Ausgabe vom 28.03.2008

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Unten links

Deutschland ist ein Wurstladen. Ein Metgzer aus Bieberach will in der Hauptstadt Politik machen. Dabei wursteln die dort auch ohne ihn erfolgreich, drehen die Gesellschaft durch den Wolf. Auch ist die Zahl der Fleischer mit oder ohne Abitur im Bundestag schon überrepräsentiert. Die LINKE hat da sogar einen charismatischen Rinderzüchter mit Staatsexamen sitzen. Den Oswald aus Baden-Württemberg brau...

Abu-Jamals Todesurteil aufgehoben

Washington (Agenturen/ND). Ein US-Berufungsgericht hat am Donnerstag das Todesurteil gegen den Journalisten Mumia Abu-Jamal (Foto: AFP) aufgehoben. Die Verurteilung Abu-Jamals wegen Mordes an einem Polizisten 1981 hielten die Bundesrichter in Philadelphia in ihrer Entscheidung aber aufrecht. Der Spruch gibt der Staatsanwaltschaft die Möglichkeit, vor einem Geschworenengericht erneut die Todesstraf...

ndPlusKurt Stenger

Niederlage der Lobbyisten

Der Transrapid sollte die Welt in ein völlig neues Verkehrszeitalter schweben lassen. Mit derartigen Vorschusslorbeeren preisen deutsche Industriekonzerne und ihre politischen Steigbügelalter seit Jahren die Magnetschwebebahn an. Und damit diese »Zukunftstechnologie« zum echten Exportschlager wird, muss eine Art Vorführprojekt mit realen Bedingungen her, hieß es immer. Verkehrsbedarf für eine Stre...

Stoiber-Express entgleist

Das Aus für den Transrapid in München ist besiegelt: Wegen explodierender Kosten haben der Bund und Bayern ein wichtiges deutsches Technologieprojekt beerdigt. Statt 1,85 Milliarden Euro sollte die 37 Kilometer lange Strecke zwischen Hauptbahnhof und Flughafen nun bis zu 3,4 Milliarden Euro kosten.

Weichen stehen auf Streik

Die Gewerkschaften haben den Schlichterspruch im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes abgelehnt. Am Samstag soll in Potsdam noch einmal verhandelt werden, ver.di drohte jedoch bereits gestern Urabstimmung und mögliche Streiks ab 12. April an.

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Eine verkehrspolitisch gute Nachricht

Eine verkehrspolitisch gute Nachricht

Für den Transrapid war in der deutschen Infrastruktur einfach kein Platz, sagt Heidi Tischmann, Verkehrsreferentin beim Verkehrsclub Deutschland. Nötig wäre jetzt ein generelles Umdenken, das unter Minister Tiefensee aber nicht zu erwarten ist. Das Interview führte Kurt Stenger.

Olaf Standke

Begehrter Platz an der UNO-Sonne

Auch beim Besuch des französischen Präsidenten in London stand die Reform des Weltsicherheitsrates jetzt auf der Tagesordnung. Im Machtgerangel um die ständigen Sitze werden die Karten gerade neu gemischt.

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ndPlusSusann Witt-Stahl

Anpassung statt Verhinderung

Der ExtremWetterKongress 2008 in Hamburg stand im Zeichen der Forschung nach den Phänomenen und der Langzeitvorhersage der Klimaveränderungen. Umweltökonomen forderten einen gerechten Lastenausgleich der volkswirtschaftlichen Schäden.

Frau mit Skalpell
ndPlusElfi Schramm

Frau mit Skalpell

Derzeit sind in Deutschland 28 414 Chirurginnen und Chirurgen tätig – stationär und ambulant. Und obwohl heute bereits mehr als 60 Prozent der Medizinstudenten weiblichen Geschlechts sind, haben es in diesen Fachbereich nur 2990 Frauen geschafft, von Chefarztstellen ganz zu schweigen. Hier beträgt ihr Anteil gerade mal 1,3 Prozent.

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ndPlusMarkus Drescher

EXIT-Projekt speziell für Familien

Das Aussteigerprojekt für ehemalige Rechtsextremisten, EXIT-Deutschland, hat am Donnerstag in Berlin den Start der neuen EXIT-Familienhilfe bekannt gegeben.

