Ausgabe vom 19.01.2008

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Unten links

Holzspielzeugmacher, Besenbinder, Seifensieder, Kohlenhändler – die Liste der aussterbenden Berufe ist lang. Vermutlich kommt bald ein weiterer hinzu: der des Journalisten. In Frankreich stellt man sich bereits darauf ein. Premierminister Fillon hielt kürzlich eine Pressekonferenz ab, auf der er nicht nur Antworten gab, sondern sich alle Fragen selbst stellte. Das ist in jeder Hinsicht progr...

Israel riegelte den Gaza-Streifen ab

Israel hat als Reaktion auf den fortwährenden Raketenbeschuss durch militante Palästinenser den Gaza-Streifen vollständig abgeriegelt. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas drohte für den Fall weiterer israelischer Militäraktionen mit seinem Rücktritt und der Aussetzung der gerade erste begonnenen Friedensverhandlungen.

LINKE legt Abrüstungskonzept vor

LINKE legt Abrüstungskonzept vor

Der Jahresabrüstungsbericht der Bundesregierung von 2006 war am Freitag Gegenstand der parlamentarischen Debatte. Schwarz-Rot zog eine »gemischte Bilanz«, die LINKE konterte mit Vorschlägen zur Wiederbelebung des KSE-Prozesses – und fand nur heimlichen Widerhall.

Koch spielt mit Ängsten
Petra Pau

Koch spielt mit Ängsten

Eigentore kennt man vom Fußball. Statt im Kasten des Kontrahenten landet der Ball im eigenen Netz. Dumm gelaufen. Auch Roland Koch habe ein Eigentor geschossen, frohlocken inzwischen manche Wahlkämpfer. Einen brutalen Überfall in München nahm Hessens Ministerpräsident zum Anlass, um eine Debatte über die Jugendkriminalität und über das Jugendstrafrecht anzuheizen. Dann wurde publik, dass unter sei...

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ndPlusBoris Kanzleiter, Belgrad

Gereizte Stimmung bei den Milenkovics

Bei Familie Milenkovic herrscht wieder einmal schlechte Stimmung. Wie immer, wenn wichtige politische Entscheidungen bevorstehen, geht der Riss mitten durch den sonntäglichen Mittagstisch in ihrem Neu-Belgrader Wohnzimmer.

Leo Burghardt, Havanna

Warten auf Fidels Entscheidung

Die Wahl der Nationalversammlung in Kuba ist Formsache: 614 Kandidaten kommen auf 614 Sitze. Doch dem neuen Parlament kommt die Aufgabe zu, Anfang März eine neue Regierung und einen Staatspräsidenten zu wählen. Und die Frage, welche Rolle Fidel Castro künftig spielen wird, sorgt für Spannung.

Marko Winter

Wie hältst du's mit Kosovo?

Ein Jahr nach den Parlamentswahlen findet am 20. Januar die Wahl des Präsidenten der Republik Serbien statt. Die regierende Koalition hat sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können – denn man ist sich angesichts des Kosovo-Problems nicht über das Verhältnis zur EU einig.

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Gemeinsam gegen Aids in Mosambik
Peter Steudtner, INKOTA

Gemeinsam gegen Aids in Mosambik

»Unsere Jugendlichen glauben es nicht, dass sich ZeitungsleserInnen in Deutschland für sie interessieren und uns bei unserer Arbeit unterstützen!« Selbst für Albertina, Geraldo und Nelson, die Erfahrenen von AJUPIS, der Jugendinitiative gegen Aids und Kinderprostitution, ist es überraschend, dass Menschen vor allem in Ostdeutschland Geld für ihr Projekt spenden. Das Wissen der AJUPIS-Aktiven zu Deutschland beruht fast ausschließlich auf den Berichten der ehemaligen VertragsarbeiterInnen, die Anfang der 90er Jahre zurückkehrten. Und diese Berichte schildern zwar die DDR oft als Paradies, aber trotzdem als arm im Vergleich zu Westdeutschland.

