Ausgabe vom 10.03.2008

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Unten links

Überall wird gestreikt, die wenigen Arbeitswilligen kommen nur mühsam zur Stätte ihrer Ausbeutung – Berlin ist im Ausnahmezustand. Das schreit geradezu nach Heimateinsatz der Bundeswehr, Grundgesetz her oder hin. Selbst hart gesottene Linke fänden es nach einer Wartestunde an der unwirtlichen Haltestelle tröstlich, böge ein olivgrüner Pritschenwagen mit dem Schild »Schienenersatzverkehr« um ...

ndPlusOlaf Standke

Standpunkt

Ich weiß nicht, ob George W. Bush je Rettungsschwimmer war. Mike McConnell war es. Doch habe er nie schwimmen können, ohne seine empfindliche Nase zu schützen. Wasser in der Nase, das sei für ihn die Hölle. Deshalb wäre »Waterboarding« für ihn entsetzlich. McConnell ist Chefkoordinator der 16 US-amerikanischen Geheimdienste, »Waterboarding« die perfide Technik des simulierten Ertränkens. Für McCon...

SPD geschlossen ohne Richtung

SPD geschlossen ohne Richtung

Die SPD verstrickt sich immer weiter im hessischen Koalitionsdebakel. Währenddessen kehrt Parteichef Kurt Beck am heutigen Montag in die Bundespolitik zurück.

Seite 2
»Mehrheit links von CDU und FDP bleibt«

»Mehrheit links von CDU und FDP bleibt«

Nach dem vorläufigen Rückzieher der SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti wird ein Ausweg aus der Blockade in Hessens Landespolitik gesucht. Linksfraktionschef Willi van Ooyen setzt weiter auf die linke Mehrheit. Mit ihm sprach Wolfgang Hübner.

Hans-Gerd Öfinger

Koch könnte als »lahme Ente« enden

Wie geht es weiter in Hessen? Wenn der neue Hessische Landtag am 5. April zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentritt, dann muss der amtierende Ministerpräsident Roland Koch (CDU) noch nicht automatisch seinen Schreibtisch in der nahegelegenen Staatskanzlei räumen.

ndPlusHans-Gerd Öfinger, Wiesbaden

Ypsilanti will nicht aufgeben

Der hessische Polit-Thriller geht weiter. Denn so schnell, wie es sich viele Medien und auch rechte Sozialdemokraten gewünscht hatten, gibt Andrea Ypsilanti offenbar nicht auf.

Seite 3
Menschenrecht Wasser oft nicht umgesetzt
ndPlusBirgit von Criegern

Menschenrecht Wasser oft nicht umgesetzt

Vom Frauentag bis zum 22. März, dem Tag des Wassers, sollen Gewerkschaften und Bürger für den Erhalt des öffentlichen Sektors Wasserversorgung laut werden. Am Wochenende gab es auch in Berlin Aktionen.

»Wir wollen nicht nach Deutschland«
Tobias Müller, Eupen

»Wir wollen nicht nach Deutschland«

Neben Wallonen und Flamen bildet die kleine Deutschsprachige Gemeinschaft (DG) im Osten des Landes die dritte Sprachgruppe Belgiens. Ihre Eigenständigkeit vertritt sie inzwischen offensiv. Die angespannte Lage der belgischen Föderation wirft indes Fragen auf, wie es mit »Europas bestgeschützter Minderheit« weiter geht.

Seite 4
Michael Müller

Ostwärts, weil's eng wird

Gestern ging in Berlin die Internationale Tourismusbörse (ITB) zu Ende. Die Veranstalter etikettieren ihren 42. Jahrgang wieder mit branchenüblichen Superlativen. Diesmal gehört auch die Ankündigung dazu, dass die ITB exportiert werde. Erstmals soll es einen Ableger im Ausland geben – in diesem November für drei Tage in Singapur. Das passiert nicht etwa, weil es im Osten an Glitzerveranstalt...