Reimar Paul

»Der Misserfolg hat keinen umgehauen«

Mit dem Misserfolg der Verfassungsbeschwerde Salzgitters gegen den Bau des Atommüllendlagers Schacht Konrad ist nach Meinung der Gegner das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Hendrik Lasch, Magdeburg

Nur La Ola am Kabinettstisch fehlt noch

Wichtige Aufgaben erledigt, das Klima bestens: Nach zwei Jahren im Amt lobt sich die Magdeburger Koalition in den höchsten Tönen – einer ganzen Serie von Pannen und Affären zum Trotz.

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ndPlusHans-Gerd Öfinger

Die Neuen hoffen auf linke Mehrheiten

Die neue Linksfraktion im hessischen Landtag strebt Mehrheitsentscheidungen für einen »Politikwechsel« an. Dazu wird sie eigene Anträge einbringen, aber auch Anträge von SPD und Grünen unterstützen. Auf einer zweitägigen Klausur klopfte die sechsköpfige Fraktion ihre Marschroute für den parlamentarischen Alltag fest.

Velten Schäfer, Schwerin

Endet Kreisreform in Greifswald?

Die Große Kolition in Mecklenburg-Vorpommern will die seit Jahren strittige Verwaltungs- und Kreisreform im Eiltempo durchziehen. Die Opposition sagt der Reform indes ein erneutes Scheitern vor dem Landesverfassungsgericht in Greifswald voraus – unter anderem, weil die Enquete-Kommission zur Reform ihre Aufgabe nicht korrekt erfüllt habe.

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ndPlusIna Beyer

Faules Osterei

Was am Verhandlungstisch nicht gelang, klappte auch imSchlichtungsverfahren nicht. Arbeitgeber und -nehmer im öffentlichen Dienst konnten sich im laufenden Tarifkonflikt nicht einigen. Auch wenn die 8 vorm Komma, die sich aus der 4+2-Prozent-Rechnung plus Einmalzahlung der Arbeitgeber ergibt, auf dem Papier gar nicht so schlecht klingt – unterm Strich stehen dagegen die Arbeitszeiterhöhung u...

ndPlusOlaf Standke

Hoffnung für Mumia

Fast sein halbes Leben sitzt Mumia Abu-Jamal in der Todeszelle, verurteilt wegen angeblichen Mordes an einem Polizisten. Das Schicksal des schwarzen Journalisten machte über die Landesgrenzen hinaus Schlagzeilen, er wurde zum Symbol für rassistische und politische Unterdrückung in den USA. Nun hat ein Berufungsgericht das Urteil gegen ihn aufgehoben. Das ist auch ein Sieg weltweiter Solidarität mi...

Ingolf Bossenz

Liebe als Exklusivangebot

Der Soziologe Gerhard Amendt kommt im Mai nicht nach Osnabrück. Damit hat ein weiterer prominenter jüdischer Repräsentant seine Teilnahme am 97. Deutschen Katholikentag abgesagt. Der Grund in allen Fällen: die von Papst Benedikt XVI. neu gefasste Karfreitagsfürbitte in der lateinischen Messe. Darin wird »für die Juden« gebetet: »Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Chris...

ndPlusSusann Witt-Stahl

Abgetaucht

»Es ist sinnlos zu sagen: Wir tun unser Bestes. Es muss dir gelingen, das zu tun, was erforderlich ist« – er habe Winston Churchills berühmtes Diktum zu seinem »Lebensmotto« gemacht, verrät Alexander Weiß, Kreisvorsitzender der Jungen Union (JU) in Hamburg-Nord, auf der Homepage der CDU-Jugendorganisation. Doch der 21-jährige Christdemokrat hat sich offenbar nicht damit begnügt, auf den Vers...

Ab durch die Mitte
Robert Kurz

Ab durch die Mitte

Die politische Klasse verortet sich am liebsten dort, wo sie ein sanftes demoskopisches Ruhekissen vermutet: in der sogenannten Mitte. Dieser schwammige Begriff hat eine sozialökonomische Grundlage, die aber ins Rutschen geraten ist. Beschworen wird einerseits der Mittelstand als tragende Säule von Wirtschaft und Gesellschaft. Andererseits droht den Ideologen der soliden Bürgerlichkeit ihre Mitte ...