Marianne Gysae, WFD

Das Schweigen durchbrechen

Die Arbeit von Thabiso Motsusi und Maolosi Thabane ist schwierig: Sie klären Menschen in Lesotho über HIV/Aids auf. Mit einem mobilen Kino fahren sie im Land umher und zeigen in öffentlichen Einrichtungen oder unter freiem Himmel auf Dorfplätzen Filme aus der Reihe »Steps for the future« (Schritte für die Zukunft), die vom Leben mit der Imunschwächekrankheit handeln. Wenn die beiden nach den Vorführungen mit dem Publikum über die Krankheit diskutieren, tun sie dies aus der eigenen Erfahrung heraus: Beide sind mit dem HI-Virus infiziert.

Landolf Scherzer: Gesundheit spenden heißt Leben spenden
ndPlusSylvia Werther, SODI

Landolf Scherzer: Gesundheit spenden heißt Leben spenden

Dem Schriftsteller Landolf Scherzer ist die nunmehr bereits traditionelle ND-Spendenaktion wohl bekannt. Seit Jahren engagiert er sich für Solidaritätsprojekte von SODI und weiß von den zahlreichen ND-Leserinnen und -Lesern, die jedes Jahr um die Weihnachtszeit mit ihren Spenden Projekte der Entwicklungszusammenarbeit unterstützen.

ndPlusMartin Ling

»Armut macht krank«

Die gemeinsame Spendenaktion von ND mit SODI, INKOTA und Weltfriedensdienst geht zu Ende. ND sagt allen Dank, die mit ihrer Unterstützung helfen, die Gesundheitsversorgung in Mosambik, Vietnam und in Südafrika zu verbessern.

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ndPlusSteffen Schmidt

Eizellen für den Fortschritt

Die Forscher bekamen für ihren Klonversuch 29 Eizellen – freiwillige und unentgeltliche Spenden für die Forschung –, so hieß es. Ganz sicher gibt es auch enthusiastische Frauen, die sich für einen möglichen Durchbruch bei der Behandlung unheilbarer Krankheiten der aufwendigen und nicht risikolosen Gewinnung von Eizellen unterziehen. So lange es sich bei der Erzeugung menschlicher Klone...

ndPlusUwe Kalbe

Koch in SPD-Diensten

Da muss man dem Hessen ja beinahe dankbar sein. Dass er nun doch ein wenig Stolz zeigt und sich nicht gänzlich verschaukeln lässt von Roland Koch. Immerhin sind es relevante Anteile der Wählerschaft, die sich jetzt von diesem ab- und der SPD zuwenden. An deren netter, aber wenig charismatischer Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti dürfte es kaum liegen. Eher hat Koch sich selbst zuzuschreiben, wenn ...

Olaf Standke

Die Folterliste

Schurkenstaaten« unter sich: Auf einer Liste des kanadischen Außenministeriums werden nicht nur Iran, Syrien oder Saudi-Arabien als Länder geführt, in denen Gefangenen Folter droht, sondern auch die USA. Der Protest aus Washington kam prompt, das Ganze sei beleidigend, und flugs wurde das Dokument zum »unpolitischen« erklärt und gab nicht mehr die Meinung der Regierung in Ottawa wieder. Schließlic...

Michala von der Heydt

Kalter Rechner

Der Name Olli-Pekka Kallasvuo ist wohl selbst vielen Finnen nicht geläufig. Der Chef des Nokia-Konzerns hat nicht nur zur Schließung des Handy-Werks in Bochum bisher geschwiegen, er meidet auch öffentliche Debatten. Und sein Privatleben hält der in zweiter Ehe verheiratete Vater von zwei Kindern von der Öffentlichkeit fern. Nur einmal sorgte der studierte Jurist für persönliche Schlagzeilen. Kurz ...

Ein Ausweg aus der Sackgasse?

