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Polens Handballer unter Zugzwang

Für den EM-Gastgeber ist nach dem 28:30 gegen Norwegen das Halbfinale in Gefahr

  • Von Christoph Stukenbrock, Krakow
  • Lesedauer: 2 Min.
Herber Dämpfer für Gastgeber Polen: Nach der überraschenden Niederlage gegen Norwegen muss das Team von Trainer Michael Biegler bei der Heim-EM um die ersehnte Halbfinalteilnahme bangen.

Die Spieler um Rückraumriese Karol Bielecki posaunten ihren Frust ungeniert fluchend heraus, und auch Trainer Michael Biegler machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. »Wir sind nach dem Frankreich-Spiel wieder hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet«, sagte der deutsche Trainer der polnischen Handballer. Nach der überraschenden 28:30-Niederlage gegen Norwegen stehen Biegler und Co. bei ihrer Heim-EM plötzlich unter Zugzwang - das ersehnte Halbfinale hängt am seidenen Faden.

»Wir müssen jetzt alles in die Waagschale werfen«, sagte Biegler mit Blick auf die verbleibenden Partien. In den Spielen gegen Belarus am Montag und gegen Kroatien am Mittwoch dürfen sich die Polen keinen Ausrutscher mehr erlauben - ansonsten platzt der Traum vom Wintermärchen im eigenen Land schon in der Hauptrunde.

Mit 4:2 Punkten liegt Polen in der Hauptrundengruppe I zurzeit nur auf Platz vier. Spitzenreiter ist Frankreich (6:2), dahinter rangieren Überraschungsteam Norwegen (6:0) und Kroatien (4:4). Nur die ersten beiden Teams ziehen in die Medaillenrunde ein. »Vor uns liegen jetzt zwei schwere Spiele, es kann alles passieren«, sagte Torhüter Slawomir Szmal: »Unsere Mannschaft hat zwei Gesichter. Ich hoffe, dass sich so ein Spiel nicht wiederholt.«

Vier Tage nach ihrem Coup gegen Welt- und Europameister Frankreich (31:25) war Polens Team gegen die Norweger tatsächlich kaum wiederzuerkennen. Fahriger Spielaufbau, schwache Torhüterleistung, Fehlwürfe: Der vermeintliche Heimvorteil mit 15 000 enthusiastischen Fans im Rücken schien die Biegler-Schützlinge diesmal eher zu lähmen als zu beflügeln. Selbst die zehn Treffer des langjährigen Bundesliga-Torjägers Bielecki waren am Ende zu wenig. »Es war ein Massaker«, titelte das Boulevardblatt »Fakt« anschließend.

»Wir lassen uns manchmal zu viel von unseren Gefühlen leiten, anstatt mit dem Kopf zu spielen«, sagte Keeper Szmal in den Katakomben der riesigen Tauron-Arena von Krakow. Viele seiner Teamkameraden wollten sich lieber gar nicht öffentlich äußern und stapften lauthals fluchend in die Kabine.

Ganz anders war die Stimmung bei den Franzosen. Nach dem souveränen 32:24 gegen das ebenfalls hoch gehandelte Kroatien hat der Olympiasieger endgültig die Titelverteidigung ins Visier genommen. Ihrem »Endspiel um das Halbfinale« gegen Norwegen am Mittwoch sehen die Stars um Torwart Thierry Omeyer gelassen entgegen. »Wir sind sehr hungrig«, versicherte der frühere Kieler. Mit 40 Prozent gehaltener Bälle avancierte der 39-Jährige einmal mehr zum Spieler des Tages. SID/nd

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