Michaela von der Heydt

Der nächste Streik kommt

Erleichterung. Der bundesweite Bahnstreik ist abgewendet. Alle auf Regionalzüge angewiesenen Pendler brauchen nicht eine Stunde früher aufzustehen. Berlin braucht sich nur auf die streikende BVG einzustellen und den von einem funktionierenden Güterverkehr abhängigen Betrieben bleiben Einbußen erspart. Insofern ist die Einigung zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn und der Lokführergewerkschaft GDL zu ...

ndPlusUwe Kalbe

Nicht mehr ganz dicht

Einen Kurt Beck mit hochgeschlagenem Kragen zeigten die Bilder am Sonntag, als er sich nach zweiwöchiger Krankheit auf den Weg nach Berlin machte. Fröstelnd, wie in Erwartung der Ereignisse, die da in Berlin seiner harren. Doch der Wind weht nicht nur dem SPD-Vorsitzenden rau um die Nase, auch wenn die hessischen Ereignisse gerade seine Standfestigkeit zu erschüttern drohen. Rituelle Solidaritätsb...

ndPlusDieter Janke

Zukunftsangst

Der schwäbische Schraubenkönig warnt vor einem Weg in eine »Edel-DDR«.

Seite 5

Westerwelle auf Distanz zur Union

Berlin (dpa/ND). Die FDP hat nach den Wahlschlappen in Hessen und Hamburg einen Kurswechsel eingeleitet. Nach langer Treue zur Union will die Partei künftig in Bund und Ländern auch für andere Koalitionen zur Verfügung stehen. Im »Spiegel« schloss Partei- und Fraktionschef Guido Westerwelle nur Bündnisse mit der Partei DIE LINKE oder Parteien vom rechten Rand grundsätzlich aus. Am Sonntagabend sta...

»Ein Krieg des Terrors«
ndPlusBirgit Gärtner

»Ein Krieg des Terrors«

Etwa 400 Friedensbewegte diskutierten am Wochenende in Berlin auf der Internationalen Irak-Konferenz »Alternativen zu Krieg und Besatzung«.

Susanne Härpfer

»Keine Berührungsängste zum Militär«

In Berlin fand dieses Wochenende der Friedenskongress »Konflike erkennen. Frieden benennen« der Grünen statt. Fragen zur Krisenprävention, ein neues Verhältnis der Partei zur Bundeswehr und die Volksrepublik China waren die Schwerpunkte.

Seite 6

15 000 Dresdner gegen Elbbrücke auf der Straße

Dresden (epd/ND). Nach einem UNESCO-Votum für einen Elbtunnel haben am Sonntag in Dresden rund 15 000 Menschen gegen die Waldschlößchenbrücke im Welterbegebiet protestiert. Zu der Großdemonstration in der Innenstadt hatten der Deutsche Kulturrat, der Deutsche Naturschutzring sowie lokale Initiativen aufgerufen, die sich für einen Tunnel anstelle der Brücke einsetzen. Redner riefen die sächsische L...

Niedersachsens Grüne wollen LINKE entzaubern

Hameln (dpa/ND). Die niedersächsischen Grünen wollen ihr Verhältnis zur LINKEN neu ordnen. Sechs Wochen nach der Landtagswahl räumte Landeschef Raimund Nowak bei einem Parteitag am Sonnabend in Hameln Fehler im Umgang mit der LINKEN ein. Die Grünen hätten es im Wahlkampf versäumt, sich mit dieser Partei und ihrem Programm auseinanderzusetzen. »Wir dürfen die LINKE nicht unter Quarantäne stellen (....

Matthias Gärtner

Anlaufstellen dicht gemacht

Trotz steigender rechtsextremer Übergriffe mussten aufgrund des Auslaufens der Förderung die beiden Beratungsprojekte für Betroffene rechtsextremer Gewalt im sächsischen Wurzen und Görlitz Anfang März ihre Arbeit einstellen.

ndPlusRené Heilig

Fromme Ausreden, der »kleine Oppermann«, Ströbele k.o.