ND: Die Bundesregierung stockt ihr Kontingent in Afghanistan mit offensiven Kampftruppen auf. Wie bewerten Sie das? Steinbicker: Das ist ein massiver Schritt zur weiteren Eskalation des Krieges. Die militärische Sackgasse ist nun deutlich enger, ein Ausweg wird immer schwieriger. Dieses Wochenende findet die »Strategiekonferenz der Kooperation für den Frieden« in Aachen statt. Was sind die Inhalte...

Seite 5

»Kooperation bei Einigkeit«

Die Spitzenfrau der Linken in Niedersachsen, Kreszentia Flauger (41), schließt eine Koalition mit SPD und Grünen nicht aus. Deren Positionen müssten sich dafür aber noch verschieben. Mit ihr sprach Reimar Paul.

Seite 6
Niels Seibert

Gipfelgegner resümieren Proteste

Am Donnerstagabend begannen im Berliner ND-Gebäude die Perspektiventage. Einer Bilanz der Proteste während des G8-Gipfels in Heiligendamm schloss sich eine erneute Demonstration gegen Hausdurchsuchungen bei Antifaschistinnen an.

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Ein Termin zum Nachbohren

Der Untersuchungsausschuss zur Landesbank Sachsen soll auch prüfen können, warum diese verkauft werden musste. Das wollen LINKE und Grüne durchsetzen – rechtzeitig, bevor der Ministerpräsident als Zeuge kommt.

Velten Schäfer, Schwerin

Wende zum Konstruktiven im Fall Lea-Sophie

Schwerin zieht endlich praktische Lehren aus dem Todesfall Lea-Sophie: Das Jugendamt bekommt zwei neue Stellen und bessere Kommunikationsmittel.

Seite 7

Israel und USA als Folterstaaten

Kanada hat seine engen Verbündeten USA und Israel auf eine Liste von Staaten gesetzt, in denen Gefangenen Folter droht. Wie der kanadische Fernsehsender CTV berichtete, existiert ein Lehrgangs-Dokument mit entsprechenden Hinweisen im Außenministerium in Ottawa.

Irina Wolkowa, Moskau

Böses Blut um British Council

Moskau will im Streit um die Tätigkeit des British Council, dessen Repräsentanzen in St. Petersburg und Jekaterinburg zu Jahresbeginn ihre Tätigkeit in Russland einstellen mussten, mit sich reden lassen.

Seite 8
André Anwar, Stockholm

Die Insel der einsamen Männer

Während andere Länder mit der Einwanderung zu kämpfen haben, leiden die Färöerinseln unter der Auswanderung: Der eklatante Frauenmangel beherrscht selbst die Politik. Am Samstag wählen die Inselbewohner ein neues Parlament.

ndPlusJulian Bartosz, Wroclaw

Eine Frage an die Polen

Abermals sorgt der Autor Jan Tomasz Gross mit einem Buch über antisemitische Gewalt in Polen für Diskussionen. Vor allem die katholische Kirche reagiert gereizt.

Seite 9

Netzagentur senkt Gebühren von Stromkonzernen

Bonn (AFP/ND). Die Bundesnetzagentur hat den großen deutschen Stromkonzernen die Gebühren für die Durchleitung von Strom durch ihre Netze deutlich gekürzt. Rückwirkend zum 1. Januar seien die beantragten Entgelte für die Nutzung der Hochspannungsleitungen von RWE, EnBW und Vattenfall um 15 bis 29 Prozent zusammengestrichen worden, teilte die Bonner Behörde am Freitag mit. »Die Absenkung bei den Ne...

NRW prüft Nokia-Subvention

Nach der angekündigten Schließung des Bochumer Nokia-Werks prüft die nordrhein-westfälische Landesregierung, ob sie bis zu 40,8 Millionen Euro Landes-Subventionen von dem finnischen Handyhersteller zurückfordern kann.

