Ausgabe vom 17.05.2008

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Unten links

Diesen Sonntag dürfte Wolfgang Schäuble in seinem Element sein: Er wird über Angriffe von links berichten, über aggressive Vorstöße und vielleicht auch über Bombenstimmung. Sollte sich seine Stimme dabei vor Erregung überschlagen, wäre das kein Wunder – der Bundesinnenminister, der ja auch für den Sport zuständig ist, kommentiert im Rundfunk ein Fußballspiel der 2. Bundesliga. Da Schäuble ni...

Wirbel um Stellenabbau bei der Bahn

Berlin (Agenturen/ND). Mit Äußerungen zum Personalabbau bei der Bahn ist der designierte Arbeitsdirektor Norbert Hansen auf Widerspruch gestoßen. Vorstandschef Hartmut Mehdorn stellte in Berlin klar, für einen Personalabbau gebe es keine Pläne »und schon gar nicht gibt es derartige Beschlüsse«. Richtig sei dagegen, »dass es im Zuge der Teilprivatisierung bis 2023 keine betriebsbedingten Kündigunge...

Nokia Bochum abgeschaltet
ndPlusManfred Wieczorek, Bochum

Nokia Bochum abgeschaltet

Nach langem Kampf gegen die Schließung des Bochumer Nokia-Werks hat die Mehrzahl der Beschäftigten am Freitag zum letzten Mal gearbeitet.

ndPlusMicha Brumlik

In aller Interesse

Die absehbare Niederlage von Hillary Clinton gegen Barack Obama verweist nicht nur auf einen tiefsitzenden Änderungswillen, sondern auch auf tektonische Verschiebungen innerhalb der US-amerikanischen Wählerschaft: Mittelfristig geraten die weißen, angelsächsischen, protestantischen Wähler in die Situation einer – wenn auch der größten – Minderheit. Damit verliert der Nahe und Mittlere ...

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Wer ist hier der Dumme?
Olaf Standke

Wer ist hier der Dumme?

Kurzerhand hatten die peruanischen Behörden den gestrigen Freitag zum Feiertag erklärt, und Tourismusministerin Mercedes Araoz ermunterte die Bewohner der acht Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt, das lange Wochenende zum Verreisen zu nutzen. Während des EU-Lateinamerika-Gipfels hätte die Regierung Lima am liebsten leer gefegt gehabt. Da das schlecht geht, präsentierte man sich martialisch.95...

ndPlusOliver Eberhardt, Jerusalem

Unkompliziertes Problemlösen im Verborgenen

Viele Teilnehmer, viele Worte, keine Ergebnisse: Das Weltwirtschaftsforum, das am Sonntag im ägyptischen Scharm el Scheich beginnt, ist äußerlich keine besonders interessante Angelegenheit. Die wahre Politik wird hinter den Kulissen gemacht.Sie sind die Leute, über die man nie schreibt, von denen man nie hört, und das, sagt Esra Feiglin vom israelischen Außenministerium, sei auch gut so: »Wir sind...

»Tribunal der Völker« klagt Konzerne an

»Tribunal der Völker« klagt Konzerne an

2000 Vertreter von sozialen Bewegungen und Nichtregierungsorganisationen aus Europa, Lateinamerika und der Karibik debattierten in dieser Woche parallel zum EU-Lateinamerika-Gipfel auf dem gestern beendeten »Gipfeltreffen der Völker – Enlazando Alternativas« (Alternativen verknüpfen) in Lima. Zum Programm gehörte auch ein »Tribunal der Völker«. Über seine politische Bedeutung sprach Andreas Behn mit Katrin Buhl, Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in São Paulo (Brasilien).

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Walter Schmidt

Angst vor dem letzten Schrei

Im April sind jene Schreiadler, die unterwegs nicht abgeschossen wurden, aus dem südlichen Afrika in ihre deutschen Brutgebiete zurückgekehrt. Nur noch gut hundert Brutpaare dieses Greifvogels leben in Nordostdeutschland. Beflissen versuchen Natur- und Artenschützer, die bedrohte Adlerart vor dem Aussterben zu bewahren – zum Beispiel, indem sie die zeitweise vom Geschwistermord bedrohten Nachzügler im Horst rechtzeitig entfernen und erst später wieder einsetzen.

ndPlusWalter Schmidt

Die geplünderte Apotheke der Natur

Eine internationale Studie veranschaulicht, wie groß allein der Verlust an medizinischen Therapie-Möglichkeiten sein kann, wenn Tier- und Pflanzenarten weiterhin so rasch aussterben wie bisher. Die Bonner Konferenz über die biologische Vielfalt in den nächsten zwei Wochen soll retten, was noch zu retten ist.

