Ausgabe vom 27.04.2002

Klaus Haupt

Wo Krösus und Hadrian herrschten

Gedankenversunken sitzt Mehmet Höra in der Säulenstraße zwischen ungezählten steinernen Resten der einstmals blühenden Stadt. Reisen durch Städte und Länder ist ihm nicht vergönnt, dazu fehlt es ihm an Bargeld. Milliarden wären nötig angesichts der Inflation, wo man schon mit einem Euro Lira-Millionär ist. Nein, der einzige Ort auf der Welt, den Mehmet Höra aufsucht, das ist die antike Stadt Perge...

ndPlusWolfgang Weiss

Ritter und Rock

Dem malerischen Städtchen Dahme am gleichen Flusslauf, der später als beachtlicher Fluss in Berlin-Köpenick in die Spree mündet, wird in diesem Jahr eine besondere Ehre zuteil: Der achthundertjährige brandenburgische Ort ist am 4. und 5. Mai Gastgeber des 6. Fläming-Frühlingsfestes. Das länderübergreifende Volksfest - im vergangenen Jahr in Möckern, davor in Leitzkau, beides Sachsen-Anhalt - kehrt...

Tipps & Trends

Aus Preussag wird TUI Preussag, der weltgrößte Reisekonzern, wir im Juni seinen Namen ändern. Er nimmt den seiner bekanntesten Tochter, der TUI, an. Biberburg und Lutherhalle Eine Touren-Karte für Anhalt-Wittenberg ist soeben erschienen. Sie enthält auch dreißig spezielle Ausflugsziele - von Biberburg bis Wittenberger Lutherhalle. Info: FV Anhalt-Wittenberg, Albrechtstr. 48, 06844 Dessau, Tel. (03...

ndPlusEckhard Galley

Die Grotten und die Falken

Als die Feengrotten in Saalfeld hinter uns liegen, erzählt die brünette Yvonne Habermann von ihrem großen Erlebnis im Jahr 2000. Da hatte sich die Geschäftsführerin der Feengrotten Tourismus GmbH mit ihrem Mann auf den Weg nach New York gemacht. In die Riesentraube des legendären Marathon wollte sie einfach mal mit eintauchen. Keine große Vorbereitung davor, nur die üblichen drei Laufrunden pro Wo...

Martin Koch

Mathematik für die Börse

Mit der Einführung des Euro haben die Deutschen nicht nur ihren Glauben an stabile Preise verloren. Vorbei sind auch die Zeiten, da berühmte Frauen und Männer aus Kunst und Wissenschaft die Geldscheine zierten. So war auf dem viel benutzten Zehn-Mark-Schein das Konterfei des berühmten Mathematikers und Astronomen Carl Friedrich Gauß zu sehen, dessen Geburtstag sich am 30. April zum 225. Mal jährt....

Reconquista auf sechs Beinen

Ameisen sind staatenbildende Insekten. Allerdings herrscht unter den kriegerischen Sechsbeinern normalerweise eine Kleinstaaterei wie im Deutschland des Dreißigjährigen Krieges. Begegnen sich Arbeiter aus zwei verschiedenen Haufen, bekämpfen sie sich. Doch ausgerechnet die für ihren Kampfgeist bekannten Ameisen Südamerikas bieten eine Ausnahme. Die Argentinische Ameise (Linepithema humile) wird au...

Siegfried Neumann

Europäer genetisch »baskisch«?

Zu den »schlagenden« Argumenten mancher baskischer Nationalisten gehört die Berufung auf die Abstammung von den ältesten Europäern. Spanier und Franzosen hingegen seien nur Nachfahren der lange nach der letzten Eiszeit zugewanderten Kelten und Germanen. Diese Auffassung teilte bislang - wenn auch ohne den rassistischen Unterton - auch die offizielle Urgeschichtsforschung. Doch nun zeigen genetisch...

ndPlusLucian Haas

Satellitenradar für die Bauern

Wer vom All aus die Erde betrachten will, steht regelmäßig vor einem Problem: Ist es dunkel oder bewölkt, fehlt auch den schärfsten Kameras der Durchblick. Nun verspricht die deutsche Raumfahrtbranche Abhilfe. Jüngst beschlossen das Bundesforschungsministerium, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Satellitenbauer Astrium den Bau eines neuartigen Erderkundungssatelliten. »Terr...