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Zwist um Olympia-Boykott

Das Europäische Parlament hat das Vorgehen der chinesischen Behörden in Tibet am Mittwoch einmütig und scharf kritisiert. Uneins waren sich die Abgeordneten aus den 27 EU-Staaten jedoch in der Frage eines Boykotts der Olympischen Spiele in Peking.

ndPlusSebastian Heiligstedt, Brüssel

Schwieriges Alter

Fast die Hälfte der Europäer (46 Prozent) sind einer Eurobarometer-Umfrage zufolge der Auffassung, dass Diskriminierung aufgrund des Alters weit verbreitet ist. Besonders deutlich ist diese Sorge in Ungarn (66 Prozent) und in Tschechien (63), dagegen haben Irländer (30) und Luxemburger (31) ein anderes Bild von der Teilnahme älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben.

ndPlusGlenys Kinnock

Gebrochene Versprechen

»Ein verworrenes Spiel oder eher ein angeschlagenes Durcheinander«, so bezeichnete die »Financial Times« das Ende der Handelsverhandlungen zwischen der EU und 79 afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten. Eine treffende Beschreibung der Situation! Am Anfang der Verhandlungen über die »Wirtschaftspartnerschaftsabkommen« (EPA) im Jahr 2000 hatte man noch die besten Absichten. Die Abkommen s...

Holger Elias, Brüssel

Buitenens jüngster Streich

Der Haushaltskontrollausschuss des Europäischen Parlaments hat derzeit alle Hände voll zu tun. Allein in dieser Woche befassten sich die Ausschussmitglieder hinter verschlossenen Türen mit über 30 Berichten zur finanziellen Entlastung von EU-Behörden. Offiziell erschien der neuerliche Finanzskandal im Parlament um abgezweigte Sekretariatsgehälter zwar nicht auf der Tagesordnung, doch war das Thema allgegenwärtig. Auch die Betrugsbehörde Olaf berichtet lieber von einem erfolgreichen Schlag gegen die Zigarettenmafia, dagegen gibt es zum parlamentarischen Fall keine Erklärung aus dem Amt des Deutschen Franz-Hermann Brüner.

Seite 8

Anhaltende Kämpfe in Irak

Basra (AFP/ND). Bei den anhaltenden schweren Kämpfen zwischen den Streitkräften im Irak und Anhängern des Schiitenpredigers Moktada Sadr sind mehr als hundert Menschen getötet worden. Laut Polizei starben allein bei Gefechten in Kut südöstlich von Bagdad Donnerstag 44 Menschen. In der Hafenstadt Basra, wo die Kämpfe am Dienstag begonnen hatten, wurde eine Öl-Pipeline durch einen Sprengstoffanschla...

Olmert: Siedlungsbau geht weiter

Jerusalem (AFP/ND). Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat bekräftigt, dass der Bau jüdischer Siedlungen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem vorangetrieben werde. Dies sei durch den Bevölkerungszuwachs gerechtfertigt, sagte er am Mittwoch vor Journalisten in Jerusalem. Der »Lebensrealität« müsse Rechnung getragen werden.US-Präsident George W. Bush und Palästinenserpräsident Mahmud Ab...

Hilmar König, Delhi

Kühler Empfang für USA-Mission

Der eilige Pakistan-Besuch des stellvertretenden US-Außenministers John Negroponte und des Unterstaatssekretärs für Südasien, Richard Boucher, hat in Islamabad nicht gerade Begeisterung ausgelöst. Im Gegenteil: Die Mission musste sich einen kühlen Empfang und ungewohnt kritische Bemerkungen gefallen lassen.

Seite 9

Lidl macht auf reumütig

Neckarsulm (dpa/ND). Der Lebensmitteldiscounter Lidl hat sich am Donnerstag bei seinen Mitarbeitern wegen der in mehreren Filialen aufgedeckten Überwachungsmethoden entschuldigt. In einem Brief der Lidl-Geschäftsführung an die Mitarbeiter heißt es: »Wenn Sie sich in Misskredit gebracht und persönlich verletzt fühlen, so bedauern wir dies außerordentlich und entschuldigen uns dafür bei Ihnen.« Das ...

Airbus wird deutsche Werke nicht los

Im Rahmen des Einsparprogramms »Power8« will der Flugzeugbauer Airbus mehrere europäische Werke verkaufen. Die Regierungen verlangen dabei jeweils »nationale Lösungen«. Drei deutsche Standorte stehen wieder ohne Investor da.

