Ausgabe vom 23.05.2008

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Unten links

Die derzeit in Bonn tagende 9. UNO-Konferenz zur Biodiversität hat darauf hingewiesen, dass Studien zufolge täglich rund 150 Tier- und Pflanzenarten von der Erde verschwinden. Was zweifellos eine ganze Menge ist. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass zeitgleich mindestens 200 Arten von Joghurt und an die 300 Arten von Versicherungen neu hinzukommen. Von den sich durch multiple Zellteilun...

ndPlusKurt Stenger

Standpunkt

Für die einen sind die stark steigenden Spritpreise ein soziales Problem: Mineralölkonzerne, Spekulanten und der Staat schröpfen die Autofahrer, was die Politik gefälligst verhindern soll. Für andere ist die neue Ölkrise eine Botschaft der Natur: Das fossile Energiezeitalter geht seinem Ende entgegen, weshalb die Politik die hohen Preise für eine klimafreundliche Energiewende nutzen muss.Beide Sic...

Markus Drescher

Minderjährige unter Waffen

Weltweit gibt es geschätzte 250 000 Kindersoldaten. Ihre Situation hat sich in den vergangenen Jahren kaum verbessert.

Ölpreise steigen wie geschmiert

An den internationalen Rohstoffbörsen steigen die Ölpreise immer weiter. Die Ursachen sind ein sinkendes Angebot bei wachsender Nachfrage – und Spekulation.

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Linke Initiativen

Ein 100-Punkte-Programm hat die Linksfraktion im Bundestag veröffentlicht – 100 parlamentarische Initiativen, die programmatische Grundzüge deutlich machen. Nachzulesen in den Bundestags-Drucksachen. Ein Auszug:

ndPlusUwe Kalbe

Noch kann sich die LINKE über ihre Sprengkraft freuen

Auf der Tagesordnung des ersten Parteitages der LINKEN nach der Fusion stehen die Wahl des Vorstands und Debatten über Satzung und Leitantrag. Ein Ereignis ohne mediale Überraschungen steht bevor. Ausschließen möchte die auf Ruhe bedachte Parteiführung diese jedoch nicht.

»Als fünfte neoliberale Partei wären wir überflüssig«

»Als fünfte neoliberale Partei wären wir überflüssig«

An diesem Wochenende trifft sich in Cottbus die LINKE zum ersten Parteitag nach ihrer Gründung vor knapp einem Jahr. In den Umfragen derzeit drittstärkste politische Kraft, wählt sie nicht nur einen neuen Vorstand, sondern wird auch über ihr Selbstverständnis, über die Bundestagwahl im Herbst 2009 und das Verhältnis zur SPD diskutieren. Mit Gregor Gysi, Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, sprachen die ND-Mitarbeiter Wolfgang Hübner und Uwe Kalbe.

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ndPlusAndreas Knobloch, Mexiko-Stadt

Mexikos Drogenkrieg in voller Fahrt

In Mexiko werden die Drogenbanden immer einflussreicher. Der mexikanische Staat setzt mit milliardenschwerer Finanzhilfe aus den USA auf verstärkte militärische Repression. Der Erfolg ist zweifelhaft.

Velten Schäfer, Schwerin

Arbeitsgemeinschaft für Abqualifizierung

Dass gute wie schlechte Chancen in der Bundesrepublik in hohem Maße eine Frage der Herkunft sind, ist mittlerweile eine Binsenweisheit. Beispiele aus dem Nordosten zeigen, wie die bestehenden Gesetze und ihre restriktive Auslegung Kinder aus »Bedarfsgemeinschaften« vor besonders hohe Hürden stellen und in ihre Lebensplanung eingreifen.

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ndPlusFabian Lambeck

Verweigerer wieder frei

»Matthias ist frei«, mit diesen Worten meldete sich eine überglückliche Mutter am Dienstag bei der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG-VK). Am 4. April war ihr Sohn, Matthias Schirmer, von Feldjägern der Bundeswehr verhaftet worden. Seitdem wurde er auf dem Gelände der Kaserne Viereck in Vorpommern festgehalten. Der zuständige Bataillonskommandeur hatte gegen den Kriegsdienstverweigerer eine 21-tä...