Nadine Raihani

Hungrige Goldgräber, Sonne, Mond und Sterne

Deutschland wird oft vorgeworfen, kulinarisches Entwicklungsland zu sein. Letzten Samstag bewiesen beim Großen Finale der fünften Schülerkochmeisterschaft die sechs besten Mannschaften aus den Bundesländern Sachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin genau das Gegenteil. Rund 900 Schüler aus 223 Schulen qualifizierten sich für den Wettbewerb. Die 13- bis 17-Jährigen trafe...

ndPlusNadine Raihani

»PISA steuert uns«

»PISA steuert uns«, gab die niedersächsische Kultusministerin Renate Jürgens-Pieper zu. Die PISA-Studie setzt die Politik immer mehr unter Zeitdruck. Letzte Woche lud die SPD ins Berliner Willy-Brandt-Haus ein, um über die Konsequenzen aus der internationalen PISA-Studie sowie über die Vorschläge des Forums Bildung für die Bildungspolitik in Deutschland zu diskutieren.

Jürgen Amendt

Dem Stefan E. sein Fan

Kann es ein richtiges Leben im falschen geben? Ach, wie vermissen wir den von den 68ern gehassten Lieblingsphilosophen der 68er, Theodor W. Adorno. Lebte er noch, könnte er uns vielleicht Antwort geben. Und damit helfen, das intellektuelle Chaos, das durch die Bemerkung eines gewissen Stefan E. angerichtet wurde, zu entwirren. Er würde das Arbeitslosengeld auf ein Minimum kürzen, damit jeder arbei...

ndPlusWaltraud Engelberg

Nach dem drive-in einen drink am take-off

Überall wird rationalisiert, in den Betrieben, in der Wirtschaft, neuerdings auch in unserer bürokratischen Verwaltung, nicht so bei der Sprache; da kann man gar nicht genug unsinnig draufpacken, aufschwemmen und umständlicher machen. Warum nur? Hofft man unbewusst, geschwätzig Bedeutungsloses durch Superlative aufwerten zu können? Besonders bei den Grünen grassiert (Spitzenkandidatin dafür Kersti...

Eduardo Galeano

Die Wortverdrehungsmaschine

Sigmund Freud hatte es von Jean-Martin Charcot gelernt: die Ideen können dem menschlichen Geist per Hypnose eingepflanzt werden. Mehr als ein Jahrhundert ist seitdem vergangen. Die Manipulationstechnik hat sich derweil sehr viel weiter entwickelt. Eine riesige Maschine von der Größe des Planeten lässt uns die Botschaften wiederholen, die sie uns in unser Inneres einpflanzt. Es handelt sich um die...

ndPlusJörg Staude

Der Abschied

Wir schreiben den 16.März des Jahres 2002. Für Eckhard Dubslaff wird auch dieses Datum ein historisches sein. Zum letzten Mal absolviert er, der technische Chef der Veag-Kraftwerke, einen Arbeitstag in Boxberg. Dieser Montag beginnt für ihn um 7Uhr. Der Betriebsrat hat zur Betriebsversammlung geladen - mit einem außerordentlicher Tagespunkt: Die Verabschiedung von Dubslaff. Für die Boxberger eine ...

Zu den Gipfeln des Glücks

Die UNO hat 2002 zum »Jahr des Berges« erklärt. Für die Dresdner Götz Wiegand (Jahrgang 1959/ Freier Journalist/ Bergsteiger seit 1984; rechts) und Frank Meutzner (Jahrgang 1965/Bergsportjournalist und Kameramann/Bergsteiger seit 1979; links) ist jedes Jahr ein Jahr des Berges. Seit sie sich 1997 kennen lernten, bilden sie eine Schicksalsgemeinschaft bei Unternehmungen zu den höchsten Gipfeln der Welt, sind Organisation und Durchführung der Expeditionen beider Lebensinhalt. Ihre bisherige Bilanz: Sechs Expeditionen zu Achttausendern, erste deutsche Besteigung des Makalu (8463 Meter) ohne zusätzlichen Sauerstoff; im Februar erfolgte der Aufstieg zum Aconcagua (6959 Meter), dem höchsten Berg Südamerikas. Gemeinsam schrieben sie das Buch »Gipfelträume. Unser Weg zu den Achttausendern«, das vergangenes Jahr im Sportverlag Berlin erschien.

