Ausgabe vom 12.06.2008

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Unten links

Dem Pinguin schien ein großes Los beschieden. Mit der Erscheinung von Bischof Mixa und dem Gang von John Wayne hätte ihm eine riesige Karriere bevorstehen sollen. An seinem Becken stauten sich im Zoo Kinder, die am Bärengehege gelangweilt vorüberliefen. Dann kam Knut. Die Tierpromiwelt steht seither Kopf. Und die Aktionäre des Berliner Zoos auch. Um die Hälfte stiegen die Erlöse. Der Pinguin ist z...

ndPlusVelten Schäfer

Tanzwirt gleich Schankwirt

Die Nichtraucherschützer befürchten den Untergang des Abendlandes, sollten sich die Eckkneipiers mit ihrer Forderung nach Wahlfreiheit in ihren von ihnen selbst betriebenen kleinen Einraumlokalen durchsetzen. Dann, erklärt die Krebshilfe, werde Deutschland die »Rote Laterne« beim Schutz der Nichtraucher halten. Das Argument mag ziehen bei den Deutschen, die ja stets die Besten sein wollen. Sachlic...

Rauchverbot vor Verfassungsgericht

Dürfen kleine Kneipenbesitzer, die selbst in ihrem Laden arbeiten, ihren Gästen das Rauchen gestatten? Darf man Diskobetreibern anders als Schankwirten einen Raucherbereich verwehren? Die Gesetzeslage ist unübersichtlich, die Richter urteilen verschieden. Jetzt ist Karlsruhe gefragt.

Bush verteidigt US-Einmarsch in Irak

US-Präsident George W. Bush hat bei seinem Abschiedsbesuch in Deutschland seine Entscheidung für den Irak-Krieg verteidigt. Differenzen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bush über das Vorgehen gegen das iranische Atomprogramm blieben auch nach den Gesprächen bestehen.

Private wollen Billigkasse
ndPlusSilvia Ottow

Private wollen Billigkasse

Ein Vorschlag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft zur Neugestaltung des Gesundheitssystems hat die Diskussion um die Abschaffung der Privaten Krankenversicherung (PKV) neu belebt.

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»Eine andere Vision für Europa«

ND: Zunächst einmal einen herzlichen Glückwunsch an Irland, dass es als einziges von 27 EU-Ländern eine Volksabstimmung abhalten darf. Wie haben die Iren das geschafft? Higgins: Wenn in der EU Vereinbarungen getroffen werden, die die irische Verfassung betreffen könnten, ist die Regierung verpflichtet, die Bevölkerung zu fragen. Sie wollen das zwar nicht, aber sie müssen. Dem liegt ein Urteil des ...

ndPlusHans-Gerd Öfinger, Wiesbaden

Pyrrhussieg für Roland Koch

Das Gesetz zur Einführung von Studiengebühren in Hessen 2006 war verfassungskonform. Dies erklärte gestern der hessische Staatsgerichtshof in einem Urteil. Der Richterspruch ist dennoch nur ein Pyrrhussieg für Ministerpräsident Koch (CDU), da die rot-grün-rote Landtagsmehrheit nächste Woche die Uni-Maut endgültig kippen will.

ndPlusAxel Reiserer, Dublin

Anleihe bei Irlands Freiheitskämpfern

Drei Millionen Iren sind am heutigen Donnerstag an die Urnen gerufen, um über den neuen EU-Vertrag abzustimmen. Die Gegner machen mit sachlichen Argumenten, Konservative mit nationalistischen Parolen und überkommenen Ansichten Stimmung. Die Befürworter haben nur wenig Überzeugendes zum Lissabonner Abkommen entgegenzusetzen.

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Endlich Sühne für SS-Massaker?
ndPlusAnke Stefan, Athen

Endlich Sühne für SS-Massaker?

Europäische Rechtsgeschichte ist eine sehr komplizierte Angelegenheit. Wenn nun aber ein italienisches Kassationsgericht über Ansprüche von Griechen gegen Deutschland entscheidet, ist dies zweifellos nicht nur für Laien verwirrend.