Matthias Gärtner

Sachsen-Anhalt engagiert sich in Gedenkstätte Isenschnibbe

Das Land Sachsen-Anhalt wird sich künftig in der Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe in Gardelegen engagieren. Das ist das Ergebnis von Gesprächen zwischen Vertretern der Altmarkstadt und der Landesgedenkstättenstiftung.

Hendrik Lasch

Häuptlinge in die ewigen Jagdgründe

Die Zwickauer rebellieren gegen die Stadtverwaltung: Mit einem Bürger-entscheid soll erreicht werden, dass es künftig statt drei nur noch einen Bürgermeister gibt. Drei große Ratsfraktionen leisten starke Gegenwehr.

Seite 5

Für 25 Euro im Monat durch die ganze Stadt

Leipzig wird als erste Großstadt in den ostdeutschen Flächenländern ab August ein Sozialticket einführen. Die für 25 Euro erhältliche Monatskarte, deren Nutzung zeitlich nicht begrenzt ist und die, um Stigmatisierung zu vermeiden, offiziell »Leipzig Mobil Card« genannt wird, soll sozial benachteiligten Bürgern die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in der Stadt erlauben.

Sicherheitsstaat am Ende?

Sicherheitsstaat am Ende?

ND: Der heute in Berlin beginnende Kongress steht unter dem Motto: »Sicherheitsstaat am Ende«. Ist er wirklich am Ende? Stolle: Dieser Titel ist doppeldeutig zu verstehen. Einerseits weist er darauf hin, dass es schon einige Brüche im derzeitigen Sicherheitsdiskurs gibt. Es ist nicht mehr so einfach, eine Politik mit Terrorangst zu rechtfertigen. Darauf soll dieser Titel hinweisen: Es ist eine Ent...

Peter Kirschey

Beifahrer »Erwin« soll Gysi belasten

Klagt er, wird spekuliert; zieht er die Klage zurück, wird noch mehr spekuliert. Immer, wenn der Name Gysi fällt, kann man ziemlich sicher sein, dass irgendwo eine Lawine losgetreten wird. So auch in dieser Woche.

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Markus Drescher

Kinder und Krieg

Als ob Krieg und »bewaffnete Konflikte« an sich nicht schon genug Gewalt und Leid über die Zivilbevölkerung – Männer, Frauen und vor allem Kinder – bringen würden. Reguläre Armeen, Guerillas und andere bewaffnete Gruppen müssen auch noch Kinder und Jugendliche für das Tötungshandwerk rekrutieren. Aus ihnen werden Opfer der Gewalt, die man zwingt, selbst zu Tätern zu werden, zu morden, ...

Gabriele Oertel

Präsidial

Der Bundespräsident will es noch einmal wissen. Auf den Tag genau heute in einem Jahr stellt Horst Köhler sich erneut der Wahl. Dass er mit seiner gestrigen Bereitschaftserklärung seiner Gegenkandidatin von 2004 und möglichen erneuten Konkurrentin Gesine Schwan zu ihrem 65. Geburtstag eine besondere Aufwartung machte, kann als Schmäckerchen am Rande vermerkt werden. Dass Köhler aber angesichts der...

ndPlusDetlef D. Pries

Saakaschwili »verblüfft«

Georgiens Präsident Michail Saakaschwili ist angeblich selbst »verblüfft« über den »haushohen« Sieg seiner Vereinigten Nationalbewegung bei den Parlamentswahlen am Mittwoch. Gar nicht verblüfft, sondern empört ist die Opposition: Sie wetterte schon vor der Schließung der Wahllokale über schweren Betrug – besonders außerhalb Tbilissis. Ihre erste Protestkundgebung fiel dennoch wesentlich besc...

Oliver Händler

Der Kämpfer

In weiten Teilen der USA gilt das Etikett »Liberaler« als Beleidigung für einen Politiker. Der demokratische Senator Edward »Ted« Kennedy ist einer der Liberalsten überhaupt, und dennoch ist er sehr beliebt. Daher schlug die Nachricht seiner Erkrankung an einem Hirntumor in das vom Präsidentschaftswahlkampf zerstrittene Land ein wie eine Bombe. Politiker beider Seiten, sogar Kennedys Erzfeind Präs...

