Ausgabe vom 26.01.2008

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Unten links

Gern redet man über George Bush wie über den Deppen vom Dorfe. Doch nun das: 935 Lügen verbreiteten der US-Präsident und seine engsten Vertrauten in den zwei Jahren vor dem Irak-Krieg 2003. Haben Wissenschaftler nachgezählt. Respekt! Es handelt sich ja nicht um Alltagsgeschwindel wie »Ich dich auch« oder »Schönen Feierabend!«, sondern um bewusste, methodische Falschaussagen. 935 Lügen in zwei Jahr...

Zwangsverrentung jetzt ab 63

Zwangsverrentung jetzt ab 63

Das Arbeitslosengeld I wird für über 50-Jährige wieder länger gezahlt. Die Bezugsdauer wird in drei Stufen rückwirkend zum 1. Januar auf bis zu 24 Monate ausgeweitet. Zwangsverrentung mit Abschlägen droht Arbeitslosen jetzt ab dem 63. Lebensjahr.

Gastkolumne
Georg Fülberth

Gastkolumne

Roland Koch lässt plakatieren: »Linksblock verhindern!« Das ist die Trickkiste Adenauers, für den in den 50er Jahren alle Wege sogar der SPD nach Moskau führten. Zugleich ist es taktisches Kalkül. Zwar ist Umfragen nicht zu trauen. Aber auch Koch hat im Moment nichts anderes, wonach er sich richten kann. Er muss annehmen, dass er selbst mit der FDP keine Mehrheit mehr haben wird, falls die LINKE i...

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ndPlusWolfgang Hübner

Virtuell schon drin

Geht es nach den repräsentativen Meinungsumfragen der großen Institute, dann wird es bei den Wahlen am Sonntag für die LINKE knapp. In der Internet-Wahlbörse www.wahlfieber.com sieht der Stand der Dinge etwas anders aus. Glaubt man nämlich dem Trend der Politaktien-Händler, dann darf die LINKE guter Dinge sein. Demnach lag die Linkspartei in Hessen am Freitagnachmittag bei 7,7 Prozent. In Niedersa...

Uwe Kalbe

Was wäre wenn...?

Was steht für die Große Koalition in Berlin bundespolitisch auf dem Spiel, wenn am Sonntag gewählt wird? Die zählbarsten Folgen entstehen im Bundesrat, ohne dessen Zustimmung die Bundesregierung die meisten ihrer Gesetzesvorhaben nicht durchsetzen kann. Elf der insgesamt 69 Stimmen in der Länderkammer stehen zur Disposition, sechs für Niedersachsen, fünf für Hessen. Die Risiken dürften letztlich s...

In Städten sind viele Stimmen drin

Endspurt im Wahlkampf in Niedersachsen. Gemeinsam mit 100 anderen Gewerkschaftern hat HEINRICH BETZ zur Wahl der LINKEN aufgerufen. Mit dem DGB-Kreisvorsitzenden und Betriebsrat im VW-Werk in Braunschweig sprach VOLKER MACKE.

Hans-Gerd Oefinger

Start in die Bundestagswahl 2009

Während Wahlkämpfer aller politischen Lager in den letzten Stunden noch einmal konzentriert um die Stimmen der Unentschlossenen werben, blickt die Republik mit Spannung auf die hessische Landtagswahl.

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Björn Engholm

Brückenschläge

Die erste Begegnung mit Hans Modrow datiert Mitte der 80er Jahre. Wir besuchten »die Palucca« (mit der meine Frau verwandt war) zur Weihnachtszeit in Dresden – und erhielten eine »Einladung zum Tee« bei Modrows. Es war ein eher privates Treffen, mit Tee und Stollen im Familienkreis, ohne das übliche Protokoll, ganz ungewöhnlich für den Politzirkel der DDR, vor allem mit vielerlei Hintergrund...

Der ewige Hoffnungsträger
ndPlusTom Strohschneider

Der ewige Hoffnungsträger

Als der Verlag an ihn herangetreten sei, schreibt Hans Modrow in seinem neuen Buch, um mit Blick auf den bevorstehenden Geburtstag über eine Veröffentlichung zu reden, sei ihm das keineswegs ungelegen gekommen. Für einen Hans Modrow ist längst nicht alles gesagt, auch mit fast 80 Jahren nicht. Über das Unvermeidliche befragt, hat er vor Jahren einmal gesagt, er hoffe, »bei der Arbeit er-wischt zu ...