»Ein Elektriker verkauft doch keine Schlüpfer!«
Michael Müller, Belgrad

»Ein Elektriker verkauft doch keine Schlüpfer!«

Wo der Balkan liegt, ist in Europa mitunter Ansichtssache. Für spöttelnde Briten beginnt er schon in Calais, also auf der französischen Kanalseite. Nicht wenige Deutsche hingegen tun so, als fange er allerspätestens hinter Wien an, eben dort, wo, laut Goethe, »hinten, weit in der Türkei, die Völker aufeinander schlagen«. Doch auch das stimmt bestenfalls in der Tendenz. Denn so richtig auf dem Balk...

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Skihalle in Wittenburg: Eigner pleite

Schwerin (ND-Schäfer). Der Betreiber der vom Land Mecklenburg-Vorpommern geförderten Skihalle in Wittenburg ist nach einem Zeitungsbericht insolvent. Die »Hanel Holding GmbH« habe beim Amtsgericht Hamburg Insolvenz beantragt, so die »Osteezeitung«.Die erst vor anderthalb Jahren fertiggestellte Skihalle hat insgesamt 75 Millionen Euro gekostet. Vom Land sollen über 17 Millionen Euro an Fördermittel...

Peter Nowak

Haben Sie Kontakt zu Al Qaida?

Lydia Osman (Name geändert) war verwundert. Sie wurde per Brief aufgefordert, vor der Verlängerung ihrer Aufenthaltsbescheinigung an einer Sicherheitsprüfung in Dortmund teilzunehmen. Die aus Syrien stammende Frau ist noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Die Verlängerung ihrer Aufenthaltsbescheinigung war bisher eine Routineangelegenheit.Deshalb staunte Lydia Osman, als man ihr bei der Be...

Ist das MZ-Werk noch zu retten?

Ist das MZ-Werk noch zu retten?

Steffen Dögnitz ist Betriebsrat im sächsischen MZ-Motorradwerk Zschopau. Der Betrieb soll am 31. Dezember dieses Jahres endgültig geschlossen werden. Die Hoffnungen der Belegschaft richten sich auf einen neuen Investor, der das Werk vor der Schließung bewahren könnte. Bis zur Wende arbeiteten 3200 Menschen in dem Werk, das Motorräder in über 100 Länder exportierte.

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»Quattro« und eine Liebe in Afghanistan
René Heilig

»Quattro« und eine Liebe in Afghanistan

Es läuft nicht gut in Afghanistan und anderen Einsatzgebieten. Da ist es nicht schlecht, wenn die Bundeswehr Sündenböcke hat. Einer heißt Karlheinz Viereck, genannt »Quattro«. Der Chef des deutschen Einsatzführungskommandos muss sich jetzt auf ein neues Kommando freuen.

ndPlusFabian Lambeck

Integration per Fragebogen

Der CDU/SPD-Koalitionsausschuss beschäftigte sich am Mittwoch auch mit dem geplanten Einbürgerungstest für ausländische Neubürger. Heftige Kritik an dem Fragekatalog kam derweil von den Oppositionsparteien im Bundestag.

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Irina Wolkowa, Moskau

Neue Spannungen im Fergana-Tal

Die Nacht war mondlos und das war gut für das Vorhaben. Denn die Bewohner eines Dorfes in der zu Tadshikistan gehörenden Provinz Sogd im zentralasiatischen Fergana-Tal waren ausgezogen, einen Damm auf der kirgisischen Seite einzureißen, um das Wasser das Grenzflusses auf ihre trockenen Felder umzuleiten.

Israel will Ägypten »Zeit zu Verhandlungen« geben

Um ägyptischen Vermittlungsbemühungen im Gazastreifen eine Chance zu geben, hat Israel Pläne für eine mögliche Offensive gegen die Hamas vorerst aufgeschoben. EU-Abgeordnete wollen die libanesische Hisbollah als Terrororganisation einstufen lassen.