Mit rosa Brille sieht man besser
ndPlusRobert Kurz

Mit rosa Brille sieht man besser

Vor kurzem war es noch die Mutter aller Finanzkrisen – und auf einmal löst sich alles in Wohlgefallen auf. In seinen jüngsten Interviews sagt Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, die von den US-Hypothekenkrediten ausgegangene Feuersbrunst nähere sich ihrem Ende. Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft seien erträglich, Anzeichen für eine Weltwirtschaftskrise gebe es keine. Die Investmen...

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Sandra Müller

Keine Ausreden mehr

Heute findet im Bundesrat die Abstimmung über den Vertrag von Lissabon statt. Nach der Zustimmung von Regierung und Bundestag ist dies der vorletzte Schritt für die Ratifizierung in Deutschland. Zuletzt muss noch der Bundespräsident unterschreiben, was allerdings aufgrund dreier Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht noch offen ist. Der Vertrag kann auch danach nur in Kraft treten, wenn er in all...

Parlament fordert Kommission heraus
ndPlusHolger Elias, Straßburg

Parlament fordert Kommission heraus

Konservative Abgeordnete unterlagen bei der Abstimmung über eine ausgeweitete Antidiskriminierungsrichtlinie im Europaparlament. Aber auch der EU-Kommission gehen die Forderungen nach einer umfassenden Gleichbehandlung zu weit.

ndPlusSebastian Heiligstedt, Straßburg

Schlechte Noten für Ankaras Reformpolitik

Die Türkei wird im »Fortschrittsbericht« des Europäischen Parlaments erneut heftig kritisiert. So werden in dem Papier die ungenügende Meinungs- und Religionsfreiheit sowie die Diskriminierung von Minderheiten und Frauen angeprangert. Das Parlament fordert die türkische Regierung auf, die Wirtschaftsblockade gegenüber Armenien zu beenden und die Grenze wieder zu öffnen.

Seite 8

Ban kritisiert Junta in Myanmar

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat seine Kritik an der schleppenden Hilfe für die Zyklonopfer am Donnerstag persönlich in Myanmar vorgetragen.

Hilmar König, Delhi

Pakistan offeriert »große Aussöhnung«

Pakistans Außenminister Shah Mahmud Qureshi hat Indien eine »große Aussöhnung« angeboten. Durch Dialog sollten alle offenen Fragen »mit Selbstachtung und Würde« geregelt werden, erklärte er nach Gesprächen mit seinem indischen Kollegen Pranab Mukherjee in Islamabad.

ndPlusKarin Leukefeld

Syrien von »Freunden« umzingelt

Wie ernst ist die Annäherung zwischen Syrien und Israel – vermittelt durch die Türkei – zu nehmen? Das Interesse Syriens an einem gerechten Frieden mit Israel dürfte groß sein, die mit der Doha-Vereinbarung erreichte Einigung in Libanon sendet ein positives Signal.

Seite 9

Einigung auf VW-Gesetz

Berlin/Hannover (dpa/ND). Die Bundesregierung hat sich über die Neufassung des VW-Gesetzes geeinigt und will an den Sonderrechten des Landes Niedersachsen festhalten. Das Land solle sein umstrittenes Veto-Recht behalten, hieß es am Donnerstag in Regierungskreisen. Dies wäre ein schwerer Schlag für VW-Großaktionär Porsche, der die alleinige Macht bei Europas größtem Autobauer anstrebt und die Absch...

Klimasorgenkind Verkehr

Berlin (ND). Nichtregierungsorganisationen haben im Vorfeld des kommende Woche in Leipzig stattfindenden Weltverkehrsforums ein verbindliches CO2-Minderungsziel von 20 Prozent bis 2020 für den gesamten Verkehrssektor in Deutschland und Europa gefordert. Die zuständigen Minister der EU-Mitgliedsländer müssten sich für eine klimafreundliche Verkehrsvermeidung und -verlagerung auf die Schiene stark m...

Birgit Gärtner, Hamburg

Lehren aus dem »wilden Streik«

Am 24. August 1973 legten etwa 8000 Arbeiter das Kölner Fordwerk lahm. Sie forderten eine Mark mehr pro Stunde sowie sechs Wochen bezahlten Urlaub. Es gab keine Verhandlungen mit der Konzernleitung, keine Absprachen mit der Gewerkschaftsführung und keine Urabstimmung – der spontane Arbeitskampf ging als »wilder Streik« in die Geschichte ein. Dass die Aktion von türkischen Migranten getragen ...