Seite 4
ndPlusOlaf Standke

Rüstungswahnsinn

Paul Wolfowitz ist wieder da. Nach seinem schmählichen Abgang als Weltbank-Chef kehrte der neokonservative Falke zurück in den Schoß der Bush-Familie. Außenministerin Rice machte ihn jetzt zum Abrüstungsberater. Als zweiter Mann im Pentagon war er einst auch Architekt eines der gewaltigsten Aufrüstungsprogramme in der USA-Geschichte, das von der Blockade diverser Abrüstungsverträge begleitet ist. ...

ndPlusUwe Sattler

Die Unvollendeten

Man kann von Romano Prodi nicht behaupten, er könne keine divergierenden Interessen unter einen Hut bringen. Schließlich agierte der im Römischen Senat durchgefallene italienische Ministerpräsident fünf Jahre als Chef der EU-Kommission in Brüssel. Dort hatte er nicht nur zwölf Parteien – so viele Gruppierungen umfasste seine Regierungskoalition –, sondern 25 Regierungen zusammen zu hal...

Gabriele Oertel

Grüße an Müntefering

Gestern wurde im Bundestag vollzogen, was beinahe Jahre lang in beiden großkoalitionären Parteien für Zündstoff gesorgt hatte: Die Verlängerung des Arbeitslosengeldes I für ältere Erwerbslose. Erst war es NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, der seiner CDU auf dem Parteitag 2006 den Abschied von neoliberalen Lebenslügen empfahl und mit einem Votum zur Verlängerung des ALG I die Reihen spaltete. ...

Die Kaiserin
ndPlusAndreas Fritsche

Die Kaiserin

Die Slawistin soll LINKE-Spitzenkandidatin in Brandenburg werden.

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Sachsen-Anhalt: Boykott der Gemeindereform?

Magdeburg (dpa/ND). Die Vertreter der Volksinitiative gegen die flächendeckende Einführung von Einheitsgemeinden haben die Kommunen in Sachsen-Anhalt zu einem Boykott der Gemeindereform aufgerufen. »Wenn kleine Orte jetzt nicht freiwillig größere Gemeinden bilden, muss der Landtag 2010 ein Gesetz zum zwangsweisen Zusammenschluss aller Gemeinden beschließen«, sagte Sprecher Ralf Wunschinski am Frei...

Innenminister gegen neue Abschiebe-Gesetze

Brdo (dpa/ND). Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) lehnt neue Gesetze zur schnelleren Abschiebung junger Straftäter in ihre Herkunftsländer ab. Unmittelbar vor der Landtagswahl in Hessen, wo Ministerpräsident Roland Koch (CDU) ein härteres Vorgehen gegen minderjährige Kriminelle aus dem Ausland fordert, sagte Schäuble am Freitag: »Wir müssen nicht ständig neue Gesetze machen, sondern dafür sorge...

Löhne unter 7,50 Euro weit verbreitet

Halle/Wiesbaden (AFP/ND). Das Einkommen jedes fünften Beschäftigten in Ostdeutschland lag 2006 einer Statistik zufolge unter dem derzeit diskutierten Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde. In Westdeutschland sei jeder zwölfte Beschäftigte betroffen gewesen, teilte das Institut für Wirtschaftsforschung Halle am Freitag mit. Vor allem geringqualifizierte Menschen im Dienstleistungssektor und im Hande...

Hendrik Lasch, Dresden

Ohne Novelle bleiben NS-Opfer fern

Sachsens Wissenschaftsministerin will das Gedenkstättengesetz ändern, weil NS-Opferverbände sonst nicht in die Gedenkstättenstiftung zurückkehren. Derweil gibt es Hinweise, dass DDR-Opfergruppen der NPD zuarbeiten.

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Produktion in Bochum nicht so teuer

Bochum (dpa/ND). Die Produktionskosten im Bochumer Nokia-Werk sind nach Darstellung des Betriebsrats geringer, als von der Chefetage des Konzerns behauptet. Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo verschweige, dass neben der Produktion mit 1400 Beschäftigten rund 900 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung, im Servicecenter und dem Research-Center die Personalkosten in die Höhe treiben würden. Kallasvuo ...

Ver.di: Schäuble betreibt Rosstäuscherei

Potsdam (dpa/ND). In den Tarifverhandlungen des öffentlichen Dienstes haben die Arbeitgeber ein erstes Angebot gemacht. Die Gehälter von insgesamt 1,3 Millionen Angestellten bei Bund und Kommunen sollen in drei Stufen angehoben werden. Das Gesamtvolumen bezifferte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Donnerstagabend in Potsdam auf fünf Prozent. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll n...

Ines Wallrodt

Verlockende Daten

Bürgerrechtsorganisationen, Patienten und Ärzteverbände wollen die geplante Einführung der neuen Krankenkarte verhindern.

ndPlusVelten Schäfer, Schwerin

Kampf um die Köpfe der Siebtklässler

Mit harten Bandagen kämpfen die Schulen im Nordosten: Gymnasien werfen Regionalschulen unlautere Mittel vor. Die Opposition fürchtet dagegen eine Bevorzugung der höheren Schulen.

Seite 7

Anschlag in Beirut

Beirut (dpa/ND). Bei einem Sprengstoffanschlag ist am Freitag in Beirut ein führender libanesischer Terror-Ermittler getötet worden. Zusammen mit Polizeihauptmann Wissam Eid, dessen Auto von einer ferngezündeten Autobombe zerstört wurde, starben nach Angaben von Polizisten zwei Leibwächter und mehrere Zivilisten. Unbestätigten Angaben zufolge hatte Eid kurz zuvor an einem Treffen mit Mitgliedern d...