Elfi Schramm

Klimawandel und Pollenflug

Der Klimawandel hat in den letzten 24 Jahren auch die Pollenflug-Problematik für Allergiker verschärft. Die Birke blüht auf Grund der Erderwärmung früher und länger, die Ambrosie droht auch in Deutschland dauerhaft ansässig zu werden. Zur besseren Einschätzung hat das Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin jetzt einen neuen Patienten-Pollenkalender vorgestellt.

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Weiblich, älter, weniger Geld

Im Schnitt verdienen Frauen in der Bundesrepublik 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Je älter jedoch die Beschäftigten sind, desto größer ist auch der Einkommensrückstand. Frauen im Alter bis zu 24 Jahren verdienen nach einer aktuellen Studie 7,8 Prozent weniger, in der Altersgruppe von 25 bis 34 steigt die Differenz bereits auf 17,5 Prozent. Zwischen 35 und 55 Jahre alte Arbeitnehme...

Rumänische Autobauer im Ausstand

Seit Wochenbeginn befinden sich tausende Arbeiter der Renault-Tochter Dacia im südrumänischen Pitesti in einem unbefristeten Streik für höhere Löhne.

Elisabeth Baum und Joachim Bischoff

Kein Ende des Arbeitskampfes

Für die rund 2,7 Millionen Einzelhandelsbeschäftigten zeichnet sich weiter keine Lösung im laufenden Tarifstreit ab. Ver.di fordert je nach Region zwischen 4,5 und 6,5 Prozent mehr Lohn. Der Arbeitgeberverband HDE knüpft eine Lohnerhöhung von 1,7 Prozent an die Abschaffung der Zuschläge für Spätschichten und Samstagsarbeit, was einem deutlichen Minusgeschäft für die Beschäftigten gleichkäme. In Ha...

Kämpferisches Vorbild
Michael Sommer

Kämpferisches Vorbild

Antje Treptow ist Schlecker-Mitarbeiterin in Bremen. Seit Jahren wehrt sie sich gegen die Schikanen ihres Arbeitgebers. Mit Erfolg.

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Cuba Libre
Fritz Rudolf Fries

Cuba Libre

Über die Produktion eines Freundes zu urteilen ist bekanntlich ein kompliziertes Unterfangen. Man ist gleichermaßen zu nachsichtig und zu kritisch. Den Schriftsteller, Essayisten, Journalisten und Dozenten Hans Christoph Buch (Foto: dpa) kenne ich, seit wir 1983 auf dem Internationalen PEN-Kongress in Caracas gegensätzliche Positionen vertraten. Buch, 1944 in Wetzlar als Sohn eines Diplomaten gebo...

Es braucht einen langen Atem

Sein Markenzeichen ist die Zigarre im Mundwinkel. Michele Giuttari, Jg. 1950, war fast drei Jahrzehnte im Polizeidienst, hat Mafiosi gejagt und Mitte der 90er Jahre die »Squadra mobile di Anti-Mostro« geleitet, eine Sonderkommission, die das »Monster von Florenz« überführen sollte, jedoch auf Barrieren stieß. Zwangsbeurlaubt begann Giuttari Krimis zu schreiben und ist nunmehr ein über Italiens Grenzen hinaus gefeierter Autor. Monatelang auf den Bestsellerlisten waren »Die Signatur«, »Die Loge der Unschuldigen« und »Das Monster von Florenz«. Auf der Leipziger Buchmesse stellte er seinen neuen Roman »Rachefeuer« (Lübbe, 397 S., geb., 19,95 EUR) vor. Giuttani ist heute Berater des italienischen Innenministers im Kampf gegen die Mafia.

Seite 12

Quergelesen

Religion sei das Opium des gemeinen Volkes, meinte der Trierer Philosoph Karl Marx einst sinngemäß. Die, die auf seine Philosophie eine ganze Gesellschaftsordnung bauten, übersetzten das so, dass das Volk auch ohne Religion auskommen könne. Ganz so einfach ist es aber wohl doch nicht, und gerade das Christentum wirkt auch für Kinder und Jugendliche nach wie vor anziehend. Doch wie informiert man g...