Seite 10
Hungerstreik auf dem Dach

Hungerstreik auf dem Dach

Fünf Tage harrte Gordon McNeill auf dem Dach der Zentrale seiner Gewerkschaft »Transport and General Workers Union« (T&G) im nordirischen Belfastaus. Am 15. Mai war er dort hinauf gestiegen und hatte einen Durst- und Hungerstreik begonnen. Grund: Als Vertrauensmann und Ex-Flughafenarbeiter fühlt er sich von der T&G und der Dachgewerkschaft UNITE betrogen. Vor sechs Jahren wurden McNeill un...

Umkämpfte Arbeit

Letztes Wochenende fand in Berlin die Tagung »Umkämpfte Arbeit« statt, gemeinsam organisiert von der Zeitschrift »PROKLA« und der »Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung«. Mit Gregor Zattler, für PROKLA an der Vorbereitung beteiligt, sprach Ina Beyer.

Drei-Klassen-System im Bundestag?
Günter Frech

Drei-Klassen-System im Bundestag?

Beim Abschluss von Tarifverträgen und der Einrichtung von Betriebsräten sind im Hohen Hause ziemlich hohe Hürden zu nehmen – die möchte die Linksfraktion jetzt abbauen.

Seite 11
Andreas Kötter

In der Höhle

Ein von Bier geleerter Plastikbecher wird mit Wucht aus den Tiefen des Auditoriums auf die Bühne geschleudert und nach dem erstaunt belustigten Blick, den der australische Sänger Nick Cave in das Publikum wirft, scheint jetzt plötzlich alles möglich: der plötzliche Abbruch dieses sonderbaren Konzertes genauso wie die Verdichtung der klanghaft-mystischen Atmosphäre durch ein beiläufig vollzogenes b...

ndPlusHarald Loch

Leiden an Europa

Königskinder haben es manchmal schwer. Annemarie Schwarzenbach gehörte zu denen, die es nicht leichter haben wollten. Sie stammte aus einem Hause der schweizerischen Großbourgeoisie. Hoch begabt, von faszinierender Schönheit, der sie eine androgyne Ausstrahlung verlieh, konnte sie einen aber »mit dem Leiden an Europa anstecken«, wie eine Menschenkennerin schon nach kurzer Bekanntschaft feststellte...

ndPlusGunnar Decker

Generation P.

Die Zeit der Kunst ist eine andere Zeit als die der Politik. Das berührt sich nur manchmal. Und wenn man Glück hat, entstehen Funken. Heiner Müller Nein, der Geist des toten Hamlet senior, König von Dänemark, erscheint nicht auf der Burgterrasse von Helsingör. Er bleibt das Vakuum, das Hamlet junior, Prinz von Dänemark, so gar nicht erträgt. Nur er sieht dieses Phantom, das ihm Dinge einflüstert, ...

Seite 12

Bildungsnetze

»Eine Schule für alle!« – unter diesem Motto wurde in Berlin das Pilotprojekt Gemeinschaftsschule ins Leben gerufen. 22 Millionen Euro gibt der Senat für diesen Schulversuch aus. 15 Schulen in insgesamt 11 Schulverbünden nehmen zum Schuljahr 2008/2009 ihre Arbeit als Gemeinschaftsschule auf. Eine Kultur des »Willkommens« und der »Akzeptanz« soll mit der neuen Schulform entwickelt werden, bet...

Bildungssplitter

Wiesbaden/Berlin (dpa/ND). Berlin und Hamburg sind bei Studenten besonders beliebt. Die beiden Stadtstaaten zogen im Wintersemester 2006/2007 wieder deutlich mehr Studenten an, als von dort weggingen. In der Hauptstadt waren es 27 600 mehr, an der Elbe 18 300, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden zu Beginn der Woche mitteilte. Studiengebühren spielten dabei nach Aussage der Statistiker noch...

Zweierlei Recht an den Hochschulen?
Peter Nowak

Zweierlei Recht an den Hochschulen?

Der Tenor der Pressemitteilung des freien zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs) klingt übertrieben: Von rassistischer Diskriminierung und Gesinnungstests für ausländische Studierende in Deutschland ist dort die Rede. Da konkrete Beispiele fehlen, ist man schnell geneigt, die Erklärung als Panikmache beiseitezulegen. Doch tatsächlich rückt sie den Umgang gegenüber ausländischen Studierende...