77 Sitzungen liegen hinter dem sogenannten BND-Untersuchungsausschuss. Und welche Erkenntnisse liegen auf dem Tisch? Man ahnt viel, doch kann wenig beweisen. In dieser Woche ist Schröders Kanzleramtschef und heutige Außenminister mal wieder als Zeuge aufgerufen. Zehn zu eins, dass der die Abgeordneten abermals in die Tasche steckt ...

Seite 7

Europäisches Raumschiff versorgt ISS

Kourou (AFP/ND). Das neue europäische Raumschiff »Jules Vernes« ist am Sonntag erfolgreich vom südamerikanischen Weltraumbahnhof Kourou zu seinem ersten Flug zur Internationalen Raumstation ISS gestartet. Pünktlich um 5.03 Uhr MEZ wurde der unbemannte Transporter durch eine Ariane-Rakete ins All geschossen. Mit dem Start des Raumschiffs sei ein »neues Kapitel in der Geschichte der Europäischen Rau...

Obama in Wyoming vorn – Rennen offen

Der demokratische Senator Barack Obama hat die parteiinternen Abstimmungen über die US-Präsidentschaftskandidatur im Bundesstaat Wyoming am Sonnabend gewonnen.

Irina Wolkowa, Moskau

Merkel sondierte in Moskau

Blumen für die Kanzlerin gab es bei Angela Merkels Blitzbesuch in Moskau am Sonnabend gleich von zwei Präsidenten: von Wladimir Putin, dem scheidenden und von Dmitri Medwedjew, der am 2. März gewählt wurde und am 7. Mai den Amtseid auf Russlands Verfassung ablegen wird. Den Kuss auf die Wange – bei Glückwünschen zum Internationalen Frauentag hierzulande sonst durchaus üblich – verkniff...

ndPlusHilmar König, Delhi

Globale »Kultur des Friedens«

Der 18. Weltkongress der Internationalen Ärzte für die Verhinderung eines Atomkrieges (IPPNW) nahm am Sonntag seine Arbeit in Indiens Hauptstadt Delhi auf. 600 Delegierte aus 50 Ländern beraten dort über eine Strategie für die Schaffung einer Welt ohne Atomwaffen.

Seite 8

Leonel Fernández Reyna

Es wäre ein großer Fehler zu versuchen, Chávez, Correa und Uribe voreilig zur Versöhnung zu bewegen, warnte der OAS-Generalsekretär José Miguel Insulza gerade in der Grenzkrise, die er nicht beilegen konnte. Der dominikanische Präsident Leonel Fernández (Foto: dpa) tat es dennoch. Niemand hätte vor dem Gipfel der Rio-Gruppe am Freitag in Santo Domingo einen Peso darauf verwettet, dass er den schwe...

ndPlusDaniel Kestenholz, Bangkok

Historische Wahlschlappe in Malaysia

Die politische Landschaft in Malaysia steht nach der Parlamentswahl am Wochenende vor einem Umbruch. Die regierende Koalition Barisan Nasional (Nationale Front) erlitt die schwerste Niederlage ihrer Geschichte und verlor ihre Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament sowie die Macht in vier Bundesstaaten. Regierungschef Abdullah Ahmad Badawi wies Rücktrittsforderungen dennoch zurück.

Uribe setzt auf das Militär

Uribe setzt auf das Militär

Seit dem 23. Februar 2002 befindet sich die damalige kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt in den Händen der Bewaffneten Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC). Ihr Ehemann Juan Carlos Lecompte berichtet im ND-Interview über die letzten Nachrichten von der prominentesten FARC-Geisel und über seine Erfahrungen mit der Unterstützungsbereitschaft verschiedener Regierungen. Das Gespräch führte Gerhard Dilger.

ndPlusTommy Ramm, Bogotá

Kolumbien-Krise beigelegt

Nach der offiziellen Beilegung der diplomatischen Krise zwischen Kolumbien, Ecuador und Venezuela haben sich die Länder um weitere Entspannung bemüht. Venezuelas Präsident Hugo Chávez versprach am Samstag, die zur kolumbianischen Grenze verlegten Truppen abzuziehen. Zugleich forderte er die FARC-Führung auf, Ingrid Betancourt freizulassen. Bogota verpflichtete sich, künftig von Militäreinsätzen auf fremdem Staatsgebiet abzusehen.

