Ausgabe vom 20.06.2008

Jirka Grahl, Basel

Deutschland schafft Sprung ins Halbfinale

Die deutsche Nationalmannschaft steht nach einem Sieg gegen Portugal im Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft. Alles Bangen in der Heimat, alles Grübeln im Blätterwald, alles Barmen um den Tribünenaufenthalt des Bundestrainers und die dadurch womöglich geminderte Leistungsfähigkeit der DFB-Auswahl, ist nach einem großen Fußballabend gestern obsolet. Mit 3:2 (2:1) gewannen die Deutschen vor kn...

Seite 1

Beweise für Folter in Guantanamo

Washington (dpa/ND). US-Ärzte haben nach eigenen Angaben bei medizinischen Untersuchungen von ehemaligen Gefangenen in Irak und Guantánamo Bay klare Hinweise auf Folter gefunden. Dazu gehörten Narben und Symptome von schweren psychischen Folgeschäden, heißt es in einem am Mittwoch (Ortszeit) veröffentlichten Bericht der Gruppe »Physicians for Human Rights«.Demnach untersuchten Spezialisten elf ehe...

Unten links

Archäologen haben im US-Staat Utah einen Friedhof von Dinosauriern gefunden, der zahlreiche versteinerte Skelette der Riesen enthält. Darunter sind auch Gerippe von Tieren aus der Gruppe der Sauropoden, die zu den größten jemals auf der Erde beheimateten Lebewesen zählen. Da sich George W. Bush ebenfalls für ein solches Lebewesen hält, könnte die Entdeckung dramatische Folgen haben. Bekanntlich is...

ndPlusJürgen Elsässer

Klein-EU

In der politischen Klasse gibt es zwei Linien über das Vorgehen nach dem irischen Nein zum EU-Vertrag. Für die eine Richtung stehen vor allem die Bundeskanzlerin und die CDU: Augen zu und durch, fortfahren mit der Ratifizierung und hoffen, dass die Iren sich doch noch kaufen oder unter Druck setzen lassen. Die andere Richtung wird von SPD-Außenminister Frank Walter Steinmeier und CSU-Chef Erwin Hu...

René Heilig

Augen-zu-Ermittler auf CIA-Spuren

Der sogenannte BND-Untersuchungsausschuss hat sich gestern dem Problem von US-Entführungsflügen über deutschem Territorium zugewandt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wies Vorwürfe über ein Mitwissen oder gar eine Mitverantwortung von Bundesregierungen als »groben Unfug« zurück.

Jürgen Elsässer

Merkel setzt auf Schweini-Methoden

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte in ihrer gestrigen Regierungserklärung Geschlossenheit zur Durchsetzung des EU-Vertrages – trotz des Neins aus Irland.

Seite 2

Milchpolitik ist auch Klimapolitik

Anlässlich des am Donnerstag begonnenen Milchgipfels, zu dem Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) Vertreter der Bauern, Molkereien und des Einzelhandels geladen hat, kritisiert der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, in einem Exklusivbeitrag für ND die Agrarpolitik Seehofers.

ndPlusInes Wallrodt

Fluchtweg abgeschnitten

Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Den reichen Norden interessiert das kaum. Er macht die Grenzen dicht. Flüchtlingen, die es doch nach Deutschland schaffen, wird durch vielerlei Beschränkungen ihres Lebens vor allem eines signalisiert: Ihr seid unerwünscht.

Seite 3
Axel Reiserer, London

Die Iren wollen nicht nachsitzen

Die irische Regierung möchte ihr Volk kein zweites Mal zum EU-Reformvertrag an die Urne rufen. Das würde das Nein-Lager stärken, so die Befürchtung. Aus der Sicht Dublins gibt es keine rasche Lösung für die neuerliche EU-Krise.

ndPlusSilvia Ottow, Baku

Eine Straße für Mutter Alijewa

Baku 1986. Asja Sergejewna Sarkisowa hat Besuch aus der DDR. Stolz zeigt sie ihren beiden Brieffreundinnen eine schöne, alte Stadt am Meer, in der sich die verschiedensten Nationalitäten tummeln. Man arbeitet auf den Ölfeldern und -plattformen im Umfeld, die Geschäfte bieten »Konjak« an, das ist zu dieser Zeit nicht überall im Sowjetland üblich. Saftige Granatäpfel erzählen von fruchtbaren Feldern...