ndPlusWerner Berthold

Klios Jünger

Man muss die Axt gebrauchen.« In dieser Manier sollte der Leipziger Historiker Karl Lamprecht (1856-1915) wissenschaftlich exekutiert werden. Der Delinquent hatte es gewagt, den dominierenden Historismus Rankeanischer Provenienz mit seinem Machtstaats- und Personenkult in Frage zu stellen. Bei Annäherungen an den westeuropäischen Positivismus sowie an den Historischen Materialismus erfolgte dies m...

Andreas Herbst

Immer nur Intrigen

Mit einem Wallenstein-Zitat schmückt Rainer Barzel seine Erinnerungen an das gescheiterte konstruktive Misstrauensvotum vor 25 Jahren, am 27. April 1972: Die Tat bedacht - oder - vollbracht...« Die CDU/CSU-Opposition will die abbröckelnde Mehrheit der sozialliberalen Koalition nutzen, um den sozialdemokratischen Bundeskanzler Willy Brandt zu stürzen. An seine Stelle soll ihr Fraktionsvorsitzender ...

ndPlusHans George

Ewige Schande

Die Uhrzeit ist bekannt: Gegen 16.30 Uhr erschienen an diesem 26. April 1937 die ersten deutschen Maschinen vom Typ He111 über der baskischen Stadt Guernica. Dann kamen die todbringenden J 52. Ziel- und planlos warfen sie ihre 250- und 500-kg-Sprengbomben, dazu noch Brandbomben. Bis etwa 19.45 Uhr ging das weiter. Welle um Welle folgten die Ju 52. Und die Jagdflieger, die mit ihren Bordwaffen die ...

Günter Vogler

»Wir können vor Pfaffen und Edelleuten nit genesen«

Der in Diensten des Bischofs von Speyer stehende Landschreiber Georg Brenz berichtet zum Jahr 1502, in der Woche nach dem 3. April habe ein Knecht aus der Markgrafschaft Baden seinen Herrn informiert, »wie sich ein Gesellschaft, die Bundschuher genannt, zusammen verpflichtet« habe: Ihr gehörten viele Leute aus der Stadt Bruchsal und umliegenden Orten an, die Städte und Dörfer besetzen wollten und ...

ndPlusLeo Burghardt, Havanna

Geschichten aus der »Bodeguita«

Am 26. April wurde eines der Flaggschiffe der kubanischen Gastronomie 60 Jahre alt: die »Bodeguita del Medio«. So stand es in den Zeitungen. Das ist nicht falsch, aber richtig ist es auch nicht.

Peter Richter

Man kann den Koran auch anders lesen

Als am Nachmittag der Muezzin ruft, von der schmucklosen, offenbar aus Betonfertigteilen erbauten Moschee des Städtchens Toslak am Rande des Taurusgebirges, bleibt der Zulauf überschaubar. Nur ein gutes Dutzend Männer, die Mehrheit wohl schon jenseits der 50, benutzt die Waschstation, die man von weitem für eine kleine Tankstelle halten könnte, um Arme, Füße, den Mund zu säubern. Schon bei der rit...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Leben - das ist ein trügerische Vermischen

Wie soll man leben? Wie soll man all das Unvereinbare, aus dem unsere Existenz besteht, in eine lebbare Ruhe bringen? Eine Ruhe, in der das regellose Gegeneinander unserer Bedürfnisse, Wünsche, Hoffnungen erträglich gehalten wird? Jede Einzelheit des Daseins hat doch im Grunde die Welt gegen sich und muss sich jenes Terrain erkämpfen, wo sie für kurze Dauer beharren kann. Der Wunsch, der nicht erf...

Hanno Harnisch

Kaufen Sie nicht dieses Buch!