Frattini will Fluggast-Datei

Brdo (dpa/ND). EU-Justizkommissar Franco Frattini dringt auf die Einrichtung einer europäischen Fluggast-Datei nach US-Vorbild. Europa sollte »so schnell wir möglich« einen Beschluss zur Vorab-Kontrolle von Flugpassagieren aus Drittländern fassen, sagte er beim Treffen der EU-Innenminister am Freitag im slowenischen Brdo. Er kündigte dazu Gespräche mit Vertretern des Europaparlaments an. Mit den U...

Ägypten macht die Grenze dicht

Rafah (dpa/ND). Ägypten hat am Freitag mit der Abriegelung der Grenze zum Gazastreifen begonnen. Die Polizei forderte in den Städten Rafah und Al-Arisch mit Lautsprechern Zehntausende von Palästinensern auf, in den Gaza-streifen zurückzukehren. Mit Gummiknüppeln ausgerüstete Sondereinheiten verweigerten nach Augenzeugenberichten Neuankömmlingen seit Mitternacht die Einreise nach Ägypten. Die Grenz...

Anna Maldini, Rom

Wer führt Italien aus der Krise?

Romano Prodi hat es nicht geschafft. Nach einer Vertrauensabstimmung im Senat, die zu Ungunsten für ihn und seine Mitte-Links-Koalition ausging, musste der Ministerpräsident die Konsequenzen ziehen und formal seinen Rücktritt einreichen. Italien erlebt so eine Regierungskrise, deren Ausgang mehr als ungewiss ist.

Seite 8
Hilmar König, Delhi

Musharrafs Werbetour in Europa

Pakistans Präsident General a.D. Pervez Musharraf beendet am Wochenende seine Europatour mit einem Besuch in Großbritannien.

ndPlusIan King, London

Noch ein Schlag für Gordon Brown

Erst verschwanden die Daten von 25 Millionen britischen Kindergeldbeziehern, dann versickerten 60 Milliarden Pfund öffentlicher Darlehen in den Rachen der maroden Bank Northern Rock. Jetzt hat die Regierung Gordon Browns den ersten Minister verloren.

ndPlusManfred Schünemann

Verdächtige Eile in Kiew

Die neue Führung der Ukraine hat es eilig: Präsident, Regierungschefin und Parlamentsvorsitzender baten in einem Schreiben an NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer, ihr Land möglichst im April in den Aktionsplan für die NATO-Mitgliedschaft einzubeziehen und damit die offizielle Beitrittsprozedur einzuleiten.

Seite 9

Porsche-Chef kritisiert geplantes VW-Gesetz

Stuttgart (dpa/ND). Der Sportwagenbauer Porsche steuert wieder auf ein Rekordjahr zu. In den ersten sechs Monaten seines laufenden Geschäftsjahres (bis 31. Juli) hat Porsche neue Rekorde bei Umsatz und Absatz erreicht. In den Monaten August bis Januar werde der Umsatz um gut 14 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro steigen nach 3,07 Milliarden im Vorjahr, sagte Konzernchef Wendelin Wiedeking auf der Hau...

Michaela von der Heydt

Bald weniger Chemie im Spielzeug

Nach millionenfachen Rückrufaktionen von Spielzeug hat die EU-Kommission gestern einen seit Jahren erwarteten Vorschlag für eine neue Spielzeugrichtlinie vorgestellt.

ndPlusMichaela von der Heydt

Auftakt zum Gentech-Monopoly

Nach jahrelangem Streit hat der Bundestag am Freitag das neue Gentechnikgesetz beschlossen. Das Parlament stimmte mit großer Mehrheit für den Entwurf von Agrarminister Horst Seehofer (CSU). Kritik kommt von Umwelt- und Verbraucherverbänden.

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Ghana schon fast im Viertelfinale

Ghana steht beim 26. Afrikacup vor dem Einzug ins Viertelfinale. Die Fußball-Nationalmannschaft des Gastgebers feierte am Donnerstagabend (MEZ) in Accra mit dem 1:0 (1:0) gegen Namibia ihren zweiten Turniersieg und setzte sich an die Tabellenspitze der Gruppe A. Junior Agogo erzielte in der 41. Minute das umjubelte Siegtor für die »Black Stars«, die bei der WM 2006 in Deutschland als beste afrikan...