Seite 4
Gabriele Oertel

Parteiaufgebot

Mit einer gezielten Werbekampagne will die SPD der drohenden Zweitrangigkeit entkommen. Immerhin ist sie nicht nur die älteste deutsche Partei, sondern hatte über Jahrzehnte zudem den Status, über das größte Mitgliederaufgebot zu verfügen. Nun gibt es zwischen Sozial- und Christdemokraten nicht nur kaum noch inhaltliche politische Unterschiede – auch die Zahlen zahlender Mitstreiter sind bei...

Ina Beyer

Janusköpfig

Krasser Seitenwechsel: Eben noch hatten sich auf Ex-Transnet-Chef Norbert Hansen die Hoffnungen mancher Bahn-Beschäftigter gerichtet. Spätestens jetzt dürften sie sich von dem janusköpfigen »Arbeiterführer« betrogen fühlen. Die von den Bahngewerkschaften Transnet und GDBA unterstützten Teilprivatisierungspläne der Bahn brachten Hansen auf einen lukrativen Posten. Kaum sitzt er dort, kündigt er »un...

ndPlusOlaf Standke

Bush als Bittsteller

Auf dem Weg von Jerusalem nach Riad muss Osama bin Ladens jüngste Botschaft George Bush besonders in den Ohren geklungen haben. Schließlich stammt der Übervater des Terrornetzwerkes Al Qaida aus Saudi-Arabien und war in den Zeiten des Ost-West-Konflikts einst als antisowjetischer Krieger am Hindukusch für die US-amerikanische Außenpolitik ein ebenso wichtiger Verbündeter, wie es das Königreich noc...

Schillernd
Gerhard Dilger, Porto Alegre

Schillernd

Mit der Nominierung des schillernden rot-grünen Politikers Carlos Minc aus Rio de Janeiro zum neuen Umweltminister hat Brasiliens Präsident Lula den Schaden begrenzt, der ihm durch den Rücktritt der einstigen Urwaldaktivistin Marina Silva entstanden war. »Minc ist der erste Wagen der brasilianischen Umwelt-Sambaschule«, meint Ökojournalist Marcos Sá Correa. Öffentlichkeitsarbeit beherrscht der ste...

15 Jahre GRH - Grund zum Feiern?

15 Jahre GRH - Grund zum Feiern?

ND: Herr Bauer, die Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung begeht ihr 15. Jubiläum. Ein Grund zum Feiern? Bauer: Zum Feiern sicherlich nicht, denn viele unserer Freunde und Mitglieder sind zu Unrecht bestraft und verfolgt worden. Da kann man natürlich nicht feiern. Auf der anderen Seite können wir durchaus mit Stolz auf die letzten 15 Jahre zurückblicken, weil sich eine sehr st...

Seite 5

Letzte Wahl vor Kreisreform

Nachdem die NPD vor zwei Jahren im sächsischen Reinhardtsdorf-Schöna in letzter Minute einen Rückzieher gemacht hatte, soll es jetzt im vorpommerschen Neukalen klappen.

Marina Mai

Mutter, Scheinvater, Kind

Ab Juni gilt in Deutschland ein neues Kindschaftsrecht. Für binationale Familien kein Grund zur Freude.

Seite 6

Peter Müller schließt sich Kritik der SPD an

Hamburg (AFP/ND). Der saarländische CDU-Ministerpräsident Peter Müller unterstützt die SPD in ihrem Bemühen um die Begrenzung von Managergehältern. Gehälter und Abfindungen von Spitzenkräften sollten künftig nur noch bis zu einer Grenze von einer Million Euro für die Unternehmen steuerlich absetzbar sein, forderte Müller in der »Financial Times Deutschland«.»Die SPD wird das Thema ja in den Koalit...

»Totalvernetzung des Gesundheitswesens«

Berlin (ND-Klemm). Kurz vor dem 111. Ärztetag am kommenden Dienstag in Ulm haben Vertreter der Ärzteorganisation IPPNW und des Komitees für Grundrechte und Demokratie gestern 8500 Unterschriften gegen die geplante elektronische Gesundheitskarte (eGK) übergeben. Die eGK soll nach dem Willen des Bundesgesundheitsministeriums die Krankenakten sowie die Versicherungskarten der Patienten ersetzen. Auf ...