Seite 4
ndPlusPeter Nowak

Linke.SDS fordert Lohn für Studierende

Am kommenden Wochenende werden sich 150 Delegierte zum zweiten Bundeskongress des Hochschulverbandes »Die Linke.SDS« in Marburg treffen. Dort wird sich der vor einem Jahr gegründete Verband auch mit der Forderung nach Studienhonoraren für alle Studierende beschäftigen.

Volker Stahl

Sammelbecken NPD

In Hamburg und Thüringen wurden am Donnerstag die Landes-Verfassungsschutzberichte vorgestellt.

Fabian Lambeck

Weniger Hartz IV für Kranke

Darf man Bedürftigen die Hartz IV-Leistungen kürzen, weil sie im Krankenhaus liegen oder in einer Wohngemeinschaft leben? Das Bundessozialgericht in Kassel musste am Mittwoch Stellung beziehen.

ndPlusUwe Kalbe

Verschwörer wider Willen

Ein zwangloses Treffen linker SPD-Politiker mit Kollegen aus der LINKEN hat erheblich Staub aufgewirbelt. Von zwanglos kann bei den Reaktionen keine Rede sein. Die Teilnehmer der Runde zu Wochenbeginn tragen nun das Etikett klandestiner Verschwörer.

Seite 5

Mbeki schlägt Mugabe Koalitionsregierung vor

Johannesburg (AFP/ND). Angesichts der explosiven Lage in Simbabwe befürwortet der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki Presseberichten zufolge einen Verzicht auf die Präsidentschaftsstichwahl und die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit. Die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft, in deren Auftrag Mbeki in Simbabwe vermittelt, erklärte am Donnerstag, sie befürchte, dass die Stichwahl ...

Olmert will direkte Gespräche mit Assad

Paris/Delhi (AFP/ND). Der israelische Regierungschef Ehud Olmert hält direkte Friedensgespräche mit Syriens Präsident Baschar el Assad in naher Zukunft für möglich. Sobald Israel und Syrien sich auf eine »genaue Tagesordnung« und auf die Gesprächsthemen geeinigt hätten, werde es Zeit für direkte Kontakte, sagte Olmert der französischen Zeitung »Le Figaro« vom Donnerstag. »Wir sind nicht weit davon...

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Russlands Justiz legt Eile an den Tag

Es ging Schlag auf Schlag. Zuerst wurde bekannt, dass die Ermittlungen in der Mordsache Anna Politkowskaja abgeschlossen seien. Die Journalistin war am 7. Oktober 2006 vor ihrem Haus in Moskau erschossen worden. Ein paar Stunden später meldeten die Agenturen, der Mordfall Paul Chlebnikow werde neu aufgerollt.

ndPlusAndré Anwar, Stockholm

Auf dem Weg zum gläsernen Schweden

Trotz massiver Proteste hat die schwedische Regierung ein im europäischen Vergleich sehr weitgehendes Abhörgesetz mit leichten Modifizierungen im Reichstag durchgesetzt.

Seite 6
Ingolf Bossenz

Geben und Nehmen

Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!« Diese Stelle aus dem Lukas-Evangelium wird als einzige explizite Äußerung Jesu zum Verhältnis von Staat und Kirche, Politik und Religion gewertet. Allerdings zeigte sich dieses Verhältnis nach der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion des Römischen Reiches im Jahr 380 vor allem in der Vereinnahmung des Staates durch den Kle...