Jürgen Holz

»Sie kann man nicht kopieren«

»Als die mit WM-Medaillen geschmückten Rodel-Frauen gestern Abend bei der Siegerzeremonie im Kurpark von Oberhof von den Fans gefeiert wurden, wurde auch Sylke Otto aufgerufen. Dabei hatte sie ihren Schlitten gar nicht an die Startrampe geschoben, um zu Tal zu rasen. Diese Erfolgsära ist längst vorbei. Die 38-jährige gebürtige Karl-Marx-Städterin hatte bereits am 12. Januar 2007 dem Rodelsport ade...

ndPlusMatthias Koch

»Beckenbauerin« Steffi Jones schon oben angekommen

Die Fußballspielerinnen mögen es überhaupt nicht, wenn sie mit ihren männlichen Kollegen verglichen werden. Steffi Jones hatte aber keine Chance, dem zu entgehen, als ihr neuer Job als Chefin des Organisationskomitees (OK) der Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland publik wurde. In den Medien hatte die Ex-Nationalspielerin vom 1. FFC Frankfurt schnell den Ruf als »Beckenbauerin« weg. »Kaiser Franz«...

Aus Oberhof berichtet Jürgen Holz

Dreifachtriumph – was sonst?

»In meinem allerletzten WM-Rennen auf meiner Hausbahn will ich einen Platz auf dem Podest, wenn es der ganz oben wäre, umso schöner«, redete Silke Kraushaar-Pielach, eine der Favoritinnen, vor der ersten Entscheidung der 40. Rodel-WM in Oberhof Klartext. Die 37-jährige gebürtige Sonnebergerin, Olympiasiegerin von 1998, Einzel-Weltmeisterin von 2004 und zwei Mal Team-Weltmeisterin, wollte mit den H...

Seite 11

»Schade, nur ein winziger Punkt fehlt«

Der Traum von der ersten Medaille der norwegischen Handballer ist seit Donnerstagabend ausgeträumt. Dass Glenn Solberg sechs Sekunden vor dem Schluss noch zum 23:23 traf, reichte am Ende nicht für die Gastgeber, die nun heute im Spiel um Platz 5 gegen Schweden stehen. ND sprach mit Kjetil Strand, 28 Jahre alt, 1,88 m groß, Rückraumspieler. Gegen Polen (9) und Kroatien (5) war er jeweils der beste Torschütze seiner Mannschaft.

Ole und der alte Juvenal
Thomas Wieczorek

Ole und der alte Juvenal

Wenn unsere Sportmoderatoren über Ole Einar Björndalen reden, dann kennt ihre enthusiastische Heldenverehrung kein Halten mehr, und kein Superlativ ist ihnen zu abgenutzt. »Er lebt nur für Biathlon«, heißt es. »Pausenlos tüftelt er an seinem Gewehr und an seinem Laufstil.« Meist wird als ultimatives Kompliment dann ein angeblicher Ausspruch des Meisters persönlich zitiert: An wettkampffreien Tagen...

ndPlusHajo Obuchoff

Marvulli an Stock und Spitze

»Das habe ich noch nie erlebt«, gesteht Heinz Seesing, Chef des Berliner Sechstagerennens nach der Premierennacht. Der Schweizer Franco Marvulli hinkt an Krücken zu seinem Rad, schwingt sich drauf und liegt dann am Ende des ersten Renntages gemeinsam mit seinem Partner Bruno Risi in Front. Marvulli war in der Nacht zum Dienstag in Stuttgart gestürzt und hatte sich das Kreuzband gerissen. »Ich fahr...

Aus Trondheim berichtet Jirka Grahl

Deutsche räumen gegen Schweden Zweifel aus

Als es geschafft war, räumte sogar Heiner Brand ein, dass man zuvor so seine Zweifel haben konnte, ob denn diese deutsche Handballnationalmannschaft bis ins Halbfinale der EM nach Lillehammer gelangen würde. »Wir hatten es im Verlauf des Turniers nie geschafft, unser Leistungsvermögen abzurufen«, meinte der Bundestrainer. »Sicher waren da Zweifel.« Um erleichtert nachzusetzen: »Aber gegen die Schw...

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Trabi rollt wieder an

Renaissance für das DDR-Kultauto Trabant: Der Spezialfahrzeugbauer IndiKar (Individual Karosseriebau) übernimmt die technische Entwicklung des geplanten »newTrabi«. Das teilte der fränkische Miniaturmodell-Hersteller Herpa mit. Herpa hatte 2007 auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt/Main das Modell eines neuen Trabis im Maßstab 1:10 vorgestellt. Laut dem Unternehmen war die ...

»Rest ist Haut und Knochen«

»Rest ist Haut und Knochen«

Vor einer Woche, am 17. Januar, ist Robert James Fischer (USA) gestorben. Er war 64 Jahre alt – so viele Jahre, wie das Schachbrett Felder hat. Das ist wie ein Mirakel, denn Bobby Fischer war selbst reinstes Schach. Mit dem Erfolg beim Schach waren zwar Geld und der Ruhm gekommen, aber es kam nicht die Hilfe, die er brauchte. Nun starb er weitgehend vereinsamt in einem Krankenhaus in Reykjav...