Vom Hofladen bis zum Bio-Catering

Vom Hofladen bis zum Bio-Catering

ND: Zum fünften Mal erscheint der von der Födergemeinschaft Ökologischer Landbau (FÖL) herausgegebene Bio-Einkaufsführer. Wissen denn die Verbrauchern nicht langsam, wo der nächste Bioladen ist? Wimmer: Bio gibt es ja mittlerweile an jeder Ecke. Doch das Entscheidende ist, dass der Bioeinkaufsführer dem Verbraucher eine Orientierung gibt, wo er das Besondere finden kann: Bio aus der Region, der di...

Axel Reiserer, London

Hypothekenbank vor Verstaatlichung

Die angeschlagene britische Hypothekenbank Northern Rock soll angeblich verstaatlicht werden. Den Aktionären drohen dabei hohe Verluste. Nach einer Sanierung soll die Bank wieder an Investoren verkauft werden.

Seite 10
»Nie so richtig optimal begonnen«

»Nie so richtig optimal begonnen«

Herr Fritz, Ihre Mannschaft ist überragend gestartet in der Partie gegen Belorussland, führte 12:5, es sah nach einem Kantersieg aus - dann wurde es aber eng. Was ist da in der Abwehr passiert? Fritz: Das lag nicht allein an der Abwehr. Wir haben im Angriff die Chancen nicht rausgespielt und haben die Belorussen zu Gegenstößen eingeladen. Dann sind wir unsicherer geworden. Die Abwehr stand nicht m...

Markus Baur schaut mal kurz nach Kimi

Die Norweger entdecken ihre Handballer wieder: Fast auf jede Titelseite haben es die heimischen Akteure gestern in den norwegischen Zeitungen gebracht, was im Land der Eis- und Skisportler keine Selbstverständlichkeit bedeutet, auch wenn es eine Europameisterschaft ist, die derzeit in Bergen, Drammen, Trondheim und Stavanger ausgespielt wird. Denn im Gegensatz zu Deutschland lieben sie hier mehr d...

Seite 11
Merkels Fußball-Eifer
ndPlusThomas Wieczorek

Merkels Fußball-Eifer

In Kenia tobt der Bürgerkrieg, Roland Koch hetzt gegen Ausländer, und die Energiepreise explodieren. Aber einen ARD-Brennpunkt und eine persönliche Parteinahme der Kanzlerin gibt es nur zu wirklich wichtigen Themen: Zum Beispiel zum welterschütternden Wechsel des Wahl-Amerikaners Jürgen Klinsmann zum FC Bayern München. Mal abgesehen davon, dass entgegen der permanenten Propaganda gewisser Medien d...

Frank Teich

Anja Huber fuhr zu ihrem zweiten Titel

Mit furioser Final-Bestzeit ist die Skeleton-Pilotin Anja Huber erneut zum Europameistertitel gerast. Auf der Olympiabahn von 2006 in Cesana (Italien) distanzierte die Berchtesgadenerin bei ihrer erfolgreichen Titelverteidigung Swetlana Trunowa (Russland) und Teamgefährtin Kerstin Jürgens. Bei den Männern wurde Junioren-Weltmeister Sebastian Haupt überraschend Zweiter. Die gleichzeitig zum Weltcup...

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Historische Jagd nach Presseenten
Gabi Kotlenko

Historische Jagd nach Presseenten

Es war schon eine harte Nuss, die wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in der Silvesterausgabe des vergangenen Jahres zum Knacken gaben. Sie sollten zu zehn ND-Schlagzeilen von jeweils einem 31. Dezember die Jahreszahlen zuordnen. Und nur rund 20 Prozent der mehr als 100 Einsendungen lagen dann auch richtig. Für die Gewinner gibt es eine Presseente (ND-Foto: Frotscher). Die überwiegende Mehrheit...

Seite 13
Janis Joplin

Janis Joplin

Sie ist bis heute die überragendste weiße Stimme des Blues und Rock. Die Blumenkinder liebten sie für all das Verbotene, dass sie ihnen vorlebte. Immer eine Flasche »Southern Comfort« in der Hand.Musikalisch bleibt die Erinnerung an ihre röhrende, rauchige Stimme, mit der sie ihre Lieder öfter schrie oder flüsterte als sie zu singen. Vor allem bei Nummern um Liebe und Verlust wie »Piece of my Hear...