Silvia Ottow

SPD im Rausch

Beinahe jeden Tag ergießen sich aus dem SPD-Füllhorn neue soziale Wohltaten oder wenigstens die Ideen davon. Denn noch befinden sich die Vorstellungen von Kindergelderhöhung, Verlängerung der Altersteilzeit oder kostenloser Kinderbetreuung allenfalls im Stadium kühnster Gedanken. Aber wer will bei dieser Menge an Ausschüttungen noch auseinanderhalten, was die Sozialdemokraten im Rausch sozialer Be...

ndPlusFabian Lambeck

Doppelt gezahlt

Kann man im Krankenhaus liegen und trotzdem ein »Einkommen erzielen«? Ja, man kann, meint der Gesetzgeber und kürzt Hartz IV-Empfängern, die sich stationär behandeln lassen müssen, einfach den Regelsatz. Weil durch die Verpflegung im Krankenhaus der Bedarf des Sozialhilfeempfängers teilweise gedeckt werde. Wenn man der Argumentation der Bundesregierung folgt, stellt sich bald die Frage, wie denn B...

Entzauberung der Wachtumsstars
ndPlusRobert Kurz

Entzauberung der Wachtumsstars

Asien und Osteuropa galten in den letzten Jahren mit teilweise zweistelligen Wachstumsraten als »die« Boomregionen der Weltwirtschaft. Wenn auch die Bedingungen im einzelnen unterschiedlich sind, lassen sich doch einige Gemeinsamkeiten der vermeintlichen Wunderländer feststellen. Das Turbowachstum ist eine optische Täuschung, weil die Ausgangsbasis sehr niedrig war; in Asien aufgrund einer struktu...

Seite 7
Holger Elias, Straßburg

Die EU kämpft gegen Armut – für ein Jahr

Das Europäische Parlament hat diese Woche mit großer Mehrheit dem Vorschlag zugestimmt, 2010 zum »Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung« zu erklären.

Die Vielfalt der Meinungen
Horst Grützke

Die Vielfalt der Meinungen

Waren sich am letzten Wochenende die etwa 500 Vertreter der europäischen Zivilgesellschaft auf der zweiten Bürger-Agora zum »Klimawechsel« noch ziemlich einig in ihren Forderungen nach konkreten Maßnahmen der EU, so ließ die Nachricht über das Nein der irischen Bürger doch erheblich unterschiedliche Reaktionen hervortreten. Auf dem Brüsseler Agora-Treffen wie in den vielen anderen Vereinen der Ziv...

ndPlusTobias Müller, Amsterdam

Drei Kleine wollen ein Großer sein

Die Beneluxstaaten waren die Pioniere der wirtschaftlicher Zusammenarbeit in Europa. Doch inzwischen hat die EU sie auf vielen Gebieten überholt. Der neue Vertrag zwischen Belgien, den Niederlanden und Luxemburg setzt nun andere Schwerpunkte.

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Paris setzt auf das »Weiter so«

Frankreich will »entschlossen und mit kühlem Kopf« in seine in wenigen Tagen beginnende EU-Präsidentschaft gehen. Das kündigte Premierminister François Fillon am Mittwoch vor der Nationalversammlung an.

Seite 8
Irina Wolkowa, Moskau

Beim Ölgiganten fliegen die Fetzen

Beim russisch-britischen Ölgiganten TNK BP fliegen die Fetzen. Ihre strategischen Differenzen wollen die Hauptaktionäre vor Gericht austragen.

ndPlusKurt Stenger

Fakten als Kampfansage

Der Weltagrarrat (IAASTD) hat eine internationale Kontroverse über die Strukturen in der Landwirtschaft ausgelöst. Dies war auch Thema eines Symposiums des Umweltverbandes NABU, der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler, des Evangelischen Entwicklungsdienstes und von Brot für die Welt am Mittwoch in Berlin.

Seite 9
ndPlusMona Grosche

Anorak bis Zebra

Das Wort ›cool‹ ist cool«, findet ein Schüler der Finow-Grundschule in Berlin, während eine Teilnehmerin aus Hannover sich durch das aus Frankreich eingewanderte ›Plumeau‹ an die »kuschelige Wärme« des Federbetts aus Kindertagen erinnert fühlt. Und ein Teilnehmer aus Duisburg überrascht mit der Erkenntnis, dass der ›Vielfraß‹ kein deutsches Wort ist, sonde...