Lesen bildet. Auf jeden Fall mehr als Nichtlesen. Lesen kann man nur, was jemand einmal aufgeschrieben hat. Und Schreiben, Literatur ist immer mit eigenem Erleben verbunden. Etwas anders liegen die Dinge bei Wörterbüchern. Da stehen, wie der Name schon sagt, Wörter im Mittelpunkt des Schreibens und Lesens und es soll Ordnung in die Welt gebracht werden. Was wäre England ohne die Encyclopedia Brita...

ndPlusLucie Walter

Der mit den Vögeln redet

Seine »Vogelreden«, ein wahrlich pfiffiges Flötenkonzert, hat in verschiedenen Fassungen weithin Verbreitung gefunden. So kam es 1998 in einer Neufassung zur finnischen Erstaufführung bei einem von der Sibelius-Akademie veranstalteten Kammermusikfestival. Manfred Schubert, der »Vogelreden III« schrieb«, hält etwas von Nähe zur Musik- wie zur Lebenspraxis. Schubert geht es um den »Kampf um die Erha...

Irmtraud Gutschke

Helferin der Verfolgten

Am Abend zuvor habe ich noch mit ihr gesprochen, am Morgen war sie tot - an ihrem Geburtstag. Elsbeth Wolffheim, am 26. April 1934 geboren, hatte sich auf den PEN-Kongress gefreut, auf die Begegnung mit Kollegen, und war vorbereitet darauf, die Arbeit weiterzuführen, der sie sich verschrieben hatte: Hilfe für verfolgte Schriftsteller in aller Welt. Sie war eine bekannte Übersetzerin aus dem Russi...

ndPlusGunnar Decker

Kontur des Innehaltens

Vor diesen Bildern beginnen die Verse von Eva Strittmatter zu klingen: »Ich mach ein Lied aus Stille/ Und aus Septemberlicht«. Mehrmals nacheinander muss ich das Wort »Lied« in den Computer tippen, die Buchstaben zeigen eine Neigung sich zu drehen: vom »Lied« zu »Leid«. Will man partout das eine, nicht das andere, das so dicht daneben liegt, muss man sich disziplinieren. Friedrich Dieckmann hat di...

Klaus Bellin

Verschwundene Bücher

Zuletzt staunte er selber. Seine Frau hatte 1998 in mühseliger Arbeit all seine Publikationen erfasst, die Bücher, die Essays und Artikel, sogar die veröffentlichten Briefe und Interviews, und als alles geschafft, geordnet und ausgedruckt war, waren's 83 Seiten. Ein ganzes Heft nur Titel und Daten. Was doch in viereinhalb Jahrzehnten zusammengekommen war: Er sah's mit Verwunderung, aber auch sicht...

ndPlusGunnar Decker

Nah am Kitsch

Die Tagebücher der Anne Frank sind starke Literatur. Gleiches lässt sich von Joseph Goebbels hasserfülltem Geschreibsel nicht behaupten. Seine Tagebücher besitzen bestenfalls dokumentarischen Wert und sind zurecht ein Ladenhüter. Wer will schon Goebbels im Regal stehen haben? Anne Franks Tagebücher werden von Jugendlichen ganz freiwillig gelesen, weil sie auf sperrig-spröde Weise eine Pubertätsge...

Hermannus Pfeiffer

Manager am Pranger

Verdienen Deutschlands Manager zu viel? Wir wissen es nicht, denn die Gehälter der Topmanager sind »top secret«. Mit einem neuen Gesetz will die Bundesregierung endlich mehr Transparenz schaffen: Die Vorstandsbosse sollen zukünftig ihre Einkommen offenlegen.

ndPlusReimar Paul

Neuer Sarkophag für Tschernobyl

Der einst gebaute Sarkophag in Tschernobyl wird 16 Jahre nach der Reaktorkatastrophe immer schwächer. Eine zweite Schutzhülle wird nicht vor 2007 fertig.

Peter Liebers

Hagen nun abgebrandt

Firmenverlagerungen aus den alten in die neuen Bundesländer sind seit der deutschen Vereinigung ein gutes Geschäft. Diese Gewinnquelle hat sich auch der nordrhein-westfälische Zwiebackhersteller Brandt nicht entgehen lassen.

ndPlusMarcus Schwarzbach

Globalisierung gerecht gestalten

Auf den diesjährigen gewerkschaftlichen Veranstaltungen zum 1. Mai setzt sich der DGB vor allem kritisch mit der Globalisierung auseinander.