Seite 7
Hilmar König, Delhi

Generalstreik für »Gorkhaland«

Während die Kampagne der Gujjar-Kaste im indischen Unionsstaat Rajasthan zur Änderung ihres sozialen Status anhält, plagen die Regierungen in Delhi und auch in Kolkata weitere Sorgen: Im Nordosten fordert die Gorkha Janamukti Morcha (GJM), eine Front Nepali sprechender Inder, einen Separatstaat, der aus einem Teil des Unionsstaates Westbengalen gebildet werden soll.

ndPlusJan Keetman, Istanbul

Erdogan kritisiert Kopftuch-Urteil

In einer ersten Antwort auf den Kopftuchentscheid des türkischen Verfassungsgerichts hat Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Gerichtshof und die Opposition scharf kritisiert. Er warf den Richtern vor, ihre Kompetenz überschritten zu haben, und forderte eine ausführliche Begründung des Urteils. Auf Vorschläge aus den eigenen Reihen, die Macht des Verfassungsgerichts zu beschränken, ging Erdogan hingegen nicht ein.

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Bei Afghanistans Bürgern kommt zu wenig an

Eine internationale Konferenz zur Unterstützung Afghanistans findet heute in Paris statt. An ihr nehmen Vertreter von rund 60 Staaten und internationalen Organisationen teil. Geleitet wird sie gemeinsam durch den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, seinen afghanischen Amtskollegen Hamid Karsai und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Seite 8
ndPlusIngolf Bossenz

Leider nicht in Tibet

Sie haben Pech, die zehn Tierschützer, die seit mehr als drei Wochen in Untersuchungshaft sitzen und noch weiter dort schmoren müssen. Wäre eine solche von Willkür nachgerade strotzende konzertierte Polizei- und Justizaktion in Tibet erfolgt, würde sich tagtäglich die Abscheu darüber in die Spalten der deutschen Generalanzeiger-Presse ergießen. Doch der Skandal spielt im EU-Rechtsstaat Österreich,...

Hans-Dieter Schütt

»Versöhnlicher« Bush

US-Präsident Bush befindet sich auf Abschiedstour durch Europa, und den Zeitungen ist die Stimmungslage dieser Visite zu entnehmen: Der mächtigste Mann der Welt schlage gegenüber Kritikern seines Irak-Kurses nunmehr sehr »versöhnliche Töne« an. Es ist unfassbar. Der Kriegstreiber zeigt sich einlenkend mit denen, die diesen Krieg in Irak für ein Unglück halten. Das ist die Frechheit dessen, der Völ...

Fabian Lambeck

Testfall Migrant

Ein wenig erinnert der geplante Einbürgerungstest auch an eine Führerscheinprüfung. Wer mehr als die Hälfte der Fragen richtig beantwortet, erhält ein Dokument, das entweder zum Führen eines Kraftfahrzeugs oder des Titels »deutscher Staatsbürger« berechtigt. Doch die subtilen Feinheiten deutscher Befindlichkeiten finden sich auf keinem Fragebogen wieder. Auch mit seinem auswendig gelernten Wissen ...

ndPlusH.-D. Schütt

Die Klassik

Das liebliche thüringische Jena. Die Abrundungen der Berge stimmen mild. Nur an einigen Kanten der Kernberge versucht sich bescheiden-gehemmt der Karst, aber nein, das Schroffe gelingt nicht, hier nimmt alles Bergige, wo hinauf es sich auch schwingt, keinen Abschied vom Tal. Klassik sickert ins Gemüt, kommt einem als Ausritt in den Sinn und war doch wohl immer auch Rast. Jena ist Goethe, Jena ist ...

Wurden Versprechen eingelöst?

Wurden Versprechen eingelöst?

ND: Ihr Bruder Sayed Parvez Kaambakhsh, der ebenfalls Journalist ist, wurde im Oktober 2007 in Afghanistan inhaftiert. Was wird ihm vorgeworfen? Ibrahimi: Er soll angeblich islamkritische Text gelesen und verteilt haben. Das ist eine Lüge. Der Hintergrund: Nach seiner Verhaftung durchsuchte der Inlandgeheimdienst NDS mein Büro ohne richterlichen Beschluss. Ich hatte vorher kritisch über die Gewalt...

Seite 9
John Dyer, Boston

Weniger Gedränge in der Luft

Die hohen Ölpreise treffen die US-Luftfahrt wie kaum eine andere Branche in der Welt. Entsprechend radikal sind die Gegenmaßnahmen der Fluggesellschaften. Die hochfliegenden Hoffnungen der vergangenen Jahre sind zerstoben.