Urgestein der Frankfurter Linken
Ulrich Wilken, Abgeordneter der LINKEN im hessischen Landtag

Urgestein der Frankfurter Linken

Wenn heute im Club Voltaire in Frankfurt am Main die Gäste zum 80. Geburtstag von Heiner Halberstadt zusammenkommen, dann trifft sich auch ein Querschnitt der deutschen und internationalen Linken sowie der Geschichte der Bundesrepublik von unten – vom Widerstand gegen den Faschismus über die Gründung und Wiedergründung sozialistischer Gruppen, Parteien und Büros, den 68ern bis hin zum Einzug...

Die Kandidatin kandidiert nicht
ndPlusGabriele Oertel

Die Kandidatin kandidiert nicht

Die wochenlangen Spekulationen darüber, ob sich Sahra Wagenknecht auf dem ersten regulären Parteitag der neuen LINKEN am kommenden Wochenende um den Posten der Vize-Parteichefin bewirbt, sind seit gestern Geschichte: Die Kandidatin kandidiert nicht. Ob damit allerdings, wie sofort nach der Absage der Wortführerin der Kommunistischen Plattform spekuliert wurde, den Delegierten in Cottbus einer von mehreren Konflikten erspart bleibt, wird sich erst noch zeigen.

Seite 7

Beamtenstreik in Frankreich

Paris (dpa/ND). In Frankreich´gab es am Freitag keine größeren durch Streiks verursachte Störungen mehr. Am Donnerstag waren e Zehntausende aus Protest gegen Stellenkürzungen im öffentlichen Dienst auf die Straße gegangen. Ein landesweiter Beamtenstreik legte zudem Schulen und Behörden lahm. In Paris beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben bis zu 60 000 Menschen an der zentralen Demonstration.N...

Bush-Attacke auf Obama

US-Präsident George W. Bush ist am Freitagnachmittag in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad, der zweiten Station seiner Nahost-Reise, eingetroffen. Seine Äußerungen in Jerusalem hatten in den USA teilweise für Empörung gesorgt.

ndPlusKarin Leukefeld

Libanon hofft auf Katar

Kämpfer der Hisbollah, die aus Solidarität mit einem landesweiten Gewerkschaftsstreik für einen höheren Mindestlohn am Mittwoch vergangener Woche zunächst verschiedene Stadtviertel von Beirut und die Autobahn zum Internationalen Flughafen von Beirut blockiert hatten, räumten am Donnerstag die Barrikaden eigenhändig wieder weg.

Nach Beben wächst Seuchengefahr

Nach der Erdbebenkatastrophe in China mit vermutlich mehr als 50 000 Todesopfern wächst bei feuchtwarmem Wetter die Seuchengefahr. Alarmiert mahnte die Regierung die Rettungsmannschaften in der südwestchinesischen Region zur Vorbeugung und Wachsamkeit.

Seite 8
ndPlusHilmar König, Delhi

Hohe Hürden für Regierungsbildung

Nepals amtierender Regierungschef Girija Prasad Koirala hat die erste Sitzung der verfassunggebenden Versammlung für den 28. Mai einberufen. Die politische Szene seines Landes bleibt indes unübersichtlich.

ndPlusGeorg Krase

Simbabwe noch ohne Ausweg

Der Ausgang der Präsidentenwahl in Simbabwe ist weiterhin offen. Die Stichwahl um die Präsidentschaft in Simbabwe findet am 27. Juni statt. Das teilte die Wahlkommission nach Absprache mit der Regierung am Freitag in Harare mit.

Seite 9

Kein Abkommen zu Gentech-Haftung

Bonn (dpa/ND). Die UN-Konferenz zu Risiken der Gentechnik in der Landwirtschaft hat sich im Grundsatz auf eine verbindliche Haftung bei Schäden geeinigt. Staaten sollen direkt Verursacher oder Hersteller wie Gentechnik-Konzerne zur Verantwortung ziehen und Wiedergutmachung fordern können. Die rund 2000 Vertreter aus etwa 150 Ländern beschlossen nach fünftägigen Verhandlungen am Freitag in Bonn abe...

Gefahr für Klinikpatienten

Berlin (dpa/ND). Die Gewerkschaften ver.di und der Marburger Bund (MB) schlagen vor dem Ärztetag in der kommenden Woche Alarm: Die Streichung zehntausender Stellen in deutschen Krankenhäusern gefährde zunehmend die Sicherheit und Versorgung der Patienten. Beide forderten am Freitag in Berlin eine grundlegende Reform der Klinikfinanzierung und mehr Geld für die Krankenhäuser.Allein in der Pflege se...