Berlin-TIPPS

Politik »Korruption, Ursachen, Ausmaße und Folgen« - Lichtenberger Sonntagsgespräch mit Prof. Hans-Joachim Braun und Harry Nick am 28.4., 10 Uhr, Alfred-Kowalke-Straße 14. »Völkermord und die Verantwortung vor der Geschichte« - Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Mit einer Stimme sprechen - gegen Völkermord« u. a. mit Dogan Akhanli, Ali Ertem, Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn, Uwe Hi...

ndPlusGregor Putensen

»NATO-kirja« sorgt für Wirbel

Die NATO-Gipfelkonferenz im Herbst in Prag wirft auch im Norden Europas ihre Schatten voraus. Verändert doch die geplante Aufnahme neuer Mitglieder die sicherheitspolitische Architektur im Ostseeraum gravierend.

Hannes Hofbauer, Wien

Späte Beisetzung von Nazi-Opfern

Am Sonntag werden im Urnenhain des Wiener Zentralfriedhofes die körperlichen Überreste der letzten Opfer des NS-Kinder-Euthanasieprogramms beigesetzt.

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

FKP bricht nicht den Stab über Hue

Robert Hue wird - zumindest vorläufig - trotz seines Einruchs bei der Präsidentschaftswahl nicht von seinem Posten als Präsident der Französischen Kommunistischen Partei zurücktreten.

Steffen Schmidt

Kompromiss

Provisorien halten oft am längsten. Manche Baracke aus Nachkriegszeiten kündet heute noch davon. Ob das am Donnerstag verabschiedete Gesetz zur Regelung des Imports embryonaler Stammzellen die gleiche Haltbarkeit haben wird, darf allerdings bezweifelt werden. Denn bei seiner Verabschiedung hat sich die Mehrheit der Abgeordneten praktisch um jede der zur Diskussion stehenden Grundsatzfragen herumge...

ndPlusMichaela von der Heydt

Kein Jubeln

Keinen Grund zum Jubeln bietet das gestern im Bundestag beschlossene Tariftreuegesetz. Erstens verdient Rot-Grün Kritik, weil das ungeliebte Gesetz so spät verabschiedet wurde. Nun haben die unionsgeführten Länder im Bundesrat die Mehrheit, und die lehnen das zustimmungsplichtige Vorhaben bekanntlich ab. Auch inhaltlich lässt das Gesetz zu wünschen übrig: Unternehmen können die Verpflichtung umge...

Olaf Standke

Warnung

Wie nicht anders zu erwarten, hat der Nahost-Konflikt die gestern beendete Jahrestagung der UNO-Menschenrechtskommission entscheidend geprägt. Das spiegelte sich nicht nur in drei heftig umstrittenen Resolutionen wider, in denen Israels Vorgehen scharf verurteilt wurde, sondern auch in der Tatsache, dass es der scheidenden UNO-Hochkommissarin Robertson letztlich unmöglich gemacht wurde, in die bes...

ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Tage und Jahre

100 Tage im Amt sind traditionell kein Grund zum Feiern, sondern Ende einer Schonfrist. Die wurde dem rot-roten Senat in Berlin weder von der Opposition noch den Medien zugebilligt. Wenn dem so war, sollte man der Koalition von SPD und PDS ein Recht auf eigene Fehler zubilligen, ihr keine fremden unterschieben. Denn wenn in der Bilanz Bankenbürgschaft, Schuldenfalle und Sparzwang vorkommen, ist d...

Lothar Bisky

Rot-Rote Perspektiven

Die PDS ist am Wahlausgang in Sachsen-Anhalt schuld. Im übrigen war sie auch historisch an allem schuld und wird an allem schuldig bleiben. Von dieser Botschaft leben Meckel und Beckstein, Hilsberg und Nooke seit Jahren. Zweifellos hat Rot-Rot einen Rückschlag erlitten, und der wird umso größer, je mehr sich einige in der SPD das freudig einreden oder einflüstern lassen und je gläubiger andere in...

ndPlusMartin Schwarz, Wien

Kein Geld, kein Wille

Die Rückkehr der aus der kroatischen Krajina vertriebenen Serben kommt nicht voran. Kroatiens Regierung ziert sich, die Voraussetzungen zu schaffen. Offizielles Argument: Kein Geld.