Seite 13
ndPlusGunnar Decker

Der beste Weichspüler

Wenn Kitsch auf Kunst trifft, gewinnt der Kitsch. Immer. Da kann man wenig machen, höchstens wegsehen, besser noch: abschalten. Weckt der Titel noch Erinnerungen an Vittorio de Sicas kostbares Sozialmärchen »Das Wunder von Mailand« oder Wim Wenders ambitionierten »Himmel über Berlin«, so kommt einem beim Betrachten dieses TV-Produkts unweigerlich ganz anderes in den Sinn. Waschmittelwerbung! Der b...

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Verfemte Musik

An der Rostocker Hochschule für Musik und Theater wird am Sonntag das »Zentrum für verfemte Musik« eröffnet. Ziel sei, das Werk von Künstlern, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden, wieder in das musikalische Gedächtnis zu rufen und bekannter zu machen, teilte die Hochschule mit. Dazu werde es spezielle Seminare für Studenten, Angebote für Musiklehrer sowie Konzertreihen geb...

ndPlusDavid Siebert

Plattenbau

Als der Jazzsaxofonist Gilad Atzmon im Jahre 2000 sein »Orient House Ensemble« gründete – eine Anspielung auf den ehemaligen Sitz der PLO in Ost-Jerusalem –, verband er damit auch die Hoffnung, dem »Kampf der Kulturen« etwas entgegensetzen zu können. Eine Illusion, wie er in den Linernotes zu seiner neuen CD »Refuge« schreibt. Aber trotz dem programmatischen Titel, deutsch: »Zuflucht«,...

Tröstungen des Todes
Volkmar Draeger

Tröstungen des Todes

Tanz soll nicht Antworten, sondern Anregung geben. Mit diesem Credo hat Ralf Dörnen in zehneinhalb Spielzeiten als Ballettchef am Theater Vorpommern 18 abendfüllende Produktionen und fast ebenso viele Mehrteiler kreiert. Dörnens erfolgreichste Inszenierung ist mit 55 Vorstellungen »Nussknacker« und auch die vorletzte Premiere, die Collage »Engel« mit Musik vom Verkündigungsgesang bis zu Robbie Wil...

Wolfgang Schmidbauer

Schnell frisst Langsam

Schon seit langer Zeit interessiert mich, was in Organisationen geschieht; ich konnte die Zurückhaltung von Therapeuten nie gutheißen, die nach einem halben Jahr Behandlung immer noch nicht wissen, ob der Beamten-Patient, mit dem sie zu tun haben, nun im höheren oder im gehobenen Dienst arbeitet und was, um Himmels willen, das eine vom anderen unterscheidet. (Der höhere Dienst erfordert den Akadem...

Seite 15
Finale für den Treff der Welten

Finale für den Treff der Welten

(ND). Als 300 000. Besucherin der Grünen Woche wurde gestern Christina Hönicke aus Lübben begrüßt. Nasch- und Kauflust auf der am Sonntag schließenden weltgrößten Agrarmesse in den Hallen unter dem Funkturm werden in ersten Bilanzen bereits gepriesen, Aussteller ziehen erste Bilanz. So freute sich Brandenburg über guten Besuch in seiner Halle und ebensolche Geschäfte der rund 150 Aussteller. Bei B...

Streit um Kinderschutz

(dpa). Nach dem Tod des sieben Wochen alten Dennis in Spandau ist die Diskussion über die Fürsorgepflicht des Staates für Kinder neu entbrannt. Die Opposition kritisierte Kürzungen und Personalmangel in den Bezirken. Der Spandauer Sozialstadtrat Martin Matz (SPD) entgegnete: »Wir können viel tun, aber keine 100-prozentige Sicherheit gewährleisten.« Im Fall Dennis hätten weder mehr Geld noch Person...

ndPlusMartin Kröger

Entscheid über Kennzeichnung steht bevor

Die Entscheidung, ob die bisher eingeführten Maßnahmen zur Kennzeichnung von Polizeibeamten genügen, steht möglicherweise unmittelbar bevor. »Es gibt eine Evaluation seitens des Polizeipräsidenten, die demnächst dem Senat vorgestellt wird«, erklärte Nicola Rothermel, Sprecherin von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) dem ND. Zum Ergebnis der Evaluation wollte sich die Innensprecherin indes noch nic...

ndPlusNorman Wolf

Matti im Bundestag

Der Bundestag gedachte gestern der Opfer des Holocaust. Als Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die Gedenkrede hielt, saßen auf der Tribüne auch Ehrengäste. Sie werden von den Fraktionen eingeladen. Die LINKE hatte sieben Personen geladen, darunter den jungen Matthias Z. (22), besser bekannt als Matti.Der Fall Matti beschäftigte nicht nur die Medien, sondern auch Politiker. Die Abgeordneten ...

Klaus Joachim Herrmann

Neuer Versuch zur Mitbestimmung

Sozialisten sind schon von ihrer Weltsicht her Optimisten. So geht man in der Fraktion der LINKEN im Abgeordnetenhaus durchaus zuversichtlich an Veränderungen des Personalvertretungsgesetzes. Uwe Doering, parlamentarischer Geschäftsführer, kündigte an, dass sich das umstrittene Werk auf dem aktuellen parlamentarischen Gang nicht nur diskutieren, sondern auch verändern lasse.Seine Kolleginnen und K...