Bildungssplitter

Witten/Herdecke (ND). Das von Befürwortern von Studiengebühren als Vorbild gepriesene Gebührenmodell der privaten Universität Witten/Herdecke steht vor dem Aus, nachdem die Universitätsleitung angekündigt hat, die Gebühren drastisch zu erhöhen. Zukünftig sollen nicht wie bisher sieben Prozent der Einnahmen, sondern rund 25 Prozent durch Studiengebühren erzielt werden. Begründet wird dies mit einer...

Deutsches in Finnland
Jürgen Amendt

Deutsches in Finnland

Kürzlich weilte der Bildungsjournalist Paul Schwarz zur Vorstellung seines neuesten Doku-Films in Berlin. »Wissen der Zukunft« heißt der sehenswerte Streifen, in dem Schwarz naturwissenschaftliche Lernkonzepte in Finnland, Japan, Kanada, Mexiko und Deutschland vorstellt. Die porträtierten Schulen verbindet eines: eine Bildungsphilosophie, die von den Ressourcen des jeweiligen Kindes ausgeht, Stärk...

Gedichte wie Gänseblümchen

 Von Hans-Dieter Schütt  Umfragen geben in der Regel die Ansichten wieder, die durch sie erst hervorgerufen werden. Die Umfrage hat den demokratischen Prozess der Meinungsbildung geradezu erstickt, hat ihn längst in den industriellen Kreislauf einer Unterhaltung eingespeist, welche die Komplexität der Welt meist auf die Entscheidung zwischen »Ja« und »Nein« zusammenschnurren lässt. Und das bereits...

Menschenrechte im Klassenzimmer
ndPlusKnut Henkel

Menschenrechte im Klassenzimmer

In Kolumbien sind schon die Schulkinder mit Gewalt konfrontiert. Schulen, die direkt neben Militäreinrichtungen liegen, sind alles andere als selten. Konflikte werden schnell gewaltsam ausgetragen und Kinder und Jugendliche von den bewaffneten Gruppen angeworben. Ein Bildungsprojekt versucht Alternativen aufzuzeigen.

Seite 13

Info-Tour zu mg-Verfahren

(ND). Im April geht das Berliner Bündnis für die Einstellung der Paragraph-129a-Verfahren auf Info-Tour. Die Gruppe will damit diejenigen unterstützen, die Ende Juli 2007 von der Generalbundesanwaltschaft beschuldigt wurden, Mitglieder einer terroristischen Vereinigung, der militanten gruppe (mg), zu sein. Vier der sieben Beschuldigten – Axel H., Oliver R., Florian L. und Andrej Holm –...

ndPlusDieter Hanisch, Lübeck

Proteste gegen Nazis in Lübeck

Im dritten Jahr nacheinander wollen Neonazis in Lübeck am Samstag mit einer Demonstration geschichtliche Ereignisse für ihre Zwecke missbrauchen. Was in Dresden, Augsburg und Pforzheim jeweils im Februar zum jährlichen Ritual der rechten Szene geworden ist, wiederholt sich nun auch in der Hansestadt. Ein breites Bündnis will sich aber unter dem Motto »Wir können sie stoppen« in den Weg stellen.Sog...

Peter Nowak

Späte Folgen eines Interneteintrags

Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen sind in den letzten Jahren zu alltäglichen Ermittlungsmethoden der Polizei geworden. Kurz vor Ostern bekam das »autonome Aktions- und Kommunikationszentrum Alhambra« in Oldenburg Besuch. Ein anonymer Eintrag in seinem Online-Gästebuch soll den Straftatbestand der Aufforderung zu »schwerem Landfriedensbruch« erfüllen.

ndPlusMatthias Wetzel, Sibiu

Bewährungsprobe für NATO-Gegner

In Bukarest findet vom 2. bis 4. April der 20. NATO-Gipfel statt. Ein breites Bündnis verschiedenster Organisationen aus mehreren europäischen Ländern ruft zum Protest gegen den Gipfel und die Kriegseinsätze der NATO auf.

Bewegungsmelder

Bündnis für Versammlungsfreiheit (ND-Hintze). Die Initiative »Rettet die Versammlungsfreiheit in Bayern« hat am Donnerstag den Startschuss für eine landesweite Kampagne gegen ein von der CSU-Landesregierung geplantes neues Versammlungsgesetz gegeben. Nach Ansicht von Gewerkschaften würde die Streikfähigkeit mit einem solchen Gesetz eingeschränkt. »Das würde uns die Hälfte aller Streiks kaputtmache...