Julian Bartosz, Wroclaw

Eine Frage des Glaubens?

Wegen »ernsthafter Vorbehalte« haben russischen Behörden dem polnischen Bischof Jerzy Mazur die Einreise nach Russland verwehrt. Für Polens Medien war dieser Zwischenfall ein gefundener Fraß.

ndPlusKlaus Muche, Cottbus

Einkaufszentrum oder »Sternchen« in Cottbus

Stadtplaner halten ein zentrales Shopping-Center in Cottbus für unabdingbar. Eine studentische Initiative protestiert und sucht nach Alternativen. Die endgültige Entscheidung steht in den nächsten Wochen ins Haus.

Matthias Koch

Youngster setzen Nationalelf »unter Druck«

Gut einen Monat vor dem Beginn der Fußball-WM in Japan und Südkorea hat vom 16. bis 22. April in der Zehn-Millionen-Einwohner-Metropole Seoul ein internationales Fußballturnier für Kinder des Geburtsjahrganges 1990 aus sechs Nationen stattgefunden. Kun Goh, Bürgermeister von Seoul, wollte im Vorfeld der WM einen »Austausch und die Freundschaft verschiedener Kulturen ermöglichen«. So steht es schwa...

ndPlusMichael Müller

Eine Hand am Pott

Am Sonnabend sind es 132 Tage her, dass der SC Magdeburg in der Champions-League-Vorrunde den ungarischen Meister Fotex KC Veszprém 25:22 geschlagen hat. Nun stehen sich beide Teams - die Wege der Qualifikation sind oft wundersam - erneut gegenüber: im Champions-League-Finale. Und eben ein solcher Drei-Tore-Vorsprung wie damals am 15. Dezember würde dem SCM reichen, um den Rückstand aus der 21:23-...

Thomas Wieczorek

Erpressung mit Geißelnahme

Die Deutsche Fußballliga droht für den Fall, dass die fällige Rate über 100 Millionen Euro aus dem Fernsehvertrag mit der insolventen Kirch-Gruppe nicht gezahlt wird, mit schwarzem Bildschirm für die letzten beiden Bundesliga-Spieltage. Moralisch gesehen, ist es Erpressung mit Geiselnahme - wobei die Geisel das nach dem Auto vermeintlich höchstes Gut der Deutschen ist, nämlich der Bundesliga-TV-B...

ndPlusMatthias Koch

Quartett darf noch vom Titel träumen

Vor dem vorletzten Spieltag rückt das sportliche Treiben auf dem Rasen wegen der Kirch-Krise fast in den Hintergrund. Manche Manager scheinen zu vergessen, dass sie nicht ausschließlich für den schnöden Mammon an den Strippen ziehen. Letztlich ist die schönste Nebensache der Welt sehr wohl zur Unterhaltung der Volkes da. Und das will - gerade am Schluss einer Meisterschaft - Tore, Triumphe und Tra...

Velten Schäfer

»Vorsicht war nicht immer Praxis«

Nach dem neuen V-Mann-Verdacht im Zusammenhang mit dem Boizenburger Anschlag von Neonazis 1992 auf ein Asylbewerberheim fordern Kritiker die Auflösung des Verfassungsschutzes. Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz spricht nur von Führungsproblemen.

ndPlusPeter Richter

Transparenzanspruch weicht Kohls Einspruch

Ziemlich weit auseinander gingen bei einer Anhörung die Meinungen darüber, inwieweit die Folgen des Kohl-Urteils über die Stasiakten durch eine Gesetzesänderung »geheilt« werden können.

