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Die Show der Bänderrisse

Saisonaus für Norwegens alpinen Skistar Aksel Lund Svindal nach schwerem Sturz auf der »Streif« in Kitzbühel

  • Von Elisabeth Schlammerl, Kitzbühel
  • Lesedauer: 4 Min.

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Schwere Stürze überschatteten die Abfahrt auf der »Streif« in Kitzbühel. Für den Gesamtweltcup-Favoriten Aksel Lund Svindal aus Norwegen und den Österreicher Georg Streitberger ist die Saison vorbei.

Über Nacht heilen zwar nicht alle Wunden, schon gar nicht die jener Athleten, die die Weltcupabfahrt auf der »Streif« jedes Jahr abwirft, aber in Kitzbühel kehrt fast jedes Mal am Tag nach dem großen Skispektakel wieder Normalität ein. Die, die zum Hahnenkammrennen kommen, um in erster Linie zu feiern, haben vor allem mit den Folgen des Alkoholkonsums zu kämpfen, aber auch Athleten, Trainer und Veranstalter halten sich nicht lange auf mit dem, was beim anspruchsvollsten Rennen passiert war. »So ist Skifahren«, sagte der norwegische Cheftrainer Christian Mitter vor dem Start des Slaloms auf dem Ganslernhang am Sonntag, also keine 24 Stunden nachdem sein bester Athlet schwer gestürzt war.

Aksel Lund Svindal, der Sieger des Super-G vom Freitag, hatte es als einen von drei Abfahrern schwer erwischt. Nach Kreuzband- und Meniskusriss im rechten Knie wird er wohl bis in die nächste Saison hinein ausfallen. Der Verletzte selbst sah es ähnlich. »Das ist ziemlich ärgerlich mitten in der Saison, aber so ist das Leben. Es gibt Hochs und Tiefs und damit musst du einfach umgehen«, ließ er aus dem Krankenhaus in der Nähe von Innsbruck übermitteln.

Dort teilt er das Zimmer mit dem Österreicher Georg Streitberger, der am Samstag an der gleichen Stelle ebenfalls gestürzt war und fast die gleiche Verletzung erlitt. Der dritte Abfahrer, den es an der Einfahrt zur Traverse erwischt hatte, ist der Österreicher Hannes Reichelt. Der Hahnenkammsieger von 2014 konnte im Gegensatz zu seinen beiden Kollegen das Krankenhaus schnell wieder verlassen. Seine Knochenstauchung im rechten Knie und seine Kopfschmerzen kann er zuhause auskurieren.

Wenn Svindal und Streitberger am Sonntag im Klinikum Hochrum am Fernseher den Slalom verfolgt haben sollten, dürfte sie der Schock des Vortages noch einmal eingeholt haben. Denn auch da musste der Rettungshubschrauber starten. Gleich der erste Fahrer, der Italiener Giuliano Razzoli, zog sich einen Riss des vorderen Kreuzbands zu.

Doch auch diese Bilder werden die Opfer des diesjährigen Hahnenkammrennens verdrängen. Das, sagen die Protagonisten stets, gehöre zum Geschäft. Tatsächlich bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als so zu denken, wenn sie wieder ganz vorne dabei sein wollen. Aber nach Unfällen wie am Samstag auf der »Streif«, nach Stürzen, wie sie im Abfahrtssport häufiger vorkommen, allerdings nirgends solche Aufmerksamkeit erregen wie in Kitzbühel, stellt sich die Sinnfrage. »Ich bin mir bewusst, dass es ein schmaler Grat ist zwischen Show und zu gefährlich«, sagt Marcel Hirscher.

Der Österreicher könnte der große Nutznießer von Svindals Ausfall sein, denn bisher hatte er sich einen harten Kampf mit dem Norweger um die große Kristallkugel geliefert. Nun scheint der Weg frei zu sein für Hirscher. Er wird wohl, wenn er sich nicht verletzt, als erster Skirennläufer zum fünften Mal nacheinander den Gesamtweltcup gewinnen. Aber einen Gedanken daran verbat die Fairness: »Ich möchte ihm alles Gute wünschen. Es war einfach ein Genuss, ihm zuzuschauen. Das war der beste Aksel, den ich je gesehen habe.«

Die Diskussion drehte sich am Samstag darum, ob äußere Bedingungen die Fehler der drei Athleten bedingt haben, die Verantwortlichen des Internationalen Skiverbandes mit Renndirektor Markus Waldner das Rennen hätten abbrechen sollen. Nicht erst - wie geschehen - nach den ersten 30 Startern, sondern früher. Die Sicht war im Laufe des Rennens schlechter geworden und die Schläge auf der Ideallinie bei der Einfahrt zur Traverse im unteren Streckenabschnitt deshalb nicht mehr zu sehen. »Es ist momentan der Punkt, an dem man sich Gedanken machen muss, was ist möglich, was ist fahrbar und was ist zu gefährlich«, sagt Hirscher, der als Technikspezialist, der nur gelegentlich Super-G-Rennen bestreitet und die Abfahrt meidet, eine etwas andere Sicht auf die Dinge hat als seine schnellfahrenden Kollegen.

Renndirektor Waldner verteidigte hingegen seine Strategie. Die Piste sei sicher gewesen, sagte er, gab aber zu: »Wir waren am Limit.« Auch von den Trainern gab es bei der Sitzung am Abend keine Vorwürfe. Svindals Trainer Mitter nannte die Stürze sogar »wahrscheinlich Pech«.

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