Dieter Janke

Privatisierung auf Filzlatschen

»Public Private Partnership« – kurz PPP – heißt die vermeintliche Zauberformel für die permanent klammen Kommunen, aber auch für die Länder und den Bund. Solche Projekte sollen Investitionsstau bei der öffentlichen Hand mit Hilfe potenter privater Investoren auflösen. Semantisch ist die Idee bestens in Szene gesetzt: »Partnerschaft« suggeriert Einvernehmlichkeit, Offenheit, Verhandeln ...

Seite 10
Musik: Einmischung

Musik: Einmischung

ND: Seit wann machen Sie Musik? Gutzeit: Mit 16 bekam ich meine erste Gitarre. Mit 22 habe ich ernsthaft angefangen, Musik zu machen, und fünf Jahre später war ich Semi-Profimusiker bei der Gruppe »Peter, Paul und Barmbek«. Diese Zeit, Anfang der 70er Jahre, war geprägt durch die Protestbewegungen. Hat sich das in Ihren Liedern widergespiegelt? Mein erstes selbst geschriebenes Stück war ein Protes...

Sieg für LINKE?
Hans-Dieter Schütt

Sieg für LINKE?

Linke Gesinnung ist mitunter ein hartes Brot. Sie verlangt höchste Odonkor-Qualitäten: Es gilt, am Rand jenes Spektrums, das im Fußball Spielfeld genannt wird, flinker als flink die Realität zu überrennen, dabei immer auf der absoluten Außenlinie zu bleiben, die Linie bloß nicht nach innen (in die Gesellschaft hinein) zu verlassen. Solch ein linksflinker, flinklinker Geist muss also Paradoxes zuwe...

ndPlusKarlen Vesper

Ein wackerer Wackernagel

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn der ehemals steckbrieflich gesuchte RAF-Aktivist in einem leeren Schwimmbecken ein afrikanisches Huhn jagt. Es entflieht immer wieder, ist nicht zu greifen, gackert und flattert aufgeregt hin und her. Sein Verfolger stöhnt, schimpft es »blöde Kuh« und dann, sich korrigierend, »du blöde Henne« und gibt schließlich genervt auf.Christof Wackernagel, gebore...

Seite 11
STARporträt

STARporträt

Mit etwa 200 Rollen ist der vielseitige Mime einer der bedeutendsten Nebendarsteller des amerikanischen Kinos und Fernsehens. Und als 85-Jähriger steht er noch immer regelmäßig vor der Kamera – jetzt in »All In – Alles oder nichts« zu sehen. Durning (*28.2.1923 Highland Falls, N.Y., Foto: AFP) kehrte als mehrfach ausgezeichneter Soldat, der das SS-Massaker in Malmedy und den D-Day über...

Grimme Online Award

Grimme Online Award

In den vergangenen Wochen fanden Sie an dieser Stelle unsere Empfehlungen für den Grimme Online Award. Die Nominierungsphase ist vorbei – zum achten Mal seit 2001 wurde am gestrigen Abend der Internet-Preis des Adolf-Grimme-Instituts vergeben. Im Rahmen einer von Katrin Bauerfeind moderierten Gala wurden die Gewinner in den verschiedenen Kategorien sowie der Träger des Publikumspreises bekan...

Schluss mit langweilig
ndPlusKai Walter

Schluss mit langweilig

Mit einem neuen Leiter will der OKB sein Image verbessern und sich neu positionieren. Wie weit die Reform gehen wird, hängt auch vom Medienrat ab. Künftige TV-Produzenten der Medienakademie Berlin haben sich schon mal Gedanken über Möglichkeiten gemacht.

ndPlusMarion Pietrzok

Auf dem Trockenen

Noch bevor er sein Haus verlässt, nimmt Frank Falen-czyk einen letzten Schluck aus der großen Flasche Klaren. Es ist später Morgen, sehr winterlich (Schnee ist das klassische Symbol des Todes, stimmt uns hier der Regisseur schneesanft aufs Kommende ein) und er erwartet seinen Vetter mit dem Schneepflug. Also wirft er die angebrochene Flasche, der er gerade seine erste Mahlzeit, sein Frühstück also...