Wunden der Welt
Volkmar Draeger

Wunden der Welt

Unbequem und unangepasst schaut sie aus. Mit dem hochgezogenen Augenbrauenstrich, dem schwarzen Kurzschopf erinnert Christiane Baumann an Gustav Gründgens' Mephisto-Physiognomie. Im Gegensatz zu Goethes zwielichtiger Kunstfigur ist die schmale Frau mit dem aufrechten Gang indes klarer Teil von jener Kraft, die nicht nur Gutes schafft, sondern das auch dezidiert will. Und sie ist eine Kämpfernatur,...

Das Plakat lebt
ndPlusTom Mustroph

Das Plakat lebt

Fläche hilft und Geld schafft Wirkung. So lautet der erste, simple Eindruck der Präsentation der 100 besten Plakate aus der BRD, Österreich und der Schweiz, die in mittlerweile bewährter Tradition in der Kunstbibliothek Potsdamer Straße gezeigt werden. Ins Auge stechen nämlich sofort zwei Großplakate, die Werbung für Mercedes-Benz machen. Geometrisch kühl, dabei grafisch perfekt angeordnet und das...

Seite 10

Quergelesen

Medienkonsum führt bei Jugendlichen nicht automatisch zu negativen Begleiterscheinungen; vielfach werden durch Medienrezeption Fähigkeiten vermittelt, die für die Gesellschaft wichtig sind: Selbstlernkompetenz, vernetztes Denken und eine gute Orientierung in sogenannten Hypertextstrukturen im Internet. Das ist das Ergebnis der empirischen Jugend-Medienstudie, für die über 1500 Schülerinnen und Sch...

Bildungssplitter

Studienstiftung führt erstmals Begabungstest ein Berlin (AFP/ND). Die Studienstiftung des deutschen Volkes führt nächstes Jahr einen bundesweiten Begabungs- und Studierfähigkeitstest ein. »Das ist eine kleine Revolution«, sagte der Generalsekretär des größten deutschen Begabtenförderwerkes, Gerhard Teufel, der »Zeit« laut Vorabbericht: »Bislang musste jeder entdeckt werden; heute kann man von sich...

Verordnetes Bewusstsein?
ndPlusJürgen Amendt

Verordnetes Bewusstsein?

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD) wartet mit einem ungewöhnlichen Vorschlag auf: Er will Schüler zu Besuchen von KZ-Gedenkstätten verpflichten, um sie dort über die NS-Verbrechen aufzuklären. Für Schülerinnen und Schüler, die der Geschichte gleichgültig gegenüberstünden, könnte die Konfrontation mit den Tatorten in Auschwitz, Buchewald und anderswo ein heilsamer Schock sein, beg...

ndPlusLinda Wabel

Pädagoge, Hausmeister, Manager

Dieser Job gilt längst nicht mehr als Traumberuf: An zahlreichen Grund- und Hauptschulen in Deutschland fehlt es an Interessenten für den Schulleiterposten. Offene Stellen müssen zum Teil mehrfach ausgeschrieben werden, bis sich überhaupt ein Bewerber meldet. »Gerade bei Schulen in den sozialen Brennpunkten ist es schwer, die Leitungsposten zu besetzen», berichtet die Vize- Vorsitzende der Gewerks...

Lena Tietgen

Abschied vom Lehrplan

Im September dieses Jahres startet in Berlin das »Pilotprojekt Gemeinschaftsschule«. Verbunden ist damit die Hoffnung auf eine Schule, die mehr Bildungsgerechtigkeit herstellt, Lehrern wie Kindern wieder Spaß macht und zu besseren Leistungen führt. Doch die Gemeinschaftsschule ist mehr als nur das längere gemeinsame Lernen in einer Schulform; sie braucht auch eine andere Pädagogik. In der Debatte wird dabei häufig mit Begriffen argumentiert, die, in der Regel von Experten kreiert, Experten vorbehalten bleiben. So erscheint selbst manch Interessantes diffus und rückt in unvorstellbar weite Ferne. »Neues Deutschland« erläutert in einer Serie die wichtigsten Begriffe und Ziele. Die dritte Folge beschäftigt sich mit der Notwendigkeit des Projektlernens.