Wolfgang Rex

Schwerin: Einer gegen alle

In der größten Stadt sowie in der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern werden morgen die Oberbürgermeister gewählt. Für die Stichwahlen qualifizierten sich zwei Kandidaten der CDU und je einer von PDS und SPD.

ndPlusThomas Klein, Frankfurt/Main

Am Main droht Neonazi-Aufmarsch

Das Frankfurter Verwaltungsgericht hat eine von Neonazis angemeldete Demonstration am 1.Mai in Frankfurt/Main unter Auflagen genehmigt. Die Veranstaltung darf nach dem am Donnerstag veröffentlichen Beschluss in Frankfurts östlichem Stadtteil Fechenheim durchgeführt werden.

Uwe Kalbe

Brutzeln auf der Fußbank

Erwarten Sie noch einiges vom Leben? Machen Sie gern Menschen glücklich? Haben Sie mehr zu geben, als man Ihnen abverlangt? Die Anzeige war verführerisch. Kein Wunder, dass sich nur wirkliche Talente meldeten. So kam es am Donnerstag in einem Berliner Nobelhotel zum Casting für eine neuartige Fernseh-Kochsendung. Rezepte für Deutschland hatten beide Interessenten genug, doch weil man von Casting-...

ndPlusHans Lebrecht, Tel Aviv

Anhaltender Streit um Dschenin-Kommission

Ungeachtet israelischer Bedenken hält die UNO an dem Kurs ihrer Untersuchungskommission für das palästinensische Flüchtlingslager Dschenin fest. Der Präsident des Sicherheitsrates, Sergej Lawrow (Russland), bekräftigte in der Nacht zum Freitag, dass das Erkundungsteam »vor Ende der Woche« im Nahen Osten eintreffen werde.

Ärger über Scharpings Airbus-Tricks

Im Zusammenhang mit dem geplanten Kauf von Militär-Airbusmaschinen ist Verteidigungsminister Scharping erneut stark in die Kritik geraten. Oppositionspolitiker und der Grünen-Haushaltsexperte Metzger fordern Scharpings Rücktritt.

Bernd Baumann

Kampf gegen Rechts bleibt Schwerpunkt

Der Kampf gegen Terrorismus und den Rechtsextremismus bleibt für Innenminister Jörg Schönbohm auch weiterhin eine zentrale politische Aufgabe. Nach den Terroranschlägen vom 11.September seien in Brandenburg alle Anstrengungen unternommen worden, um Erkenntnisse über mögliche terroristische Strukturen zu gewinnen und weiteren Anschlägen vorzubeugen, sagte Schönbohm gestern bei der Vorstellung des V...

Hartmut Dorgerloh ist neuer Schlösserchef

(ddp/ND). Der Kunsthistoriker Hartmut Dorgerloh wurde am Donnerstag zum neuen Generaldirektor der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gewählt. Der Stiftungsrat habe den 39-Jährigen einstimmig auf Lebenszeit gewählt, sagte Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka. Damit sei das Gremium dem ebenfalls einstimmigen Vorschlag einer Findungskommission gefolgt, die Dorgerloh u...

Soldatenstatue kehrt heim

(ddp). Die Statue ist quasi vom Sterbebett auferstanden: Vom Kopf bis zu den Stiefeln mit strahlend heller Bronze-Grundierung bestrichen stößt der vier Meter hohe Sowjetsoldat fast ans Dach der Beeskower Restauratoren-Werkstatt. In anderthalb Wochen - zum Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai - wird das Denkmal, das jedes DDR-Kind aus den Schulbüchern kannte, nach fünfmonatiger »Totalsanierung« heim...

Karlsruhe: Eilantrag gegen Beratung zu LER abgelehnt

(ddp). Der Landtag kann im Zusammenhang mit dem Schulfach »LER« ungehindert über eine Änderung des Schulgesetzes beraten und beschließen. Das Bundesverfassungsgericht lehnte einen dagegen gerichteten Eilantrag von insgesamt zwölf evangelischen Eltern und Schülern ab. Nach ihrem Willen sollte es der Landtag unterlassen, den von der Landesregierung bereits beschlossenen Gesetzentwurf zur Änderung de...