Glück ohne Ende – auf italienisch
ndPlusHanno Harnisch

Glück ohne Ende – auf italienisch

Es ist herrlich, wenn man ein Theater verlässt, und allen hat es rundum gefallen. Es ist geradezu wunderbar, wenn Theater es schafft, Erinnerungen zu wecken. Und es ist kaum auszudenken, dass das alles von einem neapolitanischen Volkstück geleistet wurde, welches hierzulande doch nur sehr wenige auf einer Bühne gesehen haben, im Kino aber umsomehr. »Hochzeit auf italienisch« (Matrimonio alla itali...

Seite 14
ndPlusCarloff Wiltner

PLATTENBAU

Ob es nun am langsamen Verbleichen des Techno, am zelebrierten Dahinscheiden Johnny Cashs oder an einem natürlichen Zyklus des kollektiven Geschmacks liegt, jedenfalls wird gerade handgemachte, detailverliebte aber angemessen produzierte Musik geschätzt. Country ist kein Schimpfwort mehr, und man muss sich auch keine Sorgen mehr um das Aussterben der Blues-Fangemeinde machen. Allerdings hat sich d...

Mythos »rotes Marburg«?
Jörg Meyer

Mythos »rotes Marburg«?

Es ist das Ende einer Tradition, die 1950 begann. Rund 150 Menschen, überwiegend Studierende, waren der Einladung gefolgt, um über »Traditionen und Perspektiven kritischer (Politik-) Wissenschaft in Marburg« zu diskutieren. Anlass der Veranstaltung am Donnerstagabend war die Abwicklung des Lehrstuhls für »Internationale politische Ökonomie und europäische Ingegration«, die zugleich das Ende einer ...

Seite 15
Klaus Joachim Herrmann

Schrecksekunde

Für eine Schrecksekunde im Haushaltsausschuss des Bundestages sorgte Gesine Lötzsch (LINKE). Sie verblüffte mit dem Satz: »Ich schließe mich den Argumenten des Genossen...« Nach Stille und Gelächter die Frage des Vorsitzenden Otto Fricke (FDP): »Vor Ihnen haben zwei Kollegen gesprochen, einer von der FDP und einer von der CDU. Wen meinen Sie?« Gemeint war mit dem »Genossen« Koppelin von der FDP, b...

Ein Denkmal der grauen Busse
ndPlusUta Herrmann

Ein Denkmal der grauen Busse

Ein begehbarer, in Beton gegossener grauer Bus erinnert seit Freitag an der Philharmonie in der Tiergartenstraße an die Todes-transporte von Behinderten und psychisch Kranken während der Zeit des Nationalsozialismus. Das Denkmal der grauen Busse steht nun für ein Jahr an dem Ort, von dem der systematische Massenmord an Menschen, die als »le-bensunwert« galten, ausging. In der ehemaligen Tiergarten...

»Nich lang schnacken, Kopp in Nacken«
Steffi Schweizer

»Nich lang schnacken, Kopp in Nacken«

Mit dem ersten Winterfrost beginnt alljährlich im Oldenburger Land die Grünkohl-Saison, die sich bei Weiten nicht nur ums Essen dreht. In den Küchen zwischen Eversten, Bümmerstede, Tungeln, Wardenburg, Benthullen, Hengstlage und Haschenbok werden die großen Töpfe hervorgeholt und mit der »Oldenburger Palme« gefüllt. Der Grünkohl hat eine lange Geschichte, war er doch in schlechten Jahren bestens g...