Seite 11

Sollte die Bundesregierung für schärfere Sanktionen gegen Iran eintreten?

Es debattieren: Dr. Werner Biermann, Jahrgang 1948, ehemaliger Hochschuldozent mit den Arbeitsschwerpunkten Entwicklungssoziologie, Weltwirtschaft sowie die US-amerikanische Außenpolitik und Buchautor und Prof. Dr. Sibylle Tönnies, Jahrgang 1944, Professorin für Allgemeine Soziologie an der Universität Potsdam mit den Arbeitsschwerpunkten Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie und Völkerrecht....

Die iranischen Atomwaffen verhindern
ndPlusSibylle Tönnies

Die iranischen Atomwaffen verhindern

Ja – wenn es um geeignete Sanktionen geht und nicht die konkret ins Auge gefassten. Ja, wenn es um die abstrakte Frage geht, ob sich der Westen einer atomaren Aufrüstung Irans entgegenstellen sollte. Die Bush-Regierung hat sich das Ziel gesetzt, die iranische Aufrüstung zu verhindern, und zunächst einmal scheint diese Tatsache allein Grund genug zu sein, sich diesem Ziel zu widersetzen. Seit...

Der pyromanische Feuerwehrmann
Werner Biermann

Der pyromanische Feuerwehrmann

Die US-Invasion in Irak ist zum Desaster geworden, in Afghanistan sieht es nicht viel besser aus. Das hat aber die Regierung Bush bis heute nicht davon abgehalten, ihre Pläne einer Umgestaltung des Nahen Ostens weiter voranzutreiben. Iran wird nun als die neue große Bedrohung ausgegeben, die psychologische Kriegsführung ist nahezu die gleiche, wie sie gegen das irakische Regime eingesetzt wurde, e...

Seite 12

Beruf und Einkommen entscheiden

Männer, die ein höheres Lebensarbeitseinkommen hatten und daher höhere Bezüge aus der Altersversorgung erhalten, leben um bis zu fünf Jahre länger als Männer mit niedrigerem Einkommen. Bei 65-jährigen Männern reicht die Spanne von 14,6 Jahren unter Rentnern mit geringerem Einkommen bis zu 19,6 Jahren bei pensionierten Beamten des höheren Dienstes. Insgesamt leben Pensionäre im Durchschnitt zwei Ja...

ndPlusVelten Schäfer

Im Land der »Hilfsarbeiter«

Die Lohnpolitik der deutschen Baubranche ist nur schwer zu verstehen und immer wieder etwas paradox. Das liegt in erster Linie an den gravierenden Unterschieden zwischen ost- und westdeutschen Baubetrieben. So ist es gerade mal ein Jahr her, dass es das nordwestdeutsche Bauhandwerk sogar auf einen Streik hat ankommen lassen, um letztlich eine schnellere Anhebung der Baumindestlöhne im Westen zu er...

Knut Henkel

Unter dem Stiefel: Arbeitsrechte bei Pou Chen

Die südchinesische Stadt Dongguan ist das Zentrum der internationalen Schuhproduktion. Dort lässt auch das taiwanesische Unternehmen Pou Chen produzieren. Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken erinnern jedoch an frühkapitalistische Zeiten.

»Um den Kapitalismus loszuwerden, braucht es Kollektive von ArbeiterInnen«

Die linksalternativen französischen SUD-Gewerkschaften sind im Zuge der großen Streiks von 1988 und 1995 als Abspaltungen aus der Gewerkschaft CFDT entstanden. Sie sind zusammen mit anderen autonomen Gewerkschaften in dem Verband Union Syndicale Solidaires zusammengeschlossen. »Solidaires« besteht heute aus 39 Mitgliedsgewerkschaften und ca. 90 000 Mitgliedern. Annick Coupé ist Sprecherin der Union Syndicale Solidaires. Bärbel Schönafinger sprach mit ihr für ND.