Seite 12
Irmtraud Gutschke

So unglaublich, so wahr

Es war so: Thomas war in Nicole verliebt. Die schwärmte für die kubanische Revolution – und hing an einem Amerikaner, der wie ein alternder Che Guevara aussah. Mit einer Einladung zu einer Kubareise, dachte Thomas, würde er Nicole vielleicht von sich überzeugen können. Sie sagte sogar Ja, aber dann doch wieder Nein. Sollte Thomas nun etwa allein nach Kuba fliegen? Er war schon leicht betrunk...

ndPlusRoland Müller

Dem eigenen Blick standhalten

Der Scheunenverlag, ein kleines Familienunternehmen an der Ostseeküste, gibt seit einiger Zeit, zusätzlich seinem belletristischem Jahresprogramm, in loser Folge Taschenbücher heraus, die sich sehen lassen können. Weniger in der Ausstattung, wofür vielleicht das Geld zu knapp ist, dafür aber mit einem erstaunlichen erzählerischen Tiefgang. Relativ unbekannte Autoren wie Christel Weiß, Robert Modre...

Anton Hiersche

Eine kriegsversehrte Ehe

Das ist das Leben Sophies und Xavers, zweier junger Menschen im Österreich nach 1930: Sie verlieben sich, heiraten kurz vor Kriegsausbruch, werden durch Krieg und Gefangenschaft für lange Jahre getrennt, finden endlich wieder zusammen, doch da, als Frieden und bescheidener Wohlstand ihr Glück vollkommen machen könnte, wird durch eine plötzliche Erkrankung der jungen Frau und eine im Krieg erlebte ...

Seite 13
Kurt Schneider

Eine glänzende Feder

Das Thema, dessen sich der Slawist und Literaturwissenschaftler Erhard Hexelschneider annahm, verwundert auf den ersten Blick, denn Rosa Luxemburg weilte nicht allzu oft in Leipzig und wohnte hier nie dauerhaft. Erstmalig kam sie im September 1898 an die Pleiße. Es ging um »Unklarheiten, die bei Korrekturarbeiten ihrer Kampfschrift ›Sozialreform oder Revolution?‹ aufgetreten waren un...

ndPlusKurt Wernicke

Das gebrochene Herz

Selbst dem Kenner des »Friderizianischen Zeitalters« preußischer Geschichte ist August Wilhelm von Preußen (1722-1758) allenfalls als früh verstorbener Vater von Friedrich Wilhelm II. (1744-1797, König ab 1786) bekannt, dem Nachfolger Friedrichs II. Auf den Neffen des aus bekannten Gründen kinderlosen »Alten Fritz« wird gestoßen sein, wer Franz Mehrings »Lessinglegende« gelesen hat. Bei den Hohenz...

ndPlusChristoph Jünke

Allzeit ein Dissident

Es war wie das gleichsam letzte Aufflackern des »roten Jahrzehnts« der Bundesrepublik Deutschland, der 1970er Jahre, als vor nun einem Vierteljahrhundert zwei Aufsatz-Bände des politischen Psychologen und Theoretikers Peter Brückner im Westberliner Wagenbach-Verlag erschienen. Sie enthielten einen nicht unwesentlichen Teil des geistigen Nachlasses des 1982, kurz vor seinem 60. Geburtstag viel zu f...

Seite 14
Kinder-TV und Juchu
ndPlusThomas Wieczorek

Kinder-TV und Juchu

Dass ARD und ZDF um jüngere Zuschauer kämpfen, ist aller Ehren wert. Aber müssen sie mit dem Niveau für 12-Jährige ausgerechnet bei EM beginnen? Jedenfalls durchzog ein infantiler Juchu-Patriotismus fast jeden Bericht oder Kommentar. Ginge es nach diesen überdrehten Lobeshymnen, wäre das heutige Spiel gegen Kroatien nur noch Formsache. Von Monica Lierhaus als »ARD-Expertin für das Nationalteam« bi...

Wien statt Hollywood

Alles oder Nichts lautet das Motto von Österreichs Teamchef Josef Hickersberger vor dem heutigen Duell mit Polen (20.45 Uhr/ZDF) im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Die Polen dürfen sich auf eine Extraprämie von 400 000 Dollar freuen und heizen wie schon vor der Partie gegen Deutschland mit martialischen Sprüchen die Endspielstimmung an. »Es wird einen Krieg geben«, tönte Abwehrspieler Michal Zewlakow...