Seite 14

Sind die Stomnetze der Monopolkonzerne öffentliches Eigentum?

Es debattieren: Hans-Josef Fell, Jahrgang 1952, energiepolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion und Obmann im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und Hans-Kurt Hill, Jahrgang 1950, energiepolitischer Sprecher der Linksfraktion, beruflich tätig unter anderem für die Daimler Benz AG....

Infrastruktur und Erzeugung strikt voneinander trennen
ndPlusHans-Josef Fell

Infrastruktur und Erzeugung strikt voneinander trennen

Seit Jahren steigen gleichzeitig die Gewinne der vier großen Stromkonzerne und die Strompreise. Vor allem für sozial schwache Haushalte, aber auch zunehmend für Unternehmen, sind die Strompreissteigerungen ein sich stetig vergrößerndes finanzielles Problem. Die Preissteigerungen haben im Wesentlichen zwei Ursachen: zum einen die immer steiler steigenden Rohstoffpreise für Erdgas, Kohle und Uran un...

Stromnetze gehören in die öffentliche Hand
Hans-Kurt Hill

Stromnetze gehören in die öffentliche Hand

»Stromautobahnen« sind der Flaschenhals in der Elektrizitätsversorgung. Sie stellen ein natürliches Monopol dar, denn es ist nicht vorstellbar, mehrere Netze parallel wettbewerblich zu betreiben. Die großen Strommengen, die Kraftwerke und zunehmend erneuerbare Energien erzeugen, werden mit Hilfe der Stromübertragungsnetze deutschlandweit verteilt oder mit den Nachbarstaaten ausgetauscht. Da elektr...

Seite 15
Rainer Funke

Das Präsidium sagte allein Danke

In einem Brief an den Polizeipräsidenten Dieter Glietsch hat sich die Friedrichshainer Bürgerinitiative gegen Rechts über einen polizeiseitig mangelnden Willen zur Zusammenarbeit mit Bürgerinitiativen beklagt. Hintergrund ist der Überfall vom 2. März, als gegen 6.45 Uhr ein Schwarzer auf dem S-Bahnhof Frankfurter Allee auf die Schienen gestoßen worden war – zweifellos rassistisch motiviert, ...

Bernd Kammer

Eskalation im BVG-Tarifkonflikt

Der Tarifkonflikt bei der BVG hat sich gestern überraschend zugespitzt. Nachdem am Mittwoch beide Seiten noch von »konstruktiven Gesprächen«, »positiven Signalen« sowie »ersten Ansätzen zu einer Lösung« sprachen und für den 3. April einen neuen Gesprächstermin vereinbarten, verschärfte die Gewerkschaft ver.di gestern den Ton gegenüber den Arbeitgebern. Die ver.di-Tarifkommission übermittelte nach ...

Seite 16
ndPlusMichael Müller, Genf

»De Ziet wird knapp«

Gegen Deutschland nicht zu gewinnen – dies erfährt die Fußball-Schweiz seit 1956 in 17 Spielen in trauriger Regelmäßigkeit. Aber selten so deftig wie Mittwochabend. Der Optimismus der Vortage hatte sich als Mehltau auf einer realistischen Analyse erwiesen. Der TV-Kommentator von SF 2 versuchte, nach dem 0:4 im Baseler Sankt-Jakob-Park die Fassung zu bewahren: »Das war leider klarer als sonst...

Desaster für Robert Bartko

Der Doppel-Olympiasieger von 2000, Robert Bartko (Foto: dpa), verpasste bei den Bahnrad-WM in Manchester als 16. in der Einerverfolgung am Mittwochabend ebenso die letzte Chance auf die Olympiaqualifikation wie gestern mit dem Bahnvierer, der nur Neunter wurde. Am Mittwoch war WM-Neuling Roger Kluge in die Bresche gesprungen. Der 22-jährige Cottbuser holte sich im Scratch die Bronzemedaille. Der W...

