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Neue Konflikte an der Hauptmann-Schule

Besetzer kritisieren fehlenden Zutritt zu Teilen des Geländes in Kreuzberg

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 2 Min.
Die noch rund 24 Flüchtlingsaktivisten in der Gerhart-Hauptmann-Schule beklagen Schikanen des Bezirks. Die Ankunft neuer Asylsuchender sehen sie skeptisch.

Die nach wie vor rund 24 im Südflügel der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg untergebrachten Geflüchteten fühlen sich übergangen. »In der Vereinbarung mit dem Bezirk wurde festgelegt, dass wir den Pavillon und die Aula auf dem Gelände mit nutzen dürfen. Das findet jedoch nicht statt«, beschwert sich der aus Sudan stammende Al Nour auf einer Pressekonferenz vor der Schule am Freitag. Ohne Rücksprache sei der Pavillon umzäunt und die Mitnutzung durch die Flüchtlinge beendet worden. Zudem gebe es nach wie vor ein »Besuchsverbot« für die Bewohner. »Wir sind isoliert«, sagt der aus Senegal stammende Hamdy. Das Vorgehen des Bezirks erschwere die Errichtung eines geplanten »Internationalen Flüchtlingszentrums«, berichten die Aktivisten. Für dessen Umsetzung sei man bereits mit verschiedenen Organisationen im Gespräch. »Weitere Initiativen werden gesucht«, sagt Al Nour. Die für die nächsten Tage angekündigte Ankunft von über 100 Asylsuchenden wird mit gemischten Gefühlen aufgenommen. »Wir haben kein Problem mit den Geflüchteten, aber befürchten - unter anderem durch einen geplanten Zaun auf dem Gelände - die Unterteilung in ›gute‹ und ›schlechte‹ Flüchtlinge«, sagt Hamdy.

Im unbewohnten Nordflügel der ehemaligen Schule hat der Bezirk eine neue Notunterkunft mit 109 Plätzen eingerichtet. Zuvor wurden die Räume aufwendig renoviert, gemalert und mit neuen Sanitäranlagen ausgestattet. Zusätzlich soll auf dem Hof des Geländes und an der angrenzenden Straße durch die Wohnungsbaugesellschaft Howoge ein mehrgeschossiger Neubau mit 130 Wohnungen in Modularbauweise entstehen. Nach Medienberichten ist das geplante Wohnhaus für Geflüchtete, Studenten, wohnungslose Frauen sowie einkommensschwache Familien vorgesehen. Der Baubeginn könne bereits im Herbst erfolgen.

Die Aktivisten besetzen seit 2012 das bisher leer stehende Gebäude. Das Bezirksamt versuchte, die letzte Gruppe der verbliebenen Geflüchteten Ende 2014 aus dem Haus zu räumen. Dies wurde vom Verwaltungsgericht nach einem Widerspruch einiger der Bewohner untersagt. Anfang Januar hatte der Bezirk die Räumungsanordnung endgültig zurückgenommen.

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