Susanne Götze

Einheit in der Vielfalt

Am Freitag ging der fünftägige Kongress »Planet Diversity« in Bonn zu Ende. Er verstand sich als Alternativveranstaltung zu den UN-Verhandlungen über biologische Vielfalt.

ndPlusKnut Henkel

Die Last des Ressourcenreichtums

In Peru geht heute der EU-Lateinamerika-Gipfel zu Ende. Ein übergeordnetes Thema ist die »nachhaltige Entwicklung«. Doch damit tun sich die Gastgeber schwer. In Peru werden die natürlichen Ressourcen ausgeplündert, als gebe es kein Morgen.

Seite 10
Jirka Grahl

Angekickt

Waren Wahlen? G8? Gab's ein Seilbahnunglück? Nein. Nur Fußball, wenn auch nicht so richtig: Auf sieben (!) deutschen Fernsehsendern wurde gestern live von der Zugspitze übertragen, wie der DFB versuchte, aus der simplen Nennung von 26 Namen eine Show zu machen. Er scheiterte.Alle Kanäle voll mit der missratenen Verkündung einer ansehnlichen Elf. Statt Ah! und Oh! war »Fremdschämen« angesagt: Als D...

Nürnberg oder Bielefeld?

Nach einem eher langweiligen Kampf um den Fußballmeistertitel, den sich Krösus Bayern München frühzeitig holte, stehen am letzten Spieltag noch drei Entscheidungen aus. In fünf »Endspielen« geht es um den dritten Absteiger, den UEFA-Cupeinzug und die Direktqualifikation zur Champions League.Angesichts dieser Konstellation ist nicht die Übergabe der Meisterschale in München von höchstem Interesse, ...

Dreikampf um Aufstieg

Senkrechtstarter 1899 Hoffenheim, der FSV Mainz 05 oder der SC Freiburg – ein Dreikampf um den dritten Aufstiegsplatz steht im Mittelpunkt des 34. und letzten Spieltags der 2. Bundesliga. Hoffenheim hat die beste Ausgangsposition. 1899 kann mit einem Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth (6.) den Durchmarsch von der Drittklassigkeit bis in die Eliteklasse perfekt machen. Mainz (gegen St. Pauli...

Seite 11
ndPlusMichael Müller

Sieger ist, wer sich selbst besiegt – und ankommt

Heute startet der 36. GutsMuths-Rennsteiglauf. Mit seinen drei Hauptstrecken über 72,2 Kilometer, einem Marathon (43,5 km) sowie einer halben Marathondis-tanz (21,1 km) gilt er als größter und härtester Cross Europas. Das hält im Vergleich zu den vielen Stadtläufen einerseits die Teilnehmerzahl in Grenzen und sorgt andererseits für viele »Wiederholungstäter«. Rund 15 000 Meldungen sind insgesamt e...

Irgendwas ist immer
ndPlusThomas Wieczorek

Irgendwas ist immer

Pünktlich zur Fußball-EM 2008 haben sich die obligatorischen Gutachter, Kritiker und Mäkler der Sportanlagen zum Dienst gemeldet. Die Schweizer Stadien, so die Horrormeldung, haben schwer wiegende Sicherheitsmängel: Die Arenen in Bern, Zürich, Basel und Genf seien nicht auf eine mögliche Massenpanik vorbereitet. In Bern seien außerdem die Tische und Stühle der Stadiongaststätten unbefestigt, so da...

ndPlusMark Wolter

Albatrosse zaubern

So leicht hatten sich die Albatrosse den Start in die Play-offs nicht vorgestellt: Schon kurz nach der Halbzeitpause war das erste Viertelfinalspiel der »Best-of-five«-Serie gegen die Eisbären aus Bremerhaven entschieden, und die Berliner Basketballer konnten vor den eigenen Fans in der Max-Schmeling-Halle brillieren. 105:65 hieß es am Ende überraschend deutlich – der höchste Alba-Sieg der S...

ND-Rennsteiglauf-Mannschaft

ND-Rennsteiglauf-Mannschaft

Schirmherr des ND-Teams ist in diesem Jahr Wolfgang Behrendt, der erste Olympiasieger der DDR-Sportgeschichte. Der heute 71-jährige Berliner gewann 1956 in Melbourne im Bantamgewicht des Boxens die Goldmedaille. »Leute, ich bewundere euch!«, gibt er der ND-Mannschaft heute mit auf den Weg. »Ich wünsche allen Gesundheit und schönes Wetter. Und am Ende möglichst viel von dem Glücksgefühle, sich selbst besiegt zu haben.«

Seite 12
Jetzt hat China die Nase vorn

Jetzt hat China die Nase vorn

Zwei Schulen streiten darüber, wer das Schachspiel erfunden hat: die Inder oder die Chinesen? Der Ostasienwissenschaftler PETER BANASCHAK (43) aus Alfter bei Bonn hat sich kritisch mit den Quellen beschäftigt. Und sieht jetzt eher die Chinesen vorn, wie er in seiner Studie »Schachspiele in Ostasien« resümiert. ND-Autor RENÉ GRALLA hat nachgefragt.