Jeffrey H. Michel

Enrons Späte Rache

Der US-Bundesstaat Kalifornien zählt zu den wohlhabendsten Regionen der Welt. Doch staatliche Bürgschaften und die internationale Finanzkrise schlagen sich jetzt auch im Staatshaushalt nieder. Leidtragende sind die Schulen, denen Gouverneur Arnold Schwarzenegger die Budgets kürzen will.

ndPlusLena Tietgen

Abschied vom allwissenden Lehrer

Im September dieses Jahres startet in Berlin das Pilotprojekt »Gemeinschaftsschule«. Verbunden ist damit die Hoffnung auf eine Schule, die mehr Bildungsgerechtigkeit herstellt, Lehrern wie Kindern wieder Spaß macht und zu besseren Leistungen führt. Doch die Gemeinschaftsschule ist mehr als nur das längere gemeinsame Lernen in einer Schulform; sie braucht auch eine andere Pädagogik. In der Debatte wird dabei häufig mit Begriffen argumentiert, die, in der Regel von Experten kreiert, Experten vorbehalten bleiben. So erscheint selbst manch Interessantes diffus und rückt in unvorstellbar weite Ferne. »Neues Deutschland« wird in den kommenden Wochen in einer Serie die wichtigsten Begriffe erläutern. Die erste Folge führt in das grundsätzlich andere Lehr-, Lern- und Schulverständnis, für das die skandinavischen Länder Pate standen.

Seite 13
Florian Osuch

Brandenburg ganz breit gegen rechts

Die NPD will bei den nächsten Kommunalwahlen flächendeckend in die Brandenburger Kommunalparlamente einziehen. Das Bündnis »Keine Stimme den Nazis« versucht, genau dies zu verhindern.

Bewegungsmelder

Grünes Sofa auf dem Uni-Dach Berlin (ND). Eine »Aktionsgruppe Grünes Sofa« demonstrierte am vergangenen Dienstag gegen den Besuch der Grünen-Politiker Renate Künast und Kai Gehring an der Freien Universität Berlin. Ein grünes Sofa, das für die geplante Veranstaltung in der Mensa für die Besucher bereitstand, wurde von der Gruppe auf das Dach des FU-Hauptgebäudes gebracht. Ziel der Aktion war es, s...

ndPlusAxel Berger

Marktwirtschaft schlägt Kapitalismus

Wir stehen mitten in der »finalen Krise der US-Hegemonie«. Dies ist die Grundannahme in Giovanni Arrighis neuem Buch »Adam Smith in Beijing«. Die Volksrepublik China werde die USA als weltweite Dominanzmacht genauso ablösen, wie diese in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das britische Empire und dieses wiederum vor 300 Jahren die Niederlande als Hegemonialmacht beerbt habe. Der Autor zweifelt allerdings, ob es sich dabei noch um ein kapitalistisches Zeitalter handeln wird. Diese These hat in den USA bereits zu vielen Diskussionen in der globalisierungskritischen Linken geführt.

Seite 14

Sind die EU-Subventionen für die Nahrungsmittelkrise mitverantwortlich?

Es debattieren: Gerd Sonnleitner, Jahrgang 1948, seit April 1997 Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), von 2001 bis 2003 Präsident des Europäischen Bauernverbandes COPA und Armin Paasch, Jahrgang 1974, u.a. Welthandelsreferent bei der deutschen Sektion von FIAN (FoodFirst Informations- und Aktionsnetzwerk), einer internationalen Menschenrechtsorganisation für das Recht auf Nahrung....

Agrarexporte gefährden das Menschenrecht auf Nahrung
ndPlusArmin Paasch

Agrarexporte gefährden das Menschenrecht auf Nahrung

Seit Jahrzehnten verdrängen europäische Agrarexporte afrikanische Kleinbauern von ihren Märkten. Der jüngste Reformvorschlag der EU-Kommission wird daran nichts ändern. Durch Dumping in der EU und Marktöffnung in Afrika drohen weitere Verletzungen des Rechts auf Nahrung. In Zeiten der globalen Hungerkrise ist das ein Skandal. »Letztes Jahr ist ein Teil meiner Tomaten auf dem Feld verrottet, weil i...