Seite 9

Zoff um Post-Mindestlohn

Berlin (dpa/ND). Das Gerichtsurteil gegen eine Ausweitung des Mindestlohnes für Briefzusteller auf die Post-Konkurrenten hat den Konflikt in der Bundesregierung um diese Regelung wieder angeheizt. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bezeichnete die Entscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts im »Focus« als »Sieg für den Wettbewerb«.Das SPD-geführte Bundesarbeitsministerium hatte nach der Ents...

Anna Maldini

Prodi plant Gesetz für weniger »weiße Tote«

In Italien nennt man sie die »Weißen Toten« – Frauen und Männer, die einen tödlichen Arbeitsunfall erleiden. Ihre Zahl ist erschreckend hoch. Die noch amtierende Regierung Prodi hat jetzt ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Strafen für jene Unternehmer erhöht, die Sicherheitsmaßnahmen vernachlässigen.

Genossenschaft im Aufschwung?

Genossenschaft im Aufschwung?

Dr. Burghard Flieger, der in Genossenschaftsvorständen sitzt und wissenschaftlicher Leiter der innova eG sowie Dozent für Gemeinwesenökonomie an der FH-München ist, sprach Michael Scheuermann.

ndPlusPeter Liebers

Zwischen Pisa und Kriminalität

Kinder- und Jugendärzte haben am Wochenende auf ihrem Jahreskongress in Weimar an die Politik appelliert, mehr für Kinder und Jugendliche zu tun als nur verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen zu beschließen.

Seite 10
Peter Nowak

Geheimnisse um Störfälle

Seit 1993 erfasst die dem Bundesumweltamt zugeordnete Zentrale Melde- und -Auswertestelle für Störfälle (ZEMA) sicherheitstechnisch bedeutsame und daher meldepflichtige Vorkommnisse im Bereich der Industrie. In der Datenbank sind mittlerweile 530 Berichte dokumentiert, die meisten aus der Atom- und Chemieindustrie. Wer aber diese Datenbank als Recherchehilfe benutzen will, um zu ermitteln, in welc...

ndPlusDieter Hanisch, Kiel

Explosive Altlasten unter Wasser

Es ist ein explosives Thema, die Debatte um den Umgang mit Munitionsaltlasten in der Nord- und Ostsee. Lange Zeit wurde Umweltschutzverbänden vorgeworfen, sie würden Panik betreiben. Als die FDP sich auf die Seite der besorgten Organisationen stellte, fiel Lübecks Stadtoberen nichts Besseres ein, als der FDP »Panikmache« vorzuhalten. Da der Unmut aus Badeorten immer größer wurde, will das SPD-geführte Kieler Innenministerium jetzt nicht länger tatenlos zusehen.

ndPlusMarko Ferst

Faktor 10 beim Material

Als wichtigster Indikator für ökologische Perspektive gilt: Der Ausstoß von Treibhausgasen muss verringert werden. Was sich auf diesem Wege noch alles an unserem Naturverbrauch sich ändern muss, beleuchtet Friedrich Schmidt-Bleek in seinem Buch.

Tom Kirschey

Zehn Gramm Widerstand

Mit seinem Plakat, auf dem eine Kleine Hufeisennase abgebildet war und die Aufschrift »10 Gramm fliegender Widerstand« stand, war im vergangenen Jahr ein Demonstrant gegen die umstrittene Dresdner Waldschlösschenbrücke auf die Titelseiten der meisten deutschen Tageszeitungen gelangt. Was manche Naturschützer für eine originelle Aktion halten, ärgert andere. Wird so doch suggeriert, dass zu strenge Naturschutzvorschriften die Wirtschaft blockieren.