Martin Kröger

»No-Go-Areas«

»Vorfreude ist die schönste Freude« lautet ein altes, deutsches Sprichwort. Uwe Doering, Geschäftsführer der LINKEN im Abgeordnetenhaus, machte vergangene Woche die gegenteilige Erfahrung: Nicht nur davor, sondern auch danach kann man sich über Dinge freuen. Denn Doering erreichte eine Postkarte mit Grüßen der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Franziska Eichstädt-Bohlig. Die hatte die Weihnachtskarte m...

Günter Schenk

Up Helly Aa, der Karneval der Wikinger

Hoch schlagen die Flammen in den dunklen Himmel über Lerwick. In der Hauptstadt der zu Schottland gehörenden Shetland-Inseln brennen Wochen harter Arbeit nieder. Ein fast zehn Meter langes Boot, mit prunkvollem Bug und hohem Mast. »Haltet die Unerschrockenen in Ehren«, tönt es dazu aus knapp tausend Männerkehlen, »die edlen, kühnen Normannen, die Herrscher im stürmischen Meer«. »The Norseman's Hom...

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Missbraucht als billige Arbeitssklaven
ndPlusBarbara Staacke

Missbraucht als billige Arbeitssklaven

Traditionell werden am kommenden Sonntag Angehörige der Opfer, Politiker und Bürger auf dem Marzahner Parkfriedhof Blumen niederlegen. Eine vier Meter hohe Stele mit Bronzefigur aus der Werkstatt von Bildhauer Michael Klein ist seit vier Jahren Erinnerungsort für das den Zwangsarbeitern von den Nazis zugefügte Leid. Allein in Marzahn-Hellersdorf gab es 30 Lagerstandorte, an denen Männer und Frauen...

Mieter schikaniert, Verfügungen ignoriert

(ND-Nowak). Die Mieter im Hinterhaus der Almstadtstraße 24 in Mitte wissen nicht, ob sie morgen noch ihre Wohnungen betreten können. Hauseigentümer Hans-Jürgen Thiedig hat angekündigt, dass er das Betreten des Gebäudes wegen Einsturzgefahr untersagen lassen will.»Von einem Ersatzwohnraum hat Thiedig nichts gesagt«, erklärt Yulia Z., eine der Mieterinnen. Sie ist wütend, weil ihrer Meinung nach Thi...

Neonazis provozierten in Marzahn und Köpenick

(ND). Etwa 30 Neonazis versuchten am Donnerstagabend, bei der Eröffnung einer Ausstellung des VVN-BdA »Neofaschismus in Deutschland« im Freizeitforum Marzahn die Teilnehmer zu provozieren und einzuschüchtern. Die bereits für gewalttätige Übergriffe bekannten Neonazis wurden von der alarmierten Polizei des Gebäudes verwiesen. Draußen stellten sie sich in einer Reihe auf und verteilten Flugblätter m...

Heidi Diehl

Mit der Knolle auf Entdeckungstour

»Jeder soll nach seiner Facon selig werden«, ließ der Alte Fritz die Welt wissen. Doch bei seinen Untertanen soll er ein bisschen nachgeholfen haben. Nachdem er es eine Weile mit angesehen hatte, dass sie lieber weiter hungerten, als die Kartoffel zu essen, die er gratis verteilen ließ, soll er sein Volk per Dekret am 24. März 1756 angewiesen haben, die Knolle überall anzubauen. Als sich dennoch v...

ndPlusGottfried Walsch

»Lauft wie die Füße gewachsen sind«

Damit soll man laufen können? Die halbmeterlangen und etwa 20 Zentimeter breiten Treter aus Kunststoff, die Gerhard da aus seinem Auto holt, lassen Zweifel aufkommen. Zunächst aber klemmt sich jeder ein Paar dieser Schneeschuhe – wenigstens sechs verschiedene Modelle führt ein gut sortiertes Sportgeschäft im österreichischen Vorarlberg – unter den Arm, schnappt sich die Stöcke und eilt...

Seite 17
So wie ein »großes Mixgerät«
Manuela Lintl

So wie ein »großes Mixgerät«

Die »Fanfare von Pankow« nannte ihn Wolf Vostell einmal liebevoll-ironisch. Er sei »von der Kunst besessen gewesen«, schreibt Valeri Scherstjanoi posthum über ihn. Horst Bartnig erinnert an seine »mitreißende Kraft«. Die Liste der Kommentare und Versuche, Robert Rehfeldts (1931-1993) Leben und Kunst zu beschreiben, ließe sich seitenlang fortsetzen. Zwar erlangte Rehfeldt mit seiner obsessiv betrie...

ndPlusAnouk Meyer

Ämter bieten Lachschlagergarantie

Wer, bitte, ist Charly M.? Wer das neue, mit diesem Namen benannte Kabarett in der an Veranstaltungsorten nicht so reichen Karl-Marx-Allee betritt, weiß angesichts des Logos sofort, wer gemeint ist: Niemand anders als Karl Marx steht als Namensgeber für die neue Spielstätte von Kartoon-Gründer Peter Tepper. Dessen Haupttruppe agiert noch bis März in der Springer-Passage in Kreuzberg, rückt dann ab...