Seite 16
Rad erzeugt Strom für 1000 Haushalte
ndPlusKlaus Teßmann

Rad erzeugt Strom für 1000 Haushalte

Es wird gebaut – trotz Klage auf Baustopp durch den Naturschutzbund Deutschlands (NABU). Um 12 Uhr wurde gestern der Grundstein durch Pankows Bezirksbürgermeister Matthias Kühne (SPD) für die erste Berliner Windenergieanlage am Arkenberger Damm im Gewerbepark Nord gelegt. Im Sommer soll das Windrad fertig sein und dann für rund 1000 Haushalte Strom liefern. Betreiber der Anlage ist NEB Neue ...

Der Glücksschal ist überall
ndPlusHeidi Diehl

Der Glücksschal ist überall

Gedankenlos hatte ich den Glücksschal über einen Sessel gelegt. Als ich am Abend ins Hotelzimmer zurückkam, hing er – liebevoll von dem tibetischen Zimmermädchen drapiert – um den Spiegel. So, dass ich von nun ab gewissermaßen immer, wenn ich in den Spiegel sah, vom Glück eingerahmt war. Vielleicht wollte mir die junge Frau auch einen versteckten Hinweis geben, nicht leichtfertig mit d...

Seite 17
ndPlusVolkmar Draeger

Leises Clownstheater

Schon vor Beginn ist das Auditorium im Admiralspalast eine im Polarlicht flirrende Eiswüste. Weiß geflockte, blaue Stellwände mit Mondsichel markieren auf der Bühne winterlichen Spielraum. Mit Lokpfeifen tuckert Slava heran, in seinem gelben Overall tapsig wie ein Teddy, das Grauhaar zu Büscheln gebunden, mit knallroter Knollennase und ebensolchen Plüschpuschen. Erhängen will er sich, kein guter S...

Tom Mustroph

Eine fiebrige, heimgesuchte Seele

Das Leben von Programmierern muss, von innen betrachtet, reich sein. Schließlich erfinden die Burschen an den Tastaturen all die bunten und zum Teil ausgefeilten digitalen Welten. Von außen betrachtet, muten ihre Leben allerdings oft ärmlich an. Sie scheinen bemüht, den einschlägigen Berichten über sich allein von Cola und Pizza ernährende und das Sonnenlicht meidende, schwachbrüstige Figuren best...

Leonhard F. Seidl

Beschriebene Blätter

Samstag Morgen, halb acht, Autobahn A 3 Nürnberg-Würzburg. Während andere noch die Freitagnacht in ihren Träumen ausklingen lassen oder sich von der Arbeitswoche erholen, brausen Hanne Mausfeld (58) und Wolfgang A. Senft (52) in den Knast. An der Anschlussstelle Geiselwind fahren sie von der Autobahn ab und gelangen durch Wälder und Dörfer, über Hügel, an Feldern vorbei in die fast 2000 Seelengeme...

Seite 18
Wilfried Neiße

Die Reallöhne sinken immer weiter

Trotz des Aufschwungs in der Wirtschaft müssen die Menschen in Brandenburg einen erheblichen Verlust bei ihren Einkommen verkraften. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozent und die Inflation von mehr als zwei Prozent sagen es unmissverständlich: Jeder Brandenburger müsste fünf Prozent mehr im Portmonee haben, um die Kaufkraft des vergangenen Jahres zu halten.Die Diätenkommission des Landta...

In einem Zug bis zur Startbahn
ndPlusAndreas Fritsche

In einem Zug bis zur Startbahn

Investoren aus Asien wollen in Gorzow ein Werk errichten und dort Flachbildschirme produzieren. Es geht um 6000 Arbeitsplätze. Das wäre ein Riesending für die westpolnische Stadt, die Investoren wünschen sich allerdings eine direkte Anbindung an den entstehenden Großflughafen Berlin-Schönefeld. Gorzows Bürgermeister Tadeusz Jdrzejczak würde diese Bedingung nur zu gern erfüllen. Gestern stellte er ...

Seite 19
Beispiel oder Warnung?
Karl Drechsler

Beispiel oder Warnung?