Arbeitsgericht gibt Studis Recht
ndPlusJörg Meyer

Arbeitsgericht gibt Studis Recht

Gestern sprach das Arbeitsgericht Berlin ein lang erwartetes Urteil. Die Befristung der Arbeitsverträge zweier Beschäftigter des Deutschen Technikmuseums in Kreuzberg (DTM) auf vier Jahre wurde für unwirksam erklärt. Die beiden arbeiten auf 400 Euro-Basis als Besucherbetreuer. Ende März sollten die Verträge auslaufen – nun müssen sie mit unbefristeten Arbeitsverträgen weiter beschäftigt werd...

Bernd Kammer

Stammkunden zahlen

Egal, wie sich die Lage an der BVG-Streikfront entwickelt – die Fahrpreise werden ab 1. April wie geplant steigen. »Der Arbeitskampf kann daran nichts ändern, die Ticketautomaten sind schon entsprechend programmiert«, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Dafür sei die Streikpause genutzt worden. Bei S- und Regionalbahn war die Umstellung ohnehin kein Problem.Damit steigen die Tarife im Stadtgeb...

Stressfreie Kaderauswahl

Die Fans in Deutschland freuen sich auf einen neuen schwarz-rot-goldenen Fußball-Sommertraum, und Joachim Löw kann ganz entspannt seine EM-Planungen vorantreiben. Nach dem 4:0-Torfestival gegen EM-Mitgastgeber Schweiz wird das Team um Kapitän Michael Ballack von den eigenen Fans und auch der Konkurrenz wieder als heißer Kandidat auf die Europameister-Krone 2008 gehandelt. »Wenn die Deutschen in so...

Alte Männer und ihre Erinnerungen

Alte Männer und ihre Erinnerungen

Es gibt schon kuriose Gerichtsverhandlungen, die sich irgendwann in den Memoiren eines Richters wiederfinden. Ein Kriminalfall, der 12 Jahre zurückliegt, ein Täter, der seine Missetat auch nach so langer Zeit freimütig eingesteht, und ein Opfer, das seinen Peiniger noch nie gesehen haben will.»Ich kenne Sie nicht, Sie müssen sich irren, ich habe den Mann noch nie gesehen, Frau Richterin«, erklärte...

Seite 17
ndPlusTom Mustroph

Aufsehen erregend

Grauen und Schrecken haftet dem Kolyma-Gebirge an, gilt es doch spätestens seit Alexander Solschenizyns »Archipel Gulag« als einer der Standorte von Menschen geschaffener Höllen. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach Solschenizyn hat die junge Fotografin Sarah Schönfeld diese Gegend besucht und eine Aufsehen erregende Fotoserie mitgebracht. »Kolyma«, derzeit in der Galerie Kunstagenten in Mitte zu ...

Volkmar Draeger

Der Hausmeister beim Säbeltanz

In elegantem Tiefrot umfängt auf dem Leipziger Platz ein riesiges Foyerzelt die Besucher des Zirkus Salto Natale. Stoffüberwölbte Pagoden und Cafés laden zum Imbiss vor und nach der Vorstellung. Was dann dahinter im Chapiteau, mit 1700 Sitzen dem größten der Schweiz, reichliche zwei Stunden unter dem Fantasietitel »Synfunia« abläuft, entführt in eine Dimension von Unterhaltung fern jeder Schweizer...

Seite 18
Bernd Baumann

Rekord in der Tourismusbranche

Der Tourismus befindet sich weiter auf Wachstumskurs. Schon seit Jahren kommen immer mehr Besucher nach Brandenburg mit seinen zahlreichen Seen und Wäldern, auch um sich die kulturellen Sehenswürdigkeiten der Mark anzuschauen. »Die brandenburgische Tourismusbranche ist gut in das Jahr 2008 gestartet«, sagte Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) gestern in Potsdam. »Sie knüpft damit nahtlos an...

ndPlusWilfried Neiße

Hinter Gittern besser Kurzgedichte

Die dichterische Freiheit ist eine, die man auch Strafgefangenen in brandenburgischen Gefängnissen nicht rauben darf. Allerdings ist ihnen der Umfang des zu beschreibenden Papiers vorgeschrieben. Wie Justizministerin Beate Blechinger (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage mitteilte, lässt die Hausordnung der meisten Strafanstalten »drei Aktenordner mit Schriftgut« zu. Das entspreche etwa 1500 Bla...