Jirka Grahl, Klagenfurt

Co-Trainer Flick defensiv

Für die deutsche Mannschaft, die gestern Nachmittag im schwer verregneten Klagenfurt eingetroffen ist und um 18 Uhr ihr abschließendes Training absolvierte, geht es heute Nachmittag gegen Kroatien nicht nur um den Viertelfinaleinzug, wie Michael Ballack meint, sondern auch um eine Standortbestimmung: »Uns erwartet eine ganz andere Aufgabe als gegen Polen«, sagt der Kapitän der DFB-Auswahl. Erst na...

ndPlusJirka Grahl

Die Hauptmänner von Ghost City

Zwei Schnitzer sind den Planern der Klagenfurter UEFA-Fanzone am Messegelände unterlaufen. Erstens haben sie die Himmelsrichtung missachtet: Wer hier um 18 Uhr ein Spiel anschauen möchte, blickt mindestens eine Stunde lang direkt in die Sonne. Und zweitens haben sie zu groß geplant. Auf dem 10 000-Quadratmeter-Areal, das 22 000 Menschen Platz bietet, blinzeln an diesem Spätnachmittag etwa 30 Fans ...

Seite 15

»Viva Villa!«

Nach dem spektakulären Start reifen vor allem dank des überragenden Torjägers David Villa in Spanien die Träume vom zweiten EM-Titel nach 1964. »Viva Villa!«, es lebe Villa, titelte die Zeitung El Mundo Deportivo und folgerte nach dem höchsten spanischen Sieg bei einer EM: »Das gibt Anlass zu Hoffnungen und Träumen.« »Das war das beste Spiel meines Lebens. Es ist ein tolles Gefühl, drei Tore auf s...

ndPlusJoachim Streich

Fähnchen und Offensivgeist

Als ich heute morgen durch Magdeburg gefahren bin, konnte ich mal wieder die schönen Randerscheinun-gen der EM sehen. Zwei Drittel der Autos sind beflaggt, an Fenstern und Balkonen hängen Fähnchen. Die Leute sind angenehm freundlich und die positive Stimmung nähert sich fast der WM 2006 an. Ob das so bleibt, hängt natürlich auch vom Weiterkommen der deutschen Mannschaft ab. Da ist mir aber nicht b...

Alexander Ludewig

Von Spreu und Weizen

Arme Gastgeber. Die Euphorie vor Beginn der EM 2008 in Österreich und der Schweiz ist verflogen, Ernüchterung hat sich breitgemacht. Viele Wirte auf den Fanmeilen denken angesichts ausbleibender Besucher schon an eine frühzeitige Schließung ihrer Stände. Ein schnelles Aus droht auch den beiden Nationalteams.Nach den Niederlagen der Österreicher und Schweizer heißt es schon am zweiten Gruppenspielt...

ndPlusRobert Semmler

Titelverteidiger droht Absturz

Mit Otto Rehhagels risikoloser Riegel-Taktik droht Griechenland schon am Samstag der Sturz vom Europameisterthron – falls der auch daheim kritisierte Trainer gegen Russland erneut auf Fußball von vorgestern setzt. »Was wir gezeigt haben, war Angsthasenfußball. Wir haben gegen Russland ein Endspiel. Das müssen wir positiv gestalten, sonst ist es vorbei«, sagte Eintracht Frankfurts griechische...

Seite 17

Bis zum Abpfiff

Um 13 Uhr ist Anpfiff. Es gebe keine Einigung, versicherte Parlamentspräsident Momper, die heutige Plenarsitzung auf 18 Uhr zu verkürzen. Schon die Verheißung, dass 18.45 Uhr Schluss sein könnte, nennt er »glückliche Fügung«. Da beginnt aber schon die Halbzeit von Deutschland – Kroatien bei der EM, und der Fußballverband UEFA ist für höchst pingelige Abläufe berüchtigt. Wie ein Rasensprenger...