Seite 11
ndPlusVolkmar Draeger

Gut erfunden, schwach montiert

Lange hat sich William Forsythe zwischenzeitlich in mehr oder weniger gelungenen Installationen und ans Schauspiel angelehnten Stücken von mutig gesellschaftskritischem Zuschnitt artikuliert. Wenn der weltweit bewunderte Tanz-Innovator zu einer Neuproduktion lädt, in der, so hörte man, endlich wieder ausgiebig getanzt wird, weckt das Erwartungen. »Yes We Can't« erhielt seinen Titel nach gründliche...

Hans-Dieter Schütt

Alles wieder von vorn?

Der Witz vom maßgeschneiderten Anzug erzählt die Tragödie der Welt. Lange, übermäßig lange braucht der Schneider ihn zu fertigen. Wochen vergehen. Das Kleidungsstück passt vorzüglich, dennoch kann Mr. Jay seinen Unmut, seine Ungeduld nicht zügeln, er macht den Meister darauf aufmerksam, dass Gott schließlich insgesamt nur ganze sieben Tage benötigte, um die Welt zu schaffen. Worauf der Schneider b...

Seite 12
Genussvolle Entdeckungstour
ndPlusIra Hader

Genussvolle Entdeckungstour

Ich bin ein sinnlicher Typ. Alle meine Erinnerungen sind mit Gerüchen, Geschmack, Musik und Stimmungen verbunden, mit Jahreszeiten und auch Schmerzen. Tagebuch habe ich nie geführt.« Das sagt Schauspieler Winfried Glatzeder (62, Foto: Buchcover), seit dem DEFA-Spielfilm »Die Legende von Paul und Paula« in der DDR und später in ganz Deutschland ein Star. Gerade ist unter dem Titel »Paul und ich« se...

Optische Ödnis
Laura Naumburg

Optische Ödnis

Die Seele haben sie sich aus dem Leib gesungen, die Finger wundmusiziert, die Sänger und Musiker des Chores und des Orchesters der Berliner Deutschen Oper. Beide Ensembles und Renato Palumbo am Pult haben ihre gemeinsame »Freischütz«- Scharte damit grandios ausgewetzt. Ein wunderbar rundes klangvolles Piano war vom Chor ebenso zu hören wie unangestrengt energiegeladene Passagen. Das Orchester verb...

Monika Melchert

Über St. Barbara in die Welt

Der schöne metaphorische Titel ist zugleich ganz wörtlich gemeint: Der Weg der jungen Frau aus gutem Hause, Netty Reiling (Foto: Archiv), Studentin der Kunstgeschichte und Sinologie, führt schließlich zu ihrem ersten bedeutenden Werk, »Aufstand der Fischer von St. Barbara«. Es war kein vorgezeichneter Weg. Anna Seghers (1900 -1983), aufgewachsen in einer orthodox jüdischen Familie in Mainz am Rhei...

Seite 13

»Einfach draufgehauen«

Mimoun Azaouagh traf mit einem »Lausbubenstreich« zum 1:1. Er sah, dass Eintracht-Keeper Nikolov noch mit dem Stellen der Mauer beschäftigt war. »Der Schiedsrichter hat mir erlaubt zu schießen«, so Azaouagh. »Also habe ich das auch gemacht.«

Jena verspielt Zwei-Tore-Führung

Für Carl Zeiss Jena wird die Lage immer prekärer. Der DFB-Pokal-Halbfinalist verspielte vor heimischer Kulisse eine 2:0-Führung und musste sich gegen den SV Wehen Wiesbaden mit einem 2:2 zufriedengeben. Nach dem siebten Spiel in Serie ohne Sieg haben die Thüringer weiter zehn Punkte Rückstand auf den rettenden 14. Platz. Der fünf Minuten zuvor eingewechselte Dennis Schmidt entriss in der 89. Minut...

ndPlusDirk Harten, Reimar Paul und Gabi Kotlenko

Schützenhilfe für die Bayern

Die meisten Superlative beim 1:1 des FC Hansa in Duisburg gab es schon vor dem Anpfiff, als die Aufstellung der Gäste bekanntgegeben wurde. Innenverteidiger Orestes, der nach seiner Verpflichtung im Sommer noch keine Bundesliga-Minute verpasst hatte, saß auf der Bank. Dafür stand mit Addy-Waku Menga ein Stürmer erstmals überhaupt in der Startelf, dessen letzter Kurzeinsatz vom Hinspiel im Septembe...