Seite 13
Hans-Dieter Schütt

Los, auf die Bühne! Mitsterben!

Das Wesen der Komik ist das Unstimmige, das Unverhältnismäßige. Lachen wurzelt in der Wahrnehmung des Unvereinbaren. Selbstvertrauen, zum Beispiel, ist überhaupt nicht komisch, Stolpern ebenso wenig – aber beides zusammen.Mitunter jedoch ist das Gegenteil komisch: wenn wir das Zusammenhängende unbedingt trennen wollen. Leben, zum Beispiel, ist überhaupt nicht komisch, Sterben ebenso wenig &#...

Seite 14
ndPlusMichael Saager

PLATTENBAU

Auch notorisch schlecht gelaunte Menschen haben gerne gute Laune. Sollte einer von denen gelegentlich das Gegenteil erzählen, liegt das nur daran, dass er nicht mehr weiß, wie sich gute Laune anfühlt. Ist einem so ein Miesepeter nicht völlig schnuppe, etwa weil man mit ihm das Bett teilt, könnte »Vampire Weekend« helfen, das Debüt-Album der Brooklyner Band gleichen Namens. Heiterer und mit mehr hy...

Blume 2008: »Nickende Distel«
ndPlusHanno Harnisch

Blume 2008: »Nickende Distel«

Bei Wühlmäusen, Herkuleskeulen, Kom(m)ödchen, Pfeffermühlen, Obelisken, Lach- und Schieß-Gesellschaften ist kein Wettbewerb ausgerufen, um die jeweils Besten des Jahres auszumachen, bei Disteln schon. Die »Nickende Distel« (Carduus nutans) ist zur »Blume des Jahres 2008« erkoren worden. Demzufolge haben sich die Spottdrosseln aus dem Kabarettparadies an der Friedrichstraße in der Hauptstadt gedach...

Mit etwas gröberen Reizen
Jan Freitag

Mit etwas gröberen Reizen

»Das Vermarktungstalent« Frank Schätzing und RTL sind ein perfektes Team. Thrillerautor und Sender bedienen sich gern schlichter Reize und brachialer Dramaturgien. Mit »Die dunkle Seite« (18. Mai, 20.15 Uhr) und »Mordshunger« (22. Mai, 20.15 Uhr) zeigt RTL nun zwei Verfilmungen seiner Romane.

Seite 15

Wolf will Lockerung des Rauchverbots

(dpa/ND). Wirtschaftssenator Harald Wolf (LINKE) will sich für eine Lockerung des Rauchverbotes in Ein-Raum-Gaststätten einsetzen, wie eine Sprecherin des Senators bestätigte. Während seiner einwöchigen Chinareise sagte Wolf: »Wir müssen sehr genau die wirtschaftlichen Auswirkungen des Rauchverbotes bei Kneipen prüfen, die nur von ihren Inhabern geführt werden. Und dann darüber reden, ob man nicht...

Wieder Wirbel um das ICC

(ND-Herrmann). Wieder einmal für Wirbel sorgte gestern das Internationale Congress Center (ICC). Der im chinesischen Shenzhen auf einer Messe weilende Wirtschaftssenator Harald Wolf (LINKE) war mit dem Satz zitiert worden, es sehe so aus, als bleibe das ICC stehen. Der Senat werde darüber am 27. Mai entscheiden. Umstritten war bislang bei Rot-Rot, ob dem als günstiger vermuteten Abriss und Neubau ...

ndPlusMartin Kröger

Kessel Buntes

Ökologisch korrektes Verhalten schützt vor Diebstahl nicht. Diese bittere Erfahrung musste unlängst die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Carola Bluhm, machen. Trotz ihres vorbildlichen VW-Passat BlueMotion – Werbeslogan: Klimaschutz leben – sahen sich Diebe nicht gehindert, die Radkappen zu entwenden – und dies auch noch in unmittelbarer Nähe des Polizeipräsidiums. Am Montag...

Tobias Riegel

Ein bisschen politisches Bezirksamt

Teile der SPD wollen von ihrer Jahrzehnte alten Forderung nach Einführung des sogenannten »politischen Bezirksamtes« abrücken. In einem Leitantrag für den Parteitag, der im Juni stattfindet, wird ein Kompromiss zwischen dem bestehenden sogenannten »Proporzprinzip« und dem bislang für 2010 geplanten Mehrheits-Modell vorgeschlagen.Stadträte werden seit 1971 nach dem Proporzprinzip gewählt. Dieses Ve...