Seite 13
Nostalgie und Selbstkritik
ndPlusSusanne Götze

Nostalgie und Selbstkritik

Die neu erschienende Broschüre der Kampagne Block-G8 hat Erfahrungen und Erinnerungen der G 8-Proteste in Heiligendamm gesammelt und macht Mut für neuen Widerstand.

Bewegungsmelder

Offene Uni vor Schließung (ND). Um die Offene Universität BerlinS (OUBS) ist ein Streit zwischen verschiedenen Nutzern entbrannt. Das Projekt, das im Uni-Streik 2003 von Studierenden gegründet worden war, hatte sich zwischenzeitlich zu einem wichtigen Raum alternativer politischer Bildung in der Bundeshauptstadt entwickelt, in dem oft Veranstaltungen mit einigen Hundert Teilnehmern stattfanden. Se...

Die soziale Frage global stellen

Die soziale Frage global stellen

Thomas Seibert ist Mitarbeiter von medico international in Frankfurt am Main und einer der Organisatoren der Debatten um Globale Soziale Rechte in den Protesten gegen den G 8-Gipfel von Heiligendamm. Jürgen Weber sprach mit ihm über den Stand der Diskussion.

Seite 14

Ein Bayer veränderte Fußballwelt

Wenn es bei diesem EM-Turnier irgendwann zum alles entscheidenden Elfmeterschießen kommt, wird sich kaum einer an den Mann erinnern, der das Grande Finale erfunden hat: der heute 92 Jahre alte Karl Wald, ein Schiedsrichter aus dem oberbayerischen Penzberg, dessen Idee 1970 die Fußballwelt veränderte.Bis zu seinem Regelvorschlag waren Partien, die nach Verlängerung remis endeten, zumeist per Los od...

Heroen des Alltags
Jirka Grahl

Heroen des Alltags

Kennen Sie Poltawa? Nein? Ich glaube, das macht nichts. So wie in Österreich vorm Spiel gegen Deutschland von Cordoba gefaselt wurde, erinnerten vor dem Match gegen Schweden die russischen Blätter an Poltawa, jene Stadt, in der 1709 der russische Zar Peter I. mit seinen Mannen die schwedische Armee in die Flucht schlug. Russland, du Land der Helden. Doch ob das den EURO-Fan interessiert? Ich glaub...

ndPlusMarc Schmidt

Duell der Heißblütigen

Die »Feurigen« gegen die »Wilden«, der WM-Dritte von 1998 gegen den WM-Dritten von 2002, ein junger Hund gegen einen Trainerfuchs – und ganz Europa fiebert mit: Das Viertelfinale zwischen Kroatien und der Türkei heute Abend in Wien steckt voller Emotionen. »Ich kann mir schon vorstellen, was los sein wird. Das wird ein Tollhaus, völliger Wahnsinn«, sagt Kroatiens Kapitän Niko Kovac vor dem D...

ndPlusElmar Dreher

Mit Powerfußball ins Viertelfinale

Russlands »Schülermannschaft« hat mit »summa cum laude« die Versetzung in die K.o.-Runde geschafft und ihrem Fußballlehrer Guus Hiddink zugleich das Traumduell gegen sein Heimatland beschert. »Ich bin sehr stolz auf mein junges, unerfahrenes Team«, stellte der Niederländer seinen Schützlingen nach dem souveränen 2:0 (1:0)-Sieg gegen schwache Schweden ein hervorragendes Zeugnis aus. »Gegen Spanien ...

Seite 15

Bewegung

Jeder Schritt wirklicher Bewegung sei mehr wert als ein Dutzend Programme – ist eine besser nicht ganz zu vergessende Lehre der einst so genannten Klassiker des Marxismus-Leninismus. Es war ja wohl nicht alles falsch, was kluge Köpfe erdachten. Darauf muss auch als öffentlicher Dienstherr Innensenator Körting gekommen sein, als er sich für ein Gesprächsangebot im Tarifstreit entschied. Da er...