Rainer Funke

Hier aufgeregt, dort gelassen

Politik ist ein undankbares Geschäft. Ob mit Sparzwängen, Diätendebatten, Erklärungsnöten oder ohne. Aber die Akteure nehmen es zumeist eher gelassen. SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Müller jedenfalls präsentierte sich Journalisten mit einem sanften Augenzwinkern, bezogen auf die Nöte derzeitiger Senatspolitik: »Ich würde auch keinem auf die Schulter klopfen, wenn er versucht, eine Katastrophe i...

ndPlusKarin Nölte

100 Tage Rotstift

100 Tage ist der Berliner SPD/PDS-Senat im Amt. Ohne Schonfrist. In Kenntnis der Kassenlage war Krisenmanagement angesagt. Mangels Kommunikation mit dem Wahlvolk wurden Wahlversprechen bereits als Wahlbetrug verdächtigt. Rot-Rot steckt in der Lernphase.

Rainer Funke

Mit kalten Füßen auf heißem Pflaster

Gangster im Rotlicht-Milieu traten keineswegs die Flucht an, Knöllchen für Falschparker wurden nicht weniger, Diebe und Betrüger gerieten nicht zu Asketen, nur weil in Berlin Rot-Rot regiert. Aber wie geht ein Senat aus SPD und PDS mit politischem und sozialem Protest um, wie er in Gestalt von aufgeladenen Revolutions-Demos am 1. Mai naht?

ndPlusJack Rodriguez

Überleben mit Musik

»Ziemlich beeindruckt« zeigte sich der Jazz-Gitarrist Coco Schumann, dass seine Biografie nun im Rafael Roth Learning Center des Jüdischen Museums archiviert ist. Doch nicht nur das: Besucher können sich per Mouse-Klick an einem von 20 Bildschirmen seine Lebensgeschichte mit dem Titel »Überleben mit Musik« nacherzählen lassen, wobei historische Aufnahmen, Filmausschnitte und Audiomaterial die Gesc...

Wolfgang Carst

Drachenboote jagen über die Wellen

Der Zusammenfluss von Dahme und Spree am südöstlichen Stadtrand von Berlin ist an diesem Sonntag Schauplatz für ein ganz besonderes Spektakel. Im so genannten Köpenicker Becken, direkt vor dem historischen Rathaus, findet das »2. Drachenboot Fun Race« statt. Auf einem 200 Meter langen Kurs zwischen Dammbrücke und Langer Brücke messen Mannschaften aus Berlin und Umgebung ihre Kräfte. Die Organisat...

ndPlusAndreas Fritsche

Krawalle am 1. Mai, um Rot-Rot zu schaden?

Die Route der abendlichen Revolutionären 1.-Mai-Demonstration bleibt umstritten. Die Organisatoren bestehen weiterhin darauf, durch die Stadtmitte zu ziehen. Nach eigenen Angaben verweigert die Polizei ihnen das. Laut Innensenats-Sprecherin Henrike Morgenstern ist jedoch bisher kein Verbot ausgesprochen worden. »Die Gespräche laufen noch.« Zum Organisationsbündnis gehören Antifaschistische Aktion...

Wird Ehrung nun zerredet?

Die 47-jährige Diplomphilosophin sitzt seit 1991 für die PDS im Abgeordnetenhaus und ist dessen Vizepräsidentin.

18 Tote bei Amoklauf in Erfurter Gymnasium

Ein wild um sich schießender Amokläufer hat gestern Früh im Erfurter Gutenberg-Gymnasium 17 Menschen umgebracht. Das teilte Innenstaatssekretär Manfred Scherer am Nachmittag auf einer Pressekonferenz mit. Der Täter habe sich am Ende selbst erschossen, als die Polizei die Schule durchsucht habe.

»Wir sind alte, nicht neue Mitte«

Ihr Logo ist M.E.C. Wer aufmerksam durch Berlin-Mitte geht, kann es entdecken. Auch an Stellen, wo man das als Verunreinigung bezeichnen könnte. M.E.C - eine Truppe junger Aussteiger, die rund um den Hip Hop leben. Fern der Hitlisten, aber glücklich. Arbeitslos zumeist. »Mitte massiv« heißt ihre jüngste Platte. Was denken junge Leute, die von Berlin sagen, das sei »keine Lüge, sondern eine Stadt«? ND sprach mit Zoomatra (24), Don Johnson (23) und Chris (25).