Faire Preise für die Produkte europäischer Bauern
Gerd Sonnleitner

Faire Preise für die Produkte europäischer Bauern

Die Ursachen der Hungersnöte in den Entwicklungsländern liegen nachweislich nicht an der EU-Agrarpolitik. Wer anderes behauptet, wiederholt unkritisch Vorurteile, die den Blick für wirksame Hilfe und zukunftsfähige Konzepte verstellen. Tatsache ist, dass in Ländern, in denen Hungersnöte herrschen, jahrzehntelang die Landwirtschaft vernachlässigt wurde. Zudem herrschen in diesen Ländern vielfach Bü...

Seite 15

Neues Rothaus

Vermutlich wird es auf ewig ein Rätsel bleiben, warum es im Zeitalter von Internet und dem Überangebot telefonischer Nummern-Anbieter überhaupt Telefonbücher in Berlin gibt (Foto: dpa). Noch dazu kostenlos, 2272 Seiten lang und in einer Auflage von 700 000 Exemplaren. Nicht einmal die Tatsache, dass Berliner Nummern 30 Millionen Mal im Jahr online erfragt werden, hindert die Herausgeber an sinnfre...

ndPlusMartin Kröger

An Pro Reli scheiden sich die Geister

Kaum ist die Auseinandersetzung um den Flughafen Tempelhof beendet, steht der nächste politische Kulturkampf an. Während sich die gegenüberstehenden Lager ähneln, also Rot-Rot-Grün kontra FDP und CDU, ist das neue Streitthema ein bildungspolitisches: Es geht um die Frage, welche Stellung der Religionsunterricht in Beziehung zum Fach Ethik an den Schulen künftig haben soll.Angestoßen hat die Debatt...

EU-Vertrag »nicht einfach abnicken«
ndPlusKlaus Joachim Herrmann

EU-Vertrag »nicht einfach abnicken«

Ist die Not groß, muss Hilfe nicht immer weit sein. So sprangen der LINKEN am Vorabend der Abstimmung über den Brüsseler Reformvertrag gleich zwei wichtige Unterstützer bei. Der Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen, Christian Hass, sowie DGB-Vorsitzender Dieter Scholz erklärten, die Europäische Union dürfe »nicht länger als neoliberales und vordemokratisches Experimentier...

Seite 16
»Schon immer der Kleinste«

»Schon immer der Kleinste«

Er ist die Überraschung im vorläufigen DFB-Aufgebot. Marko Marin (19, Foto: AFP) möchte trotz seiner nur 1,69 Meter auch bei den »Großen« durchstarten.

DFB-Geflüster

Wenn Torhüter Jens Lehmann während der Vorbereitung Top-Form bringt, ist er die Nummer eins. Die Reihenfolge dahinter zwischen Robert Enke und René Adler, sei noch offen, sagt Bundestrainer Joachim Löw. +++ Löw geht nicht davon aus, dass erneute Meldungen über einen möglichen Wechsel Lukas Podolskis die Konzentration des Bayern-Spielers beeinflussen: »Ich verlange von jedem, dass er sich auf das T...

ndPlusBernd Kammer

Übern Stadtring mit Tempo 40

Stundenlang war gestern die Stadtautobahn A 100 gesperrt – wegen eines tragischen Unfalls. Doch auch ohne solche Ereignisse kommt es auf ihr regelmäßig zu Staus. Allein 17 Mal musste 2007 deshalb der Tunnel Britz gesperrt werden, in diesem Jahr fünf Mal.Der ADAC befürchtet deshalb mit der heutigen Eröffnung des letzten Abschnitts der A 113 zwischen Adlershof und dem neuen Dreieck Waltersdorf...

Alexandra Kießling,

Adiós, Eisenfüße!

Palma de MallorcaSeine Helden sieht Nico, sieben Jahre aus Ulm, an diesem Tag nicht. Vergeblich wartet er mittags vor dem idyllisch gelegenen Arabella-Sheraton Golf Hotel in Son Vida unweit der mallorquinischen Inselhauptstadt Palma auf Miroslav Klose, Lukas Podolski und Co. Dass der kleine Ballack-Fan dennoch nicht enttäuscht ist, liegt an den Fan-Artikeln, die ihm ein Betreuer der deutschen Fußb...