Nissrine Messaoudi

Theater statt Rheumadecke

Fit werden und fit bleiben wollen die älteren Menschen, die in der Werkstatt der alten Talente Theater spielen und sich kreativ ausleben. Bei der Auftaktveranstaltung am Mittwoch zeigten die Senioren, was in ihnen steckt. Selbstironisch als Mülltonne und alte Witwe verkleidet, sangen sie »Senioren sind Ballast fürs Kapital«. Dass sie kein Ballast sind, beweisen die verschiedenen Programme und Einr...

Andreas Heinz

6000 bekommen eine Opferrente

»Unsere Aufgaben sind mannigfach«, antwortet Franz Allert immer, wenn er gefragt wird, wofür das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) zuständig ist. Allert ist Präsident des LaGeSo in Wilmersdorf und damit verantwortlich von A wie Asylbewerber bis Z wie Zentralmedizinische Gutachtenstelle. Auch über die SED-Opferrente wird in seinem Haus entschieden, berichtete Allert gestern bei der Vor...

Seite 18
ndPlusJörg Meyer

Die Gewissheit, etwas zu bewirken

Der Bürgerhaushalt in Lichtenberg geht in die nächste Runde. Unter dem Motto »Wir rechnen mit Ihnen« können sich die Bürger zum vierten Mal in die Vergabe von Geldern im Bezirk einmischen. Die Vorschläge für den Bürgerhaushalt 2009 wurden bereits im Januar an die BVV übergeben. Am 21. Juni legt das Bezirksamt dann Rechenschaft darüber ab, was davon umgesetzt wird und was nicht. Bezirksbürgermeiste...

Seite 23

Beste Plakate ausgezeichnet

(ND). Eine Ausstellung im Kulturforum zeigt seit gestern die »100 besten Plakate« aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Einer aus bekannten Grafik-Designern zusammengesetzten Jury lagen 1662 Entwürfe von 488 Einreichern vor – davon 128 von Agenturen bzw. Grafik- und Design-Büros und 336 von Einzelgestaltern. Aus Deutschland kamen davon 369, aus Österreich 30 und aus der Schweiz 89. Al...

Förderung für private Theater

(ND). Die Jury für privat organisierte Theater- und Tanzgruppen hat gestern ihre Empfehlungen für die Vergabe der Basisförderung 2009 und 2010 bekannt gegeben. Die Basisförderung ist neben der Einzelprojektförderung und der Spielstättenförderung eine der drei Säulen für die Unterstützung der freien Theater- und Tanzszene in Berlin.Das Votum der Jurymitglieder sieht vor, dass im Jahr 2009 insgesamt...

Volkmar Draeger

Unverdaulicher Kunstbrei

Mut beweist das Tanztheater »Flamenco meets Classic« schon. Für die Premiere im Meistersaal nahe dem Potsdamer Platz hat sich die 1993 gegründete Gruppe die Besteigung eines Mehrtausenders vorgenommen: die Annäherung an das Oeuvre von Richard Wagner. »Wagner gewagt – Liebestod im Treibhaus« mixt 50 pausenfreie Minuten lang Ouvertüre, Arie, Szene, Lied, Piano und Tanz zu einem unverdaulichen ...

Seite 24
ndPlusBernd Baumann

Geburtsabteilungen müssen schließen

In den märkischen Krankenhäusern wird es künftig vor allem in den Bereichen Geburtshilfe und Kinderheilkunde weniger Betten geben. Gleichzeitig sollen zusätzliche Plätze für die Versorgung älterer Menschen geschaffen werden. Das geht aus der von Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) vorgelegten und vom Kabinett jetzt beschlossenen Krankenhausplanung hervor.»Damit wird im Klinikbereich eine si...

Wilfried Neiße

Nazi-Taktik: Vom Land in die Städte

Brandenburg ist nicht Brandenburg – in diesem Dilemma steckt die kreisfreie Stadt an der Havel. Eine örtliche Projektgruppe legte jetzt ein Handlungskonzept gegen rechte Gewalt und Fremdenfeindlichkeit vor. Die Stadt nimmt es auch an, will aber nicht als NPD-Hochburg eingestuft werden.Die Projektgruppe hatte sich am Dienstagabend im Rittersaal der Fachhochschule getroffen, um das in halbjähr...