Seite 14
ndPlusDagobert Kohlmeyer

Anand pflegt seine Schachkrone

Zum dritten Mal hat Viswanathan Anand (Indien) das prestigeträchtigste Schachturnier der Welt gewonnen. Im spanischen Linares, dem Wimbledon des königlichen Spiels, siegte der Weltmeister am Wochenende mit 8,5 Punkten aus 14 Partien. Der stärkste Wettbewerb des Jahres hatte in Morelia (Mexiko) begonnen und war dann an traditionsreicher Stätte in Andalusien fortgesetzt worden. Alle vier Partien des...

Ulrike John

Selbst Isibajewa tat sich schwer

Die 103 Kilogramm schwere Kugelstoßerin Christina Schwanitz hat bei den Hallen-Weltmeisterschaften ihr ganzes Gewicht in die Waagschale geworfen, aber die ersehnte erste Medaille für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) am Schlusstag verpasst. Die gebürtige Dresdnerin vom schwäbischen SV Neckarsulm musste sich als Mitfavoritin am Sonntag mit Platz sechs begnügen.Doch selbst einer Jelena Isib...

Frank Thomas

»Es war schwer und ist schön«

Mit ihrem elften Titel bei Einzelstrecken-Weltmeisterschaften hat sich Anni Friesinger am Sonntag zur neuen Eis-Königin gekrönt und das insgesamt 75. deutsche WM-Gold in der Eisschnelllauf-Geschichte erkämpft. Durch ihren Sieg über 1000 Meter und ihre insgesamt 20. Medaille auf den Einzelstrecken (11/8/1) übernahm sie in Nagano das Zepter von Gunda Niemann-Stirnemann, die zuvor gleichfalls elf Tit...

Seite 15
Almut Schröter sah Leute zusammenrücken

Zurückbleiben!

Streik muss wehtun, sonst bringt er nichts, sagen sich Gewerkschaften und Streikende. Sie wollen ihre Forderungen durchdrücken. Dafür wurden Arbeitsniederlegungen schließlich erfunden. Was soll das Ganze, wenn es keiner merkt. Mit bewundernswerter Solidarität haben Berliner bisher dadurch Unbequemes ertragen. Unsere Stadt bremst man nicht so einfach aus. Was heute angesichts des andauernden BVG-St...

ndPlusHaidy Damm

»Ungehorsame Frauen«

»Es ist der Tag für alle ungehorsamen und freiheitsliebenden Frauen, der Tag für ihre Organisierung und gegen Unterdrückung«, so eine Sprecherin kurdischer Organisationen, die am Frauentag auf eine eigene Demonstration verzichteten und sich am Samstag dem antifaschistischen Aufzug »Freiheit für Andrea« anschlossen. Gut 50 Gruppen hatten bundesweit aufgerufen, gegen Patriarchat und Repression auf d...

ndPlusJürgen Holz

Zwei Meister im Abschiedsspiel

Im letzten DEL-Vorrundenspiel der Eisbären ging es eigentlich nur noch um die berühmte »goldene Ananas«. Denn die Berliner standen schon vorher als Vorrundenzweiter fest, und die Adler Mannheim waren ebenfalls für die direkte Play-off-Teilnahme qualifiziert. Aber das Duell hatte doch einen besonderen Reiz, weil die beiden Meister der letzten Jahre (Mannheim 2007, Berlin 2006 und 2005) aufeinander ...

ndPlusAlmut Schröter

An der Schmerzgrenze scharf gebremst

Nach der Streikabsage der Bahn ist heute nicht mit Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr zu rechnen. Der normale Fahrplan gilt. Im letzten Moment wurde an der Schmerzgrenze scharf gebremst. Die BVG hatte vorsorglich angesichts der ungewissen Lage zum beabsichtigten Bahn-Streik ihren Streik-Notfahrplan geändert. Bis Redaktionsschluss blieb es bei diesen Absichten. Kürzere Taktfolgen soll es also heute ...