Seite 18

Eltern von Dennis müssen ins Gefängnis

Cottbus (dpa). Rund sechs Jahre nach dem qualvollen Tod des kleinen Dennis aus Cottbus ist die Verurteilung seiner Eltern rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil des Landgerichts Cottbus vom August 2007. Danach wurde die 46-jährige Mutter wegen Totschlags zu 13 Jahren und der 40-jährige Vater zu elf Jahren Haft verurteilt. Die verweste Leiche von Dennis war im Juni 2004 in einer...

Ronald Bahlburg

Koalitionsstreit um Tempelhof

Der Streit um den Weiterbetrieb des Berliner Flughafens Tempelhof hat jetzt auch einen Keil in Brandenburgs SPD/CDU-Koalition getrieben. Auslöser sind Äußerungen von Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU), wonach in Tempelhof nach der Schließung weiterhin kleine Geschäftsflieger starten und landen könnten. Dies würde den künftigen Großflughafen in Schönefeld nicht gefährden.Dazu sagte Regierun...

Duma billigt Rückgabe von Bleiglas

Frankfurt (Oder) (dpa). Die russische Duma hat die Rückgabe der letzten sechs Bleiglas-Fensterscheiben an die Marienkirche in Frankfurt (Oder) gebilligt. Ein entsprechendes Gesetz wurde am Freitag in erster Lesung angenommen. Die noch ausstehenden Bestätigungen durch den Präsidenten und die Föderationskammer gelten als sicher. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) begrüßte den Beschluss »als wi...

ndPlusJana Wieduwilt

Marx und Luther im Schaudepot

Ein Schaudepot mit Modellen aus der ältesten Kunstgießerei Deutschlands ist am Freitag in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) eröffnet worden. Dort präsentiert die Stiftung Kunstgussmuseum die historische Modellsammlung für Eisen- und Bronzeguss. Die deutschlandweit einzigartige Sammlung ist in einer ehemaligen Schule auf dem Gelände der Manufaktur zu sehen. Die Modelle dokumentieren die Erzeugnis...

ndPlusBernd Baumann

Initiative gegen Tagebaue begehrt auf

Noch vor der Sommerpause muss sich der Landtag erneut mit der Zukunft der Braunkohleförderung in der Lausitz befassen. Am 5. Mai will die Volksinitiative gegen neue Tagebaue die gesammelten Unterschriften an den Landtagspräsidenten Gunter Fritsch (SPD) übergeben. Das kündigte Axel Kruschat, Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz, gestern an.Die Volksinitiative läuft seit dem 8. Okto...

Als Vierjährige verschleppt nach Ravensbrück
Margot Schöning

Als Vierjährige verschleppt nach Ravensbrück

Am Sonntag um 15 Uhr wird in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück eine Sonderausstellung eröffnet, die zum ersten Mal die mehr als 15 000 jüdischen Häftlinge in den Mittelpunkt stellt. »Nachdem bereits Anfang der 90er Jahre im Zellenbau ein jüdischer Gedenkraum eingerichtet wurde, sind es neuere wissenschaftliche Forschungen, nicht zuletzt von israelischen Historikern, die diese Ausstellung ermöglichen...

ndPlusHanno Harnisch

»Geistige Sendungen«

Die Stimme des Rundfunkreporters Wulf Bley überschlägt sich am Abend des 30. Januar 1933: »Wir sind noch einmal wiedergekommen. Stundenlang hat der Vorbeimarsch gedauert. Er dauert noch immer an; immer höher und höher ist der Jubel dieser Hunderttausende geschwollen, die hier vorbeigezogen sind, zusammengesetzt aus allen Gruppen, die jetzt zu einer einzigen Willenseinheit zusammengeschmolzen sind....

Kurt Pätzold

Die Gunst der Stunde

Bevor viele Deutsche im Nachkrieg die ersten Brocken der englischen Sprache lernten und ihnen der Begriff Bestseller geläufig wurde, war ein Buch dieses Typs schon auf den deutschen Markt gelangt. Max Fechners »Wie konnte es geschehen?« Angesichts der Knappheit von Druckmaschinen und Papier mutet es sensationell an, dass das Bändchen in mehreren Auflagen und 300 000 Exemplaren erscheinen konnte. S...