»Keine Schande«

»Keine Schande«

Griechenlands Nationalmannschaftstrainer Otto Rehhagel (Foto: dpa), der die Griechen noch vor vier Jahren sensationell zum Europameistertitel geführt hatte, musste diesmal das EM-Aus schon nach den Gruppenspielen hinnehmen. Der 69-jährige deutsche Meistertrainer (zwei Titel mit Werder Bremen, einen mit dem 1. FC Kaiserslautern) stellte sich nach dem letzten Gruppenspiel gegen Spanien den Fragen der Journalisten.

ndPlusHans-Jürgen »Dixie« Dörner

Russische Schule

Das war keine Überraschung. Russland steht nach dem Sieg gegen Schweden zu Recht im Viertelfinale der EM. Von den Schweden habe ich auch nicht mehr erwartet, denn sie haben nur eine durchschnittliche Mannschaft. Und wenn dazu ihr großer Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic verletzt in das Turnier geht und nicht hundert Prozent seiner Leistung abrufen kann, fehlt auch das letzte Überraschungsmoment in ih...

ndPlusThomas Straka

Geschont und gewonnen

Die perfekte Vorrunde war für Spanien schnell abgehakt, den Gegner im Viertelfinale würde Luis Aragones am liebsten auch schnell aus den Köpfen seiner Spieler vertreiben. »Wir sollten mal ganz kurz vergessen, dass der Gegner Italien heißt«, meinte der weise spanische Trainerfuchs, nachdem sein B-Team beim 2:1 (0:1) gegen den entthronten Titelverteidiger Griechenland den dritten Sieg im dritten EM-...

Opfer und Täter der Blutwoche
ndPlusAndreas Fritsche

Opfer und Täter der Blutwoche

Rechtzeitig zum 75. Jahrestag ist die teilweise umgestaltete und erweiterte Ausstellung zur Köpenicker Blutwoche fertig. Gestern Vormittag waren die neuen Tafeln montiert, die Exponate aufgestellt. Bis Sonnabend sind in der Gedenkstätte im ehemaligen Amtsgerichtsgefängnis an der Puchanstraße nun nur noch Kleinigkeiten zu erledigen. SA-Männer verschleppten vom 21. bis 23. Juni 1933 in Köpenick Komm...

ndPlusKarin Nölte

Mitbestimmung wird weitgehend erhalten

»Rot-Rot baut Mitbestimmung ab!«, lautete der Vorwurf von Gewerkschaften, als der Senat Ende Oktober 2007 den Entwurf der 7. Änderung des Personalvertretungsgesetzes verabschiedete. Im Abgeordnetenhaus ringen seither die Koalitionäre in zähen Verhandlungen, die Senatsvorlage in einzelnen Punkten so zu verändern, dass diese Kritik gegenstandslos wird.Vor allem die Linksfraktion wolle »so viel Mitbe...

Seite 16

RAW-Projekten droht das Aus

(ND-Meyer). Der RAW-Tempel in Friedrichshain ist in Gefahr. Nach Angaben der Nutzer des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks (RAW) habe der Eigentümer die Verhandlungen um die Zukunft des Areals abgebrochen. Betroffen seien auch die Skatehalle, der Club »Cassiopeia« und eine Kletteranlage. Dem vorangegangen war ein Streit um die zukünftige Bebauung und Nutzung des Geländes. »Der territoriale Zu...

Naherholung vor der BND-Haustür
Karin Nölte

Naherholung vor der BND-Haustür

Ein »Quartier am Pankepark« wollen drei Investoren mit dreistelligen Millionensummen zwischen Chaussee- und Scharnhorststraße in Mitte entwickeln. Mit »Quartier« meinen sie mehrere weit verstreute Gebäudekomplexe auf bisherigen Brachflächen, aber auch Altbauten, die saniert werden. Und »Pankepark« wird ein Grünzug der ab 2009 auszubuddelnden Panke. Man könnte den Park auch als grünen Wall betracht...

