der Erdgasförderung auf Umwelt- und Gesundheitsgefahren hin.

In diesem Bundesland haben sich jetzt mehr als 200 Ärzte aus dem Landkreis Rotenburg/Wümme zu Wort gemeldet. In einem offenen Brief an Landesgesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) weisen sie auf die erhöhte Krebsrate in der Region hin und fordern eine Untersuchung der Ursachen.

Schon länger ist bekannt, dass in der zum Kreis gehörenden Samtgemeinde Bothel überdurchschnittlich viele Krebserkrankungen auftreten. Dem Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen zufolge erkrankten zwischen 2003 und 2012 fast doppelt so viele Männer, wie zu erwarten gewesen wäre, an Blut- und Lymphdrüsenkrebs. Normal wären in diesem Zeitraum 21 Erkrankungen gewesen - das Register verzeichnet 41 Fälle.

Eine weiterführende Untersuchung ergab, dass auch umliegende Gemeinden betroffen sind. In Rotenburg liegt die Krebsrate älterer Männer über 60 Jahre rund 30 Prozent über dem Durchschnitt. Offiziell ist die Ursache ungeklärt. In der Region wurde seit Jahrzehnten konventionelles Erdgas gefördert - auch mittels Fracking. Seit über vier Jahren wird die umstrittene Methode in Deutschland allerdings nicht mehr angewendet.

»Wir wenden uns jetzt mit der dringenden Bitte an Sie, die Ursachenforschung durch die rasche Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel sicherzustellen«, schreiben die Mediziner. »Handeln Sie jetzt!«

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