Seite 19
ndPlusGerhard Feldbauer

Im Namen der Fasci

Der Begriff des Faschismus entstand in Italien, wo führende Industrielle, Großagrarier und Militärs mit Unterstützung des Vatikans Mussolini bereits ein Jahrzehnt vor Hitler an die Macht brachten. Schon im Januar 1915 hatte der künftige »Duce« mit den Fasci d'Azione Rivoluzionario (revolutionäre Kampfbünde) eine faschistische Vorläuferorganisation gebildet. Damit wird deutlich, dass die Wurzeln de...

Manfred Weißbecker

Weder national noch sozialistisch

Es war schon erstaunlich: Der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) gelang es, von einer der kleinsten Organisationen im deutschen Parteienspektrum der Weimarer Republik zur mitglieder- und wählerstärksten Partei zu werden, die es je in der deutschen Geschichte gegeben hat und wohl (hoffentlich) in diesem Ausmaß nie wieder geben wird. Ihre Mitgliederkartei verzeichnete 55 Namen,...

Seite 20
Wolfgang Wippermann

Wider die Ammenmärchen

»Wir haben ihn engagiert«, erklärte der Vizekanzler Franz von Papen am 30. Januar 1933. Gemeint war Hitler, der einem Kabinett vorstand, das von den Konservativen dominiert war. Den zwei nationalsozialistischen Ministern Frick und Göring standen nämlich neun konservative gegenüber, die keineswegs bereit waren, ihre Macht an Hitler und die Nationalsozialisten zu übertragen. Daher ist das Gerede von...

ndPlusHeinz Niemann

Die ignorierten Mahnrufe

»Zwingt die Führer der SPD, des ADGB und der KPD zum gemeinsamen Kampf!«, titelte die Zeitung der Kommunistischen Partei Opposition (KPO) »Arbeiterpolitik« am 4. Februar 1933. Damit setzte sie ihre Taktik der Einheitsfront von oben und unten sowie ihre schon seit Jahren geübte Kritik an der KPD-Führung fort, der sie vorwarf, sich nicht längst auch an die Spitzen der SPD und des ADGB mit vernünftig...

Seite 21
Jürgen Reents

Es war »nur knapp die Mehrheit« ...

Mit dem Machtantritt Hitlers am 30. Januar 1933 zogen am Horizont Europas und der Welt Krieg und Vernichtung auf. Dieses Datum als »Anfang vom Untergang« zu bezeichnen, wie »Der Spiegel« titelte, enthielte jedoch zwei Unschärfen: Das Wort vom »Untergang« fesselt den Blick auf das Leid im eigenen Land, rückt die Zerstörung und die fünfzig bis sechzig Millionen Toten in den von der Wehrmacht und der...

Ingrid Heinisch

Bringmann und seine Brüder

Die Machtergreifung durch die Nazis hatte sich für die Familie Bringmann schon lange drohend angekündigt. Acht Brüder waren sie; sechs von ihnen und der Vater sollten zusammen einige Jahrzehnte Haft erfahren. Einer von ihnen – Fritz Bringmann – wird in ein paar Tagen 90 Jahre alt. Er hat sein ganzes Leben nach dem Krieg dafür eingesetzt, dass die nationalsozialistischen Verbrechen nich...

Seite 22

Die fatale Illusion

Zu seinen Ahnen gehört der Aufklärer Moses Mendelssohn, den Lessing in seinem »Nathan« verewigte. An der Potsdamer Universität hat Julius H. Schoeps das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien ins Leben gerufen, zu dessen vielen verdienstvollen Projekten auch die »Bibliothek verbrannter Bücher« gehört, die als »lebendes Mahnmal« in Oberschulen und Gymnasien gebracht werden soll. Mit dem Professor, Gründungsdirektor des Forschungsinstitut für deutsch-jüdische Geschichte in Duisburg, des Jüdischen Museums in Wien und der Moses Mendelssohn Akademie Halberstadt sowie Mitglied in diversen gesellschaftlichen Gremien, sprach Karlen Vesper.

Seite 23
Petra Seedorff

Unter Hitler war nicht alles schlecht?

Eine Forsa-Umfrage ergab jüngst, dass mehr als 20 Prozent der Deutschen der Ansicht seien, das NS-Regime hätte auch gute Seiten aufgewiesen. Besonders groß sei die Zustimmung zu dieser Auffassung unter den über 59-Jährigen (mehr als 35 Prozent) und den unter 30-Jährigen (um die 25 Prozent). Als Begründung für diese Ansicht werden immer wieder die Familienpolitik, die Beseitigung der Arbeitslosigke...

Seite 24

... kein Einbrecher in der Nacht

ND: Hannes Heer, waren die Deutschen 1933 Hitlers erstes Opfer? Hannes Heer: Nein. Bei den Septemberwahlen 1930, als in Deutschland noch frei gewählt werden konnte, haben sich von 35 Millionen Menschen immerhin sechseinhalb Millionen für Hitler entschieden. Bei den Juli-Wahlen zwei Jahre später kamen die Nazis auf ein Drittel der Reichstagssitze. Bei fast allen Landtagswahlen wurde die NSDAP stärk...