Rosenhühnchen und Duft-Tinte
Steffi Bey

Rosenhühnchen und Duft-Tinte

Der Rose wird in diesem Monat besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Deshalb steht der Rosenblüten-Prosecco gleich in der vorderen Regalreihe, der Rosenblütenbalsam ebenfalls und der süßliche Duft eines Rosenhühnchens durchdringt die Räume. Martina Kabitzsch, die Inhaberin der Manufaktur von Blythen, hat sich zur Eröffnung ihres ersten Ladens in Berlin ein besonderes Menü einfallen lassen. Die Gäste ...

Das Leben einer Familie wurde zerstört

Das Leben einer Familie wurde zerstört

Der Schlag hat die Familie schwer getroffen. Nichts ist mehr so, wie es war. Sie kann nicht mehr klar denken, es fällt Mutter und Geschwister schwer, die Umwelt wahrzunehmen, sich mit Freunden zu treffen, arbeiten oder lernen zu gehen. Tag für Tag schauen sie sich die Bilder von Ugur an, dem 20-Jährigen, dessen Leben in den Abendstunden des 21. Dezember 2007 ausgelöscht wurde.»Stets fröhlich, hilf...

Eine Stunde Schach statt Mathe

Eine Stunde Schach statt Mathe

»Du sollst lernen und deine Zeit nicht beim Schach vertrödeln!« Eine Mahnung leistungsbewusster Eltern, wenn sich ihre Kinder für das Spiel begeistern. Dabei ist dies meist unbegründet, wie die Psychologieprofessorin Sigrun-Heide Filipp von der Universität Trier in einer Studie zu den Wirkungen des Schachspiels auf Heranwachsende resümiert. Angeregt wurde die Untersuchung von der Deutschen Schulschachstiftung (DSS). KURT LELLINGER (70), DSS-Ehrenvorsitzender und pensionierter Hauptschulrektor aus Trier, beantwortet Fragen von RENÉ GRALLA zum Forschungsprojekt.

Seite 17

Umsonst und draußen

(ND-Riegel). Begonnen hat alles 1981 damit, dass ein gewisser Maurice Fleuret auf Wunsch des damaligen französischen Kultusministers Jack Lang in einer Studie belegte, dass jedes zweite Kind in Frankreich ein Instrument erlernte. Fleuret überlegte anschließend fieberhaft, wie man all diese Nachwuchsmusiker zu öffentlichen Konzerten zusammenbringen könnte. Und bereits ein Jahr später fand sie in Pa...

Die stille Aufstörerin
Volkmar Draeger

Die stille Aufstörerin

Der moderne Tanz habe den Körper nicht nur als Erzeuger neuer Bewegungstechniken, sondern auch als Projektionsfläche politischer und sozialer Strukturen wiederentdeckt. Das postulieren im Vorwort ihrer Programmreihe »Politische Körper« für die Akademie der Künste Vizepräsidentin Nele Hertling, Choreografin Reinhild Hoffmann und Programmbeauftragter Johannes Odenthal.Genre übergreifend vom Ballett ...

Seite 18
ndPlusWilfried Neiße

Abwasser lässt den Teltowkanal stinken

Berlin und Brandenburg wollen mit gemeinsamen Anstrengungen die Wasserqualität des Teltowkanals verbessern. Auf diese Weise soll »zumindest langfristig die Gewässergüteklasse II erreicht werden«, sagt Umweltminister Dietmar Woidke (SPD).Das muss auch gemacht werden. Die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union verlangt dies. Aufgrund der besonderen Belastung durch Phosphor schlug Brandenburg ...

Veiko Kunkis

Kranbau verhebt sich mit dem Namen

Vier Wochen schon tobt nun der Streit um die Umbenennung des Kranbau Eberswalde in Ardelt. Doch trotz zahlreicher Proteste und eines Appells aller Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung bleibt die Geschäftsführung dabei: Im Juli soll der Namenswechsel vollzogen werden.Die Linkspartei will sich damit nicht abfinden: Die Stadtfraktion schrieb nun auch einen Protestbrief an den Aufsichtsratsvorsi...