14 Elfer und ein Ausrutscher

Als sein Mannschaftskollege Nicolas Anelka den entscheidenden 14. Elfmeter verschossen hatte, sackte Michael Ballack im Mittelkreis in die Knie und vergrub das Gesicht in seinen Armen. Als er sich wieder erhob, kämpfte der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft vergeblich gegen die Tränen an – wie die meisten Spieler des FC Chelsea, nachdem um 1.39 Uhr Ortszeit in Moskau das erste englisch...

Sekunden entschieden über den Tod

Sekunden entschieden über den Tod

Wut steig hoch, wenn man als Fußgänger eine Straße überqueren will, auf der Mitte der Fahrban angelangt ist, sich aus der Ferne ein Autopulk nähert und die Spitzenreiter statt abzubremsen noch beschleunigen, wenn Passanten auf der Fahrbahn sind. Am Liebsten möchte man diese Spezies, für die der Pkw kein Nutzinstrument, sondern eine Waffe ist, sofort stoppen und für einige Zeit aus dem Verkehr zieh...

Seite 17

Swing verboten im Bahnhof

(ND). Die Deutsche Bahn untersagt für den 22.6. im Hauptbahnhof eine Jugendtheater-Performance, informierte gestern das Atze-Musiktheater aus Wedding. Was unter den Nazis in Deutschland verboten war, ecke heute offensichtlich immer noch an. Theaterpädagogen von Atze sind mit 25 Jugendlichen unter dem Motto »Swing high, swing low – auf den Spuren der Lotterheinis« aktiv. Es geht um die Geschi...

ndPlusIngrid Pietrzynski

Künstlerblock bleibt rot!

Max Schroeder und Alfred Kantorowicz gingen im Morgenmantel Brötchen kaufen. Ernst Busch probte seine Lieder bei geöffnetem Fenster. Steffie Spira, Günter Ruschin, Arthur Koestler und andere machten sich von hier aus auf zu Agitpropeinsätzen, oft ins nahe bürgerliche Steglitz. Die Rote Fahne kritisierte »kleinbürgerliches Wohnen« am Laubenheimer Platz.Die Reformsiedlung Künstlerkolonie war in den ...

ndPlusHans-Günther Dicks

Anpassung und Authentizität

Die Kurden sind ein Volk ohne Staat, aber mit reicher kultureller Tradition. Noch recht jung ist ihre Filmkultur, die lange Zeit vor allem von den in Exil oder Diaspora lebenden Kurden gepflegt wurde. Seit dem Sturz Saddams scheint sie aber wenigstens im irakischen Teil Kurdistans neu aufzublühen, wie man ab Sonnabend bis zum 1. Juni beim 5. Kurdischen Filmfestival in den Kinos Babylon und Eiszeit...

Seite 18
Wilfried Neiße

Eigenen Etat abgelehnt

Wenn ein Oberbürgermeister gegen den eigenen Haushalt stimmt, dann hat er sich offenbar verrechnet. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) empfahl der Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend, den aus der Stadtverwaltung stammenden Entwurf für den 404-Millionen-Euro-Etat abzulehnen. Eine Mehrheit stimmte zu.Der Streit hatte sich daran entzündet, dass die Linkspartei armen Schulkindern ko...

ndPlusAndreas Fritsche

Nazis im Flüchtlingsheim?

War der angebliche Plan der neofaschistischen NPD, in Rheinsberg ein Begegnungszentrum einzurichten, nichts weiter als eine Nebelkerze? Sollte damit nur von einem anderen Objekt abgelenkt werden? Sicherheitskreise vermuten das. Die NPD habe in Biesenthal im Barnim ein Anwesen mit drei Gebäuden gemietet, berichtet der »Tagesspiegel« unter Berufung auf jene Sicherheitskreise, womit wahrscheinlich de...

Andreas Fritsche

Die Linkspartei plant Vorwahlen

Es geht nicht um Barack Obama oder Hillary Clinton, aber es geht um Vorwahlen. Wobei der Ausdruck Vorwahlen nicht die korrekte Bezeichnung ist, wie der Linkspartei-Landesvorsitzende Thomas Nord betont.Die Sozialisten bereiten sich auf die Landtagswahl 2009 vor und haben in diesem Zusammenhang ein Konzept erarbeitet, wie sie ihre Landesliste besetzen. Die Arbeit daran begann bereits im März. Das Ko...