Schätze vor und hinter Fassaden
ndPlusHeidi Diehl

Schätze vor und hinter Fassaden

Andrea Falaschi zieht das Messer übers Eisen, dann durch einen Schinken und reicht eine hauchdünne Scheibe davon über die Ladentheke. Köstlich! Dann eine Scheibe Mallegato, eine Blutwurst mit Rosinen, Pinienkernen und kandierten Orangenschalen. Himmlisch! Gefolgt von einem Scheibchen Finocchiona, der Salami mit wildem Fenchel. Zum Abheben! Andrea strahlt. Der 29-Jährige führt die Familientradition...

Seite 16
Nissrine Messaoudi

Wo nur Frauen Tore schießen

»Wir benutzen Fußball, um die jungen Menschen zu erreichen«, sagte gestern Jairo Aguilar Garcia aus Kolumbien am Berliner Sitz des Weltfriedensdienstes e. V. (WFD). Dieser organisiert gemeinsam mit der Initiative PeaceXchange eine friedliche Konfliktbewältigung für Jugendliche aus Deutschland, Österreich, Polen und der Tschechischen Republik.»Wir wählen jedes Jahr ein neues Thema, das die Jugendli...

Hirt mit Schirm & Charme
Silvia Ottow

Hirt mit Schirm & Charme

Aserbaidshan, das Land des Feuers und des Öls am Kaspischen Meer, will ein touristisches Ziel für Europäer werden. Auch wenn weite Landstriche Halbwüstencharakter haben und Teile der Küste von der Ölförderung gezeichnet sind, hat der kleine, muslimisch geprägte Staat seine Reize. Wer eine Reise wagt, kann sich in der lauten, jungen Hauptstadt amüsieren und am Rande des Kaukasus eine landwirtschaftlich geprägte Idylle inmitten liebenswerter Menschen erleben.

Seite 17
ndPlusVolkmar Draeger

Mord in der Bartholomäusnacht

Mit förmlichem Gepränge heiraten Margot und der Prince de Navarre. Cathérine de Medici, Frankreichs mächtige Königinmutter, will mit diesem politischen Schachzug die rivalisierenden Häuser verschwistern und im Streit zwischen den Konfessionen vermitteln. Anfangs jedenfalls. Doch schon in ihrer Ansprache fällt das fatale Wort vom Glaubenszwist; als sich die katholische Majestät mit König Charles, i...

Himmelblau gestimmt
Christina Matte

Himmelblau gestimmt

Letzter Samstag im April. Der Köpenicker Kanu Club hat zum Tag der offenen Tür geladen. Die Sonne sitzt mit im Boot, das nennt man Glück. Auch sonst scheint der Berliner Sportclub auf der Sonnenseite des Lebens zu segeln, Pardon, zu paddeln, sagt man wohl besser. Gepaddelt wird früh am Morgen allerdings noch nicht. Manfred Klooß hat es sich auf der Bank hinter dem Vereinshaus gemütlich gemacht. Er...

Seite 18
Bernd Baumann

Schulfreunde aus dem Internet

Schulpartnerschaften über das Internet nehmen auch in Brandenburg zu. Trotz der weiten Entfernungen können auf der Datenautobahn Kontakte mit Gleichaltrigen gepflegt werden.Das Friedrich-Gymnasium in Luckenwalde wurde gerade als erste märkische Schule für eine solche Partnerschaft zu einer Schule im spanischen Barcelona ausgezeichnet.Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) übergab ein entsprechend...

ndPlusAndreas Fritsche

Bedenkzeit für Otto Theel

Darf der Landtagsabgeordnete Otto Theel (Linkspartei) sein Mandat behalten oder muss er es niederlegen? Vom juristischen Standpunkt aus lässt sich diese Frage leicht beantworten: Er muss nicht! Denn das Landgericht Neuruppin verurteilte ihn am Mittwoch wegen Korruption nur zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten – ausgesetzt zur Bewährung. Damit bleibt Theel unter der Marke von einem Jahr....

Wilfried Neiße

Behindertenquote endlich erfüllt

Ein leidiges Problem scheint sich einfach dadurch zu lösen, dass Zeit verstreicht. Es ist nach Angaben der Landesregierung absehbar, dass sie erstmals in der Nachwendegeschichte die vorgeschriebene Behindertenquote erfüllt. Mit der Einstellung behinderter Menschen hat das freilich überhaupt nichts zu tun.Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) verkündete es in ihrer Antwort auf eine parlamentar...