Ein Satz von Abraham Lincoln aus dem Jahr 1864 bildet die Leitlinie des vorliegenden Buches von Philip Yale Nicholson: »... und die Geldmacht des Landes wird versuchen, ihre Herrschaft auszuweiten, ... bis aller Reichtum in den Händen Weniger versammelt und die Republik zerstört ist«. Der Autor ist Professor für Geschichte am Nassau Community College und außerordentlicher Professor an der Cornell ...

ndPlusAlexander Neumann

Geist der Macht – Macht des Geistes

Was verbindet heute den sozialistischen Pazifisten Jean Jaurès, den Regierungschef der französischen Volksfront Léon Blum und den kommunistische Widerständler Guy Moquet? Alle drei werden neuerdings von Nicolas Sarkozy beansprucht. Mit Hilfe der Massenmedien inszeniert er eine überparteiliche Postur, die an den General de Gaulle erinnern möchte. Eine Idee, die ihm rund 40 Prozent der Arbeiterstimm...

Seite 20

WochenChronik

18. Januar 1648: Englands aufständische Parlamentarier besiegen unter Führung von Oliver Cromwell in der Schlacht bei Preston ein schottisches Heer, das König Karl I. aus der Gefangenschaft der Cromwell-Anhänger befreien soll; damit ist die Niederlage der Royalisten im Bürgerkrieg besiegelt. 21. Januar 1793: Wenige Tage nach der Verhängung des Todesurteils durch den französischen Nationalkonvent w...

Ronald Sprafke

Platin-Dolch

Platin, ein Metall der Könige. Daraus ließ der russische Zar Münzen prägen und vor 100 Jahren schuf Cartier Schmuck aus diesem Edelmetall. Heute sonnen sich Stars und Sternchen in seinem weiß-silbrigen Glanz. Glänzende Erfolge feiert auch Martin Christov, bulgarischer Archäologe am Nationalen Historischen Museum Sofia. Seit 2005 gräbt er in Dabene, einem kleinen Dorf am Südabhang des Balkangebirge...

Streit um ein »überlebtes Erbstück«
ndPlusUwe-Jens Heuer

Streit um ein »überlebtes Erbstück«

Als sich die gerade erst in Russland gewählte Verfassunggebende Versammlung weigerte, die Machtübernahme der Sowjets, der Arbeiter- und Soldatenräte anzuerkennen, lässt W. I. Lenin sie am 18. Januar 1919 auflösen. Eine Woche darauf ruft der Sowjetkongress die Russische Sowjetrepublik aus.

ndPlusMartin Koch

Ein wahrer Dr. Seltsam

Eine Legende hält sich in der Kinowelt besonders hartnäckig. Sie betrifft Stanley Kubrick, den Regisseur des 1964 gedrehten Filmklassikers »Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben«. Als er den fragwürdigen Charakter seiner fiktiven Hauptperson formte, soll Kubrick drei Menschen vor Augen gehabt haben: den Computerpionier John von Neumann, den Raketenforscher Wernher von Braun und den...

Kurt Laser

Das Völkermorden ging weiter

1924 verklagte Reichspräsident Friedrich Ebert den Redakteur Erwin Rothardt, der ihn wegen seiner Rolle im Januarstreik 1918 des Landesverrats beschuldigt hatte. Beim Prozess vor dem erweiterten Magdeburger Schöffengericht im Dezember 1924 sagte Philipp Scheidemann aus: »Wenn wir nicht in das Streikkomitee hineingegangen wären, dann würde das Gericht heute wahrscheinlich nicht tagen können, und da...

Seite 21
ndPlusSteffen Schmidt

Klone und Stammzellen

Forscher des US-Unternehmens Stemagen haben in dieser Woche im Fachblatt »Stem Cell« berichtet, dass es ihnen gelungen sei, erstmals Klonembryonen zu erzeugen, indem menschlichen Eizellen das Erbgut aus Hautzellen Erwachsener eingepflanzt wurde. Das hatte bereits 2005 der Südkoreaner Hwang für sich reklamiert. Nachdem sich seine Ergebnisse als Fälschung erwiesen, gab es jetzt vor der Veröffentlich...