Seite 16
Karl-Foerster-Garten in den Gärten der Welt
Klaus Teßmann

Karl-Foerster-Garten in den Gärten der Welt

Weiß, Gelb und Lila sind derzeit die beherrschenden Farben in den Gärten der Welt. Mit Tulpen und Osterglocken stehen die nächsten Frühjahrsblüher bereits in den Startlöchern. Viele Berliner nutzten den sonnigen Tag gestern zu einem ersten Spaziergang in den Gärten der Welt in Marzahn. Um 15 Uhr wurde dort der neu gestaltete Karl-Foerster-Staudengarten eingeweiht. Dazu wurden 60 0000 Krokusse gepf...

ndPlusKlaus Thaler

Nach siebzehn Jahren gefeuert

Die Diakonie hält seit einiger Zeit mit ihrer Kampagne »Mitten im Leben« die Werbeflächen der Stadt besetzt. Mal ist es eine alleinerziehende Frau, mal ein farbiger Mann und dann wieder irgendein Junge mit offensichtlich geistiger Behinderung – alle richten sie ihren Blick erwartungsvoll gen Himmel, während im Hintergrund schon jemand zur Hilfe eilt, sozusagen im Auftrage des Herrn. Nur wen ...

Seite 17
ndPlusAnouk Meyer

TUSCH feiert seinen 10.

»Er ist einer, der immer zu spät kommt. Er ist zu langsam.« Zu langsam, um seiner Traumfrau zu folgen, zu langsam für unsere hektische Gesellschaft. Mit dieser und der Frage, wie man etwas verändern kann, beschäftigt sich »Schwarz«, eines von drei hintereinander gespielten Stücken, die aus der Kooperation zwischen Berliner Theatern und Schulen (TUSCH) entstanden sind. »Triebwerke« nennt sich der B...

Entscheidend sind überall Zusatzangebote
Tom Mustroph

Entscheidend sind überall Zusatzangebote

Ein Blatt von zehn Karten hält Andreas Wegener in der Hand. Die englischen Begriffe für Kreativität und Zusammenarbeit, Vertrauen und Weltoffenheit, Neugier und Toleranz, Respekt und Unabhängigkeit stehen darauf. »Dieses Blatt enthält alles, was für ein gutes Bildungsprogramm wichtig ist«, sagt er und platziert eine Karte nach der anderen auf dem Tisch. »Bei allem, was wir tun, müssen wir uns frag...

Seite 18

180 Ärzte gesucht

Potsdam (dpa). »Allgemeinmediziner, Landkreis Elbe-Elster, schnellstmöglich«, heißt nüchtern eine der rund 90 Suchanzeigen in der Internet-Praxisbörse der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Ein anderer Eintrag besagt, dass bereits seit Mitte 2006 ein Mediziner in Boitzenburg in der Uckermark gesucht wird. Der Ärztemangel besonders in den ländlichen Regionen herrsche in allen neuen Ländern, sagte G...

Andreas Fritsche

Erst sterilisiert, dann getötet

Die angeblich an erblicher Fallsucht leidende Emma L. aus Finsterwalde sollte unfruchtbar gemacht werden. Die Frau und ihr Mann wehrten sich. Der Hausarzt wies auf die Gefahr bei einer Operation hin: Emma L. litt an einem schweren Herzfehler. Doch das faschistische Erbgesundheitsgericht Cottbus und das Erbgesundheitsobergericht Berlin scherten sich nicht um die Warnung. Die 31-Jährige starb 1935 n...

Bernd Baumann

Ministerien sollen ins Stadtzentrum

Für die Schaffung schmucker Regierungsgebäude kommen auf das Land Brandenburg in den nächsten Jahren weitere enorme Ausgaben zu. Die immer noch weit über das Stadtgebiet von Potsdam verstreuten Ministerien sollen spätestens in fünf Jahren näher zusammenrücken und auf zwei landeseigenen Standorten konzentriert werden.Für Sanierung und den Neubau wurden in den vergangenen Jahren bereits über 120 Mil...