Seite 19
ndPlusGünther Frieß

Die Jugend ist ungeduldig

Der Dalai Lama, spirituelles Oberhaupt der Tibeter, steht jeden Tag gegen vier Uhr früh auf. Nach mehrstündiger Meditation betet er für die Welt und alle »fühlenden Wesen«, eingeschlossen darin sind auch die Chinesen, die er als seine Brüder und Schwestern bezeichnet. Als buddhistischer Mönch ist er dem Wohlergehen aller verpflichtet, dem der Nichtbuddhisten ebenso wie dem der Buddhisten; dem der ...

»Keine willkürlichen Kriege ...«
Marko Ferst

»Keine willkürlichen Kriege ...«

Konflikte zwischen der chinesischen Staatsmacht und den Tibetern sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen in der Presse. Vorgeworfen wird der chinesischen Seite, die Menschenrechte zu missachten und die Tibeter zu einer Minderheit im eigenen Land durch den Zuzug von Han-Chinesen zu machen. Auch durch die internationale Aufmerksamkeit, die das geistig-politische Oberhaupt der Tibe...

Seite 20

WochenChronik

16. Mai 1853: Die preußische Regierung verkündet ein Arbeitsverbot für Kinder unter zehn Jahren. 16. Mai 1943: Die SS schlägt den Warschauer Ghettoaufstand nieder. 19. Mai 1568: Die englische Königin Elisabeth I. lässt die schottische Monarchin Maria Stuart verhaften und nach 19-jähriger Kerkerhaft 1587 hinrichten. 19. Mai 1643: Die nordamerikanischen Kolonien Massachusetts Bay, Plymouth, Connecti...

Ronald Sprafke

Asparagus

»König aller Gemüse« schrieb Goethe über ihn, der in diesen Tagen wieder im märkischen Sand gestochen wird. Die Römer nannten ihn schlicht »asparagus«. Der Spargel war in der Antike als Delikatesse und Arzneipflanze weit verbreitet. Plinius der Ältere berichtet in seiner »Naturgeschichte« über Spargel in der Provinz Germania Superior z. Z. des Kaisers Tiberius. In dem Gebiet beiderseits des Oberrh...

Die Nazis und der Reichstagsbrand

Sehr geehrter Herr Präsident,es ist etwas geschehen, was nicht geschehen durfte: »Das Parlament« der Bundesrepublik Deutschland hat Joseph Goebbels, dem Minister für Volksaufklärung und Propaganda des Nazistaates, das letzte Wort über den Reichstagsbrand gegeben. Die vom Deutschen Bundestag herausgegebene Wochenschrift berichtete (es muss Ihrer Aufmerksamkeit entgangen sein, und ich bin erst jetzt...

Günther Hildebrandt

Ein parlamentarisches Jahr

Die Revolution von 1848 ließ den Parlamentarimus sprießen, und so ist das Revolutionsjahr in Deutschland auch das Jahr der Parlamente geworden. Zwar besaßen schon zuvor die mittleren und kleineren deutschen Einzelstaaten vornehmlich im Süden, Südwesten und in der Mitte Deutschlands Anfänge parlamentarischer Vertretungen. Meist hatten diese aber noch ständischen Charakter. Zu guter Letzt war auch P...

Seite 21
Fossiles Wasser in Wüstenseen

Fossiles Wasser in Wüstenseen

Der See von Ounianga im Nordost-Tschad ist nur einer von mehreren in der größten Sandwüste der Erde. Das Wasser dieser Sahara-Seen allerdings entstammt weder Flüssen noch Niederschlägen der jüngeren Zeit. Die Seen speisen sich bis heute aus fossilem Grundwasser, das vor Jahrtausenden entstand, als die heutige Wüste noch eine wechselfeucht-tropische Savanne mit reicher Vegetation war, in der Nashör...

Steffen Schmidt

Ameisensäure im Tank

Trotz steigender Spritpreise verzichtet kaum jemand auf sein Auto. Der motorisierte Individualverkehr ist schon wegen dieses offensichtlichen Marktversagens eine echte Herausforderung für Umweltpolitiker. Gern wird von manchem Politiker und der Industrie die Brennstoffzelle als hocheffektive und saubere Energiequelle angepriesen. Doch die hat einen Haken. Brennstoffzellen mit hohem Wirkungsgrad un...

Ist unser Prof. schwanger?
ndPlusReinhard Renneberg, Hongkong

Ist unser Prof. schwanger?