Martin Koch

Materieraub im Kosmos

In der Science Fiction sind Raumschiffe häufig mit Antimaterie-Triebwerken ausgestattet und erreichen dadurch fast Lichtgeschwindigkeit. Denn immer dann, wenn Materie auf Antimaterie trifft, vernichten beide einander, und es entsteht Strahlung. Bei diesem Vorgang, den Physiker als Annihilation bezeichnen, wird mehr Energie freigesetzt als in jeder anderen Energiequelle. Außerdem wären Antimaterie-...

ndPlusWalter Schmidt

Zweischneidige Erholung

Während bis in die 80er Jahre in vielen Städten kaum noch Flechten leben konnten, weil die Luft dafür zu schmutzig war, finden die Gewächse heute auch dort wieder gute Lebensbedingungen vor. Ein Grund zur Freude ist das nicht. Denn es profitieren vor allem stickstoffliebende Arten, während andere verdrängt werden – auch fernab der Städte. Nach Ansicht von Fachleuten ist der Autoverkehr mit s...

Seite 22

Sprengkraft des Einkommensgefälles

Der in Rüsselsheim lebende Ökonom Werner Müller bezieht in einem offenen Brief an den Bundespräsidenten Stellung zur Debatte über Mindestlöhne und Managergehälter. ND veröffentlicht den Brief in gekürzter Form.

Seite 23
ndPlusHilmar König, Delhi

Kamele auf der Autobahn

Mit der spektakulären Vorstellung des »Tata Nano«, des billigsten Kleinwagens der Welt (1800 Euro), auf der »Autoexpo« in Delhi hat auch die Debatte über Indiens Straßenbauprogramm, über Verkehrssicherheit und Umweltschutz neue Nahrung erhalten.

Jens Thomas

Bloß nicht stehen bleiben

Im Grunde wäre es genau das Richtige, sagt Cigdem Kayaalp aus Berlin-Wilmersdorf. Kayaalp ist 25 Jahre jung, sie ist türkischer Abstammung und freiberuflich im Bereich Event-Management und der Immobilienbranche tätig. Nach ihrem mittleren Schulabschluss absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Veranstaltungstechnikerin, dann wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit – und bereut es ...

Seite 24
Heiko Frings

Liebloser Versuch

Der reich bebilderte Spielplan atmet Kinoatmosphäre durch und durch: Die Skyline von Naboo, der Eisplanet Hoth und die geschwungenen Korridore der Wolkenstadt von Bespin versetzen uns schlagartig ins phantastische Star-Wars-Universum, … doch halt: Sind das auf dem Deckelbild nicht Daniel Craig und Nicole Kidman? Tatsächlich: Die computergenerierte Fotomontage bebildert nicht den Krieg der S...

Phasenweise unbesiegbar
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Phasenweise unbesiegbar

Schachspieler spielen nicht konstant auf demselben Niveau. Jeder Akteur hat seine guten Perioden und seine Spielkrisen. Warum das so ist, bleibt unklar: Manchmal hat man das Gefühl der Unbesiegbarkeit, manchmal glaubt man felsenfest, dass man wohl nie wieder eine Partie gewinnen wird. Der 20-jährige aserbaidschanische Großmeister Teimour Radjabov erlebt gerade die Phase der Unbesiegbarkeit. Er hat...

René Gralla

Eulenjagd klärt politische Fronten

Hoher Besuch hatte sich angesagt in Chang'an, Hauptstadt der Westlichen Han. Kaiser Xiaowen empfing den Thronfolger aus dem benachbarten Wu, und das Protokoll spulte das passende Programm ab. Mit einem besonderen Höhepunkt: Der verehrte junge Gast durfte gegen den Sohn des Han-Herrschers eine Partie »Liubo« austragen. Würde das, was zur Zeit der Streitenden Reiche vor rund 2200 Jahren Bestandteil ...