Ein Höhepunkt meiner Bioanalytik-Vorlesungen in Hongkong ist immer das Thema Schwangerschaftstest. Zunächst frage ich meine 170 chinesischen Studenten, ob dafür jemand Urin zur Verfügung stellen wolle. Wie erwartet: allgemeines Kopfschütteln und betretenes Schweigen. Also müsse ich mich selber testen, zumal Experimente an Studenten unstatthaft seien, erkläre ich. Ich verlasse den Hörsaal für fünf ...

Martin Koch

Die Brille der Astronomen

Am 6. März dieses Jahres schlug eine Sternstunde der Wissenschaft: Auf dem 3267 Meter hohen Mount Graham im US-Bundesstaat Arizona nahm das derzeit größte optische Einzelteleskop der Welt, das »Large Binocular Telescope« (LBT), seinen Betrieb auf. Es verfügt über zwei Hauptspiegel, die mit einem Durchmesser von jeweils 8,4 Metern das Leistungsvermögen eines einzelnen 12-Meter-Spiegels erreichen. D...

Seite 22
Der Staat Israel und die Zukunft Palästinas
ndPlusNorman Paech

Der Staat Israel und die Zukunft Palästinas

60 Jahre der Existenz des Staates Israel sind auch 60 Jahre der Nicht-Existenz eines palästinensischen Staates. Dies ist der Kernpunkt des Nahostkonflikts, noch immer eine der ernstesten Bedrohungen des Weltfriedens.

Seite 23
Geschichtsaufarbeitung, die nicht allen gefällt
ndPlusPeter Nowak

Geschichtsaufarbeitung, die nicht allen gefällt

Wenn Gerard de Ruiter von seinem Aufenthalt als junger Mann in Berlin erzählt, ist von Hunger, Entbehrung und Folter die Rede. Ruiter hatte sich in seiner holländischen Heimat ab 1943 dem Widerstand gegen das NS-Regime angeschlossen, wurde nach seiner Verhaftung nach Deutschland verschleppt und im Konzentrationslager Berlin-Lichterfelde interniert. Als Zwangsarbeiter musste er »für Führer, Volk un...

Hans-Georg Schleicher

Kolmanskop – Geisterstadt in der Wüste

Es ist warm, noch nicht heiß, ein leichter Wind macht die Sonne erträglich. Das wird sich ändern, wenn der Tag voranschreitet und die Schatten kürzer werden. Sonne und Wind haben die Landschaft geprägt – hier in der Namib, der ältesten Wüste der Welt. Schutz vor der gleißenden Sonne bieten nur die Schatten verlassener Gebäude, verfallener Ruinen, rostiger Maschinen – Zeugen der hundert...

Seite 24

Testspiel

Wer schrieb es? Alle Leute haben eine Nähmaschine, ein Radio, einen Eisschrank und ein Telefon. Was machen wir nun? fragte der Fabrikbesitzer. // Bomben, sagte der Erfinder. // Krieg, sagte der General. // Wenn es nicht anders geht, sagte der Fabrikbesitzer. Welcher Betrieb war es? Welche Firma wurde am 17. Mai 1946 in Potsdam gegründet? Welche »Krankheit« war es? Welche »Krankheit« strich die Wel...

Finale in Familie
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Finale in Familie

Im April dieses Jahres fand in Dagomys die russische Meisterschaft statt. Mannschaftssieger bei den Männern wurde Ural Jekaterinburg und bei den Frauen Finec St. Petersburg. In beiden Teams spielen nicht nur gleichermaßen internationale Top-Spielerinnen und -spieler. Beide Mannschaften sind auch familiär miteinander verbandelt – durch das Ehepaar Alexander Grischuk (25) und Natalja Schukowa ...

Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin

Waldmeister und Wiesenmeisterin

Ein Meister des Waldes und eine Meisterin der Wiese blühen zur Zeit um die Wette. Beide sind grazile Geschöpfe, aber auch äußerst robust: Galium odoratum und Bellis perennis. Waldmeister aus der Gattung Labkraut (Galium) ist ein prima Bodendecker für schattige Stellen; er mag auch Sonne, aber nicht dursten. Zum Beispiel liegt er bei mir auch einer Waldrebe an der südwestlichen Hauswand zu Füßen, w...

Gehirnschleuder Rundschach
René Gralla

Gehirnschleuder Rundschach

In wenigen Wochen bricht sie wieder aus, die Grundsatzdebatte über die Deutungshoheit in Public Viewing-Zonen und Eckkneipen. Ab 7. Juni, dem Anpfiff der Fußball-EM, wird landauf, landab darüber gestritten werden, was wohl der bessere Plan ist für die Nationalelf, einfach geradeaus durch die Mitte oder à la Netzer über die Flanken. Ein Dauerbrenner, der im Schach, auf das sich Ballsport-Exegeten u...